Neujahrsempfang von Oberbürgermeister Dr. Alexander Vogt im Stadthaus: Finanzielle Lage der Kommunen und positive Entwicklung der Saalestadt Thema

Nach 14 Jahren hat die Stadt Halle (Saale) am Montag wieder einen Neujahrsempfang durchgeführt. Nachdem Bernd Wiegand diese Tradition abgeschafft hatte, hat sie sein Nachfolger im Oberbürgermeisteramt, Dr. Alexander Vogt, wieder eingeführt. Das Stadthaus war an diesem Abend voll. Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Kultur und Medien waren zusammengekommen. Mit dabei waren beispielsweise Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Sven Schulze, die ehemalige Oberbürgermeisterin Ingrid Häußler, Die Bauunternehmer-Familie Papenburg, Zoo-Chef Dennis Müller, Stadtwerke-Chef Matthias Lux, Sparkassen-Chef Jürgen Fox, Uni-Rektorin Claudia Becker, HAVAG-Chef Vincent Schwarz, Stadtsportbund-Präsident René Walter, MZ-Chefredakteur Marc Rath, die Bundestagsabgeordnete Janina Böttger sowie die ehemaligen Bundestagsabgeordneten Karamba Diaby und Cornelia Pieper, die Landtagsabgeordneten Marco Tullner, Hendrik Lange, Wolfgang Aldag und Konstantin Pott sowie mehr als 40 Stadträte, beispielsweise Christoph Bernstiel, Katja Müller, Alexander Raue und Melanie Ranft. Bis auf die SPD waren alle Stadtratsfraktionen vertreten.

Unmittelbar vor Beginn des Empfangs trug sich die Generalkonsulin der Vereinigten Staaten von Amerika in Leipzig, Jodi Breisler, in das Gästebuch der Stadt ein – ein symbolischer Auftakt für einen Abend, an dem es nicht nur um kommunale Themen, sondern auch um internationale Verbindungen ging.

„Ein Zeichen der Wertschätzung“

Oberbürgermeister Alexander Vogt stellte gleich zu Beginn klar, warum er das Format wiederbelebt hat: „Ein Neujahrsempfang ist ein Zeichen der Wertschätzung. Er bietet Möglichkeiten des Netzwerkens und Austauschs – und es soll um das Zusammengehörigkeitsgefühl gehen. Das brauchen wir hier in Halle noch mehr, um die Stadt weiter voranzubringen.“ Vogt zeichnete das Bild einer Stadt, die in den vergangenen Jahren viel erreicht habe. Halle habe sich „hervorragend entwickelt“. Besonders stolz zeigte er sich auf den jüngsten Erfolg: den Erhalt des DB Museum in Halle.

„Es ist die Heimat der Geschichte der deutschen Reichsbahn“, betonte er. Die Reichsbahn habe im Osten eine deutlich größere Rolle gespielt als die Bundesbahn im Westen. Nun gelte es, dafür zu kämpfen, dass das Museum als ostdeutsches Industriegut weiter gestärkt werde.

Ein kleiner Fauxpas sorgte dabei für Schmunzeln: Vogt begrüßte Sven Schulze zunächst als Wirtschaftsminister – ein Amt, das dieser inzwischen gegen das des Ministerpräsidenten eingetauscht hat.

Rankings, Rekorde – und steigende Mieten

Mehrfach sei Halle im vergangenen Jahr positiv aufgefallen, so Vogt. Er verwies auf Platz zehn im Städteranking der „Wirtschaftswoche“ sowie auf Rang zehn im Smart-City-Ranking – als beste Stadt Ostdeutschlands. Besonders stolz: Halle belegt bundesweit Platz eins bei der Versorgung von Schulen mit schnellem Internet.

Doch nicht jede Entwicklung sorgt für einhellige Begeisterung. Als Vogt die stark gestiegenen Mietpreise als Indikator wachsender Attraktivität deutete, ging ein hörbares Gemurmel durch den Saal. Denn was für die einen ein Zeichen wirtschaftlicher Dynamik ist, bedeutet für andere eine zunehmende Belastung.

Hier zeigte sich die Ambivalenz des Abends: Aufbruchsstimmung auf der einen, soziale Herausforderungen auf der anderen Seite.

Leuchtturm in Mitteldeutschland

Gemeinsam mit Erfurt und Leipzig gehöre Halle zu den ostdeutschen Leuchttürmen, so Vogt. Diese Rolle untermauere man mit Investitionen – etwa durch das Schulinvestitionsprogramm. Mehr als 300 Millionen Euro seien inzwischen in Neubau und Sanierung geflossen.

Auch der Weinberg Campus entwickele sich rasant und sei das zweitgrößte Wissenschaftszentrum Ostdeutschlands. Die HAVAG investiere in neue Straßenbahnen. Im Sport verwies Vogt auf das neue Fußball-Nachwuchsleistungszentrum und den modernisierten Eisdom. Mit Blick auf die Saale Bulls sagte er augenzwinkernd: „Ich glaube, es ist Zeit für die zweite Liga.“

Sein Prestigeprojekt bleibt jedoch der Marktplatz. Noch in diesem Jahr solle dort ein Baum gepflanzt werden. Der Satz „Lassen Sie uns mit Selbstbewusstsein stolz auf unsere Stadt sein“ wurde mit kräftigem Applaus bedacht.

