Fortschritt in der Transplantationsmedizin: Team der Universitätsmedizin Halle nutzt erstmals Maschinenperfusion bei Spenderniere

Als eine der ersten medizinischen Einrichtungen in Deutschland hat ein Team des Nierentransplantationszentrums (NTZ) der Universitätsmedizin Halle einer verstorbenen Person eine Niere mit anschließender Maschinenperfusion entnommen. Das spezielle Verfahren erhöht die potentielle Funktionsfähigkeit von Spendernieren mit erweiterten Spenderkriterien und bietet neue Hoffnung für Menschen, die auf ein Organ warten. Der Eingriff fand am 20. Januar 2026 statt – nur zwei Tage nach der flächendeckenden Einführung der Maschinenperfusion in Deutschland durch die Bundesärztekammer.

„Die Maschinenperfusion stellt eine wichtige Weiterentwicklung in der Transplantationsmedizin dar. Mit diesem Verfahren können Spenderorgane, die nicht den idealen Kriterien entsprechen, bereits unmittelbar nach der Entnahme stabilisiert und sicher aufbereitet werden. Das Verfahren eröffnet neue Möglichkeiten, den Pool dringend benötigter potentieller Spenderorgane zu erweitern und ihre Eignung frühzeitig und verlässlich zu beurteilen“, sagt Dr. Frank Berger, Oberarzt in der Universitätsklinik und Poliklinik für Urologie und Leiter des Bereichs Transplantationsurologie der Universitätsmedizin Halle, der die Operation gemeinsam mit Oberarzt Ramy Albatsh und seinem Team durchführte. 

Maschinenperfusion verbessert Qualität von Spenderorganen

Um die Zeit zwischen Entnahme und Transplantation einer Spenderniere zu überbrücken, galt die statische Kühlung bislang als Goldstandard. Diese Methode kann den Stoffwechsel zwar stark verlangsamen, nicht aber vollständig kontrollieren. Insbesondere bei längeren Ischämiezeiten, d.h. in der Phase ohne ausreichende Durchblutung, durch Lagerung und Transport oder bei vorgeschädigten Organen stößt die Kühlungsmethode an ihre Grenzen.

Die Maschinenperfusion stellt hier einen entscheidenden Fortschritt dar. Bei diesem Verfahren wird das Organ nach der Entnahme in einem speziellen Behältnis an eine Pumpe angeschlossen und kontinuierlich mit einer sauerstoff- und nährstoffhaltigen Lösung durchströmt, um seine Funktionsfähigkeit zu erhalten. Dadurch lassen sich auch Nieren von Spender:innen mit sogenannten erweiterten Spenderkriterien, z.B. von Personen, die über 60 Jahre alt sind oder 50- bis 59-Jährigen mit Vorerkrankungen, sicherer aufbereiten. Die Geräte für die Maschinenperfusion stellt die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) zur Verfügung, die eng in die Organisation, Logistik und Realisierung der Organspende eingebunden ist.

Nierentransplantationszentrum der Universitätsmedizin Halle

Komplexe Abläufe wie die Organentnahme mit anschließender Maschinenperfusion erfordern spezialisierte, geschulte Entnahmeteams und werden in dafür qualifizierten Entnahmekrankenhäusern durchgeführt. Das NTZ der Universitätsmedizin Halle unter der Leitung von Prof. Dr. Matthias Girndt und Prof. Dr. Georgios Gakis ist seit mehr als 50 Jahren national und international führend im Bereich der Transplantationsmedizin. Das Team aus den Kliniken für Urologie und Innere Medizin II richtet seinen Fokus insbesondere auf die aktuellen Entwicklungen und die Zukunft des Fachbereichs. Regelmäßige Fort- und Weiterbildungen der Mitarbeitenden sowie der Einsatz moderner und sicherer Operationsmethoden auf Basis aktueller wissenschaftlicher Erkenntnisse gewährleisten eine ausgezeichnete stationäre und ambulante Versorgung der Patient:innen.

Foto Universitätsmedizin

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