340 Kinder und Jugendliche betroffen: Kindersingakademie in der Silberhöhe steht ebenfalls vor dem Aus

Die anhaltende Haushaltssperre in Halle (Saale) verschärft die Lage für die freien Träger der Kinder- und Jugendhilfe sowie der freien Kulturszene in Halle (Saale) zunehmend. Diese Unsicherheit bringt auch die Kindersingakademie in eine existenzbedrohende Situation. Seit mittlerweile zwei Monaten sichert die Hallesche Jugendwerkstatt als Träger die Arbeit aus eigenen Mitteln ab – ohne verbindliche Zusage, wann die bewilligten Gelder tatsächlich fließenoder ob sie vollständig ausgezahlt werden. Doch ohne eine planbare Finanzierung ist die Fortführung der Kinderchöre und weiterer Musikangebote in der Silberhöhe in naher Zukunft nicht mehr gewährleistet. 

Ein Wegfall der Angebote der Kindersingakademie würde einen großen Verlust für die in der Silberhöhe wohnhaften Kinder und Jugendlichen bedeuten, von denen ein Großteil ohnehin sozial benachteiligt ist. Aktuell singen in der Kindersingakademie rund 340 Kinder und Jugendliche. „Wenn das einzige musikalische Angebot in ihrem Stadtteil wegfällt, das im Bedarfsfall unentgeltlich zugänglich ist, sitzen die Kinder und Jugendlichen stattdessen vor dem Fernseher oder Smartphone. Das Chorsingen als Hobby ermöglicht ihnen eine würdige gesellschaftliche Teilnahme über die Musik, die sonst nur anderen Kindern vorbehalten ist“, so Anna Manser, die Geschäftsführerin der Halleschen Jugendwerkstatt.

Anliegen der Kindersingakademie der Stadt Halle ist es, Zugänge für Kinder aus einkommensschwachen Familien zu schaffen und nahbar zu sein, insbesondere in der Nachwuchsförderung. Sie versteht sich als aktiver Teil des sozio-kulturellen Lebens im Stadtteil Silberhöhe mit wohnortnahen Angeboten wie beispielsweise kostenlosen Chor-AGs in Schulen oder Ferienangeboten im Quartier. Indem sie einen essentiellen Beitrag zur kulturellen Teilhabe und Chancengleichheit leistet, wirkt sie sozialer Ausgrenzung entgegen. Jedes Kind, das Freude am Singen hat, wird hier gefördert. Musik soll kein Privileg für wenige sein, sondern ein selbstverständlicher Teil kindlicher Bildung. 

Langfristig entstehen für Kommunen und Gesellschaft höhere Kosten, wenn Kinder keinen Zugang zu musikalischer Bildung erhalten und daraus resultierende Entwicklungsdefizite ausgeglichen werden müssen. Musikalische Früherziehung fördert nachweislich motorische, sprachliche, kognitive und soziale Fertigkeiten und legt damit einen wichtigen Grundstein für schulische Reife und eine gesunde kindliche Entwicklung. Chorsingen eignet sich hervorragend als niedrigschwelliges Angebot und vermittelt nicht nur musikalische Fähigkeiten: Kinder erwerben zentrale soziale Kompetenzen wie Konzentrationsfähigkeit und Selbstreflexion sowie Verantwortungsbewusstsein innerhalb einer Gruppe mit gegenseitiger Wertschätzung. Als gemeinschaftliche und sinnstiftende Freizeitaktivität stärkt Chorsingen nachhaltig die Persönlichkeitsentwicklung innerhalb unserer Gesellschaft, fördert Kommunikation sowie soziale Interaktion und lehrt, gemeinsam Erfolge zu gestalten. Eine Schließung der Kindersingakademie der Stadt Halle führt zu strukturellen Schäden, die nicht kurzfristig rückgängig zu machen sind. Musikschulangebote unterliegen somit unser aller Verantwortung für Prävention, soziale Stabilität und gesellschaftliche Teilhabe.