Vogt ging zudem auf die Bewerbung Halles als möglicher Konzernsitz der Deutschen Bahn ein – gemeinsam mit Erfurt. Die Lage sei ideal: 30 ICE-Verbindungen täglich nach Berlin, Frankfurt und München in 2:45 Stunden erreichbar. Halle sei hervorragend angebunden und strategisch gut positioniert.

Gleichzeitig verwies er auf die Sparpläne des DB-Konzerns in Höhe von 500 Millionen Euro – ein Hinweis darauf, dass Standortentscheidungen auch unter wirtschaftlichem Druck getroffen werden.

Weniger optimistisch klangen Vogts Worte zur finanziellen Lage. „Die kommunale Selbstverwaltung ist in Gefahr“, warnte er. Die Pflichtaufgaben überstiegen die Einnahmen, Kommunen seien strukturell unterfinanziert. Allein durch den Zensus verliere Halle jährlich 20 Millionen Euro. Vogt forderte, das Melderegister als Grundlage für Zahlungen aus dem Finanzausgleichsgesetz heranzuziehen – wie es etwa in Rheinland-Pfalz gehandhabt werde.

Ministerpräsident ruft zur Zuversicht auf

Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Sven Schulze stellte in seinem Grußwort die Zuversicht in den Mittelpunkt: „Halle kann nach vorn blicken. Und zwar mit Selbstbewusstsein.“ Halle sei mehr als nur ein wichtiger Standort in Sachsen-Anhalt – die Stadt sei Motor für ganz Mitteldeutschland. Die enge Zusammenarbeit mit Leipzig zeige, dass die Region nicht in Grenzen, sondern in Chancen denke. Besonders hob Schulze das entstehende Zukunftszentrum hervor, das Halle zusätzliche Strahlkraft verleihen werde – weit über Sachsen-Anhalt hinaus.

Doch auch er sprach offen über finanzielle Grenzen. Man werde nicht mehr jedes politische Problem mit Geld lösen können. Bund und Länder dürften den Kommunen keine Aufgaben übertragen, ohne diese ausreichend zu finanzieren.

Die Insolvenz des Chemieunternehmens Domo belaste das Land. Externe Einflüsse spielten eine Rolle, doch man müsse mit den Konsequenzen leben, so Schulze. Gleichzeitig gebe es positive Signale: Ein portugiesisches Unternehmen siedle sich in Leuna an – überzeugt vom Konzept des Industrieparks. Sachsen-Anhalt bleibe ein attraktiver Standort.

Diplomatie mit Herz

Mit Charme und persönlicher Begeisterung prägte Generalkonsulin Jodi Breisler den Abend. Seit Oktober im Amt, bekannte sie augenzwinkernd ihre noch ausbaufähigen Deutschkenntnisse – bevor sie eine Liebeserklärung an Mitteldeutschland formulierte.

Besonders hob sie die Städtepartnerschaft zwischen Halle und Savannah hervor. Die Tournee der Uni-Bigband Halle im Herbst 2023 sei ein eindrucksvolles Beispiel lebendiger transatlantischer Beziehungen gewesen.

Historisch spannte sie den Bogen zu Heinrich Melchior Mühlenberg, der von Halle nach Amerika aufbrach. Dessen Sohn wurde später erster Sprecher des US-Repräsentantenhauses – eine demokratische Verbindung von der Saale bis nach Washington.

Auch das US-Konsulat in Leipzig, 1826 gegründet, feiert in diesem Jahr sein 200-jähriges Bestehen – ein Symbol für Kontinuität in bewegten Zeiten.

Breisler verschwieg die globalen Unsicherheiten nicht. Gerade deshalb seien Partnerschaften wichtig. Für 2026 kündigte sie an: wirtschaftliche Beziehungen stärken, Sport- und Kulturdiplomatie ausbauen, Jugendaustauschprogramme wie „USA for You“ fördern.

Zum Abschluss wünschte sie – wieder auf Deutsch – ein gesundes und erfolgreiches Jahr. Halle habe einen festen Platz in ihrem Herzen.

Nach den Reden gab es noch eine kleine Ehrung für Elke Prinz, Gunnar Berg und Rüdiger Fikentscher. Alle drei waren mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet worden. Und danach wurde das Buffet eröffnet. Løzius hatte kleine Häppchen aufgetafelt.

Der Abend wurde durch Sponsoren ermöglicht: Saalesparkasse, Stadtwerke und brain-SCC hatten insgesamt 14.000 Euro zur Verfügung gestellt.

