„Jugendhilfe ist keine freiwillige Leistung“: Villa Jühling muss Ende März schließen, wenn kein Geld der Stadt kommt
Als freier Träger der Jugendhilfe erbringt auch der Villa Jühling e.V. Leistungen, die als Pflichtaufgaben im Rahmen der Jugendhilfe gelten. Dazu zählen unter anderem außerschulische Bildungsangebote in Kooperation mit zahlreichen Schulen, Arbeit in Horten, Ferienfreizeiten für Kinder und Jugendliche, der Betrieb eines Jugendtreffs in Heide-Nord, Familienarbeit, Schulsozialarbeit an mehreren Schulen. Darüber hinaus betreibt der Verein eine Jugendbildungsstätte am Rand der Dölauer Heide. Seit Jahresbeginn wurden diese Angebote weiterhin aufrechterhalten – in der Erwartung, dass ein Teil der verauslagten Personal- und Sachkosten von der Stadt Halle erstattet werden, da der Jugendhilfeausschuss am 08.01.26 darüber entschieden hat.
„Hier geht es nicht um Freiwilligkeit oder so genannte freiwillige Leistungen wie aktuell berichtet wird. Wir erfüllen hier kommunale Pflichtaufgaben, die im achten Sozialgesetzbuch beschrieben werden. Die Grundlage unserer Arbeit bildet eine gesetzliche Regelung“, sagt der pädagogische Leiter Daniel Brandhoff. „Deswegen verstehen wir die aktuelle Diskussion nicht. Das Sozialgesetzbuch beginnt damit, dass ein Rechtsanspruch für jeden jungen Menschen auf Förderung seiner Entwicklung formuliert wird. Der Stadt scheint diese Vorgabe egal zu sein.“
Bislang ist die Rückerstattung der Kommune ausgeblieben. „Sollte kurzfristig keine Lösung gefunden werden, sehen auch wir uns gezwungen, unsere Arbeit zum 31. März 2026 einzustellen.“ Ab diesem Zeitpunkt müssten sämtliche Maßnahmen beendet werden. „Von einer Schließung betroffen wäre unter anderem unser Jugendtreff „base“ – auch die Angebote der Schulsozialarbeit an 4 Schulen in Halle und den Betrieb unseres Tagungshauses müssten wir im schlimmsten Fall einstellen.“ Besonders einschneidend wäre zudem der Wegfall geplanter Ferienangebote: „Die bereits mit viel ehrenamtlichem Engagement vorbereitete Osterferienfreizeit in der Villa, an der auch viele Kinder aus sozial benachteiligten Familien teilnehmen, können wir nicht stattfinden lassen. Auch unsere Sommerferienprogramme für 250 Kinder, Jugendliche und Familien aus Halle – darunter zwei Kanutouren, eine Familienfreizeit und die allseits beliebte Sommerwerkstatt, müssten wir schweren Herzens absagen. Das sind alles Angebote, die sich an alle Kinder und Jugendliche aus Halle richten. Hier treffen Kinder und Jugendliche aller Milieus und Stadtteile aufeinander – das ist wichtig für den sozialen Zusammenhalt unserer Gesellschaft“, sagt Daniel Brandhoff.
Darüber hinaus stünde die kontinuierliche Familienarbeit der Villa Jühling e.V. vor dem Ende. Gerade in Zeiten wachsender sozialer Herausforderungen benötigen Kinder, Jugendliche und Familien verlässliche Anlaufstellen und langfristige Perspektiven. Ein Wegfall dieser Strukturen würde nicht nur bestehende Beziehungen zerstören, sondern auch präventive Arbeit zunichtemachen, die über Jahre aufgebaut wurde.
„Wir stehen an einem Punkt, an dem nicht mehr abstrakt über Finanzierung gesprochen wird, sondern über das reale Ende von Angeboten für junge Menschen und Familien“, erklärt die Geschäftsführerin Dorothee Fischer. „Wenn die bereits entstandenen Kosten nicht zeitnah erstattet werden, müssen wir Ende März schließen. Das hätte unmittelbare und langfristige Folgen für die soziale Infrastruktur in Halle.“
Auch der Villa Jühling e.V. appelliert daher eindringlich an die Stadt Halle, schnellstmöglich eine verlässliche finanzielle Lösung zu schaffen. Neben der kurzfristigen Rückerstattung der bereits verauslagten Mittel braucht es vor allem eine langfristige Perspektive, um Kinder, Jugendliche und Familien auch künftig unterstützen zu können.
Foto: Villa Jühling









Ich finde die derzeitige Debatte um die halleschen Kinder- und Jugendhilfen sehr irritierend. Seit Jahren wird von den freien Trägern der Begriff des Ehrenamtes bemüht. Jetzt, wo der städtische Haushalt in eine massive Schieflage geraten ist, ist auf einmal von Pflichtleistungen die Rede, die von der Stadt bezahlt werden müssten. Wie passen das vielbemühte Ehrenamt und die zu bezahlenden Dienstleistungen eigentlich zusammen?
Krisen haben auch ihr Gutes: Sie machen Strukturen und Finanzierungswege sichtbar, was die Möglichkeit zu Korrekturen eröffnet, und die sind in Halle inzwischen bitter nötig. Ohne Rotstift geht es nicht, Kürzungen sind unvermeidlich.
Korrekte Analyse, volle Zustimmung.
Dann fang mal bei dir an und zahle die unrechtmäßig erworbene Subvention deiner Klimaanlage zurück.
Freie Träger arbeiten nicht ausschließlich ehrenamtlich. Sie übernehmen Kinder- und Jugendhilfe bzw. Hilfen zur Erziehung (ambulant und stationär): Dafür wird entsprechend ausgebildetes Personal eingestellt, welches auch entsprechend bezahlt werden muss. Fachlichkeit gibts nicht zum Nulltarif. DIese Menschen arbeiten nicht nur im Schichtdienst sondern haben auch Bereitschaftszeiten.Von ihrem Gehalt gehen Sozialabgaben ab, welche du z.B. nutzt (GKV u.a.). Klar ist das alles für dich irritierend, da du weder soziale Arbeit noch Ehrenamt kennst. Wäre A Silbersack wirklich ein Mensch, der dich kennt und sich auch noch mit dir abgibt, so könntest du ihn diesbezüglich Fragen. Stichwort Behindertenarbeit. Hoffe, dir geholfen zu haben…
Hier kämpft jeder um seinen Posten…..