„Lage ist bereits eskaliert“: Stadtjugendring schreibt offenen Brief an Stadtverwaltung und Stadträte – Demonstration am Mittwoch für Kinder- und Jugendprojekte

Der Stadtjugendring in Halle (Saale) hat sich mit einem offenen Brief an Oberbürgermeister, Stadtrat und Verwaltung gewandt und vor einer dramatischen Zuspitzung in der Kinder- und Jugendhilfe gewarnt. Darin stellt das Netzwerk freier Träger klar, dass Leistungen nach dem SGB VIII keine freiwillige Aufgabe der Kommune seien, sondern eine gesetzliche Verpflichtung. Gerade in einer Stadt mit erheblichen sozialen Herausforderungen wie Kinderarmut und steigenden psychosozialen Bedarfen komme der Jugendhilfe eine zentrale Bedeutung für die gesellschaftliche Stabilität zu. Es mussten bereits Mitarbeitende entlassen, Angebote gekürzt und einzelne Einrichtungen geschlossen werden. Unter anderem haben dies er Blaue Elefant in der Silberhöhe, die Grüne Villa in Halle-Neustadt, Congrav sowie die Villa Jühling angekündigt. Jede Schließung bedeute für junge Menschen den Verlust eines verlässlichen Ortes und gewachsener Beziehungen, heißt es in dem Schreiben. Viele Träger verfügten inzwischen über keine finanziellen Rücklagen mehr, sodass ohne kurzfristige Entscheidungen die Handlungsfähigkeit zahlreicher Einrichtungen akut gefährdet sei. Für den morgigen Mittwoch, den 25. Februar, hat der Stadtjugendring um 13 Uhr zu einer Kundgebung auf dem Marktplatz aufgerufen, um auf die Dringlichkeit aufmerksam zu machen und Planungssicherheit für die Kinder- und Jugendhilfe einzufordern.

Offener Brief:

Sehr geehrter Oberbürgermeister,

sehr geehrte Stadträtinnen und Stadträte,

sehr geehrte Vertreterinnen und Vertreter der Verwaltung, 

die Situation der freien Träger der Kinder- und Jugendhilfe in unserer Stadt ist derzeit äußerst kritisch. Der Stadtjugendring wendet sich deswegen mit großer Sorge an Sie.

Gesetzliche Verpflichtung – keine freiwillige Aufgabe

In Teilen der öffentlichen Diskussion entsteht der Eindruck, Leistungen der Kinder- und Ju￾gendhilfe seien freiwillige kommunale Leistungen. Das ist nicht zutreffend. Kinder- und Jugendhilfe ist eine gesetzlich verpflichtende Aufgabe nach dem SGB VIII. Daraus ergibt sich die Verantwortung der Kommune, bedarfsgerechte Strukturen vorzuhalten und deren Finanzierung sicherzustellen. Gerade in einer Stadt wie Halle (Saale) mit erheblichen sozialen Herausforderungen ist diese Verantwortung von besonderem Gewicht. Kinderarmut, belastete Familienlagen und steigende psychosoziale Unterstützungsbedarfe verdeutlichen den anhaltend hohen Bedarf. Kinder- und Jugendhilfe ist hier kein ergänzendes Angebot, sondern ein zentraler Bestandteil sozialer Stabilität.

Die Lage ist bereits eskaliert

Die Situation ist inzwischen gravierender, als es abstrakte Beschreibungen vermuten lassen. In einzelnen Einrichtungen mussten bereits Mitarbeiter*innen entlassen werden. Angebote wurden eingeschränkt oder eingestellt. Einrichtungen stehen vor der Schließung oder mussten bereits schließen.Jede Schließung bedeutet für junge Menschen den Verlust eines verlässlichen Ortes. Jede Entlassung bedeutet den Verlust gewachsener Beziehungen. Einmal verlorene Strukturen lassen sich nicht kurzfristig wiederaufbauen.

Akuter Handlungsbedarf

Viele Träger verfügen über keine nennenswerten Rücklagen mehr. Personal- und Sachkosten fallen weiter an. Ohne kurzfristige finanzielle Klarheit ist die Handlungsfähigkeit zahlreicher Einrichtungen nicht mehr gewährleistet.Die Situation duldet keinen weiteren zeitlichen Aufschub. Es geht nicht um Wochen oder Monate – es geht um Tage.

Unser Appell

Wir fordern Verwaltung und Stadtrat auf,
• die gesetzliche Verpflichtung zur Sicherstellung der Kinder- und Jugendhilfe uneingeschränkt wahrzunehmen,
• umgehend tragfähige Finanzierungsentscheidungen zu treffen,
• den freien Trägern umgehend Planungssicherheit zu gewährleisten.

Vor diesem Hintergrund haben wir für Mittwoch, den 25. Februar, um 13:00 Uhr eine Kundgebung auf dem Marktplatz angemeldet. Mit dieser Kundgebung wollen wir die Dringlichkeit der Situation öffentlich sichtbar machen, die Auswirkungen der aktuellen Finanzierungsunsicherheit deutlich benennen und ein klares Signal für die Sicherung der Kinder- und Jugendhilfe in unserer Stadt setzen.

