Gruselkabinett, Beschämend, Trauerspiel: Stadträte diskutieren über Zustand der Grundschule Südstadt

Die marode Grundschule Südstadt in der Rigaer Straße in Halle (Saale) war am Mittwoch gleich zweimal Thema im Stadtrat. Nachdem sich in der Einwohnerfragestunde Eltern und Lehrer zu Wort gemeldet haben, stand später ein Antrag der FDP auf der Tagesordnung. Die momentan für das Jahr 2027 geplante Sanierung soll vorgezogen und mit dem Land nach Finanzierungsmöglichkeiten gesucht werden. Sicher hängt die jetzige Eile auch mit einem Brandbrief der Lehrer zusammen. Allerdings erfolgte die finanzielle Eintaktung auch mit dem Haushaltsbeschluss der Stadträte. Diese hätten in den Haushaltsberatungen der Vorjahre also das Projekt schon längst beschließen können. Immerhin hatte die Stadt das Gebäude bereits in Jahr 2009 als Sanierungsbedürftig aufgeführt. Einen Beschluss gab es in dieser Stadtratssitzung noch nicht. Nun wird in den Fachausschüssen weiter beraten. 

Die Lehrer hätten in der Einwohnerfragestunde klar die Probleme benannt, sagte Torsten Schaper (FDP), er habe sich mit dem Kollegium in der Pause unterhalten. Aufgabe der Lehrer sei es, Kinder zu unterrichten. Doch das stehe in der Schule auf der Kippe, “die Zustände gleichen einem Trauerspiel.” Die Sprossenwände in der Turnhalle seien seit 2009 bereits als nicht mehr sicher deklariert. Stadtrat und Stadtverwaltung hätten versagt. Man sehe, wie eine Schule verrottet und Lehrer heruntergewirtschaftet werden. Das sei beschämend.  

Hendrik Lange (Linke) sprach zunächst zum Lehrermangel. Denn neben dem maroden Zustand des Gebäudes hat die Schule zu wenig Lehrer und momentan auch keine Schulleitung. Reguläre Lehrer der Schule sind momentan kommissarisch mit diesen Aufgaben zusätzlich betraut. Hier würden CDU und FDP eine Verantwortung tragen, weil diese die Lehrerbildung in Magdeburg geschlossen haben, so Lange. Um die Sanierung vorzuziehen, seien Zeit, Geld und Platz nötig. Er wisse auch nicht, wie sich die Situation mit den zusätzlichen 500 Preußler-Schülern darstellen wird. Lange forderte, zumindest die nötigsten Dinge instand zu setzen. “Es kann nicht sein, dass sich Kinder nicht mehr auf die Toilette trauen.” Eltern hatten erklärt, wegen des Zustands würden die Kinder viel zu wenig trinken, damit sie nicht auf die Toilette müssen. 

“Ein Dank an die Lehrerschaft und Eltern, dass sie hier ausgehalten haben und sehen, wie zäh Politik ist”, sagte Detlef Wend (MitBürger). Denn erst nach vier Stunden war das Thema in der Sitzung dran und seit dem saßen Eltern und Lehrer im Zuschauerraum. Man müsse sich diesem Missstand annehmen. Er wundere sich über die schlechte Kommunikation zwischen Stadtverwaltung, Lehrern und Politik, so Wend. Deshalb bitte er darum, auch die Einwohnerfragestunden wahrzunehmen. Er habe zudem das Gefühl, dass die Schulen, in denen nicht wohlhabende Eltern leben, hinten anstehen. Verwundert sei er zudem, warum die Schüler der Preußler-Schule während der Sanierung in die Südstadt sollen und beispielsweise nicht in andere, schon sanierte Schulen. Denn auch das kommt noch auf die Grundschule Südstadt zu. Im kommenden Jahr wird die Grundschule Ottfried Preußler in der Wolfgang-Borchert-Straße in Halle-Neustadt saniert. Und die 500 Schüler sollen nach dem Willen der Verwaltung solange mit in der Südstadt unterrichtet werden. Das Gebäude dort hat ausreichend Räumlichkeiten, zudem stehen mehrere Container als Unterrichtsräume bereit. 

Man warte seit Jahren auf das neue Schulbauprogramm des Landes, sagte Melanie Ranft (Grüne). Es herrsche ein “unhaltbarer Zustand” in der Schule.

