Vom Mittelstand zur Luxusklasse: Duft aus Halle im Premiumauto – Staatssekretärin zu Gast bei PaCos
Mit dem Namen PaCos können vermutlich nur wenige Hallenser etwas anfangen. Und doch entstehen in einem unscheinbaren Gebäude in der Reideburger Straße Produkte, die täglich in deutschen Badezimmern stehen – oder sogar durch die Lüftungssysteme luxuriöser Fahrzeuge strömen. Das mittelständische Unternehmen ist ein sogenannter Lohnhersteller. Es produziert im Auftrag anderer Marken – diskret, zuverlässig und nach exakt vorgegebenen Rezepturen.
Hinter bekannten Parfümerieketten, Homeshopping-Sendern oder Markenherstellern steckt nicht selten die Arbeit aus Halle an der Saale. Haut- und Körperpflege, Gesichtspflege, Baby- und Kleinkinderprodukte, Haarpflege, Duft- und Schaumbäder, Deodorants, Sonnenschutzpräparate, Berufskosmetik, Fußpflege sowie pharmazeutische Hilfsmittel: Die Liste der Erzeugnisse ist lang. Produziert werden Cremes, Lotionen, Gele, Salben, Pasten, Pflegeöle sowie tensid- und alkoholhaltige Artikel.
„Die Firmen geben uns die Rezepturen – und nach denen wird dann produziert“, erklärt Geschäftsführer Thomas Hirsch nüchtern. Es ist ein Geschäft im Hintergrund, ohne großes Markenlogo nach außen, aber mit hoher Verantwortung für Qualität und Präzision.
Duft aus Halle für die Luxusklasse
Zu den ungewöhnlicheren Aufträgen gehört die Zusammenarbeit mit einem großen Autohersteller. Für ein Luxusmodell produziert PaCos spezielle Raumdüfte. Über ein technisches System werden diese im Innenraum verteilt und gelangen über die Klimaanlage in den Fahrgastraum. Eine Art High-End-Variante des klassischen Duftbaums – nur deutlich eleganter und exakt dosiert. Dass ein mittelständischer Betrieb aus Halle Teil eines solchen Premiumprodukts ist, zeigt, wie spezialisiert und wettbewerbsfähig das Unternehmen arbeitet.
Kauf in der Krise
Seit fünf Jahren gehört PaCos dem gebürtigen Wormser Thomas Hirsch. Der Unternehmer übernahm die Firma ausgerechnet mitten in der Corona-Pandemie.
„Wir haben die Firma also mitten in der Corona-Krise gekauft“, sagt Hirsch beim Besuch der Parlamentarischen Staatssekretärin im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWE), Gitta Connemann. Es sei eine turbulente Zeit gewesen: Pandemie, Energiekrise, Rohstoffengpässe, steigende Personalkosten.
„Das alles konnten wir verkraften“, so Hirsch. Doch er schlägt auch ernste Töne an: „Wenn seit fünf Jahren die Wirtschaft stagniert, wenn sich die Rahmenbedingungen so stark verändern, dass man gar nicht mehr Zeit hat, sich um sein Geschäft zu kümmern, reden wir wirklich darüber, dass der Mittelstand ein riesengroßes Problem hat.“
Die Worte sind deutlich – und sie spiegeln die Sorgen vieler mittelständischer Unternehmer in Deutschland wider.
Eine bewegte Geschichte seit 1902
Die Wurzeln von PaCos reichen weit zurück. Gegründet wurde das Unternehmen im Jahr 1902. In seiner wechselvollen Geschichte gehörten zeitweise Branchengrößen wie Henkel oder Procter & Gamble zu den Eigentümern. Auch die VP Schickedanz AG, bekannt durch Tempo-Taschentücher, war einmal beteiligt.
Zu DDR-Zeiten firmierte der Betrieb als VEB Patina. Nach der Wiedervereinigung folgte eine Phase ständiger Eigentümerwechsel. „Nach der Wende gab es alle paar Monate einen neuen Eigentümer. Jeder hat versucht, das letzte Geld aus der Firma herauszupressen“, berichtet Hirsch.
1999 kam es zur Insolvenz. Der damalige Betriebsleiter kaufte das Unternehmen aus der Insolvenz heraus und positionierte es unter dem Namen PaCos neu. Eine mutige Entscheidung, die die Grundlage für den heutigen Betrieb legte.
Wachstum mit Verantwortung
Als Hirsch das Unternehmen übernahm, beschäftigte PaCos 28 Mitarbeiter. Heute sind es wieder rund 50. Der Umsatz konnte in den vergangenen fünf Jahren verdreifacht werden.
Doch wirtschaftlicher Erfolg ist für Hirsch nicht nur eine Frage von Zahlen. Besonders stolz ist er auf die Kooperation mit drei Behindertenwerkstätten in der Region. Rund 50 Menschen mit Behinderung sind dort mit Verpackungsarbeiten für PaCos beschäftigt. „Die sind unwahrscheinlich stolz darauf“, sagt Hirsch. „Sie sagen nicht, sie sind in einer Werkstatt – sie sagen, sie arbeiten bei PaCos.“
Es ist ein Beispiel dafür, wie Mittelstand regionale Verantwortung übernimmt – oft ohne große öffentliche Aufmerksamkeit.
Investitionen trotz Gegenwind
Trotz unsicherer Zeiten investierte PaCos mehrere Millionen Euro in neue Technik. Für ein Unternehmen dieser Größe ist das eine enorme Summe. Staatliche Förderung erhielt man nicht. Hier wird Hirsch deutlich: „Es müsste viel einfacher sein, einen Antrag zu stellen.“ Die Bürokratie sei eine erhebliche Belastung, gerade für kleinere und mittlere Unternehmen.
Seit etwa einem halben Jahr spürt auch PaCos die konjunkturelle Abkühlung. „Es ist nicht mehr der Absatz da, der früher da war“, sagt Hirsch. Die Investitionen sollen helfen, effizienter und wettbewerbsfähiger zu produzieren – doch die Unsicherheit bleibt.
Bürokratie als Wachstumsbremse
Staatssekretärin Gitta Connemann zeigt Verständnis für die Kritik. „Ich bin da bei Ihnen, dass wir zu viel Bürokratie haben“, sagt sie. Der jährliche bürokratische Aufwand belaufe sich auf rund 64 Milliarden Euro. „Wir müssen das zurückdrehen. Das ist ein preiswertes Konjunkturprogramm für einen Staat – und es gibt wieder Lust zu machen.“ Bürokratie sei nicht nur teuer, sondern demotivierend. „Weil du den Eindruck hast, der Staat misstraut dir ständig.“ Connemann plädiert insbesondere für weniger Regulierung bei kleineren Betrieben. Der Mittelstand dürfe nicht unter denselben Dokumentations- und Berichtspflichten leiden wie Großkonzerne.
Der Besuch bei PaCos ist Teil einer bundesweiten Mittelstandsreise der Staatssekretärin. „Ich mache diese Reise auch, um Themen mitzunehmen“, erklärt sie. Es gehe darum zu verstehen, wo konkret Unterstützung notwendig sei. Der Mittelstand sei das Rückgrat der deutschen Wirtschaft – und zugleich stark belastet durch Regulierung, hohe Energiepreise und internationale Konkurrenz. „Wir wissen sehr wohl um die Bedeutung des Mittelstandes und um die Belastung des Mittelstandes durch Regulierung und Kostensituation, die Wettbewerbsfähigkeit kostet.“ Man müsse „an ganz viele Räder ran“. Manche Änderungen beträfen nur eine Formulierung in einem Gesetz, andere seien europarechtlicher Natur.
Steuerpolitik als Hebel
Ein zentrales Thema ist die Unternehmensbesteuerung. Connemann spricht sich für eine Reform aus. 10 Prozent Körperschaftsteuer statt 15 Prozent – und zwar sofort, nicht erst im Jahr 2031, fordert Hirsch hierzu. Für ihn wäre das eine spürbare Entlastung. Gerade in Zeiten sinkender Nachfrage könnten steuerliche Spielräume Investitionen sichern und Arbeitsplätze stabilisieren. Gleichzeitig warnt Connemann vor einer politischen Entwicklung, die auf höhere Unternehmenssteuern setze. Die Diskussion um Erbschaft- oder Vermögenssteuer sende aus ihrer Sicht problematische Signale an Unternehmer.
Konsum oder Investition?
„Wir werden in diesem Land priorisieren müssen“, sagt Connemann. „Die Frage ist: Konsumption oder Investition?“ Hohe Sozialausgaben führten dazu, dass Investitionsmittel fehlten – Mittel, die dringend notwendig seien, um Wachstum zu erzeugen. Nicht alle politischen Kräfte teilten diese Einschätzung. Doch ohne Investitionen in Wirtschaft und Infrastruktur sei nachhaltiges Wachstum schwer vorstellbar.
Ein weiteres Thema ist die Beschleunigung von Genehmigungs- und Verwaltungsverfahren. Zwar existiere bereits ein entsprechendes Gesetz, doch häufig würden vorhandene Spielräume vor Ort nicht genutzt. „Wenn wir Ermessen öffnen, muss Ermessen genutzt werden“, betont Connemann. Zu oft herrsche eine Mentalität des Abwartens und der Vorsicht. „Wir brauchen wieder eine Kultur des Mutes.“
Für Unternehmer wie Thomas Hirsch sind das zentrale Punkte. Sie wünschen sich verlässliche Rahmenbedingungen, weniger bürokratische Hürden und politische Entscheidungen, die Investitionen fördern statt erschweren.
Zwischen Optimismus und Realität
PaCos steht exemplarisch für viele mittelständische Unternehmen in Deutschland: traditionsreich, innovativ, sozial engagiert – und zugleich konfrontiert mit globalen Krisen, stagnierender Nachfrage und regulatorischem Druck. Trotzdem bleibt Hirsch optimistisch. Die Investitionen in moderne Technik, die gewachsene Belegschaft und die breite Kundenbasis geben Anlass zur Hoffnung. Doch klar ist auch: Ohne wirtschaftlichen Rückenwind wird es schwieriger. In der Reideburger Straße in Halle wird weiter produziert – diskret im Hintergrund, aber mit Produkten, die bundesweit im Einsatz sind. Vielleicht kennen die wenigsten Hallenser den Namen PaCos. Doch die Bedeutung solcher Betriebe für Wirtschaft, Arbeitsplätze und regionale Stabilität ist größer, als es auf den ersten Blick scheint.














Leider negiert die SPD die Probleme der Wirtschaft und die Finanzkonsequenzen ( Grimm-Report) ihrer immer weiter übertriebenen Sozialausgaben und Bürokratisierung. Bas und Co werden zum Totengräber der deutschen Wirtschaft und Wettbewerbsfähigkeit. Da kommt auch das kleine Wirtschaftsministerium nicht gegen an. Trotz des Fehlers eines Bremsens bei den erneuerbaren Energien ist das Wirtschaftsministerium mit Frau Reiche einer der wenigen Lichtblicke der Regierung.