Debatte um Hochwasserschutz für neues Wohngebiet am Sophienhafen
Der Weg für ein neues Wohngebiet am Sophienhafen in Halle (Saale) ist einen weiteren Schritt vorangekommen – doch die Diskussion um Hochwasserschutz, Verkehrsführung und Klimaanpassung bleibt kontrovers. Nachdem bereits der Planungsausschuss grünes Licht gegeben hatte, stimmte am Donnerstag auch der Ausschuss für Klimaschutz, Umwelt und Ordnung der Offenlage des Bebauungsplans zu. Das Votum fiel jedoch nicht einstimmig aus: Eine Nein-Stimme sowie drei Enthaltungen machten deutlich, dass das Vorhaben politisch umstritten ist.
Geplant sind insgesamt 135 Wohnungen in neun Gebäuden. Ein Baukörper soll acht Geschosse umfassen, die übrigen acht Gebäude jeweils fünf Etagen – alle inklusive Staffelgeschossen. Die Stadtverwaltung spricht von einer „hochwasserangepassten Bauweise“. Eine Vertreterin der Verwaltung betonte, dass es für Altlasten und Schadstoffe im Boden einen Sanierungsplan gebe. Zuständig sei die untere Bodenschutzbehörde, die nach Prüfung keine Gefährdung sehe. Zudem sei der Zugang zum Kotgraben – einem kleinen Bachlauf, benannt nach den historischen Siedekoten der Halloren – weiterhin gewährleistet.
Auch ökologische Aspekte hob die Verwaltung hervor: Derzeit sei das Areal vollständig versiegelt. Durch die Neubebauung würden rund 2.500 Quadratmeter entsiegelt, außerdem sollen die Dächer zu 40 Prozent begrünt werden. Insgesamt werde so eine ökologische Aufwertung erreicht.
Grundsätzliche Zustimmung zur Schaffung von modernem Wohnraum signalisierte Silke Burkert (SPD). Gleichzeitig äußerte sie jedoch deutliche Vorbehalte. Kritisch sehe sie insbesondere die Gebäudehöhen, da diese die Kaltluftschneise unterbrechen könnten. Noch schwerer wögen aus ihrer Sicht die Hochwasserrisiken. „Wir machen uns da eine zusätzliche Baustelle auf“, sagte Burkert mit Blick auf mögliche Evakuierungen im Ernstfall. Problematisch sei vor allem die Hafenstraße mit ihrer geringen Breite, der Sackgassensituation und häufig zugeparkten Rändern.
Baudezernent René Rebenstorf widersprach dieser Einschätzung. Nach Ansicht der Verwaltung reiche der Querschnitt der Hafenstraße aus. Feuerwehrkommandant Daniel Schöppe ergänzte, dass im Katastrophenfall der Selbstschutz der Bevölkerung an erster Stelle stehe. Die Stadt habe bei Hochwasserereignissen das gesamte Stadtgebiet im Blick und könne nur unterstützend eingreifen.
Besonders scharfe Kritik kam von Katrin Möller von der Interessengemeinschaft Saaleaue. Sie lebt seit 20 Jahren in der Hafenstraße und hat nach eigenen Angaben bereits drei Hochwasser miterlebt. Das nun geplante Baugebiet sei dabei jeweils überflutet gewesen. „Es wird stark verdichtet, obwohl man weiß, dass das Gebiet überschwemmt wird“, sagte Möller. Ihrer Ansicht nach verfüge die Stadt Halle über ausreichend Brachflächen in nicht gefährdeten Lagen. Sie regte daher einen Flächentausch zwischen Stadt und Investor an.
Investor Guido Edinger ging auf die Hochwasserbedenken ein und verwies auf technische Vorkehrungen. So könne im Ernstfall die Tiefgarage gezielt geflutet werden. Diese sei dafür ausgelegt, ohne Beschichtungen oder Anstriche, lediglich aus „nacktem Beton“. Zudem seien die Gebäude auf Stelzen errichtet: Zwischen dem Höchstwasserstand des Jahrhunderthochwassers 2013 und den Fußböden der Erdgeschosswohnungen lägen rund zwei Meter Sicherheitsabstand. Edinger betonte außerdem das Energiekonzept des Projekts, das auf ein Blockheizkraftwerk und Geothermie setze.
Nachfragen zum kontaminierten Boden stellte Daniel Petzold (CDU). Er wollte wissen, wer die Unbedenklichkeit festgestellt habe. Die Stadtverwaltung verwies erneut auf die untere Bodenschutzbehörde und darauf, dass der Investor bereits Teile des Bodens ausgetauscht habe.
Eine klare Absage an das Projekt kündigte Claudia Dalbert (Grüne) an. „Ich halte das für eine völlige Fehlentwicklung, dass man in einem Überschwemmungsgebiet baut“, sagte sie. Zwar zweifle sie nicht an der rechtlichen Zulässigkeit der Pläne, sehe jedoch den Bund in der Pflicht, solche Bauvorhaben künftig grundsätzlich nicht mehr zu ermöglichen.
Sollte der Stadtrat in zwei Wochen zustimmen, werden die Unterlagen öffentlich ausgelegt. In diesem Schritt können dann auch Anwohnerinnen und Anwohner sowie weitere Betroffene offiziell Stellung nehmen und Bedenken vorbringen. Die Debatte um das Wohnen am Wasser – und seine Risiken – dürfte damit noch lange nicht beendet sein.








Der Neubau an dieser Stelle muss unbedingt eudurchgezogen werden! Egal um welchen Preis. Halle hat ein riesiges Potential an zahlungsfähigem Klientel, da ist es nur folgerichtig das auch an dieser Stelle teurer Wohnraum errichtet wird. Und wer sagt denn, daß in naheliegender Zeit mal wieder ein Hochwasser durch die Saale schwappt. Vielleicht erlebt das von uns niemand mehr. Und wie heißt es doch so schön: nach uns die Sintflut.
Ich schreibe das gleiche wie vorher: wer dem Bauprojekt zustimmt sollte bei Hochwasser alle anfallenden Kosten übernehmen.
Frau Möller könnte sich doch mal dafür einsetzen, dass bestehende Bebauungen abgerissen werden. Es geht schließlich um echten Hochwasserschutz. Oder doch nicht?
So funktioniert das nicht. Frau Möller möchte selber dort wohnen bleiben, aber verhindern, dass Andere dort wohnen. Hochwasserschutz ist nur vorgeschoben – ansonsten sollte man prüfen, ob nicht Frau Möller umziehen sollte, um dem Schutz Rechnung zu tragen. Reine NIMBY Veranstaltung.
Das Hochwasser von 2013 war zwar beeindruckend, aber schaue ich mir die Flutmarken da um die Ecke an, war es geradezu lächerlich. 2m höher? Dann stehen mindestens 2 Etagen im Wasser
Komplexes, schwieriges Thema: Wohnraum, aber in Hochwasserlage.
Aus meiner Sicht ist es enorm wichtig, dass wir hier zukunftstauglich planen. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass Hochwasserstände zunehmen. 2013 hatte man das sogenannte HQ100-Hochwasser deutlich unterschätzt. Umso wichtiger sind Sicherheitsfaktoren bei den Hochwasserberechnungen, damit uns Erderwärmung und Hochwasser hier nicht überraschen.
Das HQ 100 ist der berechnete Sicherheitsfaktor.
Die 100 bezieht sich hier auf eine Wahrscheinlichkeit.
100prozentiger Schutz, wie er ständig von irgendwelchen Leuten zu diversen Themen gefordert wird, ist nach reiner Logik bereits unmöglich.
Es gibt gesetzliche Vorgaben. Die müssen eingehalten werden. Aber gefühlte Forderungen von Individuell irgendwas darüber hinaus, wie sie von der BI gestellt werden, lassen wir mal weg warum überhaupt, wie soll dies mit Rechtsstaatsprinzipien wie Gleichbehandlung und Anwendbarkeit funktionieren.
Wie es einem so passt könnte man meinen. Einmal ganz groß Klimaschutz dann wird er fast nicht beachtet. Es ist immer eine Geldangelegenheit wo das meiste rausspringt. Beim Bau der Häuser verdienen einige Leute der Stadt sehr gut über diese Entscheidung da brauchen nichts anderes.
So ist es auch mit dem Zukunftszentrum.
Ganz ehrlich, es ist einfach nur dümmlich, dieses Gebiet so massiv zu bebauen. Und die „Bauskizze“ auf dem Bild ist ja auch nen schlechter Witz. Wo ist der Kotgraben inkl. Brücke, wo die Saline? Hauptsache Segelboote draufklatschen, das machts so richtig snobby. So eine Schwurbelei, unfassbar.