Knopf drücken, sonst wird durchgefahren: HAVAG führt Haltewunsch-System bei Straßenbahnen in Halle (Saale) ein
Wer in der Saalestadt mit der Straßenbahn unterwegs ist, muss sich ab Mitte des Monats auf eine wesentliche Neuerung einstellen. Was bei Bussen längst zum Alltag gehört, wird nun auch auf der Schiene zum Standard: Die Bahnen halten künftig nur noch bei tatsächlichem Bedarf.
Die Ankündigung hat bereits im vergangenen November für Gesprächsstoff gesorgt, nun macht die Hallesche Verkehrs-AG (HAVAG) Ernst. Ab dem 16. März 2026 wird der Betriebsdienst grundlegend umgestellt. Bislang stoppten die Bahnen an jeder Station im Liniennetz, völlig unabhängig davon, ob Fahrgäste am Bahnsteig warteten oder im Wagen den Wunsch zum Aussteigen hegten. Damit ist bald Schluss, denn das Unternehmen führt das Prinzip des Bedarfshaltes flächendeckend ein.
Für die Fahrgäste bedeutet dies eine aktivere Rolle im täglichen Pendelverkehr. Wer die Bahn verlassen möchte, muss künftig rechtzeitig die Haltewunschtaste im Fahrzeug betätigen, damit der Fahrer den Stopp einplant. Wer hingegen an einer Haltestelle zusteigen möchte, sollte sich deutlich erkennbar für das Fahrpersonal am Bahnsteig positionieren. In den Bussen der HAVAG sowie im regionalen Linienverkehr des Saalkreises ist dieses Verfahren bereits seit Jahren bewährte Praxis und hat sich dort problemlos in den Alltag integriert.
Hinter der Umstellung steckt weit mehr als nur eine organisatorische Änderung, denn die HAVAG verfolgt damit ehrgeizige wirtschaftliche und ökologische Ziele. Laut Angaben der Verkehrsgesellschaft lässt sich durch den Wegfall unnötiger Stopps der Brems- und Beschleunigungsaufwand der schweren Fahrzeuge massiv reduzieren. Dies führt nicht nur zu einem niedrigeren Energieverbrauch, sondern schont auch die Schieneninfrastruktur durch eine geringere mechanische Belastung.
HAVAG-Vorstand Vinzenz Schwarz hatte bereits im November die technische Notwendigkeit hinter diesem Schritt erläutert. Da die Straßenbahn gerade im Anfahrprozess unheimlich viel Strom zieht, ist jeder vermiedene Stillstand ein direkter Beitrag zur Kostensenkung und zum Umweltschutz. Durch die Reduzierung dieser energieintensiven Phasen erhofft sich das Unternehmen eine spürbare Entlastung in den Betriebskosten, während der Verkehrsfluss in der Stadt insgesamt flüssiger gestaltet werden kann.










Schade für die, welche erst zur Haltestelle sprinten, wenn die entsprechenden Verkehrsmittel schon eingefahren sind. Da wird wohl so mache(r) Bimmel/Bus leer weiterfahren
Schicksal!
Im Prinzip finde ich die Idee gut.
Wie oft halten die Bahnen an, ohne dass jemand ein- oder aussteigen möchte…
Der Unterschied zum Bus ist aber, dass die Stop-Tasten in den Straßenbahnen nur an den Türen ist.
In den Bussen sind sie im Fahrzeug verteilt..
Und wenn ich an die älteren Fahrgäste denke, müssten sie in Zukunft schon während der Fahrt aufstehen,
um den Knopf zu drücken… Es ist ja nicht immer jemand da, den man bitten kann, den Knopf für einen zu drücken.
Hier steht das Mittel definitiv außer Verhältnis zum gewünschten Zweck. Das wird schon deutlich, wenn man betrachtet, wie oft eine Straßenbahn verkehrsbedingt abbremsen muss.
Im Tagesverkehr hingegen wird man die Anzahl an Haltestellen ohne Ein- und Ausstiege an der Hand abzählen können. Dafür haben sowohl Fahrgäste als auch Fahrpersonal einen deutlich gesteigerten Aufwand.
„…die, welche erst zur Haltestelle sprinten, wenn die entsprechenden Verkehrsmittel schon eingefahren sind….“ sprinten also immer nur einer leeren Bimmel/einem leeren Bus hinterher? Weil die ja auch leer weiterfährt? 😊
Für Zusteigewillige empfehle ich Arm ausstrecken und Daumen hoch. Wie beim Trampen.
„Problemlos in den Alltag integriert“….Nein, leider ist das nicht so. Dürfte bei den Straßenbahnen aber leichter sein, als bei Bussen.
Anhalten und Anfahren, Fahrgastwechsel, kosten neben Energie auch Zeit, und die dürfte doch auch Fahrplan berücksichtigt sein. Wenn nicht gehalten wird, wird die Bahn an der nächsten Haltestelle etwas früher sein, bei mehreren könnte sich das summieren.
Dass keiner aus- bzw zusteigen möchte, wird in der Innenstadt sicher nur selten passieren.
Deine Logik möchte ich nicht haben.
Das funktioniert bei den Straßenbahnen in Magdeburg schon seit Jahren und erhöht die Pünktlichkeit. Sehr schön, dass das auch in Halle zum Standard wird.
Da bleiben doch gleich noch mehr Leute im Türbereich stehen!
Wenn sich die Stopp-Tasten in jeder Sitzreihe der Strassenbahn befinden – dann ist das sicher problemlos möglich.
Bisher befinden sie sich nur an den Türen.
Für ältere oder gesundheitlich beeinträchtigte Menschen ist die Sturzgefahr hoch, wenn sie vor Halt der Bahn durch den Wagen laufen. Zudem wird das Gedränge an den Türen noch mehr als ohnehin schon. Wer möchte da schon weitab der Eingänge stehen – ohne Möglichkeit den Halteknopf zu drücken?!