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35 Antworten

  1. Schlimm. Wir brauchen schnellstmöglich Lösungen für die jungen Menschen unserer Stadt.

  2. Henk sagt:

    Ja, so ist die Rechtslage. Wenn kein Geld mehr da ist, können auch keine freiwilligen Leistungen (vulgo für Steuergeld der Bürger) für einen Chor erbracht werden.

    • PaulusHallenser sagt:

      Henk,

      unterhalten Sie sich mal mit einigen Stadträten. Die leben mitunter in ihrer völlig eigenen Welt und wollen vom Steuergeld der Bürger nicht viel hören. Da kommt auch schnell mal die Aussage: „Das sind keine Steuergelder, das sind doch nur Kredite!“, wenn es um die Finanzierung des städtischen Haushaltes und der freien Träger geht.

  3. Espe sagt:

    Einfach Gebühren verlangen. Wer sein Kind liebt ( und vorausgesetzt es hat Talent) der gibt auch gerne einen Beitrag dazu. Macht jeder Sportverein genau so.

  4. Mirko sagt:

    So ein katastrophales Signal! es braucht dringend Kinder und Jugendarbeit! und MEHR statt weniger .. das Problem mit sozialen Medien und gesellschaftlichen Missständen hat langfristig uns und unsere Kinder verändert wie kann man diese ganzen Einrichtungen schließen und die Förderungen streichen ?!? Das ist dumm und kurzgedacht das wird Halle und alle anderen betroffenen Städte noch heftig zu Schaden kommen. Ein Schuss ins eigene Bein. Wenn der Bürger und deren Nachwuchs krank ist und keine Behandlungen bekommt…was soll dann aus einer Stadt oder einem Land werden.
    Kommt deshalb zur Demo am 25.02.2025 um 13Uhr auf den Marktplatz und erhebt eure Stimme für eine Zukunft der Kinder und Jugendlichen in unserer Stadt!

    • Dog sagt:

      Sorry der Marktplatz ist der falsche Treffpunkt.Ausloeser sind doch Berliner Abgeordnete denen es egal ist ob Städte und Gemeinden ihre Entscheidungen stemmen können. Ich bekomme langsam das Gefühl denen schwebt eine Front Betreuung der Kinder vor.

  5. stimmt, aber sagt:

    @ Julius Neumann, sag das mal den ganzen Hatern, die sich hier bei den ganzen anderen Artikel in ihren Statments ergötzen, da wird einem übel !

    • Es gibt in Halle glücklicherweise eine große Mehrheit, die Kinder und Jugendliche als die Zukunft sieht und daher auch in sie investieren will. Das zeigt sich gerade in den letzten Tagen auf ganz unterschiedlichen Wegen. Das Internet ist hier kein repräsentatives Abbild unserer Stadtgesellschaft.

    • Fakt sagt:

      Es hat aber nix mit „Haltern“ zu tun sondern einfach damit dass man nicht immer nur vom Staat fordern kann sondern auch wirtschaftlich arbeiten muss. Und wenn dies nicht funktioniert muss man eben Beiträge erheben.

  6. Zappelphillip sagt:

    Man sollte diese Hallesche Jugendwerkstatt mal in Gänze unter die Lupe nehmen … da wird auch massenhaft Geld verbrannt … ist so ähnlich wie damals die Treberhilfe in Berlin … ein fass ohne Boden

  7. PaulusHallenser sagt:

    „Seit mittlerweile zwei Monaten sichert die Hallesche Jugendwerkstatt als Träger die Arbeit aus eigenen Mitteln ab“

    Das klingt erst einmal sehr edel und uneigennützig. Aber ist es das wirklich? Woher haben die Hallesche Jugendwerkstatt und die Kindersingakademie dafür die notwendigen Mittel? Eine (mögliche) Antwort auf diese Frage gibt es hier:

