„Oury Jalloh – das war Mord“: Mahnwache zum Todestag vor dem Stadthaus in Halle

Am Donnerstag, 7. Januar, jährt sich der Tod des Asylbewerbers Oury Jalloh in einer Dessauer Polizeizelle zum 16. Mal. Aus diesem Anlass gibt es am Donnerstag ab 15.30 Uhr vor dem Stadthaus auf dem Marktplatz in Halle eine Mahnwache. Die „Omas gegen Rechts“ rufen dazu auf.

Neben Jalloh soll auch weiteren Opfern von Polizeigewalt und Staatsbrutalität zu gedacht werden. Zudem wolle man „auf den tief verwurzelten institutionellen Rassismus in Deutschland aufmerksam“ machen.

Jalloh war in der Dessauer Polizeizelle unter bis heute ungeklärten Umständen am 07. Januar 2005 verbrannt. Er war an einer Liege fixiert. Es gab einige Prozesse darum. Die Generalstaatsanwalt des Landes Sachsen-Anhalt hat vor zwei Jahren entschieden, das Verfahren nicht neu aufzurollen, und hat die Beschwerde gegen die Einstellung des Ermittlungsverfahrens durch die Staatsanwaltschaft Halle als unbegründet zurückgewiesen. Ein Tatverdacht gegen benannte oder unbenannte Polizeibeamte des Polizeireviers Dessau oder gegen sonstige Dritte bestehe nicht.

Aufruf im Wortlaut: Am 7. Januar 2021 sind bereits 16 Jahre nach dem grausamen Tod von Oury Jalloh vergangen. Er wurde von der Polizei in Dessau unrechtmäßig inhaftiert, gefoltert, an Händen und Füßen angekettet und in der Zelle Nr. 5 der Polizeiwache in Dessau bis zur Unkenntlichkeit verbrannt. Am gleichen Tag begannen die Lügen und Vertuschungsversuche der Polizei und der Staatsanwaltschaft in Dessau und ihrer angebundenen Organe.“Oury Jalloh habe sich selber angezündet“ behaupten die verantwortlichen Polizeibeamten bis heute. 

Doch was ist wirklich am 07. Januar 2005 in der Zelle Nr. 5 der Dessauer Polizeiwache passiert? Diese Frage stellen sich seitdem zahlreiche Menschen insbesondere der Black Community in Deutschland. Um Gerechtigkeit für Oury Jalloh und seine Familie zu erlangen und dafür zu sorgen, dass seine brutalen Mörder für ihre grausamen Taten zu Rechenschaft gezogen werden, formierte sich bundesweit eine Bewegung, die es sich zur Aufgabe machte, den Tod an Oury Jalloh aufzuklären. Die Initiative “ In Gedenken an Oury Jalloh“ rückte den grausamen Mord an Oury Jalloh deutschlandweit in den Fokus der Öffentlichkeit. Durch unabhängige Gutachten konnte die Initiative zahlreiche Beweise sammeln und vorlegen.

Heute nach knapp 16 Jahren sind wir uns gewiss, dass es Mord war. Zudem wurden weitere Morde aufgedeckt, begangen durch die Dessauer Polizei: Hans-Jürgen Rose und Mario Bichtermann. Hätte der Staat diese Morde bereits vor dem Tod von Oury Jalloh konsequent und lückenlos aufgeklärt, wäre Oury Jalloh vielleicht noch unter uns. Mit unserer Aktion gedenken wir nicht nur Oury Jalloh, sondern auch den zahlreichen weiteren Opfern von rassistischer Polizeigewalt und Staatsbrutalität. Die Parole „Oury Jalloh das war Mord!“ ist noch heute, 16 Jahre später, aktuell und Sinnbild von Polizeigewalt und Staatsbrutalität in Deutschland. Noch heute sind die Mörder von Oury Jalloh auf freiem Fuß und werden trotz eindeutiger Beweise nicht zu Rechenschaft gezogen. 

