Züge auf der „Saftbahn“ über Zörbig sollen wieder rollen: Machbarkeitsstudie vom Land sieht gute Chancen

Eine vom Land Sachsen-Anhalt in Auftrag gegebene Machbarkeitsstudie kommt zu dem Schluss, dass die Reaktivierung und Elektrifizierung der Eisenbahnstrecke Bitterfeld – Zörbig – Stumsdorf, auch als „Saftbahn“ bezeichnet, wirtschaftlich sinnvoll sein kann. Die Gutachter schätzen die Kosten dafür nach heutigem Stand auf ca. 130 Millionen Euro. Davon könnten 90 Prozent durch das Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz vom Bund gefördert werden. Bei Reaktivierung der Strecke würden neue Verkehrsstationen am Chemiepark Bitterfeld, in Sandersdorf, Großzöberitz und Zörbig entstehen. Dr. Lydia Hüskens, Ministerin für Infrastruktur und Digitales, stellte heute in Zörbig mit den Projektpartnern die Studienergebnisse vor.

„Damit ist ein erster wichtiger Schritt auf dem Weg zur Reaktivierung der Strecke getan“, sagte Hüskens. Nun müsse sich im Ergebnis der anschließenden Detailplanungen zeigen, ob das Vorhaben insbesondere mit Blick auf die Finanzierbarkeit praktisch umsetzbar sei.

Nach Auskunft der Ministerin wurden vier verschiedene Varianten untersucht. Nur für die Reaktivierung der Gesamtstrecke Bitterfeld – Zörbig – Stumsdorf in Verbindung mit der stündlichen Verlängerung der S2 von Leipzig über Bitterfeld, Zörbig und Stumsdorf nach Köthen haben die Gutachter ein positives Nutzen-Kosten-Verhältnis von 1,14 ermittelt. Die Experten weisen außerdem darauf hin, dass eine Streckengeschwindigkeit von mindestens 80 Kilometern pro Stunde sowie eine Elektrifizierung der Gesamtstrecke notwendig seien, um die Verbindung für Fahrgäste attraktiv zu gestalten.

„Die Reaktivierung von Bahnstrecken ist eine Möglichkeit, um Kapazitätsengpässe zu beseitigen, die Zuverlässigkeit des Schienenverkehrs zu erhöhen und zentrale Verbindungen zu beschleunigen. In Sachsen-Anhalt setzen wir dabei vorrangig auf das bestehende, bereits sehr dichte Streckennetz. Reaktivierungen können – sofern noch Infrastruktur vorhanden ist – wirtschaftlich sinnvoll sein, ersetzen aber nicht überall den Neubau. Voraussetzung ist stets ein nachgewiesener verkehrlicher und volkswirtschaftlicher Nutzen. Dann kann die Finanzierung überwiegend über Bundesmittel gestemmt werden, während die Spielräume des Landes begrenzt sind“, erklärte Lydia Hüskens abschließend. Für die weiteren Planungsschritte schließe die NASA GmbH eine Vereinbarung mit den beteiligten Eisenbahninfrastrukturunternehmen ab.

Hintergrund

Seit 28. September 2002 ist der Schienenpersonenverkehr (SPNV) auf der Strecke Bitterfeld – Stumsdorf abbestellt, ab Ende Juli 2004 rollte auch kein Güterverkehr mehr. Auf Betreiben der Stadt Zörbig konnte der Streckenabschnitt Bitterfeld – Zörbig im August 2005 zumindest für den Güterverkehr wieder in Betrieb genommen werden. Die Entwicklung der Region ließ zunehmend auch mögliche Perspektiven im SPNV erkennen. Politiker der Region und viele Bürgerinnen und Bürger setzen sich daher seit Jahren für eine Reaktivierung der Strecke ein. Nicht zuletzt, weil die angrenzenden Straßen, insbesondere die B 183, vom Autoverkehr dauerhaft überlastet sind. 2024 beauftragte die NASA GmbH die Machbarkeitsstudie, die das mögliche Potenzial einer Reaktivierung erfassen sollte. Sie wurde im Verlauf des letzten Jahres durch das Ingenieurbüro Transport Consult GmbH (PTV) und die Transport Technologie Consult durchgeführt.  Weitere Informationen zu den Ergebnissen der Machbarkeitsstudie: https://www.mein-takt.de/saftbahn

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6 Antworten

  1. Bürger sagt:

    Man merkt, dass bald Wahlen sind. Niemals wird das umgesetzt werden, das scheitert 1. an den Investitionkosten und 2. an den Bestellerentgelten für den Betrieb.

