„Versorgung-Blackout“: auch Apotheken in Halle (Saale) weisen auf chronische Unterfinanzierung hin

Mit einer bundesweiten Protestaktion weisen Deutschlands Apothekenteams auf die chronische Unterfinanzierung der Apotheken hin. Unter dem Motto „Versorgungsblackout“ haben die Apotheken in den vergangenen Tagen zeitweise die Lichter aus – nur eine Notbeleuchtung blieb an an. Grund für die Aktion ist die wirtschaftliche Schieflage der Apotheken: Das Honorar wurde seit nunmehr 13 Jahren nicht erhöht. Im selben Zeitraum sind die Kosten um 65 Prozent geklettert. Diese chronische Unterfinanzierung resultiert in einem seit Jahren anhaltenden Apothekensterben. Mit Plakaten und Handzetteln informieren die Apothekenteams ihre Kundschaft über diesen Missstand.

„Für die Apotheken sieht es gerade finster aus. Immer mehr Apotheken schließen für immer – nicht nur auf dem Lande, sondern auch in den Städten“, sagt Thomas Preis, Präsident der ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände: „Die ausbleibende finanzielle Hilfe der Bundesregierung bedroht die flächendeckende Versorgung mit Arzneimitteln. Unsere Forderung lautet deshalb unmissverständlich: Wir brauchen eine schnelle Erhöhung unseres Honorars, um das Apothekensterben zu stoppen – so, wie es die Bundesregierung in ihrem Koalitionsvertrag versprochen hat! Zudem brauchen die Apotheken eine verlässliche Verhandlungsmöglichkeit mit den Krankenkassen – so wie es sie bei Ärzten und Krankenhäusern auch schon längst gibt, um das Honorar regelmäßig an steigende Kosten anzupassen!“ Preis weiter: „Trotz der Versprechen im Koalitionsvertrag gibt es immer noch keine konkreten Zusagen für eine dringend notwendige, zeitnahe wirtschaftliche Stärkung der Apotheken. Deshalb protestieren wir am 17. Dezember für eine Stabilisierung der Arzneimittelversorgung vor Ort. Für Bürgerinnen und Bürger wird sonst die Versorgung mit Arzneimitteln immer schwieriger werden.“

Die Zahl der Apotheken ging von 2013 bis 2025 um 19 Prozent zurück. Die Kosten einer durchschnittlichen Apotheke sind von 2013 bis 2024 um 65 Prozent gestiegen. Das Festhonorar für die Apotheke bei jeder Abgabe eines rezeptpflichtigen Medikaments ist seit 2013 unverändert bei 8,35 Euro geblieben. Im Koalitionsvertrag von Union und SPD vom 5. Mai 2025 steht: „Wir erhöhen das Apothekenpackungsfixum einmalig auf 9,50 Euro.“ In den Referentenentwurf für ein Apothekenversorgungs-Weiterentwicklungsgesetz (ApoVWG) von 20. Oktober 2025 ist dagegen die Erhöhung des Festhonorars von 8,35 auf 9,50 Euro nicht aufgenommen worden.

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23 Antworten

  1. nunja sagt:

    Nicht auf der Liste: Die Apotheken, die seit 2008 neu eröffnet haben. Die Versorgung ist eher im ländlichen Raum gefährdet.

  2. Arm dran?! sagt:

    Chronische Unterfinanzierung? Die meisten Millionäre in Deutschland sind übrigens Apotheker/innen. Seit 2004 darf ein Apotheker/in zusätzlich zur “ Hauptapotheke“ noch drei weitere Apotheken besitzen.

  3. 10010110 sagt:

    Alle wollen mehr Geld vom Staat, und dann jammern genauso alle rum, dass alles immer teurer wird. Aber auf einen Urlaub am anderen Ende der Welt will auch keiner verzichten. Junge, was haben wir hier für Luxusprobleme. 🙄

    • PaulusHallenser sagt:

      „Junge, was haben wir hier für Luxusprobleme.“

      10010110,

      wen genau meinen Sie mit „wir“? Für wen sprechen Sie (mal wieder)?

