OB Vogt und Linken-Fraktionsvorsitzende Müller liefern sich Wortgefecht im Hauptausschuss wegen Ex-Referenten: “lasse mich nicht aufs Tribunal setzen”

Es war eine kurze Sitzung, nach nicht einmal 45 Minuten war der Hauptausschuss am Mittwoch formal beendet. Doch kurz vor Schluss kippte die sachliche Atmosphäre. Oberbürgermeister Dr. Alexander Vogt und die Vorsitzende der Linken-Fraktion, Katja Müller, gerieten öffentlich aneinander. Es ging um den ehemaligen Referenten des Oberbürgermeisters, Ahmed Großer, gegen den die Staatsanwaltschaft ermittelt. Was als Nachfrage zu einem nichtöffentlichen Fragenkatalog begann, entwickelte sich binnen Minuten zu einem scharf geführten Wortwechsel über Transparenz, Verantwortung und den richtigen Umgang mit einem sensiblen Verfahren. Es folgte ein 20-minütiges Wortgefecht.

Streit um Öffentlichkeit und Transparenz

Auslöser des Konflikts war ein Fragenkatalog, den Müller nach eigenen Angaben im nichtöffentlichen Teil an die Stadtspitze übergeben hatte. Die Antworten darauf seien „nicht oder nicht zureichend“ erfolgt, kritisierte sie. Gleichzeitig habe sie jedoch in den Medien Berichte gelesen, die sich auf ein Statement des Oberbürgermeisters bezogen. „Wenn in der Presse bereits Stellung genommen wird, dann erwarte ich auch eine öffentliche Antwort hier im Gremium“, sagte Müller in der Sitzung. Sie sehe nicht ein, weshalb der Stadtrat – als gewähltes Kontrollorgan – mit Verweis auf Nichtöffentlichkeit abgespeist werde, während die Öffentlichkeit über Medienberichte informiert werde.

Vogt widersprach deutlich. Er sei bereit, zu den Fragen Stellung zu nehmen – allerdings ausschließlich im nichtöffentlichen Teil der Sitzung, also ohne anwesende Gäste und Presse. Hintergrund seien laufende Ermittlungsverfahren. „Solange Ermittlungen laufen, äußere ich mich nicht öffentlich zu Details“, so der Oberbürgermeister. Für Müller war das nicht hinnehmbar. „Das ist hier kein Wunschkonzert. Sie können sich nicht aussuchen, ob Sie öffentlich oder nichtöffentlich antworten“, entgegnete sie. Sie berief sich auf das Auskunftsrecht des Stadtrats.

„Wie kommen Sie dazu, von sofortigem Handeln zu sprechen?“

Im Kern ging es Müller um eine konkrete Aussage Vogts in der Presse. Dort hatte er erklärt, er habe „sofort nach Bekanntwerden der Vorwürfe“ gegen seinen damaligen Referenten reagiert. Diese Darstellung stellt Müller in Frage. Nach ihren Angaben seien Vorermittlungen bereits Ende September bekannt gewesen, wie auch in der Presse nachzulesen. Reagiert habe der Oberbürgermeister jedoch erst am 23. Dezember. „Wie kommen Sie dazu, gegenüber der Presse zu behaupten, Sie hätten sofort reagiert, als die Vorermittlungen bekannt wurden?“, fragte Müller in der Sitzung.

Vogt wirkte zunächst zögerlich, stammelte etwas. Er habe mit Müller die Erfahrung gemacht, dass jedes Wort sofort protokolliert werde, sagte er – deshalb wolle er „kein falsches Wort wählen“. Tatsächlich beantragte Müller daraufhin ein Wortprotokoll der Sitzung. Für die Linken-Politikerin ist die zeitliche Abfolge entscheidend. Sie wolle keine Details aus dem laufenden Verfahren erfahren, betonte sie, sondern lediglich klären, wie die Aussage des Oberbürgermeisters zu verstehen sei. „Wo müssen Sie sich da noch erkundigen? Das ist etwas, das nur Sie wissen können! Warum haben Sie erst am 23. Dezember reagiert und nicht schon Ende September?“

„Ich lasse mich nicht aufs Tribunal setzen“

Die Atmosphäre im Saal wurde spürbar angespannter. Schließlich platzte Vogt der Kragen. „Ich lasse mich von Ihnen nicht aufs Tribunal setzen“, sagte er mit erhobener Stimme. „Ich bin hier nicht bei Gericht.“ Müller wies diesen Vorwurf umgehend zurück. Sie nehme lediglich ihr Fragerecht wahr. „Das ist kein Tribunal, sondern parlamentarische Kontrolle“, entgegnete sie. Das Vorgehen des Oberbürgermeisters sei respektlos gegenüber dem Stadtrat. „So geht man mit einem Fragerecht nicht um.“ Sie äußerte zudem den Verdacht, dass hinter der Zurückhaltung eine Strategie stecken könnte: „Das kann ja auch eine Methode sein, einfach keine Antworten zu geben, bis man mürbe ist.“ Mit ihr sei das jedoch nicht zu machen, so Müller. Sie erkenne eine „gewisse Systematik“, wenn Anfragen aus dem Rat nicht oder nur unzureichend beantwortet würden.

