33 Millionen Euro für das Stadthaus: Planungsausschuss zerpflückt Pläne der Stadtverwaltung – OB Vogt: „Dann steht eine Ruine am Markt“

Ein Viertel der Summe aus dem Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität für Halle (Saale) soll in das Stadthaus am Marktplatz fließen. 33 Millionen Euro sind vorgesehen, weitere 2,5 Millionen Euro für eine Umgestaltung des Marktes mit mehr Grün und einem neuen Brunnen. Der Planungsausschuss hat am Dienstag diese Pläne zerpflückt. Insbesondere die Höhe der Kosten stand in der Kritik.

Wie Oberbürgermeister Dr. Alexander Vogt sagte, müsse das Stadthaus wegen mangelnder Stabilität bald geschlossen werden. Man suche derzeit nach Alternativen, denn immerhin finden hier die Sitzungen des Stadtrats und seiner Ausschüsse statt, auch haben die Stadtratsfraktionen hier ihren Sitz.

Das Stadthaus sei zwar ein „bedeutendes Haus“, meinte Eric Eigendorf (SPD). Doch allein die Tatsache, dass hier der Stadtrat tagt, reiche nicht aus, um eine solch enorme Summe zu investieren. Auch Hans-Joachim Berkes (CDU) bemängelte die „exorbitante Summe“, die den Hallensern nicht zu erklären sei. Zehn Millionen Euro für die wichtigsten Sanierungen würden ausreichen. „Wir sehen nicht die Priorität im Stadthaus.“ Die enorme Summe stellte ebenso Alexander Raue (AfD) infrage, ebenso wie die Arbeiten am Marktplatz. Ihm zufolge würde es ausreichen, ein paar Löcher anzulegen und hier Bäume zu pflanzen. Beim Stadthaus könne er wunderbar mit den jetzigen Fenstern leben.

Martin Heinz, Leiter des Fachbereichs Immobilien, sagte, eine Generalsanierung sei nötig. Aus anderen Förderprogrammen sei eine Sanierung nicht möglich. Eines der Hauptprobleme sei die mangelhafte Sanierung durch einen österreichischen Investor in den 90ern; diese sei „nicht nach den Regeln der Kunst erfolgt“. So gebe es beispielsweise keine Dokumentation über verlegte Leitungen für Wasser, Abwasser und Strom.

Oberbürgermeister Dr. Alexander Vogt warb für beide Projekte. Der Markt sei schließlich das Aushängeschild der Stadt. „Es ist für die Hallenser ganz wichtig, dass wir einen schönen und grünen Marktplatz haben.“ Es handele sich daher um „ein vordringliches Projekt“. Vogt: „Die Bürger wollen eine Belebung der Innenstadt. Dabei ist der Mart der Schlüssel.“

Beim Stadthaus warnte er vor den Konsequenzen. „Wenn wir hier kein Geld reinstecken, haben wir eine Ruine am Marktplatz.“ Umso schwerer sei es dann, den Eigentümern zu vermitteln, die leerstehenden Kaufhof-Kaufhäuser zu revitalisieren, wenn die Stadt ihren eigenen Verpflichtungen nicht nachkommt – eines wird zwar gerade saniert, doch bei dem anderen tut sich noch nichts. Für die Stadträte würde das zudem bedeuten, dass sie auf unbestimmte Zeit ihre Sitzungen woanders abhalten müssten, ebenso die Ausschüsse. Schwierig sei es außerdem, passende Fraktionsräume im Innenstadtbereich zu finden.

Bereits beim Bau ab 1891 sei aus Kostengründen auf billigere Materialen zurückgegriffen worden, mahnte Vogt an. Ebenso wie bei der mangelhaften Bauausführung hundert Jahre später könne niemand mehr haftbar gemacht werden.