Wir laden alle Verantwortlichen sowie die Öffentlichkeit ein, sich ein Bild von der Lage zu machen und mit uns ins Gespräch zu kommen. Der Stadtjugendring steht für eine sachliche und konstruktive Zusammenarbeit. Gleichzeitig sehen wir uns in der Verantwortung, die aktuelle Lage unmissverständlich zu benennen und öffentlich darauf aufmerksam zu machen.

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16 Antworten

  1. siehste sagt:

    Jetzt dürfen wir im Minutentakt mit Wehklagen zur Finanzsituation der Stadt rechnen!!
    Beeindruckend!

    Beeindruckend auch die Ignoranz bei der Ursachenfindung über die letzten 30 Jahre.
    Das Milliardengrab liegt woanders.

  2. Hans-Karl sagt:

    Heutzutage müsst ihr auch zurückstecken. Das Geld steckt im Krieg gegen Russland.

  3. Versuch mach Klug sagt:

    Da werden sie wach, unsere Steuergeld Abgreifer.
    Ob die ganzen Millionen jemals irgendwelchen Jugendlichen etwas gebracht haben, ist sowieso mehr als fraglich.
    Versuchen wir es doch mal ohne Fantastrilliarden vom Steuerzahler.

  4. PaulusHallenser sagt:

    „Darin stellt das Netzwerk freier Träger klar, dass Leistungen nach dem SGB VIII keine freiwillige Aufgabe der Kommune seien, sondern eine gesetzliche Verpflichtung.“

    Das ist formal richtig. Jedoch wird bewusst unterlassen zu erwähnen, dass die Höhe der Finanzierung nach Ermessen erfolgt. Die freien Träger haben also keinen Anspruch auf Zahlungen in bestimmter Höhe.

    Die freien Träger in Halle wollen weitermachen wie bisher, und das ungeachtet der städtischen Haushaltskrise. Ich hoffe, dass diesem Denken und Fordern bald der Riegel vorgeschoben wird.

    Die Konsequenz: Mehr echtes Ehrenamt und dafür weniger vollsubventionierte freie Träger.

    • Saaleteufel sagt:

      Irgendwie bist Du so richtig niedlich.
      Jahrelang wurden Milliarden Steuergelder ,auch unter tatkräftiger Unterstützung Deiner FDP, in jeden erdenklichen Industriezweig gepumpt und Du spielst Dich hier anonym als großer Denker auf und schreibst nur empathielosen Blödsinn welcher von Deiner Unwissenheit genährt wird . Überlege mal, wo die Steuergelder wirklich verjubelt werden .

    • Ach Pauli.... sagt:

      Sagt der, der nicht mal in der Lage ist, sich ein Klimagerät zum vollen Preis zu kaufen sondern sich von den Steuerzahlern subventionieren lässt. Abgesehen davon, dass es keinen Wert hätte, wenn du dich um ein Ehrenamt bemühen würdest (Ausbildung und Arbeit zum Nulltarif) würde ich gerne von dir wissen wollen, was mit den Geldern innerhalb der Stadt passieren soll? Für die hier lebenden Menschen sollen sie nicht ausgegeben werden, für Kultur nicht, für Bildung nicht. Wofür dann? Aber wie immer: keine Reaktion deinerseits.

  5. Uwe sagt:

    Ganz einfach Ukraine ist wichtiger.

  6. Wario sagt:

    Interessant zu erfahren, wieviel Vereine mittlerweile am Steuertrog mitfuttern . Wieviel Pöstchen und Posten geschaffen wurden. Da werden die „Reichen “ eben etwas mehr besteuert.😉 Wo ist da die Transparenz? Die Reisebusse für die Demo sind bestimmt schon organisiert.

    • Mario sagt:

      Glaub weiter an die „Reisebusse“. Die Vereine waren bisher immer öffentlich! Nur durch deine Arroganz hast du nicht erlebt, wer da alles arbeitet, wer Angebote schafft. Okay, Stammtische und Kioske waren bisher nicht die Zielgruppe. Da ging man davon aus, dass die sich selbst helfen könnten.

  7. Tom sagt:

    was hier in Halle so abgeht, ist ja schon langsam wieder Zeit für eine TV Sendung !
    oder ?

  8. Radikal sagt:

    Es war höchste Zeit, dass diesen NGOs der Geldhahn zugedreht wird. Jetzt wird das Ausmaß dieses Selbstbedienungssystems endlich transparent gemacht.

  9. Daniel M. sagt:

    13:00 Uhr??? Es würden sich sicherlich gerne einige Hallenser an den Protest beteiligen. Aber um diese Uhrzeit ist der Arbeitstag noch in vollem Gange. Schwachsinn. Hoffe trotzdem auf rege Beteiligung.

  10. Notbremse ist wichtig sagt:

    Da haben sich einige Vereine sehr an die (freiwilligen) Millionen aus der Stadtkasse gewöhnt und auf immer mehr spekuliert.
    Aber, wenns alle ist, ist es alle.
    Man hätte eher die Notbremse ziehen müssen. Das Ganze ist einfach ausgeufert.

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