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22 Kommentare

  1. Marisa sagt:

    Ach wie schön. Da freue ich mich wirklich für den Oberbürgermeister das sein Amt so angenehm ist, während andere Menschen in der Stadt um ihre Arbeitsplätze bangen, weil er es nicht schafft den Haushalt zu beraten und so wichtige Gelder im Bereich der Jugendhilfe fehlen, die Organisationen an ihre Grenzen bringen.
    Prost.

    • Darfdochwohlnichtwahrsein sagt:

      Ich freue mich, wenn die Stadt unter Zwangsverwaltung kommt und die genannten Organisationen dann überlegen müssen, ob man wirklich nicht ohne Fördertröge auskommt oder nicht. Ein Ehrenamt ist doch kein Arbeitsplatz, da ist irgendwas missverstanden worden. Der Kassenwart im Angelverein hat auch keinen Arbeitsplatz deswegen, sondern eben nur ein Ehrenamt…

  2. Zinnober sagt:

    Ist ja wie eine Stromberg Faschingsparty….

  3. Na, die Liste ist aber kurz! sagt:

    Haben sich die anderen Rätlinge dem vermeintlichen Boykott angeschlossen?

  4. "Neujahrsempfang von Oberbürgermeister Dr. Alexander Vogt" sagt:

    Ahhh – jetzt ist das schon der Empfang seiner Hoheit! Komisch, bisher hieß das Ding „Neujahrsempfang der Stadt Halle (Saale)“! So schnell geht das also!

  5. Dölauer sagt:

    Während Betriebe reihenweise schließen und Insolvenzen zum Alltag gehören, feiert man sich dort selbst und klopft sich demonstrativ auf die Schulter. Eingeladen wird ausgerechnet der hauptverantwortliche Wirtschaftsminister – sorry Möchtegern-Ministerpräsident.
    Und was bitte soll die Bauunternehmerfamilie auf so einer Veranstaltung? Gerade jetzt wären Vertreter kleiner und mittelständischer Unternehmen angebracht gewesen, die tatsächlich unter der aktuellen Politik leiden.
    Statt ehrlicher Selbstkritik setzt man offenbar lieber auf Selbstbeweihräucherung – ganz nach dem Motto: „Weiter so“, koste es, was es wolle.

  6. Die Wahrheit sagt:

    Rostock und Jena gehören dann also schon nicht mehr zu Ostdeutschland.

  7. kleber sagt:

    Das war also Empfang und Fasching in einem Abwasch oder was machen diese Herren, die sich Halloren nennen anderes als Ganzjahresfasching?

  8. Henk sagt:

    Wie kann eine Satdt, die faktisch unter Zwangsverwaltung steht, eine derart unnütze Veranstaltung ausrichten?

    • Schichter sagt:

      Ganz einfach, wie du siehst. Und ohne dich zu frage oder auch noch einzuladen.

      Alles richtig. 🙂

      Aber viel wichtiger: Was macht deine Jobsuche?

  9. PaulusHallenser sagt:

    „Vogt zeichnete das Bild einer Stadt, die in den vergangenen Jahren viel erreicht habe. Halle habe sich „hervorragend entwickelt“. Besonders stolz zeigte er sich auf den jüngsten Erfolg: den Erhalt des DB Museum in Halle.“

    In Dresden baut man Halbleiterfabriken, in Jena wird Technik im Bereich Optik und Photonik entwickelt und produziert. Was wird in Halle gemacht? Sich mit alten Dampflokomotiven beschäftigt. Dazu passt auch Alexander Vogts eingeschränkte Sichtweise in Sachen Wirtschaft und Erfolge.

    • Fragjanur sagt:

      In welcher Stadt bist du wirtschaftlich erfolgreich?

    • AbsoluterPaulusTroll sagt:

      Hey PaulusHeini, auch der Silbersack ist sehr erfreut darüber, dass das DB Museum Bestand hat, Du solltest also Deine Meinung überdenken oder einfach still in Deiner klimatisierten Wohnung bleiben und über die Rückzahlung der Subventionen für die Klima nachdenken.

    • Wahnfried sagt:

      Wenn Sie schon zu dieser Tageszeit als Möchtegernleistungsträger nichts zu tun haben, könnten Sie sich auch besser informieren. Halle hat locker Spitzentechnologie wie Jena zu bieten. Gut, es fehlt uns eine Retortenfabrik für Chips, aber dafür haben wir große und spezielle Chemiefabriken.
      Wessen Sicht in Sachen Wirtschaft und Erfolg getrübt ist, beweisen Sie eindrucksvoll.

    • fassungsloser Beobachter sagt:

      Na, hier so auf einen ehemaligen Kollegen von dir einhauen…

    • Upsi sagt:

      Es tut wohl sehr weh wenn man selbst nicht eingeladen war 😉

      • Näh, garnicht! sagt:

        Mein Weinkeller ist gut gefüllt! Um mir gepflegt die Kehle zu befeuchten, brauche ich Drecksplörre nicht. 14.000 Euro Gesamttkosten, da kriegste keine guten Wein fü r 400 Peoples!

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