Antrag zur Zukunft des Südstadt-Centers abgelehnt: SPD kritisiert Stadtrat, laut Stadt neuer Interessent als Ankermieter, Fraktionen werfen SPD „Wahlkampfgetöse“ vor

Seit 3 Wochen ist das Südstadt-Center wegen Brandschutzmängeln gesperrt. Inzwischen ist Kaufland als Ankermieter ausgezogen. 50.000 bis 60.000 Menschen seien direkt oder indirekt betroffen, sagte Torsten Schiedung (SPD). Neben Einkaufsmarkt gebe es auch Ärzte, Fitnesscenter, meinte Schiedung. Im Zentrenkonzept der Stadt sei das Südstadt-Center als B-Zentrum ausgewiesen. Einen entsprechenden SPD-Antrag hat der Stadtrat am Mittwoch deutlich abgelehnt. Es gab 9 Ja, 16 Nein und 14 Enthaltungen.

Die Sozialdemokraten forderten in ihrem Antrag ein Bekenntnis des Stadtrats zum Erhalt des Südstadt Centers als wichtiges Nebenzentrum und fordert die Verwaltung auf, nach dem Auszug von Kaufland intensiv mit dem Eigentümer sowie den verbliebenen Gewerbetreibenden an Zukunftslösungen zu arbeiten. Zur Überbrückung der Versorgungslücke wird die Prüfung eines Busshuttles zu anderen Einkaufszentren sowie die langfristige Integration städtischer Dienstleistungen in das Objekt vorgeschlagen. Eine neu zu bildende Arbeitsgruppe soll unter Einbeziehung der Immobilienwirtschaft die Voraussetzungen für einen Verkauf der Immobilie schaffen, wobei eine direkte finanzielle Beteiligung der Stadt ausgeschlossen bleibt. Zudem sollen die Bürger durch eine Stadtteilkonferenz, regelmäßige Berichte und eine feste Ansprechperson aktiv in den Prozess eingebunden und informiert werden, so der SPD-Antrag.

Friedemann Raabe (Volt) sieht es kritisch, einen Privateigentümer zu unterstützen. Carsten Heym (AfD) sagte, „ich bin da immer sehr gern einkaufen gegangen.“ Seine Frau wiederum habe sich schon seit Jahren am Zustand des Centers gestört und sei lieber ins HEP gegangen. Heym spricht dem Eigentümer „jegliche Seriosität“ ab. „Sie haben es hier mit einem Wahlkampfauftritt der SPD zu tun“, meinte Christian Feigl (Grüne). „Dieser Antrag ist nur eine Anregung“, meinte Katja Müller (Linke). „Natürlich ist das ein bisschen Wahlkampfgetöse.“ Zudem schüre man hier eine gewisse Hoffnung, dass er Stadtrat hier etwas tun kann. Dörte Jacobi (Die PARTEI) fragte, ob die Situation nicht durch mehr Kontrollen hätte verhindert werden können. „Wir sind keine Baupolizei“, betonte Baudezernent Ren# Rebenstorf. Durch eine Baugenehmigung gebe es für den Eigentümer Rechte und Pflichten. Rebenstorf sagte, Mieter hätten sich schon vor Monaten an die Stadt wenden können bezüglich Bauaufsicht. „Die Hinweise müssen da sein“, sagte Rebenstorf. Laut OB Vogt bekomme man zunehmend gute Signale für einen neuen Ankermieter, die Wirtschaftsförderung begleite den Ankermieter. „Wir versuchen, die Nahversorgung möglichst schnell wieder herzustellen.“

Die SPD-Fraktion kritisiert die Entscheidung des Stadtrates Eric Eigendorf, Vorsitzender der SPD-Fraktion im Stadtrat Halle (Saale), erklärt: „Die Ablehnung unseres Antrags ist ein fatales Signal für die Menschen im Süden Halles. Statt ein klares Bekenntnis zum Erhalt des Standortes abzugeben und konkrete Schritte einzuleiten, hat sich der Stadtrat heute verweigert und offensichtlich für nicht zuständig erklärt. Wer jetzt nicht handelt, riskiert, dass ein ganzer Stadtteil weiter an Infrastruktur und Vertrauen verliert. Die Südstadt braucht keine Vertröstungen, sondern entschlossenes politisches Handeln.“

