Blumen statt Beton unter der Hochstraße? SPD-Idee sorgt Debatten – Stadt bereitet Machbarkeitsstudien für die Zukunft der Hochstraße vor

Unter der Hochstraße am Glauchaer Platz dominiert derzeit Beton. Eine versiegelte, schwer zugängliche Fläche, an der täglich tausende Autos vorbeifahren, gilt vielen als trostloser Stadtraum. Die SPD im Stadtrat möchte das ändern – und ausgerechnet hier ein kleines ökologisches Experiment starten: eine blühende Forschungs- und Naturfläche mitten in der Stadt. Doch der Vorschlag sorgt im Rathaus für Diskussionen.

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Idee: Natur unter der Hochstraße

Die Sozialdemokraten haben beantragt, die Stadt solle gemeinsam mit der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU), der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle und weiteren Partnern prüfen, ob die derzeit versiegelte Fläche entsiegelt und ökologisch entwickelt werden kann.

Das geplante Modellprojekt soll mehrere Ziele vereinen: Wissenschaft, Naturschutz und Kunst. Vorgesehen ist eine sogenannte gelenkte Sukzessionsfläche – ein Gebiet, in dem die Natur nach einer initialen Bepflanzung weitgehend selbstständig wachsen darf. Geplant ist eine Initialansaat mit ein- oder mehrjährigen, trockenheitsliebenden Gräsern und Kräutern. Anschließend würde sich die Vegetation weitgehend natürlich entwickeln.

Begleitet werden soll das Projekt wissenschaftlich und künstlerisch. Die Finanzierung soll möglichst über Fördermittel, Spenden oder Kooperationen erfolgen – also nicht ausschließlich über den städtischen Haushalt.

Universität signalisiert Interesse

Im Ausschuss signalisierte die MLU bereits Bereitschaft zur Zusammenarbeit. Christine Fuhrmann erklärte, dass die Universität grundsätzlich Interesse an dem Projekt habe. Ein Vertreter der Geobotanik stellte anschließend mögliche wissenschaftliche Ansätze vor.

Demnach könnte zunächst eine einheimische Saatenmischung ausgebracht werden. Danach solle die Fläche sich weitgehend selbst überlassen bleiben. Der Pflegeaufwand wäre minimal. Gleichzeitig könnte ein ökologisch wertvoller Lebensraum entstehen.

Angesichts von Klimawandel und Artensterben könnten sich dort neue Lebensräume für Insekten entwickeln. Wildbienen und Schmetterlinge hätten die Chance, sich anzusiedeln. Denkbar sei auch ein professionell gestaltetes Insektenhotel.

Neben dem Artenschutz sehen die Wissenschaftler weitere Vorteile. Durch zusätzliche Vegetation könne der sogenannte Hitzeinsel-Effekt reduziert werden – ein Phänomen, bei dem sich stark versiegelte Flächen in Städten besonders aufheizen.

Forschungsprojekt und Lernort

Für die Universität wäre das Areal zudem ein langfristiges Forschungsprojekt. Geplant ist eine Langzeitforschungsfläche, auf der Studierende regelmäßig Untersuchungen durchführen könnten. Die Ergebnisse könnten direkt in Lehrveranstaltungen einfließen.

Darüber hinaus wurde vorgeschlagen, auch Schulen einzubeziehen. Schülerinnen und Schüler könnten vor Ort ökologische Zusammenhänge kennenlernen und selbst Beobachtungen durchführen.

Der Wissenschaftler brachte es im Ausschuss auf einen einfachen Nenner: „Aktuell sieht es dort nicht schön aus.“ Durch eine Umgestaltung entstünde ein positives Bild – sowohl als Bildungsprojekt als auch als kleine Erholung für Menschen, die täglich dort vorbeifahren.

Verwaltung skeptisch

Grundsätzlich stößt die Idee in der Stadtverwaltung durchaus auf Sympathie. Doch der Standort sorgt für Zweifel. Norbert Schültke, Fachbereichsleiter Mobilität, warnte im Ausschuss: „Das ist die falsche Stelle.“ Hintergrund sind laufende Überlegungen zur Zukunft der Hochstraße.

