Kaufland im Südstadt-Center macht dicht: keine verantwortbare Zukunft mehr – noch während der Mitarbeiter-Versammlung kamen die ersten Lkw

Seit zwei Wochen sind die Türen verschlossen, die Rolltreppen stehen still, die Parkplätze bleiben leer. Das Einkaufszentrum am Südstadtring ist dicht. Grund sind nach Angaben der Stadt erhebliche Brandschutzmängel. Eine Nutzungsunterlassung wurde verfügt – der Betrieb untersagt. Nun ist klar: Der größte Mieter, Kaufland, kehrt nicht mehr zurück. Die Filiale im Südstadt-Center wird dauerhaft geschlossen.

Am Donnerstagvormittag wurden die rund 80 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter über das endgültige Aus informiert. Vertreter des Unternehmens aus Neckarsulm waren angereist, um persönlich mit dem Betriebsrat und der Belegschaft zu sprechen. Während im Versammlungsraum noch über Perspektiven diskutiert wurde, rollten draußen bereits die ersten Lkw an.

Zwei Wochen Stillstand – jetzt Gewissheit

Seit Anfang Februar durfte die Filiale aufgrund einer behördlichen Anordnung nicht mehr betrieben werden. Nach Angaben der Stadt bestehen im gesamten Gebäude erhebliche bauliche Mängel, insbesondere im Bereich des Brandschutzes. Die Sicherheit von Kunden und Beschäftigten sei nicht gewährleistet gewesen.

Für viele Hallenser kam die plötzliche Schließung überraschend. Das Südstadt-Center am Südstadtring 90 war über Jahre hinweg ein wichtiger Versorgungsstandort für die umliegenden Wohngebiete. Vor allem ältere Menschen und Familien nutzten den Markt als Nahversorger.

In den vergangenen zwei Wochen prüfte Kaufland nach eigenen Angaben verschiedene Optionen, um dem Standort doch noch eine Zukunft zu geben. Doch die Prüfung fiel negativ aus.

„Vertrauensverhältnis nicht mehr gegeben“

In einer ausführlichen Stellungnahme teilte Kaufland mit: „Seit Anfang Februar kann Kaufland seine Filiale in Halle im Südstadt-Center aufgrund einer Schließungsverpflichtung der Behörde nicht mehr betreiben. Seitdem hat das Unternehmen verschiedene Optionen geprüft, wie es am Standort wieder eine Perspektive geben kann. Die vielfältigen baulichen Mängel im gesamten Gebäude, besonders im Bereich des Brandschutzes, vor allem aber das fehlende Vertrauensverhältnis zum Vermieter machen eine Wiedereröffnung der Filiale jedoch unmöglich.“

Die Geschäftsführung habe am Donnerstag den Betriebsrat sowie die Mitarbeiter darüber informiert, dass die Filiale künftig nicht wieder eröffnet und der Mietvertrag fristlos gekündigt wurde. Besonders deutlich wird das Unternehmen beim Thema Vermieter. Das notwendige Vertrauensverhältnis sei „nicht mehr gegeben“. Eine ähnliche Situation wie zuletzt wolle man „weder riskieren noch verantworten“.

In Vorleistung gegangen – mehrfach

Als größter Mieter im Südstadt-Center habe Kaufland in der Vergangenheit wiederholt finanzielle und personelle Vorleistungen erbracht, um Mängel zu kompensieren, die nicht im eigenen Verantwortungsbereich lagen. So seien Fremdfirmen beauftragt worden, um infrastrukturelle Probleme außerhalb der Verkaufsfläche zu beheben. Eigene Mitarbeiter seien teilweise ebenfalls tätig geworden, um den Betrieb aufrechtzuerhalten. Besonders drastisch: Zwischenzeitlich musste eine mobile Heizanlage installiert werden, weil die Fernwärmeversorgung aufgrund unbezahlter Rechnungen des Vermieters eingestellt worden war. Auch bis unmittelbar vor der behördlichen Schließung habe Kaufland mit Ad-hoc-Maßnahmen versucht, eine Stilllegung zu verhindern. Doch offenbar war der Zustand des Gesamtgebäudes so gravierend, dass eine nachhaltige Lösung nicht mehr realistisch erschien.

80 Beschäftigte betroffen

Für die rund 80 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bedeutet die Entscheidung einen tiefen Einschnitt. Viele von ihnen arbeiten seit Jahren in der Filiale. Nun stehen sie vor einer ungewissen Zukunft. Kaufland kündigte an, gemeinsam mit dem Betriebsrat Gespräche über mögliche Optionen zu führen. Das Unternehmen betreibt in Halle vier weitere Filialen. Kundinnen und Kunden können auf die Standorte in Zollrain, Trotha sowie im Halleschen Einkaufspark ausweichen. Auch in Landsberg und Merseburg ist Kaufland vertreten. Ob alle Beschäftigten intern weiterbeschäftigt werden können, ist derzeit noch offen. Erfahrungsgemäß versucht das Unternehmen jedoch, bei vergleichbaren Fällen Versetzungen in umliegende Filialen zu ermöglichen.

Ein harter Schlag für die Südstadt

Für das Südstadt-Center bedeutet der Weggang des Ankermieters einen massiven Verlust. Kaufland war Frequenzbringer – viele kleinere Geschäfte profitierten vom Kundenstrom des großen Lebensmittelmarktes. Ohne den Hauptmieter stehen die Zukunftsaussichten des Centers in Frage. Ob und wann die baulichen Mängel behoben werden können, ist bislang unklar. Ebenso offen ist, wie hoch die Investitionen ausfallen müssten, um das Gebäude brandschutztechnisch auf den aktuellen Stand zu bringen. Stadtverwaltung und Eigentümer stehen nun unter Druck, eine Perspektive für das Areal zu entwickeln. Leerstand in dieser Größenordnung hätte nicht nur wirtschaftliche, sondern auch städtebauliche Folgen.

„Halle hat Potenzial für fünf Filialen“

In seiner Stellungnahme betont Kaufland, dass die Entscheidung kein Rückzug aus dem Standort Halle sei: „Halle hat mit über 240.000 Einwohnern das Potenzial, um fünf Kaufland-Filialen dauerhaft wirtschaftlich erfolgreich zu betreiben. Gerne wäre das Unternehmen auch weiterhin für seine Kunden im Südstadtring 90 da gewesen.“ Man habe bis zuletzt versucht, den Betrieb verantwortungsvoll fortzuführen. Doch ohne verlässliche Rahmenbedingungen sei dies nicht möglich gewesen.

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20 Antworten

  1. A.W. sagt:

    Absolut nachvollziehbare Entscheidung, die für fast Jeden schon lange absehbar war.

  2. C.M. sagt:

    Ich kann die Verantwortlichen von Kaufland verstehen. Ich selbst habe den Aufbau und die Eröffnung des Centers miterlebt und bedaure dessen Zerfall sehr. Nicht nur für die Einzelhändler – es hatten erst in jüngster Vergangenheit neue Geschäfte eröffnet -, sondern auch für die Ärzte und die anderen Dienstleister im Center.
    Ich äußere auch Bedenken, dass viele ältere Menschen ohne Auto, die Kaufland besucht haben, jetzt in die kleineren Discounter „um die Ecke“ ausweichen werden müssen und diese Geschäfte damit überfordert werden könnten.

    • Tino sagt:

      Eine Teilschuld haben die Geschäfte aber selbst.
      Die Mietzahlungen hätte jeder einstellen müssen und zwar vollständig.
      Dann hätte man eine Frist setzen müssen zur Beseitigung von Mängeln.
      Hätte der Vermieter nicht reagiert, dann hätte man die zurückgehalte Miete für die Instandsetzung verwenden können.

      Jeder Richter der Welt, hätte nicht dagegen sagen können.

  3. On + On sagt:

    Danke Julius, das hast du ganz toll hinbekommen. Die Menschen in der Südstadt bedanken sich bei dir!

    • Onoff sagt:

      Genau! Er ist schuld! hat die Brandschutzmaßnahmen vernachlässigt, nichts investiert, das Center runtergewirtschaftet, Zahlungen veruntreut. Man, man, man…Wie blau kann man eigentlich sein?

  4. Detlef sagt:

    War ja schon von Anfang an klar.

  5. Anwoherin sagt:

    Absehbar gewesen.. Schließen zu müssen geht selten wirtschaftlich gut aus, da die Fixkosten unabhängig anfallen und es unklug wäre den Standort zu halten. Der Eigentümer pennt noch immer. Der soll das Gebäude verkaufen. Damit der „Markt regeln kann“ und es wieder hier in der Ecke attraktiv ist, denn nie und nimmer kann einem das bieten was kaufland bot –
    Kaufland hat sich, wie auch im Text beschrieben, lange genug für den Standort eingesetzt und dafür Respekt

  6. Einhochaufneumann sagt:

    Einen besonderen Dank muss man da an Herrn Julius Neumann (SPD) richten, er als Landtagskandidat hat ja ausreichend Staub aufgewirbelt und „gelbe Karten“ verteilt! Bravo Herr Neumann, Sie werden den Menschen sicherlich im Gedächtnis bleiben!

    • Viel Meinung keine Ahnung sagt:

      wieso schießen alle gegen Herrn Neumann? Bei diversen Stadtratssitzungen haben Bürger und Bürgerinnen sich zum Thema geäußert und den Stein ins Rollen gebracht

    • Tino sagt:

      @Einhochaufneumann, hast du eine Geistige Beeinträchtigungen oder bist du wirklich so ignorant?
      Die Schließung des Centers ist allein Schuld des Eigentümers.
      Er hat sich sich Jahrelang nicht um sein Objekt gekümmert und es Verwahrlosen lassen, kein anderer!
      Wenn du möchtest das es wieder eröffnet, kannst du ja deine Arbeitskraft kostenfrei zur Verfügung stehen, der Eigentümer wird sich bestimmt freuen.

  7. Schmutzfee sagt:

    Das war es dann fürs Sudstadt-Center. Bei dem Zustand des Gebäudes wird man auch keinen anderen Ankermieter für die Fläche vom Kaufland finden.

    Das wird aber nicht das letzte Center in Halle sein was dichtmachen wird.

  8. joki sagt:

    So ein Quatsch! Bedanke dich beim Eigentümer der sein Objekt verlottern ließ!

  9. Elli sagt:

    Man sieht doch immer wieder: die Reichen können machen was sie wollen. Der Eigentümer des Centers mit Sitz in Berlin kümmert sich einen Dreck. Wartet jetzt bestimmt bis alle Läden kündigen, damit er das Gebäude abreissen und einen Wohnblock dort hin klatschen kann. Noch trauriger ist aber die Bevölkerung die gegen solche Immobilienhaie nichts unternimmt. Und eine Demo von 100 Leuten bringt da leider nicht viel. Da müssen mindestens noch drei Nullen dran.

    • Tino sagt:

      Hätten die 100 Leute anstatt zu Quatschen, Entgeltlos und auf eigene Kosten Mängel ihres geliebten Einkaufcenters beseitigt, dann wäre schon jetzt wieder offen.

    • RaSchu sagt:

      Und wenn da 10 000 Leute demonstrieren , einen Investor juckt das in keinster Weise. Der hat sein Schäflein schon längst ins trockene gebracht und lacht sich eins.
      Schade ist es nur wie schon erwähnt für die Anwohner die sich nun anderweitig orientieren müssen , und auch für die kleinen Geschäfte die nin keinen Zulauf mehr haben.

  10. Die befürchtete Katastrophe ist eingetreten. Das ist mehr als ein schwerer Schlag. Ein Ankermieter ist natürlich entscheidend für das Südstadt Center. Zugleich verpflichtet Eigentum – eben aus gutem Grund. Der Eigentümer muss endlich gegenüber zehntausenden Anwohnern, vielen Geschäften und Existenzen sowie dutzenden Menschen mit ihren Jobs erklären, wie es hier weitergehen soll.

  11. Am Rande bemerkt sagt:

    Also Herr Neumann kann ja nun nichts dafür, auch wenn einige es hier behaupten. Schuld trägt allein der Besitzer. Klar haben sich manche Kunden wie die Dreckschweine benommen. Das Center wird aber nicht wegen beschissener Klos geschlossen sondern wegen eklatanten Mängeln, die eigentlich schon früher hätten auffallen müssen. Somit hat Herr Neumann einen Dienst erwiesen, jedoch keinen Bärendienst. Gehässige Stimmen (u.a. aus dem Paulusviertel) sind ja eh der Meinung gewesen, dass die Südstadt so etwas nicht braucht. Also auf zum Hermes-Gelände!
    Schade um das Center bzw. um die Geschäfte, Büros und Praxen. jetzt jedoch dem Vertreter der SPD Stimmungsmache und Wahlkampf vorzuwerfen, ist einfach nur…. Es war naiv zu glauben, dass sich ein Mieter wie Kaufland nochmal auf solche Spielchen einlässt. Den Mietern im Südpark wurde doch auch immer vorgeschlagen, aus ihrer Wohnung auszuziehen.

  12. DerDustAas sagt:

    Da hat unser lieber Herr Neumann aufgrund des ganzen Trubels sich selbst sowie der SPD aus Sicht der Südstädter einen Bärendienst für die kommende Wahl erwiesen.

  13. Everly sagt:

    Das war vorraussehbar. Das Ding ist sowieso Herunter Gewirtschaftet. Das der Eigentümer aber erst jetzt den Brandschutz verbessert hatte, ist viel zu spät. Naja dann müssen die Leute eben zu Netto und Lidl ausweichen. Es gibt noch ein eCenter (Silberhöhe), Globus nähe Damaschkestraße und mit der S3 kommt man easy zum sehr guten Kaufland bei Südpark hin.

  14. Franz2 sagt:

    Es ist schon kurios, wie jetzt hier die etwas Bildungsfernen auf Herrn Neumann rumhacken. So nach dem Motto:“ hätteste mal nix gesagt, dann könnten wir weiterhin in der abrissreifen Bauruine ohne Brandmeldeanlage und funktionierender Toiletten einkaufen gehen …“ Man könnte ja fast sagen „nix gehört, nix gesehen“. Aber nur EIN Unfall aufgrund der Mängel und die gleichen Leute hier hätten sofort verlangt, dass der gesamte Stadtrat zurücktreten muss und hätten BILD Interviews zu dem „Jahrhundertskandal“ gegeben. Mir ist immernoch schleierhaft, wie Menschen dort in dem Zustand gerne einkaufen gehen wollen. Anstatt sich über den Vermieter aufzuregen, nicht ein Wort des Dankes, dass Kaufland Geld aus der eigenen Tasche genommen hat, um es irgendwie möglich zu machen.
    Und jetzt wird genau DAS passieren, was schon C.M. gesagt hat: All die Leute strömen in die umliegenden Läden und beschweren sich, dass kleine Discounter den Ansturm nicht so einfach stemmen können. Die Leute machen sich ihre eigene kaputte Welt.

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