  2. Alt-Dölauer sagt:

    „Aber 150 ( Nulli) fährt da einmal im Jahr, denn es ist ja keine böse Straße.“ Wenn die Studie seriös ist, sollte sie die von Bürger genannten Faktoren berücksichtigen. Dann zieht man als realistische Ministerin bei den Fahrgastzahlen 30% Euphemismus ab, und schlägt bei den Kosten 30% drauf. Und wenn es dann noch positiv ist, dann könnte man es wagen. (Woher die Ab-und Zuschläge: Jahrzehnte Erfahrung!). Reicht dann vermutlich nicht. Zumal es bei Deutschlandgeschwindigkeit Jahre bis Jahrzehnte für die Umsetzung dauert.
    Ach 150 ( Mr. Binärcode): Wieweit gilt hier die linksgrüne Mär, neue Wege schaffen Verkehr? Das ist hier wie auch bei Straßen Blödsinn, sie erfüllen nur einen Bedarf, wenn er denn da ist.

    • klausklaus sagt:

      Ich finde dein Buzzwordgewitter (linksgrüne Deutschlandgeschwindigkeit) unsachlich. Brauchen wir dieses Nöl-Niveau? Hast du das nötig? Das ist kindisch. Die Bedarfsdeckung wirkt auf mich zu kurz gedacht, wenn sich die Leute aufs Autofahren berufen, weil ÖPNV-Angebote fehlen. Schade, ich suche endlich mal gute Kommentare und hatte mich nach deinem letzten auf mehr gefreut. Leider umsonst. Schade.

    • xyz sagt:

      Die Erfahrung im Schienenbereich zeigt, das die Nutzerzahlen meist höher liegen als prognostiziert. Aber tendenziell habe ich nix gegen ihren Vorschlag. Dann aber gerne auch überall. Dann werden sie sehr schnell sehen das keine Straße mehr gebaut werden kann, geschweige so etwas wie die Verlängerung der Europachause etc. Bei Straßen wird bei der Kosten Nutzenrechnung in einem Maße die Balken gebogen um ja nur auf über 1 zu kommen. Straßen sind extrem defizitär. Sie als Autofahrer müssten dankbar sein für jeden der Zug fährt, weil sie dann freie Bahn haben und weniger im Stau stehen. Stellen sie sich mal vor die Tram gäbe es in Neustadt nicht. Was glauben sie wie lange der Stau dann bitte wäre. Abgesehen davon gibt es viele die in dem besagten Gebiet nach Leipzig pendeln. Warum also nicht eine Alternative schaffen. Freiheit bedeutet auch die Freiheit der Verkehrswahl, wie unsere Verkehrsministerien immer sagt. Das alles hat nix mit links grüner Ideologie zu tuen etc. Es ist eigentlich extrem konservativ und liberal.

    • 10010110 sagt:

      Wieweit gilt hier die linksgrüne Mär, neue Wege schaffen Verkehr? Das ist hier wie auch bei Straßen Blödsinn, sie erfüllen nur einen Bedarf, wenn er denn da ist.

      Die S-Bahn zwischen Halle und Leipzig hat überhaupt erst dazu geführt, dass Studenten in Halle studieren, aber in Leipzig wohnen. Während ich das für eine Fehlentwicklung halte, ist es ein Beweis für induzierten Verkehr, der auch beim Schienenverkehr passieren kann.

      Bei der Wahl der Verkehrsmittel gibt es erst dann einen Bedarf, wenn ein Angebot da ist. Bis vor ein paar Jahren gab es z. B. auch noch keinen Bedarf, Wege mit Elektrorollern zurückzulegen. Das wird erst gemacht, seit Elektroroller überhaupt verbreitet sind.

  3. 10010110 sagt:

    Als nächstes bitte die Halle-Hettstedter Eisenbahn reaktivieren. Kann gern als S3 bis nach Hettstedt verlängert werden.

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