    „Kindersingakademie der Stadt Halle erhält 1 Mio.€ aus dem Sondervermögen Infrastruktur des Landes“

    https://dubisthalle.de/kindersingakademie-der-stadt-halle-erhaelt-1-mio-e-aus-dem-sondervermoegen-infrastruktur-des-landes/

    • Frage sagt:

      PaulusHallenser,

      Wenn ich den Artikel, auf den Sie verweisen, richtig verstanden habe, sind die Mittel aus dem Sondervermögen für die Gebäudesanierung bestimmt, nicht für den laufenden Betrieb. Verstehe ich das falsch?
      Falls nicht, bliebe von Ihren unfreundlichen Unterstellungen nichts übrig.

      Beste Grüße

    • Ach Pauli.... sagt:

      Du hast (wie zu erwarten) keine Ahnung von der Trägerschaft der Halleschen Jugendwerkstatt. Musst du auch nicht. Aber dann halt wenigstens die Klappe und verunglimpfe nicht wieder. Du hast das Statement der Frau Manser gelesen? Du hast ihre Vita erschnüffelt? Sicher! Sonst hättest du dich gehässig ihr gegenüber geäußert. Aber da gibts nix. Sie hat ewig im SCHIRM gearbeitet und diesen geleitet und somit Bezug zu benachteiligten Kindern und Jugendlichen . Bei einem anderen Beitrag hast du explizit gesagt, dass dich solche Menschen nicht interessieren. Darf auch so sein. Dann halt aber einfach deine Klappe, wenn es um deren Bedürfnisse geht! Weiter oben behauptest du, dass du dich und deine Familie ohne Subventionen versorgen könntest (Klimagerät jetzt mal außen vor). Wir beide wissen, dass das gelogen ist. Du würdest nicht mal einen Klassenlehrer aus dem Elli kennen. Also halt die Klappe!

  8. GegenEinsparungenImSozialenBereich sagt:

    Ich finde die Kommentare hier teilweise bodenlos. Die Kindersingakademie verlangt natürlich Gebühren für ihren Unterricht. Ebenfalls gewährt sie finanziell nicht gut gestellten Familiene,deren Kinder im Chor singen möchten, ein Stipendium. Dieses wird teilweise aus Spenden finanziert. Bevor man Kommentare schreibt die unterirdisch sind sollte man sich lieber Informieren. Ich finde es erschreckend wie wenig einige Menschen für Kinder und Jugendliche übrig haben. Ich finde es bestürzend das anderswo Geld ausgeschüttet wird,ohne Sinn und Zweck. Hier wird Kindern und Familien Halt und Unterstützung genommen. Kinder werden ihrer sozialen Kontakte und ihrer Freizeitbeschäftigung beraubt. Was würden einige sagen, wenn man dies auf den Bereich Fußball anwenden würde. Warum wird in mittelklassiker Verein von der Stadt mit Geld unterstützt? Hier wird von der Stadt am falschen Ende gespart!

    • PaulusHallenser sagt:

      „Ich finde die Kommentare hier teilweise bodenlos.“

      Demokratie und Meinungsfreit sowie Pressefreiheit sind die höchsten Güter überhaupt.

      „Was würden einige sagen, wenn man dies auf den Bereich Fußball anwenden würde. Warum wird in mittelklassiker Verein von der Stadt mit Geld unterstützt? Hier wird von der Stadt am falschen Ende gespart!“

      Na bitte! So gesehen ist das ja schon mal substanzielle Kritik. Beim HFC ließe sich durchaus Geld einsparen und so für die Kindersingakademie einsetzen. Der Verein und seine Fans hätten sicherlich nichts dagegen.

  9. Erna sagt:

    Es ist einfach nur traurig. Das die Verantwortlichen sich nicht schämen. Gleichzeitig wird gesagt, dass das Zukunftszentrum doch teurer wird. Dafür ist dann Geld da.

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