Wenn wir rufen „Oury Jalloh, das war Mord!“, fordern wir gleichzeitig Gerechtigkeit für alle Opfer rassistischer Polizei- und Staatsbrutalität und machen diese sichtbar: In Hannover, Frankfurt am Main, Hamburg, Aschaffenburg, Dessau, Bremen, Dortmund, Köln, Duisburg, Essen, Kleve, Remscheid, Halle und vielen anderen Städten. 

Wenn wir an diesen Orten stehen und rufen „Das war Mord!“, verteidigen wir die Wahrheit, die man mit scheinheiligen Studien nicht wegwischen kann, zumindest nicht solange wir solidarisch zusammenstehen und als Zeug*innen auftreten können. Am Todestag von Oury Jalloh wollen wir erneut die Wahrheit aufzeigen und unsere Solidarität von Halle nach Dessau und an alle weiteren Orte der Polizei- und Staatsbrutalität senden. Wir werden nicht still sein und die Namen der Opfer von Rassismus und ihre Geschichter so lange in die Öffentlichkeit tragen, bis sie gehört werden und ihnen Gerechtigkeit widerfährt! 

Wir gedenken: 

OURY JALLOH [zur Flucht gezwungen, Asyl verweigert, misshandelt, gefesselt, und am lebendigen Leibe in der Zelle Nr. 5 der Polizeiwache in Dessau verbrannt am 7. Januar 2005]

LAYE-ALAMA CONDÉ [wie Oury Jalloh geflüchtet vom Bürgerkrieg in Sierra Leone, verstarb ebenfalls am 7. Januar 2005 in Bremen an den Folgen eines Polizeieinsatzes

ACHIDI JOHN [Michael Paul Nwabuisi, 19 Jahre alt, starb am 12.12.2001 im Hamburger Institut für Rechtsmedizin, nachdem ihm gewaltsam ein Brechmittel eingeflößt worden war]

MAREAME N`DEYE SARR [26 Jahre alt, Kind entzogen, rassistisch erniedrigt und diskriminiert, am 14. Juli 2001 von der Polizei in Aschaffenburg erschossen]

ARUMUGASAMY SUBRAMANIAM [erhängte sich am 8. Dezember 2000 in der Abschiebehaft Langenhagen, angesichts seiner bevorstehenden Abschiebung nach Sri Lanka]

HALIM DENER [16 Jahre alt, in der Türkei gefoltert, in Hannover beim Plakatieren in den Rücken geschossen, starb am 26. Juni 1994] 

AAMIR AGGEB [28. Mai 1999, Tod durch Erstickung bei Abschiebung] 

KOLA BANKOLE (nigerianischer Asylbewerber, am 30. August 1994 in Frankfurt am Main beim Abschiebungsversuch nach Lagos: gefesselt, Arme überkreuzt, Brustgurt und Mund-Kleber angelegt, Beruhigungsmittel verabreicht, erstickt]

MARKUS OMOFUMA [erstickte am 1. Mai 1999 bei seiner Abschiebung von Österreich nach Bulgarien]

CHRISTY OMORDION SCHWUNDECK [getötet durch die Polizei am 19. Mai 2011 im Jobcenter, Frankfurt/Main]

DOMINIQUE KOUMADIO [vom Bürgerkrieg in Kongo geflohen, im Asylprozess aufgerieben, erschossen am 14. April 2006 von der Dortmunder Polizei]

OUSMAN SEY [verstorben am 7. Juli 2012 gefesselt an den Händen auf einer Dortmunder Polizeiwache] 

MOHAMMAD SELAH [23 Jahre alt, Krankenschein verweigert, starb am 14. Januar 2007 in Remscheid]

AMED AHMAD [26 Jahre alt, aus dem Bürgerkrieg in Syrien geflohen, in Geldern grundlos festgenommen, rechtswidrig monatelang der Freiheit beraubt, verbrannt am 17. September 2018 in der JVA Kleve]