Im Zentrum der Auseinandersetzung steht Ahmed Großer, der frühere Referent des Oberbürgermeisters. Gegen ihn ermittelt die Staatsanwaltschaft. Es bestehen Zweifel an der Qualifikation Großers. Er ist gelernter Zootechniker. Im Raum stehen Fragen zu eingereichten Unterlagen und möglichen Unstimmigkeiten in seinem beruflichen Werdegang. Sollten sich die Vorwürfe bestätigen, könnten straf- und dienstrechtliche Konsequenzen folgen. Die genauen Inhalte der Ermittlungen sind nicht öffentlich bekannt. Auch die Stadtverwaltung verweist auf das laufende Verfahren und äußert sich nur eingeschränkt. In der Sitzung meldete sich OB-Referent Raik Möller zu Wort. Er stellte klar, dass der Oberbürgermeister mit den internen Prüfungen nicht persönlich befasst sei. Vielmehr habe Vogt den Fachbereich Personal mit der Untersuchung beauftragt. Der Bericht werde anschließend vom zuständigen Dezernenten ausgewertet – nicht vom Oberbürgermeister selbst. Müller sieht dennoch ein Problem. Ihrer Ansicht nach könnte Vogt in der Angelegenheit befangen sein, da es um seinen unmittelbaren Mitarbeiter gehe. Die Distanzierung reiche nicht aus, um jeden Anschein einer Einflussnahme auszuräumen.

Politische Dimensionen

Der Konflikt hat nicht nur eine juristische, sondern auch eine politische Dimension. Mehrere Stadträte werfen der Stadtspitze mangelnde Transparenz vor. Die Verwaltung wiederum betont, dass sie rechtsstaatliche Vorgaben einhalten müsse und laufende Ermittlungen nicht öffentlich kommentieren könne. Rechtlich ist die Lage komplex. Grundsätzlich haben Stadträte ein umfassendes Auskunftsrecht gegenüber der Verwaltung. Gleichzeitig sind personenbezogene Daten und Details aus Ermittlungsverfahren besonders geschützt. Die Abgrenzung zwischen berechtigtem Informationsinteresse und rechtlicher Verschwiegenheitspflicht ist oft schwierig.

In politischen Gremien kommt hinzu, dass öffentliche und nichtöffentliche Teile einer Sitzung klar getrennt sind. Personalangelegenheiten werden in der Regel nichtöffentlich behandelt, um Persönlichkeitsrechte zu wahren. Sobald jedoch öffentliche Aussagen – etwa in der Presse – im Raum stehen, verschwimmt diese Trennlinie. Genau hier setzt Müllers Kritik an: Wenn der Oberbürgermeister öffentlich von „sofortigem Handeln“ spreche, müsse er auch öffentlich erklären, wie diese Aussage zu verstehen sei.

Artikel Teilen:

31 Antworten

  1. Einwohner sagt:

    Wenn man andere Dinge auch so gründlich aufarbeiten würde, wie etwa das ganze Theater mit der damaligen Impfaktion! Wo ist denn da das „Tribunal“ und die Konsequenzen?

  2. Kenner sagt:

    Ich empfinde allein die Anwesenheit von Müller, in allen Sitzungen, als toxisch.

  3. Einer von uns sagt:

    Sehr geehrter Doktor Vogt, gehen Sie dieser Person nicht auf den Leim. Sie hätten es bei Ihrer Aussage, dass Sie sich dazu nicht öffentlich äußern, belassen sollen.

    • Mediator sagt:

      Genau! Meine Meinung dazu: Sie sind dort auf dem Schirm von Leuten, die sie weg haben wollen.
      Die suchen und suchen. Wer das ist , weiß man. Holzauge sei wachsam.

  4. Emmi sagt:

    Ach Frau Müller, sie ist so berechenbar in ihrem Handeln. Immer das gleiche Muster, parteilosen IB darf es nicht geben. Weiß sie nicht, was die Presse schreibt ist nicht immer die Wahrheit.
    „Katja Müller, gerieten öffentlich aneinander.“ Das ist ihre Methode, andere öffentlich an den Pranger stellen. Anstatt für die Entwicklung der Stadt zu kämpfen ist sie wie eine Furie ggü anderen Meinungen. Furchtbar diese Frau.

  5. Rammstein gegen Links sagt:

    Ausgerechnet Frau Müller…..
    Diese Frau sollte möglichst ganz still und klein sein! Elterliche Herkunft und eine Partei die bis heute nicht transparent über die Mauertoten an der Grenze spricht!
    Eine ganz miese Masche der linken (Antifa) Bewegung , diese Partei ist kein Millimeter besser als die Vorgänger nur mit anderen Namen!

  6. Sagenwasist sagt:

    Selbst wenn Herr Großer korrekte Papiere gehabt hat oder hätte, wäre die Gehaltsklasse immer noch unangemessen gewesen. Und das hat Herr Vogt gewusst, da nützt auch Herrn Möllers Verweis auf das Personalamt nichts! Es ist richtig und dankenswert, dass Frau Müller versucht, Mauscheleien aufzudecken. Auch für Sonnenkönige gelten Regeln im öffentlichen Dienst!