Die Stadt bereitet derzeit eine Machbarkeitsstudie vor, die verschiedene Szenarien prüfen soll – von Sanierung über Neubau bis hin zu einem möglichen Abriss der Hochstraße. Für all diese Varianten könnte das betreffende Areal benötigt werden.

Zudem befürchtet Schültke, dass ein ökologisch entwickeltes Gebiet später zu Konflikten mit dem Artenschutz führen könnte, wenn dort Bauarbeiten erforderlich werden. Deshalb plädiert die Verwaltung dafür, gemeinsam mit der Universität einen anderen Standort für das Projekt zu suchen.

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Politische Kontroverse im Ausschuss

An dieser Stelle meldete sich die AfD zu Wort. Der sachkundige Einwohner Andreas Godenrath kritisierte das Vorhaben scharf. Er sprach von einer „Schuldenorgie“ und stellte die Frage, „welchen Unsinn, welchen Quatsch finanziere ich mit meinen Steuergeldern“.

Zugleich warf er die Vermutung in den Raum, dass mit den Überlegungen indirekt bereits ein Abriss der Hochstraße vorbereitet werde. Dem widersprach Baudezernent René Rebenstorf deutlich. Es gebe keine Entscheidung über den Abriss der Hochstraße. Dennoch müsse sich die Stadt frühzeitig Gedanken über die Zukunft der Infrastruktur machen.

Als Beispiel verwies Rebenstorf auf die Hochstraße in Ludwigshafen am Rhein, die wegen massiver Schäden abgerissen werden muss. „Und für diesen Fall müssen wir vorbereitet sein“, erklärte er. Ziel sei es, nicht irgendwann vor einer dauerhaften Sperrung zu stehen, ohne Alternativen entwickelt zu haben. Eines machte Baudezernent Rebenstorf im Ausschuss allerdings deutlich: Die Debatte um die Hochstraße stehe erst am Anfang.

„Was wir jetzt haben, ist nur ein kleines Vorgeplänkel“, sagte er – und zog eine Parallele zu den derzeitigen Bauarbeiten am Rennbahnkreuz. Die eigentliche Herausforderung liege noch vor der Stadt.

Entscheidung vertagt

Der Planungsausschuss hat den SPD-Antrag inzwischen abgelehnt. Im Wirtschafts- und im Umweltausschuss wurde die Entscheidung jedoch vertagt.

Damit ist die Zukunft der Fläche unter der Hochstraße weiterhin offen. Ob dort irgendwann ein kleines Stück Stadtwildnis entsteht – oder ob die Betonfläche für große Verkehrsplanungen gebraucht wird – dürfte erst in den kommenden Monaten entschieden werden.

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27 Kommentare

  1. MS sagt:

    Also wird noch überlegt, wann wir Überlegungen einleiten, wie die Hochstrasse irgendwann mal aussehen wird oder verändert wird. Allei diese Überlegungen werden noch Jahre dauern. Und solange machen wir sicherheitshalber nichts. Und mit dieser Einstellungen wollen uns die Stadträte und die Verwaltung in die Zukunft bringen. PS: Hat man den Knoten nicht erst für mehrere Millionen umgestaltet? Hätte man nicht vorher die Zukunft der Hochstrasse klären sollen?

    • Das Internet kann so viel mehr sagt:

      Nein. Es wurde nur eine Abbiegespur aus der Glauchaer Straße hinzugefügt. Das hat keine Millionen gekostet.

  2. Echtjetzt sagt:

    Also an einem Areal wo täglich tausende Autos vorbeifahren, sollen sich Insekten und Schmetterlinge ansiedeln, die dann sofort von den tausenden von Autos kalt gemacht / überfahren werden? Und es soll für Schulklassen für Expeditionen dienen direkt in den Abgasen tausender Autos? Ich glaube ich hab da noch nicht alles verstanden…das ist das Ziel oder nur Schönrederei?

