37.500 Menschen in Halle arbeiten Teilzeit – Gewerkschaft NGG fordert Ablehnung der Pläne des Union-Wirtschaftsflügels

Facebook OpenGraph

So arbeitet Halle: Rund 37.500 Menschen haben einen Teilzeitjob. Und die Teilzeitarbeit in Halle ist weiblich: 72 Prozent davon sind Frauen. Darauf hat die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten hingewiesen. Die NGG Leipzig-Halle-Dessau beruft sich dabei auf Zahlen der Arbeitsagentur. So liege bei den Vollzeitjobs der Anteil der Frauen in Halle bei lediglich 43 Prozent.

„Einen Teilzeitjob zu machen ist keine Lust-und-Laune-Entscheidung. Denn wer nicht Vollzeit arbeitet, hat heute schon weniger Geld auf dem Konto und später weniger Rente“, sagt Christian Ullmann, Geschäftsführer der NGG Leipzig-Halle-Dessau. Teilzeitarbeit sei „keine Bequemlichkeit“, sondern für viele Beschäftigte in Halle die Voraussetzung, um den Beruf überhaupt mit der Familie und mit der Pflege von Angehörigen vereinbaren zu können.

„Wenn der Wirtschaftsflügel der CDU künftig Menschen, die in Teilzeit arbeiten und gleichzeitig Wohngeld oder Kinderzuschlag beziehen, einen Vollzeitjob verordnen will, dann lässt das jedes soziale Gespür vermissen. Das ist realitätsfern“, so die Kritik von Christian Ullmann. Der Gewerkschafter appelliert an die CDU in Halle und an die Delegierten aus der Region, in einer Woche den Antrag des Wirtschaftsflügels der Union zur Reform der Teilzeit auf dem Parteitag der CDU in Stuttgart „abzuschmettern“.

Es bringe nichts, den Menschen „die Daumenschrauben anzuziehen, um sie zum Vollzeitpensum im Job zu zwingen“. Wer beispielsweise einen Angehörigen pflege, könne zu Hause nicht alles stehen und liegen lassen, um mehr Stunden im Job zu machen, so Christian Ullmann. Hierzu sei eine bessere Infrastruktur bei der Pflege nötig.

Wenn Beschäftigte allerdings in der Lage seien, Vollzeit zu arbeiten, dann sollten sie sich „nicht mit einem Teilzeitjob abspeisen lassen“, sagt Ullmann. Die NGG Leipzig-Halle-Dessau warnt Arbeitgeber in Halle davor, ihre Beschäftigten – und hier vor allem auch Frauen – „in Teilzeit zu drängen“: „Entscheidend ist, welches Arbeitspensum man persönlich machen kann und will. Darauf sollten die Beschäftigten pochen. Es darf nicht darum gehen, dem Betrieb mit einem ‚Teilzeit-Kompromiss‘ entgegenzukommen. Häufig werden sogar nur Teilzeitjobs ausgeschrieben. Das ist nicht tragbar. Wir brauchen ein Recht auf Vollzeit“, sagt NGG-Geschäftsführer Ullmann.

Artikel Teilen:

Für dich vielleicht ebenfalls interessant …

5 Antworten

  1. Peter sagt:

    „Und die Teilzeitarbeit in Halle ist weiblich: 72 Prozent davon sind Frauen.“

    Zum Mitschreiben für Links/Grün. Für die nächste Empörungswelle zum Gender PayGap.

  2. sam sagt:

    Teilzeitjobs sollte man einfach berücksichtigen und nicht noch Kürzungen o.ä. ansetzen. Unser Dauerarbeitslosen, die sollten ran gezogen werden. Aber besonders die, die sich schon jahrelang ausruhen und kassieren. Man muss also auch Abstriche machen können. Klar, man geht immer an welche die das Geld auch einbringen und nicht an die, die es nur kassieren.

  3. Teilzeit sagt:

    Meine beiden Kinder sind 1982 und 1985 geboren. Ich habe in der DDR grosse Probleme gehabt, meine Arbeitszeit von 40 Stunden auf 30 Stunden zu reduzieren. Ich blieb hartnäckig und bekam Teilzeit bewilligt. Dann kam die Wende und ich konnte nicht (wie ursprünglich geplant) wieder in Vollzeit arbeiten. Ich blieb bei 30 Stunden.
    Ich habe es letztendlich nie bereut. Erst war die Zeit für die Kinder sehr wichtig, später wurden meine Eltern alt und brauchten immer mehr Hilfe im Alltag. Und die letzten Arbeitsjahre vor der Rente war ICH weniger belastbar und sehr froh, nicht Vollzeit arbeiten zu
    müssen.
    Jeder sollte möglichst selbst entscheiden, wie er Job, Alltag, Familie am besten „unter einen Hut“ bekommt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert