Stadtmission Halle beteiligt sich an Aktionswoche für Kinder aus suchtbelasteten Familien

„Wir werden sichtbar“ so ist dieses Jahr das Motto der Aktionswoche „Kinder aus suchtbelasteten Familien“. Nacoa, die Interessensvertretung für Kinder aus Suchtfamilien, möchte damit die Kinder aus suchtbelasteten Familien in den Fokus rücken und die Öffentlichkeit für deren herausfordernde Situation sensibilisieren. 

Sucht ist kein Randproblem und viele Familien sind davon betroffen. In Deutschland wächst jedes 5. bis 6. Kind mit suchtkranken Eltern auf. Das Motto der Aktionswoche wurde aus gutem Grund gewählt, denn über Sucht spricht man nicht. Die Suchterkrankungen sind nach wie vor stark stigmatisiert, so dass Betroffene sich oft nicht trauen, darüber zu reden. Auch in der Familie wird nicht darüber gesprochen. Dieses Tabu verhindert, dass sich betroffene Kinder und Jugendliche Hilfe holen. Sie werden nicht als Angehörige eines Suchtkranken wahrgenommen und bleiben deshalb häufig mit der belastenden Situation alleine. Eine Suchterkrankung der Eltern oder eines Elternteils kann sich entwicklungshemmend auf die betroffenen Kinder auswirken. Sie brauchen deshalb Hilfe – so früh wie möglich. Ohne diese besteht das Risiko, dass sie später selber eine Suchterkrankung oder eine andere psychische Erkrankung entwickeln. 

In den Kommunen und Landkreisen brauchen wir verbindliche Kooperationen zwischen Geburtskliniken, Jugendhilfe und Suchthilfe, um die Kinder frühzeitig zu erreichen. Rahmenverträge müssen das Ineinandergreifen der Hilfen automatisch regeln, damit die betroffenen Familien von Anfang an die optimale Unterstützung bekommen. Wenn uns das in Halle gelingt, tun wir etwas für die Zukunft unserer Stadt. 

Erwachsene Betroffene finden Hilfe bei den Suchtberatungsstellen in Halle und im Saalekreis. Diese bieten offene Sprechzeiten an, so dass man sich dort an jedem Tag in der Woche ohne Termin Hilfe holen kann. Die Angebote der Beratungsstellen sind kostenlos und können auch anonym in Anspruch genommen werden. Wer keine Möglichkeit hat, eine Beratungsstelle aufzusuchen, kann „DigiSucht“, eine Onlineberatung, nutzen (www.suchtberatung.digital). Ein weiteres Online-Portal, die bke-Online-Beratung bietet Eltern die Möglichkeit, sich bei Fragen zur Erziehung mit Fachkräften auszutauschen. 

Auch Jugendliche, die Sorgen und Probleme haben, können dieses Online-Angebot nutzen (www.bke-beratung.de/jugendberatung ). Und der Krisenwegweiser des Saalekreises und der Stadt Halle kann bei diversen Problemlagen weiterhelfen (Krisenwegweiser-Halle.de ).

Die Fachstellen für Suchtprävention Halle und Saalekreis bieten Grundschulen einen Parcours an, der spielerisch über Sucht aufklärt und Kindern bei Bedarf Möglichkeiten aufzeigt, wo sie sich Unterstützung holen können, ohne dass sie dabei das Gefühl haben, das Familiengeheimnis zu verraten. Eine anschließende Beratungsstunde mit einer Fachkraft erlaubt es den Kindern, ihre Sorgen bei einer unter der Schweigepflicht stehenden erwachsenen Person loszuwerden. 
Die Fachstelle für Suchtprävention Halle der Ev. Stadtmission Halle e.V. zeigt zusammen mit der Arbeitsgruppe „Kinder aus suchtbelasteten Familien“ im Rahmen der Aktionswoche am 26.02. um 10.00 und 14.00 Uhr kurze Dokumentarfilme, in denen betroffene Jugendliche über ihre Erfahrungen berichten. Im Anschluss stehen Experten aus der Suchthilfe für eine Fragen- und Gesprächsrunde bereit. Die Veranstaltungen richten sich an Jugendliche und an Fachkräfte. Interessierte können sich gerne bei der Fachstelle für Suchtprävention melden: praevention@stadtmission-halle.de

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