    • Ja, doch. sagt:

      Ja, genau! Die armen Schmetterlinge. Besser Betonwüste lassen. Da ab und zu ein Stück Grün – völlig unverantwortlich… Und überhaupt, die armen Kinder.

      • Nix verstanden hä sagt:

        Du machst auch Wellness direkt neben der Autobahn
        Ja die armen Schmetterlinge und Kinder! Kinder sollten nicht der Verschmutzung von tausenden Autos ausgesetzt werden. Da kann man auch gleich ne Exkursion zum Randstreifen der Autobahn machen. Und Insektenschutz fängt da an wo die Tierchen auch dauerhaft leben können und nicht neben hoch frequentierten Straßen. Wenn man es begrünen möchte gerne, aber bitte doch nicht so absurde Begründungen wie Insekten oder Exkursionen von Kindern anbringen!

  3. fragjanur sagt:

    Warum werden dort keine Kinderspielplätze eingerichtet, die vor Regen geschützt sind?

  4. sam sagt:

    Gräser und Kräuter, klar und irgendwann stehen die so hoch, dass man wieder den anderen Verkehr nicht einsehen kann, wie an vielen anderen Stellen der Stadt. Und gemäht werden die dann auch nicht. Da finde ich Blumen schon besser. Ständig dieses umplanen, Macht es doch gleich richtig, bevor tausende von Euros ausgegeben werden.

  5. Rarum sagt:

    Deshalb tümpeln solche Parteien, wie SPD, Grüne, FDP in Sachsen Anhalt im einstelligem Bereich, nur Schwachsinn im Kopf.
    Macht endlich Politik für den Normalbürger, nicht nur für Minderheiten.
    Solche schwachsinnigen Vorschläge sind ein Fressen für die Blauen.

    • PaulusHallenser sagt:

      Wir machen als FDP Politik für alle Bürger in Sachsen-Anhalt, die SPD übt sich ausschließlich in Populismus, der niemandem nützt.

  6. HALLEnser sagt:

    Blumen, die unter der Hochstraße wachsen sollen, benötigen Wasser. Dort kommt kaum Regen hin. Wer soll die Bewässerung bezahlen? Mal abgesehen davon, was die Pflanzen und das Pflanzen bereits kosten. Wann hören die spinnerten Ideen dieser Stadträte auf und sie kümmern sich mal um wichtige Dinge wie Entschuldung.

  7. 10010110 sagt:

    Zugleich warf er die Vermutung in den Raum, dass mit den Überlegungen indirekt bereits ein Abriss der Hochstraße vorbereitet werde.

    Wie man nur so geil auf eine Hochstraße sein kann, dass einem die Angst um einen Abriss derart umtreibt, ist mir ein Rätsel. Schläft der da drunter? Sieht er seinen Wohnraunm in Gefahr? 🙄

    • Komm schon sagt:

      mal ein bisschen nachdenken bitte. Wenn alle mit dem Auto über den Glauchaer Platz fahren müssten um nach Neustadt zu kommen, ist Verkehrschaos vorprogrammiert. Die Hochstraße ist ja wohl der leichteste und schnellste Weg um nach Neustadt zu kommen.

    • Bürger gegen links sagt:

      Na komm Nulli
      Deine größte Angst ist die moderne Fortbewegung auf 4 Rädern und das du irgendwann mal davon überrollt wirst.
      Aber dein Rollator wird dich nicht überfahren!

  8. Emmi sagt:

    „Hochstraße in Ludwigshafen am Rhein, die wegen massiver Schäden abgerissen werden muss. „Und für diesen Fall müssen wir vorbereitet sein“,“
    Wenn die Stadt die Hochstraßen nicht pflegt, dann ist dieser Zustand bestimmt bald da.
    Ist das so gewollt Herr Rebenstorf?
    So kann man diese auch entsorgen. Bloß, wo soll der Verkehr dann lang?

  9. Realitätsfern sagt:

    Na klar. Welche Schulklasse wünscht sich nicht, direkt zur Hauptverkehrszeit inmitten der Abgase und des Lärms zu stehen, um sich die Wunder Natur anzusehen. Da schlage ich doch vor, dass wir auf dem Riebeckplatz ebenfalls ein paar Pflanzkübel aufstellen wo sich der Bürger seine Tomaten anbauen darf.