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15 Antworten

  1. das macht keinen Sinn sagt:

    Das Infrastrukturpaket sollte auch der Infrastruktur zugute kommen, die alle Bürger der Stadt nutzen und nicht in ein einzelnes Gebäude gesteckt werden.
    Halles Straßen und Wege sind derartig vernachlässigt, dass dringend Sanierungen erforderlich sind.

  2. Rob sagt:

    Es ist ein wichtig Gebäude,das dass Stadtbild prägt und sollte Saniert werden ! Auch aus Touristischen Zweck! Der Zustand wird auch nicht besser wenn man wartet ! Aber CDU und Eric seine SPD ist es egal was mit historischen Gebäuden und der Geschichte der Stadt passiert ! Sicherlich bekommen sie für Luxus Immobilien mehr als für den Erhalt von Denkmälern! Wie sieht es eigentlich aus mit alten Gebäude in der Ankerstraße? Da gibt es auch kein Interesse dieses Denkmal zu erhalten und den Eigentümer zu trängen das Denkmal gerecht zu Sanieren sofort !

  3. Aufmerksamer Beobachter sagt:

    Manchmal möchte ich auch so einfältig sein, wie Herr Berkes. Der sieht damit immer echt ausgeglichen und glücklich aus.

  4. DieTerrasse sagt:

    33 Millionen fuer ein einziges Gebauede und ein Buergermeiser der bruellt jetzt kaufen, sonst ist das Angebot weg, klingt nach Betrug und Korruption. Gleichzeitig scheinen diese Leute kein Problem damit zu haben, dass historische Haeuser im Stadtkern verfallen und dann (auf mysterioese Weise) abrennen.

    Ich finde auch nicht, dass man in den Marktpaltz erneut Millionnen investieren sollte. Zu Zeiten der Neugestaltung war laengst bekannt, dass die Sommer der Zukunft heisser werden, man hat sich trotzdem fuer die Vollpflasterung in schwarz entschieden.

    All diese Gucciprojekte, kommen in erster Linie wohlhabenden Menschen zu Gute und haben fuer den normalen Hallenser kaum einen Nutzen. All dies geschieht waehrend uns jeden Tag erzaehlt wird, wir muessen jetzt aber alle mal den Guertel enger schnallen.

    • Der Balkon sagt:

      Wollen wir alle mal hoffen, dass die historischen Häuser in Halle nicht alle abrennen….! Was den Marktplatz betrifft, so sei dir gesagt, dass „tausende Hallenser“ bei einer SPD-Befragung sich für einen schöneren, besseren Marktplatz ausgesprochen haben. Und bevor da einer mit ner „gelben Karte“ rumrennt, wird die Stadtverwaltung einfach tätig.

  5. Halle-Leser sagt:

    „keine Dokumentation über verlegte Leitungen“

    mehr als 30 Jahre alte TGA wird im Sanierungsfall sowieso entfernt, da wird am HA gekappt und gut ist.
    Wenn der Denkmalschtz mitreden will, wird sich bestimmt dort auch wer finden, der die Portokasse bedienen kann.
    Und wenn energetisch ertüchtigt wird, gibt es auch genügend Förderprogramme.

    30Mio rauszuwerden, nur weil sie da sind, ist genau das, was eben mit dem Geld nicht passeren soll.

  6. wenn Blödheit wehtun würde... sagt:

    „Eines der Hauptprobleme sei die mangelhafte Sanierung durch einen österreichischen Investor in den 90ern…“

    Das heißt Dienstleister – oder hat der Österreicher damals das Gebäude oder Anteile daran gekauft?

    • Aua! sagt:

      Eine Sanierung ist keine Dienstleistung, sondern ein sog. Werk.

      Bei Modellen wie PPP („Public Private Partnership“) und „Sale & Lease Back“ investiert ein Privatunternehmen und (re)finanziert die Investition, indem es an den öffentlichen Auftraggeber vermietet/verpachtet bzw. verkauft.