  4. Carsharer sagt:

    Es gibt allein am Reileck 4 Apotheken. Weitere etwa 10 in wenigen Minuten Fußweg.

    Land und Kleinstädte dürfen sich beschweren. Aber denen hier geht’s besser als jedem Discounter.

  5. Werner sagt:

    Es gibt zuviele KosmetikApotheken.
    Auf dem Land schwierig.
    In Halle zuviele die sich den Kuchen teilen.

  6. PaulusHallenser sagt:

    Es werden in Zukunft ohnehin nicht mehr so viele Apotheken benötigt, denn jeder kann inzwischen seine Medikamente online bestellen. Das geht schnell und ist sehr bequem.

    • Mr T sagt:

      Kümmern die sich beim Arzt darum, wenn das Rezept nicht passt? Versorgen die dich mit Pflegehilfsmitteln? Messen dir Strümpfe an? Schlagen sich die Nächte und Wochenenden um die Ohren im Notdienst?

      • PaulusHallenser sagt:

        Welcher Mensch braucht in der Nacht plötzlich Medikamente? Apotheken sind doch keine Notaufnahmen in Krankenhäusern. Auch der Kauf von Medikamenten ist planbar, gerade wenn Apotheken an sechs Tagen die Woche geöffnet haben.

    • Carsharer sagt:

      Hast du schonmal Medikamente „schnell“ benötigt, also taggleich? Am Besten Weihnachten?

      • nixda sagt:

        Wir haben 5 Krankenhäuser in der Stadt und gefühlt 2 Millionen Arztpraxen.

        • Carsharer sagt:

          Und alle werden dir bei einem mäßigen bakteriellen Infekt ein Antibiotikum verschreiben was du bitte möglichst ab sofort nehmen sollst. Das gibt dir keiner so raus. Warst du schonmal beim Arzt?

          Wenn das jetzt am 23.12. passiert wartest du auf deine Online Apotheke mindestens bis zum 27. und verbringst Weihnachten mit Fieber im Bett.

          • nixda sagt:

            Ich war schon mal beim Arzt und habe dort auch schon Medikamente mitbekommen, wenn es nötig war.

            Allerdings ist dein theoretisches Problem keines bzw. eben nur ein theoretisches, denn es gibt in Halle unzählige Apotheken.

            Sollte ein lebenswichtiges (nur dann ist es wirklich dringend) Medikament in keiner der vielen Apotheken verfügbar sein, nützen dir auch hundert weitere Apotheken nichts. Ist es ein Notfall, haben Notfallambulanzen ausreichend Medikamente auf Vorrat oder können es notfalls von Station oder einem anderen Krankenhaus oder auch einem Zentrallager besorgen. Taggleich. Auch an Weihnachten und sogar wenn es dunkel ist und schneit.

            Hinzu kommt der Ärztliche Bereitschaftsdienst (Tel.: 116117), an den ohnehin verwiesen werden würde, denn Fieber ist höchstselten ein Notfall. Die Bereitschaftsärzte haben auch Medikamente dabei und stellen nicht nur ein Rezept aus und gehen wieder. Bereitschaftspraxis ist das Elisabethkrankenhaus. (falls jetzt die Ausrede kommt, das Telefon geht nicht)

            Fiebersenker (Entzündungshermmer) haben viele Menschen auch in der Hausapotheke. Den Verkaufszahlen nach verfügen ALLE Haushalte über ACC, Ibuprofen und/oder Paracetamol in beträchtlichen Mengen…

            Wie man sieht, sind vor allem die an den Haaren herbeigezogenen Szenarien oft einfach zu erläutern.

            Gern geschehen. Vielleicht sehen wir uns. (hab Bereitschaft)

      • PaulusHallenser sagt:

        Carsharer,

        nein, denn ich bin noch nicht alt und benötige daher keine Medikamente,