    „Die Finanzierung soll möglichst über Fördermittel, Spenden oder Kooperationen erfolgen – also nicht ausschließlich über den städtischen Haushalt.“ – Im Haushalt wird um jeden Cent gebarmt. Schöne Idee, wenn man mal zu viel Geld hat. Wüsste aber nicht, dass dies gerade der Fall ist.

  10. geht die SPD mit offenen Augen durch Halle? sagt:

    95% aller „Grünflächen“ in Halle sind völlig vernachlässigt, verunkrautet, vermüllt, versteppt…und diese Genies denken, sie müssen unter der Hochstraße irgendwelche Blumenkübel aufstellen.
    Wir wären froh, wenn sich das Grünflächenamt mal um die jahrelang verlotterten restlichen Grünflächen überhaupt mal kümmern würde.
    Im Süden der Stadt gibt es mehrmals im Jahr „Ödlandbrände“, das sagt doch schon alles über den Pflegezustand der dortigen „Grünflächen“.

    • Klardenkender sagt:

      Wer sagt dir, dass das öffentliche Flächen sind, die da brennen? Mir sagt das vor allem mal, dass es offensichtlich Menschen gibt, die Pflanzen anzünden.

  11. Die Ölv 11 sagt:

    Wenn das aus deren Parteikasse bezahlt wird, ist es in Ordnung.
    Spielplatz unter die Brücke und ne kleine Kindersturmbahn, hätte schon was.
    Spielen, Sport und Spaß.

  12. elektrische Schreibmaschine sagt:

    Kann mal bitte jemand unter einer Brücke nachsehen, wo es naturbelassen ist? Da wächst nichts! Da ist nur Staub und Stein. Warum? Weil kein Niederschlag hinkommt. Man könnte die Entwässerung der Hochstraße nutzen und Wasserspeicher einbauen mit Bewässerungssystem, aber das Wasser ist sicher nicht nutzbar und müsste vorher gereinigt werden.

    • M sagt:

      Naja, den Beton müsste man wegbrechen. Darum geht’s ja. Dann bisschen Erde drauf und über die Entwässerung der Hochstraße bewässern. Und dann säen. Aber, wie oben zu lesen: die armen Schmetterlinge. Und erst die armen Kinder. Deshalb bleibt es besser Betonwüste.

  13. Angilo sagt:

    „…als kleine Erholung für Menschen, die täglich dort vorbeifahren.“ Alles klar 🙂 Dümmer geht immer.

  14. Wennemann sagt:

    Die Spezialdemokraten mögen ihre epochalen Ideen vollständig aus der Parteikasse finanzieren. An der Bischofswiese haben sie vor Jahren medienwirksam eine kleine Fläche aufgeforstet und sich dann nicht mehr gekümmert. Das Resultat kann sich jeder ansehen, direkt gegenüber vom SPD-Gedenkstein.

  15. Grüner Jan sagt:

    Man muss nix abreißen oder entfernen. Das Wunderwort heist „Hochbeet“. Diese schön verkleidet dort hinstellen, Abwasser der Hochstraße nutzen, fertig. Aber eh der Stuhlkreis gebildet wird, alle zufrieden sind, die Genehmigungen eingeholt…wann kommt nochmal der Halleysche Komet????

    • Peter sagt:

      Hochbeete sind ein noch größerer Schwachsinn, da sie deutlich mehr Wasser als normale Beete benötigen.

      Welches Abwasser der Hochstraße? Gerade im Sommer regnet es in Halle doch wochenlang nicht.

  16. Paprika sagt:

    Wieso wartet man nicht mal ab bis die Autobahn fertig ist ( wenn es denn mal soweit kommt ) macht dann eine Zählung wie viele Autos tatsächlich noch durch Halle kommen und plant dann entsprechend bzw überlegt wie die Hochstraße aussehen könnte bzw ob sie überhaupt noch gebraucht wird?

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