    • Müllermussweg sagt:

      Da sind noch ganz andere Mauscheleien innerhalb des Stadtrates zu Gange, die kann man dann gleich mit aufdecken. Wie etwa die Verflechtungen der Müllern mit der ANTFIA und die genauen Wege der Fördergelder, die zahlreich ausgeschüttet werden. Die Müllern ist eine krankhaft toxische Person, die es nicht ertragen kann, wenn die Mehrheit der Einwohner einen parteilosen OB möchte.

  7. Orgelpfeifer sagt:

    Naja irgendwer wählt ja so eine alles bremsende, und nur die eigenen Mikrotraumen zelebrierende Figur in den Stadtrat, wenn man den Lolli nicht bekommt dann wird das Gesicht ganz rot und man stampft mit den Füssen auf – vielen Dank an die staatlich alimentierte Wählerschaft einer Partei mit diktatorischen Wurzeln (von denen sie sich bis heute nicht wesentlich wegentwickelt hat).
    Dessen hemmende Macht sollte ohnehin reduziert werden – andere Länder machen das besser, dort hat ein Stadtrat primär beratende Funktion. Bei uns wird nur versucht Parteiinteressen durchzusetzen (was meist nicht funktioniert und dann passiert eben gar nichts). Ich erinnere hier aktuell an den Finanzplan (jahrelang durchgelassen trotz riesiger Defizite und nur durch Schuldenaufnahme verschlimmbessert) – das hier nichts läuft ist zu 100% hausgemacht vom Stadtrat. Keiner geht einen Schritt zurück und versucht Kompromisslösungen für die Stadt als Ganzes.
    Genau diese Handlungsunfähigkeit in weiten Teilen unserer politischen Gremien und das Beschäftigen mit Brosamen sind die allerbesten Wahlhilfen für die Blauen.

  8. On + On sagt:

    Frau Müller sollte erstmal aufklären, wie ihre Anstellung in einem thüringer Landesministerium zustande kam und weshalb sie faktisch bezahlt wird mit öffentlichen Steuergeldern, aber dort nicht mehr erscheinen muss… Da tun sich mittlerweile ebenfalls Ungereimtheiten auf.

  9. Kritiker sagt:

    Komisches Linken Bashing hier. Schon seid Mitte 2025 stand der Vorwurf im Raum und der OB hat nur mit vagen dünnen Erklärungen geantwortet.

    Man kann sich über die Art und Weise der Kritik streiten, nicht über den Inhalt.

    Das z.B. eine AFD sich z.B. bedeckt hält, ist bei aktueller Landespolitik und deren Verstrickungen ja logisch.

  10. Revision sagt:

    Wenn Frau Müller bei ihrem Arbeitgeber so auftreten würde, wäre die Kündigung
    wegen nachhaltig gestörten Vertrauensverhältnis fällig, deshalb arbeitet sie sich
    an OB Vogt ab, kann ja nichts passieren. Es gibt keine Zusammenarbeit mit ihr
    nur Konfrontation.

  11. Dani sagt:

    Die Linken können alles, außer mit Recht und Gesetz umgehen. Weder bei den erschossenen Toten in der DDR Zeit, noch während einem Ermittlungsverfahren.

    Müller sollte sich aus dem Stadtrat zurückziehen.

  12. Supervisor sagt:

    Ich empfehle der Dame mal das Knigge Buch!

  13. Steffi sagt:

    Nun die Frau hat im Stadtrat nichts zu suchen ,ihre Meinung hat noch keinen Interessiert.Scheinbar will sie ablenken von ihren Posten . Sie schadet nur der Stadt mir ihren Gerede.Was sie bis jetzt für die Stadt geleistet ? Nichts !

    • Bebler sagt:

      Zu den Fakten: Frau Müller darf und kann Fragen stellen. Schließlich wurde sie dafür gewählt. Ihren Wähler*innen war ihre Parteizugehörigkrit bekannt. Diese stand auch auf dem Wahlzettel. Der OB muss Fragen aus dem Stadtrat wahrheitsgemäß und vollständig beantworten, wenn es einen Bezug zur städtischen Politik gibt. Das ist hier der Fall. Hier geht es zudem um ein Ermittlungsverfahren, dass Umgereimtheiten bei der Anstellung von Herrn G. klären soll.
      Die AfD hat diesen OB zur Wahl empfohlen, da sich offensichtlich diesen Job keiner in der Partei zugetraut hat. Ohne diese Empfehlung wäre Dr. Vogt sicherlich nicht OB geworden.
      Es ist wichtig, das geklärt wird, ob es Verfehlungen gab, denn dann kann die Stadt Geld zurückfordern. Der OB muss den Verdacht ausräumen, von etwaigen Ungereimtheiten gewusst und nicht zügig reagiert zu haben.

Schreibe einen Kommentar zu Sofavan Antwort abbrechen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert