Verwunderung im Kulturausschuss: wozu soll die alte Siedepfanne ertüchtigt werden, wo es doch im Salinemuseum eine Neue gibt?
400.000 Euro aus dem Sondervermögen des Bundes will die Stadt Halle (Saale) in die Ertüchtigung einer Siedepfanne in einer der alten Siedehallen auf der Saline stecken. Im Kulturausschuss hat das am Dienstag für Verwunderung gesorgt. Schließlich wurde im Rahmen der Museumssanierung bereits eine neue Siedepfanne eingebaut.
Die Grünen haben deshalb den Antrag gestellt, diese Maßnahme zu strecken und die Mittel stattdessen zur Anschaffung eines neuen Notstromaggregats für das ehemalige Thalia Theater in der Kardinal-Albrecht-Straße zu nutzen.
„Mir erschließt sich nicht, warum eine Siedepfanne in einer unsanierten Halle erneuert werden soll“, sagte CDU-Stadträtin Ulrike Wünscher. Dem stimmte Friedemann Raabe (Volt) zu. Er könne die Prioritätensetzung der Stadtverwaltung nicht nachvollziehen. Von Kulturdezernentin Judith Marquardt gab es dazu jedoch keine aufklärende Antwort: „Damit die Halloren noch mehr Salz sieden können.“
Doch das geht offenbar an den Realitäten vorbei. Denn die Maßnahme sei nötig, damit die Halloren überhaupt wieder Schausieden anbieten können. Obwohl das neue Salinemuseum auch eine neue Siedehalle hat, wird es dort kein Schausieden geben. „Back to the roots“, sagt Hallore Steffen Kohlert. Die Salzwirker wollen den Hallensern und ihren Gästen das Brauchtum wieder näherbringen. Bislang ist dies nur in eingeschränktem Maße und bei Wind und Wetter unter freiem Himmel möglich. Nun soll für die Halloren ihr alter Siedebereich wiederhergestellt werden – abseits des eigentlichen Museums. „Es geht darum, das zu reaktivieren“, erklärt Tobias Heinicke, Erster und Regierender Vorsteher. „Die lebendige Brauchtumspflege soll wieder stattfinden.“
Klar sei, dass die Halloren im neuen Museum nicht erwünscht seien; sie würden dort nur virtuell stattfinden. Deshalb entziehe es sich auch der Kenntnis der Salzwirker, was das Museum mit der neuen Siedepfanne mache – vermutlich diene sie lediglich Demonstrationszwecken in der Ausstellung. Heinicke betonte zudem, dass mit dieser Pfanne das herkömmliche Schausieden der Halloren gar nicht funktionieren werde. Schausieden sei nicht nur das bloße Ausschütten von Salz. „Da gehört ja mehr dazu.“ Beispielsweise die Arbeitsschritte wie das Pfannenabschlagen, Trocknen und Hacken. „Das ist eben lebendiges und kein virtuelles, digitales Schausieden“, so Kohlert.
Für Halloren-Vorsteher Heinicke bietet das Schausieden auch die Chance, mit den Leuten ins Gespräch zu kommen, ihnen die Arbeitsschritte und die Bedeutung des Salzsiedens näherzubringen. „Man hat direkten Kontakt mit den Gästen der Stadt Halle.“ Auch Kindergartengruppen seien in der Vergangenheit gekommen. „Wir waren als Personengruppe sichtbar und konnten unsere Tradition vermitteln.“
Marquardts Aussage, für mehr Salzproduktion brauche es die Ertüchtigung der Siedepfanne, sei falsch. „Wir brauchen sie, damit die Halloren überhaupt wieder Salz sieden können“, sagt Heinicke.
Er betonte außerdem, dass für die Ertüchtigung ein Konzept erstellt worden sei und auch eine Kostenplanung vorliege. Die ursprüngliche Siedepfanne solle nicht komplett wiederhergestellt werden; vorgesehen seien unter anderem eine Verkleinerung und Maßnahmen zur Energieeinsparung. Auch die traditionellen Salzkronleuchter sollen wieder hergestellt werden können. Diese Möglichkeit biete die Siedehütte auf dem Hof nicht, weil sie zu klein sei. Auch in der neuen Siedepfanne im Salinemuseum sei das nicht möglich. Kohlert beklagte, dass dort zwar eine Siedepfanne errichtet worden sei, jedoch wichtige Bauteile am Rand weggelassen wurden, um stattdessen an dieser Stelle virtuelle Elemente zu integrieren.
Die aktuelle Lösung hält Kohlert für unwürdig. Der Hof sehe aus wie ein Autobahnparkplatz, und dort habe man lieblos eine Hütte aufgestellt. Das Salinemuseum selbst sei lediglich als Industriemuseum für einen modernen Transformationsprozess gedacht. „Und lebendige Halloren-Brauchtumspflege, Sagen und Mythen der Halloren haben dort in menschlicher Form keinen Platz.“










Dieses Theater kann sich die Stadt nicht leisten. Streichen der 400.000 €.
Na super, wer hat denn diesen Blödsinn im Museum zu verantworten? Das kommt dabei raus, wenn Menschen damit betraut werden, die keine Ahnung vom Brauchtum der Halloren haben.
Weil sie eben auch nicht aus Halle stammen und sich nicht für die Stadt interessieren, nur für das eigene Ego