“Seit 2009 steht die Schule auf dem Sanierungsplan”, sagte Beate Gellert (Hauptsache Halle). Schon seit Jahren habe sie für die Schule getrommelt. Die Schule sei wie ein “Gruselkabinett”. Es gebe Legionellen im Wasser der Turnhalle. “Theoretisch müsste die aus Gesundheitsgründen gesperrt werden.” Es sei unverantwortlich.

Er finde es richtig, dass die Lehrer jetzt Alarm schlagen, sagte Alexander Raue (AfD). “Es wird Zeit, dass dieses Narrenschiff Deutschland, dass von einer Narrenregierung gelenkt und geleitet wird, wieder auf Kurs kommt.”

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Keine Antworten

  1. Hammer sagt:

    Stände die Schule in Kröllwitz, wäre sie längst saniert gewesen. Sagt nur keiner der allseits verehrten Stadträte, dass es eine Klassenteilung nach Stadtvierteln gibt.

    • so ist es... sagt:

      Siehe Wolfgang Borchert Schule ( jetzt Ottfried Preußler) in Neustadt…

    • PaulusHallenser sagt:

      Eine Klassenteilung ist nichts Schlimmes. Ich möchte nicht, dass meine Kinder mit dem Pöbel gemeinsam eine Schule besuchen müssen.

      • PaulusHallenser schwurbelt mal wieder... sagt:

        Dir fehlen ganz klar mindestens 20 Jahre SOZIALismus. Da hätte man dir deinen ekelhaften Charakter schon frühzeitig ausgetrieben.

      • 10010110 sagt:

        Wie war das noch mit den menschenverachtenden Äußerungen und der Vielfalt, die gut für uns alle ist?

  2. charakterlose Mitläufer sagt:

    Die FDP macht auf dicke Hose um bei der nächsten Wahl 24 wieder in Fraktionsstärke einziehen zu können .

  3. Emmi sagt:

    Stadträte haben schon gejammert, wie sie für ihre Sitzungen in Ausweichräume ziehen mussten. Die waren aber nicht desolat wie in den Schulen. Für diese Herrschaften ist die Streiterei untereinander viel wichtiger als die Angelegenheiten der Bürger Ernst zu nehmen.

  4. Wien 30002 sagt:

    Eine Schule derart verrotten zu lassen, kann man schon als Staatsversagen bezeichnen.

  5. FDP-Hater sagt:

    Die FDP sollte sich in AHP (Allgemeine Heuchel Partei) umbenennen.

    Siehe als Beleg nur:

    https://dubisthalle.de/stadtpolitik-verkauft-unsere-zukunft-junge-liberale-kritisieren-schaffung-neuer-stellen-in-der-verwaltung

    Die FDP trägt die Hauptverantwortung für einen unterfinanzierten Staat, der nicht mal mehr Geld für Schüler über hat. Sie vertrat und vertritt die Interessen des Kapitals – mehr aber auch nicht. Die Mövenpick-Partei hat dann auch noch „kluge“ Ratschläge zu bieten, wie man eine Schule saniert…

    Die angebliche „Freiheitspartei“ interessiert sich auch nicht für Freiheit von Flüchtlingen.

    Die FDP ist ein politische Unfall in der Politik – ebenso die AfD.

    • FDP-Lover sagt:

      Der Staat hat Kernaufgaben. Ausbildung und Schule gehört dazu – da hat die FDP nie etwas anderes gefordert. Und das Geld wäre auch da, wenn man es nicht unnütz für Subventionen ausgeben würde, und Stimmenkauf über Sozialprogramme. Rente mit 63, Subventionen für nicht konkurrenzfähige Firmen, Subventionen für grüne Umbaufantasien etc. etc. Wir haben schon eine Staatsquote von ca. 50% – das ist ungesund. Der Staat ist nicht die Lösung jeden Problems. Er ist für Rahmenbedingungen, Infrastruktur, Verteidigung und Bildung für Alle zuständig, aber nicht für Erwachsene die ihr eigenes Leben nicht im Griff haben. Übermäßige Regulierung macht uns immer wettbewerbsschwächer. Deutschland lebt von vergangenen Leistungen – wie lange noch? Und was waren denn die guten Zeiten: Mit der FDP in der BRD. Und was waren die politischen Totalschäden ( und leider auch wirtschaftlich und menschlich): Der Sozialismus – beide Arten National- und Linkssozialismus. Aber Denken und Lernen aus der Geschichte sind natürlich nicht jedem gegeben. Das der besserwisserische Sozialismus jetzt im grünem Mantel getarnt wiederkommt erfassen die Leute nur langsam. Bitte nicht Missverstehen: die FDP will den Klimawandel auch mindern, aber nicht mit Verboten und Brechstange, sondern über den Markt mit Anreizen für technologische Führerschaft.

      • PaulusHallenser sagt:

        Ich stimme Ihrem Beitrag zu 100% zu.

      • micha sagt:

        Genau weil die FDP den Klimawandel mindern möchte hat wohl auch die FDP mit der CDU/CSU dafür gesorgt, dass der Verbrauch von Autos in Relation mit dem Gewicht gesetzt wird.
        Das bewirkt, dass kleine, sparsame Autos mit dem Energielable D auskommen müssen und SUVs ein A bekommen.
        Ein starker Staat ist unabdingbar! Aber das gelingt nicht, wenn Lobbyisten die Gesetze schreiben. Dem hat aber die FDP und die Union Tür und Tor geöffnet.

      • FürDenPorsche sagt:

        Etwa die technologische Führerschaft von Efuels auf Wunsch EINES Automobilherstellers? Das Thema FDP und Mövenpick wurde ja auch schon angesprochen. Wie steht die FDP zu den Subventionen von Flugzeugkerosin? Wie zu Subventionen von Diesel und Benzin letzten Sommer anstelle eines Tempolimits?

    • politischkorrektklimaneutralgendergerechtdiskriminierungsfrei sagt:

      Die AFD war die einzige Fraktion im SR zu Halle , die von den Eltern u. Lehrern kein Anschreiben zu den Problemen bekommen hat.
      Scheinbar ist die Not noch nicht so groß , dass aus Wutbürgern Mutbürger geworden sind.

  6. Schule als Abfallprodukt sagt:

    Sanierungsfall seit 2009 !!!!! … peinlich, beschämend, indiskutabel … bevor man sich mit millionenschweren Zukunftszentren beschäftigt sollte man vielleicht mal lieber erst seine Hausaufgaben vor Ort erledigen und untragbare Zustände wie diesen beseitigen.

  7. micha sagt:

    Es ist schon alleine bezeichnend, dass die Schüler aus Neustadt in die Schule in der Südstadt sollen.

  8. Bananenrepublik sagt:

    „Denn erst nach vier Stunden war das Thema in der Sitzung dran und seit dem saßen Eltern und Lehrer im Zuschauerraum.“

    Schon an diesem Detail ist gut zu erkennen, dass der Politik die Bürger am Allerwertesten vorbeigehen. Die vergessen wohl, von wem sie bezahlt werden?

    • aya sagt:

      Das vergessen sie keineswegs!

      Vielmehr wissen sie, dass man die Bürger so behandeln kann und dass sie trotzdem wiedergewählt werden. Das ist ja gerade der Trick!

      Wenn man jemandem mit dem nackten Arsch ins Gesicht springen kann und derjenige bedankt sich auch noch dafür, warum soll man das nicht machen? Haben sie alles von Merkel gelernt.

  9. ,,,,,,,Kinder sind unsere Zukunft,,,,,, heißt es!!! 18 Jahre braucht es , daß diese Schule saniert wird . Das ist ja schon sträflich !!!!! Und ein großes Armutszeugnis für den Stadtrat von Halle ,so etwas in die Länge zu ziehen,aber sind ja,,,,,,, nur ,,,,,,,unsere Kinder der Stadt .

  10. Jim Knopf sagt:

    Denen geht Es am Arsch vorbei .

  11. Nein danke sagt:

    Kinder sind unsere Zukunft, was für ein Witz. Keine Erziehung, 13 jährige bringen Menschen um , kinder kleben sich auf die Straße. Tolle Zukunft!!!!!!!

    • Daniel M. sagt:

      Ohne Kinder kannst du deine Videos nicht mehr schauen! Aber krass, dass sich mittlerweile Kinder auf Straßen kleben. Gut, dass du uns darüber informierst.

  12. Fake sagt:

    Erst 300 schüler jetzt sind es schon 500 Schüler, morgen 1000??????????????????????????? Fake News ?????!!!!!

  13. Dolf sagt:

    Dafür haben wir doch die Stadträte, zum diskutieren und rumquatschen, Jas nichts verändern oder anpacken