„Wir dürfen die Menschen vor Ort jetzt nicht allein lassen.  Nahversorgung ist keine Nebensache, sondern Teil kommunaler Verantwortung. Wenn wir es ernst meinen mit gleichwertigen Lebensverhältnissen in allen Stadtteilen, dann müssen wir jetzt handeln – mit kurzfristigen Lösungen für die Versorgung und mit einer klaren wirtschaftlichen Perspektive für den Standort. Alles andere würde den Süden strukturell schwächen“, ergänzte Torsten Schiedung, wirtschaftlicher Sprecher der SPD-Fraktion, abschließend.

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10 Antworten

  1. PaulusHallenser sagt:

    „Fraktionen werfen SPD „Wahlkampfgetöse“ vor“

    Sehr schön, dass die Stadtratsfraktionen endlich mal auf die andauernde SPD-Wahlkampfkampagne eingehen. Ein solches Center sollte niemals als Wahlkampfkulisse dienen.

  2. Julius Neumann sagt:

    Es gilt weiter: der Eigentümer muss den Brandschutz wiederherstellen, Zusagen einhalten und Vertrauen wieder aufbauen.

    Aber: das Südstadt Center besitzt weiterhin eine attraktive Lage, ist Stadtteilzentrum und die Stadt hat es bereits geschafft, den alten Kaufhof am Markt wiederzubeleben. Das bestätigt das Interesse eines möglichen neuen Mieters.

    Mindestens Transparenz und eine Stadtteilkonferenz haben die Menschen im Süden verdient.

    • PaulusHallenser sagt:

      „Mindestens Transparenz und eine Stadtteilkonferenz haben die Menschen im Süden verdient.“

      Bei der Transparenz durch die Eigentümer gab es bisher nichts zu beanstanden. Transparenz bedeutet nämlich nicht, als Eigentümer externen Stakeholdern Auskünfte zu erteilen, für die es keine gesetzliche Grundlagen gibt.

      Und was die Stadtteilkonferenz angeht: Kein Eigentümer einer Immobilie muss sich einer aufgehetzten Menge stellen, um als Statist für ein inszeniertes Wahlkampfspektakel zu dienen.

  3. A.W. sagt:

    Die SPD outet sich wie immer als eine Truppe populistischer Schwätzer, die immer dann auftauchen, wenn das Kind schon lange in den Brunnen gefallen ist.
    Ein neuer Ankermieter ist nur sinnvoll, wenn vorher das Center Instand gesetzt wird, davon ist aktuell aber nicht viel zu merken.

  4. Emmi sagt:

    „Die Sozialdemokraten forderten in ihrem Antrag ein Bekenntnis des Stadtrats zum Erhalt des Südstadt“
    Wozu? Das ist wirklich nur Wahlkampfgetöse. Mit diesem Einkaufszentrum ging es seit Jahren bergab. Da hat sich keine SPD darum geschert.

  5. Everly sagt:

    Gibt genug andere Probleme als sich um sowas zu kümmern. Außerdem sollte die SPD mal ruhig sein weil die schon genug Unfug gemacht haben. Ist der Schiri eigentlich unterwegs um wieder gegen Drahtesel zu treten oder so?

  6. Dani sagt:

    Kann es sein, dass die Herrschaften noch nie in der Gegend waren? Nahversorger gibt es zu Genüge, ob Netto, LIDL, Action, das Futterhaus, Easy Fitness, eine Tankstelle, Autoverleih, Zahnärzte, Ärzte und was noch alles, was ich auf Anhieb nicht Bedacht habe. Ok, die Ring Apotheke ist etwas weiter weg, aber es ist sogar mit der S-Bahn zu erreichen.

    Ich glaube eher, dass die ganzen Parteien wieder auf Wahlkampf sind.

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