STEPHAN NEISIUS [am 11. Mai 2002, Tatort: Köln, geschlagen, getreten, aus dem 5. Stock die Treppe heruntergezerrt, schwer misshandelt, blutend in der Polizeizelle eingesperrt, ca. zwei Wochen im Koma, am 24. Mai 2002 gestorben]

YAYA JABBIE [von der Hamburger Polizei rassistisch geprofiled, erniedrigt, unrechtsmässig festgenommen und vom 14. Januar bis 19. Februar 2016 eingesperrt, getötet am 19. Februar 2016, wird aber als Suizid deklariert]

AMOS THOMAS [erschossen durch die bayerische Polizei am 13. Juli 2016 in der Psychiatrie in Rohrbach, Bayern] 

ROOBLE WARSAME [aus Somalia stammender 22-jähriger Geflüchteter, interniert im Ankerzentrum in Schweinfurt, am 26. Februar 2019 unrechtsmässig festgenommen, starb ein paar Stunden später in einer Schweinfurter Polizeiwache, wird ebenfalls als Suizid deklariert.)

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42 Antworten

  1. Mephisto sagt:

    Die Justiz hat rechtskräftig festgestellt es war kein Mord !!! – die Demonstranten verkennen das, sie befinden sich in einen Zustand starker und anhaltender Realitätsverweigerung, gepaart mit massiver Erkenntnis- und Beratungsresistenz. Das nennt man das Pippi Langstrumpf Syndrom

    • Andreas sagt:

      Oder Meinungsfreiheit. Aber die stört ja meist nur.

    • KlausDieter sagt:

      Was soll es denn sonst gewesen sein? Selbstmord? Mit einem Feuerzeug auf einer Matratze, die nicht brennbar ist? Einige Kommentatoren würden hier ganz anders schreiben, wenn es sich um einen weißen Mitbürger handeln würde.
      Rein zufällig fiel zudem der Brandschutzalarm aus?
      Diese Dessauer Polizeistation hätte man auflösen sollen und alle Polizisten, die an der Nacht Dienst hätten, entlassen. Hier decken Polizisten einen Mörder.
      Aber diese Polizeistation ist ja auch bekannt an dem Umgang mit dem Mord an der Chinesin.
      Wer kann dann der Polizei noch vertrauen? Mir fällt es schwer.
      Sehr interessant:
      https://de.m.wikipedia.org/wiki/Mordfall_Li_Yangjie

    • Ach nee sagt:

      Nein, das hat die Justiz NICHT festgestellt. Das von Ihnen beschriebene Syndrom trifft damit eher auf Sie zu und ohnehin jedem Nazi.

  2. Erpelnase sagt:

    Bei den ganzen Coronathemen wäre diese wichtige Mahnwache ja fast untergegangen. Wobei…

  3. FrankG sagt:

    Ja wenn viele Kriminelle einwandern dann gibt es auch Fälle wo Leute zu Schaden an Leib und Leben kommen.Man sollte nicht alle Migranten und Flüchtigen Heilig sprechen und als Unschuldslaemmer darstellen.Das soll aber nicht heißen das man Polizeigewalt nicht bestrafen sollte.

  4. Altes Dessauer sagt:

    Ich finde auch, wenn es die Justiz schon nicht erkennt das es Mord war… Die Omas haben es erkannt… PRIMA!

    • klaus sagt:

      Und die Black Community.
      Bitte nicht vergessen. Und damit ist nicht nur der schwarze Block gemeint

  5. Neustädter sagt:

    Warum wird hier für diese Politsekte Propaganda betrieben? Bei uns Kommentatoren wird das doch auch unterbunden, wenn wir kritisch gegenüber Links argumentieren.

    • 10010110 sagt:

      So ein Quatsch, hier wird nichts unterbunden, was nicht strafrechtlich relevant ist. Wir sind hier nicht beim HalleSpektrum.