  7. ... sagt:

    Für unsere feudalherren nur das beste. Ihr könnt doch Kuchen essen

  8. Browgas sagt:

    N paar Löcher buddeln und die Bäume einfach rein werfen? Die AFD Vorschläge sind ja richtig durchdacht, am Arsch!
    Ich bin ja auch für ne Begrünung des Marktes aber man sollte auch im er den Boden im Blick haben, es nützt nichts wenn die Bäume aufgrund der hohen Versiegelung nicht ausreichend Wasser bekommen oder in ein paar Jahren die Bodenplatten anheben sobald sich die Wurzeln ausbreiten. Ist Mal wieder sehr durchdacht was die Mitglieder der neofaschistischen Partei da raushauen.

    Das Stadthaus ist Teil der Geschichte Halles und sollte dementsprechend behandelt werden. Städte die ihre zentralen Plätze verkommen lassen brauchen sich nicht wundern wenn Touristen sie meiden daher ist sanieren der richtige Weg und da sollte man auf die hören die eine Ahnung davon haben bzw sich damit auseinander setzten und ganz ehrlich: lieber einmal ordentlich Geld in die Hand genommen und alles gemacht statt aller 10-15 Jahre am nächsten Problemchen rumzudoktorn, das es mit dem Geld dann besser aussieht ist zu bezweifeln aber auch hier verwundert mich der Standpunkt der heuchlerischen AFD nicht wirklich: man will Geschichte retten und wieder sichtbar machen, aber nur 12 bestimmte jahre, alles was davor und danach kam möchte man ausblenden.
    Sich mit stolz um die historischen Gebäude der Stadt zu kümmern kann man diesen Leuten jedenfalls nicht zutrauen. Wehe diese Partei kommt einmal in bedeutende Positionen denn außer gegen etwas sein kann die Partei nicht viel. Naja unzufrieden maulen braucht ja auch keine Expertise, in Gegensatz dazu wenn man Probleme langfristig lösen will. Das andere Parteien aber ebenso kurzfristig denken macht schon betroffen.

  9. Belladonna sagt:

    Eigentlich sollte sie ein Gebäude dich dauerhaft gepflegt werden, ist das seit den 90ern nicht passiert? Und irgendwie verstehe ich die Aussage nicht. Der Markt ist zwar ein Brutkasten und häßlich, unbestritten, aber den weiter zu verschandeln ist Sinnbefreit, solange der Einzelhandel immer weiter zusammenbricht. Kurzfassung von Touristen in der Stadt: schöne Altstadt, aber zum Einkaufen ein Trauerspiel. Auch werden die Wohnungslosen, die sich vor Läden einrichten, sehr bemängelt. Gibt’s keine Streetworker mehr? Und in Zeiten, in denen man jeden Cent dreimal umdrehen muss, was ist das bitte für ein Signal. Diese Förderregelungen sollte man sowieso ganz anders handhaben. Im Endeffekt sind es Gelder, die wir, die Arbeitnehmer, Unternehmer, erwirtschaftet haben. Mich erinnert es auch mtlw an Sklaven und Master, Geld für alles da, nur nicht für den Bürger.

  10. 10010110 sagt:

    Umso schwerer sei es dann, den Eigentümern zu vermitteln, die leerstehenden Kaufhof-Kaufhäuser zu revitalisieren, wenn die Stadt ihren eigenen Verpflichtungen nicht nachkommt – eines wird zwar gerade saniert, doch bei dem anderen tut sich noch nichts. Für die Stadträte würde das zudem bedeuten, dass sie auf unbestimmte Zeit ihre Sitzungen woanders abhalten müssten, ebenso die Ausschüsse.

    Also wenn ich jetzt mal eins und eins zusammenzähle, dann ist für mich die logische Schlussfolgerung, dass die Stadträte im ehemaligen Kaufhof-Kaufhaus ihre Sitzungen abhalten können. Damit schlüge man zwei Fliegen mit einer Klappe. 😉

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