Weichenstellungen für Halles Schullandschaft: Stadtrat beschließt Fusionen, Umzüge und Strukturänderungen
Der Stadtrat von Halle (Saale) hat am Mittwochabend eine Reihe weitreichender Entscheidungen zur künftigen Schullandschaft der Stadt getroffen. Im Zentrum standen Schulfusionen, Standortfragen und die langfristige Anpassung an sinkende Schülerzahlen. In Kürze: Fusion IGS Am Steintor und KGS Hutten, kein Modulanbau für die Sekundarschule Süd, Die Grundschule „Karl-Friedrich Friesen“ zieht um, nutzt künftig den Neubau in der Schimmelstraße, der derzeit gebaut wird. Das bisherige Gebäude der Friesenschule wird dem benachbarten “Hans Dietrich Genscher”-Gymnasium zugeordnet, das dadurch mehr Schulklassen aufnehmen kann. Die Gemeinschaftsschule “Heinrich Heine” wird als Typ 2b mit den Schuljahrgängen 5 bis 13 geführt, als Nebenstandort mit vier Unterrichtsräumen fungiert die Nietlebener Straße. Und die IGS Am Planetarium wird als sechs zügige Schule geführt, hier gab es eine Mehrheit für einen CDU-Änderungsantrag.
Fusion statt Neubau
Eine der wichtigsten Entscheidungen betrifft die weiterführenden Schulen: Die Kooperative Gesamtschule (KGS) „Ulrich von Hutten“ und die Integrierte Gesamtschule (IGS) Am Steintor werden fusioniert. Eine vierte Sekundarschule, die der Stadtrat vor zwei Jahren grundsätzlich beschlossen hatte, wird hingegen nicht eröffnet. Ebenfalls vom Tisch ist ein Modulbau mit zusätzlichen Unterrichtsräumen für die Sekundarschule Süd. Mit der Fusion reagiert die Stadt auf veränderte demografische Rahmenbedingungen, will zugleich aber bewährte Strukturen erhalten. Beide Schulen arbeiten bereits seit rund 25 Jahren in der gymnasialen Oberstufe zusammen. Die neue Gesamtschule soll künftig an zwei Standorten geführt werden – sowohl am Steintor als auch in der Roßbachstraße, dem bisherigen Standort der KGS.
Silke Burkert (SPD) sprach in der Debatte von einem „ambivalenten Moment“. Einerseits freue man sich über zusätzliche IGS-Plätze, die bei Eltern stark nachgefragt seien. Andererseits schwinge Wehmut mit, da der Standort in der Roßbachstraße auf eine über hundertjährige Schulgeschichte zurückblicke. Die Fusion bedeute jedoch keine Schließung des Standorts, sondern dessen Fortbestand innerhalb einer neuen Struktur. Burkert verwies auf den 2024 gefassten Beschluss für einen Erweiterungsbau in der Roßbachstraße, der bessere Fachkabinette ermöglichen soll. Durch die Fusion befürchte sie nun, dass dieser Beschluss an Bedeutung verliere. SPD, Linke sowie FDP/Freie Wähler brachten daher einen gemeinsamen Änderungsantrag ein, um den Bau erneut festzuschreiben. „Wir möchten den Stadtratsbeschluss von 2024 noch einmal unterstreichen. Wir möchten zu unserer politischen Verantwortung stehen“, so Burkert. Zudem wurde angeregt, den Erweiterungsbau über das Sondervermögen des Bundes zu finanzieren.
Die Mehrheit des Stadtrates folgte diesem Ansinnen jedoch nicht. Claudia Schmidt (CDU) betonte, gute Lernbedingungen, moderne Fachräume und ordentliche Sportanlagen seien unstrittig. Genau deshalb sei der Erweiterungsbau bereits 2024 beschlossen worden – und dieser Beschluss gelte weiterhin. „Man kann Beschlüsse nicht gültiger machen, indem man sie noch einmal beschließt“, sagte Schmidt. Der Schulentwicklungsplan sehe den Bau weiterhin vor, er müsse lediglich an das neue Konzept der fusionierten Schule angepasst werden.
Auch Bildungsdezernentin Katharina Brederlow stellte klar, dass der Erweiterungsbau nicht in Frage gestellt werde. Allerdings sei eine Neubewertung der künftig benötigten Räume notwendig. Die Fusion sei erforderlich, um beide Standorte langfristig zu sichern. Mit Blick auf die Bevölkerungsprognose seien in den kommenden Jahren weitere Fusionen nicht auszuschließen.
Unterstützung für die grundsätzliche Linie kam auch von den Grünen. Melanie Ranft zeigte sich offen für die Idee, Bundesmittel aus dem Sondervermögen zu nutzen, betonte jedoch ebenfalls die Notwendigkeit einer Neubewertung angesichts sinkender Schülerzahlen. „Aber niemand stellt den Erweiterungsbau in Frage“, unterstrich sie. Yvonne Krause (Freie Wähler) zeigte sich zwar erleichtert, dass alle Fraktionen grundsätzlich hinter dem Erweiterungsbau stehen. Dennoch sehe sie weiterhin die Notwendigkeit eines neuen Beschlusses, da sich die rechtliche Situation durch die Auflösung der KGS und die Fusion verändert habe. Der ursprüngliche Beschluss habe sich ausdrücklich auf die KGS Ulrich von Hutten bezogen.
Der Änderungsantrag von SPD, Linken sowie FDP/Freie Wähler zum Erweiterungsbau in der Roßbachstraße wurde schließlich für erledigt erklärt.

Umzüge und Strukturentscheidungen
Neben den weiterführenden Schulen fasste der Stadtrat auch Beschlüsse zu Grund- und Gemeinschaftsschulen. Die Grundschule „Karl-Friedrich Friesen“ zieht in den derzeit entstehenden Neubau in der Schimmelstraße. Das bisherige Gebäude der Friesenschule wird künftig dem benachbarten „Hans-Dietrich-Genscher“-Gymnasium zugeordnet, das dadurch zusätzliche Klassen aufnehmen kann.
Die Gemeinschaftsschule „Heinrich Heine“ wird als Typ 2b mit den Jahrgängen 5 bis 13 weitergeführt. Als Nebenstandort mit vier Unterrichtsräumen dient künftig die Nietlebener Straße.

Sechszügigkeit am Planetarium
Besonders kontrovers diskutiert wurde die Zukunft der IGS Am Planetarium. Auf Antrag der CDU beschloss der Stadtrat, die Schule auch im kommenden Schuljahr sechszügig zu führen. Claudia Schmidt verwies auf die in den vergangenen Jahren konstant hohen Anmeldezahlen.
Widerspruch kam von Torsten Schiedung (SPD), der das Gebäude nicht für so hohe Schülerzahlen ausgelegt sieht. Man kämpfe für höhere Raumfaktoren und dürfe diese nicht weiter absenken. „Das kann nicht das Ziel sein, die Schulen noch mehr zu komprimieren“, sagte Schiedung. Friedemann Raabe (Volt) warnte zudem vor negativen Auswirkungen auf andere Schulen, insbesondere Sekundarschulen.
Unterstützung für die Sechszügigkeit kam hingegen von den Grünen. Melanie Ranft verwies auf das Ziel des längeren gemeinsamen Lernens und darauf, dass die Schulleitung der IGS Am Planetarium Zustimmung signalisiert habe. Aus ihrer Sicht seien ausreichend Räume vorhanden. Andreas Schachtschneider (Hauptsache Halle) äußerte dagegen Zweifel: Man habe einst stolz höhere Raumfaktoren geschaffen und gehe nun davon ab – „das ist der falsche Weg“.









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