    • Altstädter sagt:

      Na gucke, Dein Kommentar ist ja immer noch zu lesen. Also nix mit unterbunden. Lügenpropaganda von Rechten kennt man ja seit 1933!

  6. ejalis sagt:

    als obs nicht genug andere probleme gäbe. die afrikaner juckt das kein stück, genau wie der mist mit dem mohr wörtern und die weißen graben alles aus.

  7. Erstaunt sagt:

    Er wurde von der Polizei in Dessau unrechtmäßig inhaftiert, stimmt NICHT !!!

  8. Franz sagt:

    Sollte mal einen Abschluss finden, Geld hat es schon genügend gekostet.

  9. G sagt:

    Was für ein gewese um einen drogenabhänigen kleinkriminellen…. Meine Güte… Für den sind doch Zigtausende nachgekommen…. Also mehr als ausgeglichen.

  10. Altes Dessauer sagt:

    War der ein Heiliger? Oder doch etwa nur ein Krimineller? Ein Grapscher und Frauenhasser?!

    • Lauer Roß sagt:

      Wenn es danach geht, was die Justiz „rechtskräftig festgestellt“ hat, dann war er nichts davon.

  11. W.Holt sagt:

    Das Urteil dazu ist klar gefällt, glasklar. Das kapieren ein paar Leute nicht.

  12. Rh sagt:

    Na klar war das Mord

    • 2.Staatsprüfung verhauen, oder was? sagt:

      Na dann los: Beweise mal den Vorsatz! Wir sind gespannt! Komm, fang an!

  13. BW sagt:

    Ihr merkt doch nix mehr! Zum 16ten Mal.
    Wen/ Was wollen wir jetzt wirklich retten

  14. genervter sagt:

    Laßt es endlich gut sein, irgendwann sollte auch das mal ein Ende haben.

  15. Wiebke sagt:

    Und Markus Hempel wurde in Wittenberg von einem Syrer tot geprügelt. Auch das war MORD!!!

  16. hallenser sagt:

    Tolle journalistische Arbeit, ja es waren schlimme Ereignisse, aber ich denke zu jedem fall gab es eine juristische Aufarbeitung. Wollen etwa Herr Eseppelt und die recht jungen „Omas gegen Rechts“ die Urteile unserer unabhängigen freiheitlich demokratischen Justiz anzweifeln? dann wäre aber doch ein Wiederaufnahmeverfahren angebrachter als die nichtsbringenden Demos . Oder gibts hier keine anderen Themen mehr ?

  17. Eh sagt:

    Gerechtigkeit und Wahrheit wollen wir retten

  18. einfach ich sagt:

    Warum war er denn in Gewahrsam und mußte dort sogar angekettet werden. Welche Strafe hätte dem den in seiner Heimat gedroht?? Niemand wird grundlos gefesselt. Und die ganzen anderen Fratzen in der Aufzählung haben sich bestimmt auch aufgeführt wie die Affen, sonst wären derartige Maßnahmen nicht nötig gewesen.

    • Hallenser sagt:

      Ohne rechtskräftige Feststellung durch ein Gericht ist er unschuldig geblieben. So wie die Polizisten, in deren Obhut er unbemerkt verbrannt ist.

  19. Schwede sagt:

    Jalloh war ein Polizeibekannter mehrfach vorbestrafter Schwerkrimineller. Menschenhandel, Waffendelikte, Gewaltkriminalität, er zwang Frauen zur Prostitution und hat sich seiner Festnahme massiv widersetzt. Das schreibt nur keiner weil es seiner Opferrolle schadet. Wenn ich den Scheiß lese…. „angekettet“… „verbrannt“… gefoltert. Wir leben nicht im Mittelalter. Der Mann hat seinen Tod selber verschultet. Der einziger Fehler der Polizei war, man hat bei seiner Durchsuchung ein Feuerzeug übersehen. Jalloh ist erstickt und nicht verbrannt… Und daran war selber Schuld.

  20. Scholli sagt:

    die Welt!