„Weg, weg, weg, die Mullahs müssen weg“: Exil-Iraner in Halle (Saale) protestieren gegen das islamische Regime

Die Protestwelle gegen das iranische Regime sorgt nicht nur im Iran selbst für politische Erschütterungen, sondern auch im Exil für starke Reaktionen. In vielen Städten Europas und Nordamerikas gingen Iranerinnen und Iraner, deren Familienangehörige direkt von der Gewalt betroffen sind, auf die Straße, um gegen das Vorgehen der Regierung in Teheran zu demonstrieren.

Brutaler Sicherheitsapparat trotz Internet-Blackout

Seit Ende Dezember 2025 weiten sich im Iran landesweite Proteste aus, die aus einer Krise mit steigender Inflation, sinkender Kaufkraft und politischer Repression entstanden sind und sich schnell zu einem offenen Aufstand gegen das theokratische Regime entwickelten. Sicherheitskräfte gehen mit immer größerer Härte gegen Demonstrierende vor – gerade in einer Zeit, in der der Zugang zum Internet nahezu vollständig blockiert wurde. Der staatliche Internet-Blackout, der Mitte Januar begann, soll die Koordination der Protestbewegung erschweren und die Berichterstattung nach außen stark behindern.

Unabhängige Schätzungen zur Zahl der Getöteten variieren stark, da durch die Abschaltung von Kommunikation und Berichterstattung eine verlässliche Erhebung schwierig ist. Während iranische Behörden zuletzt von mehreren tausend Toten sprachen, gehen Menschenrechtsgruppen und Aktivistennetzwerke von deutlich höheren Opferzahlen aus – manche Berichte sprechen von über 12.000 oder sogar bis zu 16.500 Getöteten und Hunderttausenden Verletzten.

Die Gewalt sei nicht bloß bei vereinzelten Zusammenstößen zu beobachten, sondern richte sich systematisch gegen Demonstranten: Von Live-Munition über Scharfschützen bis zu Massenverhaftungen sei alles im Einsatz, so berichten Aktivisten und medizinisches Personal.

Solidarität in Halle – “Weg, weg-die Mullahs müssen weg!”

Am vergangenen Samstag versammelten sich rund 60 Exil-Iranerinnen und Iraner auf dem Marktplatz von Halle (Saale) zu einer Mahnwache für die Opfer der Proteste. Der Protest begann mit einer Schweigeminute, in der der Getöteten im Iran gedacht wurde. Anschließend skandierten die Teilnehmer Slogans wie: “Weg, weg, weg – die Mullahs müssen weg!”, “Ohne Internet keine Freiheit!” und “Fuck Islamic Republic!” Mit diesen Forderungen wurde nicht nur die Abschaltung des Internets im Iran verurteilt, sondern zugleich ein Ende des Regimes gefordert.

Plakate trugen scharfe Botschaften gegen das iranische Führungspersonal und verknüpften Kritik an der politischen Führung mit einem Ruf nach internationaler Solidarität. So richtete sich der Appell einiger Demonstrierender sogar direkt an den ehemaligen US-Präsidenten Donald Trump: “Mr. Trump, help us now” – ein Bezug, der an frühere internationale Interventionen erinnert.

Am Nachmittag setzte sich eine größere Demonstration durch die Innenstadt von Halle in Bewegung, an der etwa 250 Menschen teilnahmen. Viele trugen die iranische Trikolor-Flagge – ein Symbol des Widerstands gegen das theokratische Regime.

Emotionale Reden und dramatische Schilderungen

Mehrere Rednerinnen und Redner schilderten eindringlich die Lage im Iran und die Situation ihrer Familien: Eine Frau betonte, dass das islamische Regime seit 47 Jahren mittels Gewalt im Land herrsche und dabei Ressourcen nicht für das Volk, sondern für regionale Konflikte verwende. Sie verwies auf die wohlhabenden Lebensstile der Machthaber im Ausland und den Alltag von Armut und Unterdrückung für die Mehrheit der Bevölkerung. Eine andere Sprecherin trug stellvertretend Worte einer Iranerin vor, die aus Angst vor politischen Repressalien anonym bleiben wollte. Sie beschrieb, wie friedliche Demonstrierende im Iran teilweise auf den Straßen erschossen, inhaftiert und gefoltert würden. Auch berichtete sie, dass Familien gezwungen seien, hohe Summen zu zahlen, um die Leichen Verstorbener zurückzubekommen – eine Praxis, die als „Kugelgeld“ bezeichnet wird und seit Jahrzehnten existiere, um Trauernde zusätzlich zu quälen. Diese Reden verbanden persönliche Schicksale mit dem Ruf nach Freiheit, Gerechtigkeit und Würde: keine Waffen, so betonten sie, sondern Grundrechte und ein Leben ohne Angst. “Wo sind sie Menschrechtler, die lautstark für Gaza auf den Straße gegangen sind. Warum schweigen sie”, fragte eine Rednerin. Sie zeigte sich überzeugt, dass eine Rückkehr von König Reza Stabilisierung bringen könnte.

Politisch kommt der Protestbewegung zusätzliche internationale Aufmerksamkeit entgegen: Berichte über die andauernde Internetsperre und der immense Opferzahlen haben weltweit Besorgnis ausgelöst. Gleichzeitig wird über diplomatische und politische Reaktionen diskutiert, während das iranische Regime weiterhin jede unabhängige Berichterstattung stark einschränkt.

Ein Aufschrei nach Freiheit

Für viele der Teilnehmerinnen und Teilnehmer in Halle und anderswo ist klar: Diese Proteste stehen für einen Widerstand gegen Unterdrückung und für universelle Menschenrechte. Wie eine Rednerin sagte: „Freiheit ist kein westlicher Luxus, sondern ein universelles Menschenrecht“ – und gerade deshalb sei Schweigen keine Option. Die Proteste im Exil spiegeln die tiefen Emotionen und Hoffnungen wider, die auch im Iran selbst auf den Straßen toben. Ob die internationale Gemeinschaft in den kommenden Tagen und Wochen ein stärkeres politisches Gewicht entwickeln wird, bleibt eine der drängendsten Fragen dieses Jahres.

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