Halle flickt sich selbst – Ein Festival gegen den Fadenriss der Fast Fashion am kommenden Samstag

Halle an der Saale – Die Stadt repariert! Und zwar nicht nur ihre Straßen, Herzen oder Fahrräder, sondern gleich ihr ganzes Textilbewusstsein. Am 26. April 2025 verwandelt sich der Marktplatz in eine pulsierende Nähmaschine der Nachhaltigkeit: Der Verein losmachen e.V. lädt zum Tagesfestival HALLE REPARIERT! – und das klingt so gemütlich wie politisch, so kreativ wie kritisch.

Von 11 bis 19 Uhr wird aus der Innenstadt ein stoffgewordener Protest gegen Wegwerfmentalität und modischen Größenwahn. Wo sonst Konsumtempel locken, wird diesmal genäht, getauscht, repariert – und getanzt.

Upcycling statt Downshifting

Das Programm ist ein echtes Textil-Feuerwerk: Kleidertausch wie in den 2000ern, aber mit Klimabewusstsein; Reparatur-Marathon für kaputte Jeans (ja, auch deine mit dem sentimentalen Loch); und Workshops, die sogar aus dem Schlabberpulli von 2008 ein modisches Statement zaubern. Wer keine Nadel führen kann, darf trotzdem mitreden – zum Beispiel bei den Gesprächsformaten, die sich anfühlen wie ein warmes Gespräch mit Oma, nur mit mehr Fakten.

Viola Wohlgemuth: Von Müllbergen und Modewahn

Ein echtes Highlight ist der Auftritt von Viola Wohlgemuth, Kampagnenleiterin bei Fashion Revolution Germany und jahrelang für Greenpeace im Einsatz. Nach ihren Reisen zu den Textilmüllhalden Ghanas – dort, wo unser modischer Überfluss landet, wenn wir „ausmisten“ – bringt sie unbequeme Wahrheiten auf die Bühne. Aber keine Angst, sie serviert sie nicht mit erhobenem Zeigefinger, sondern mit Leidenschaft, Wissen und der ganz großen Frage: Wie kann Halle zur Reparatur-Stadt werden?

Zwischen Blasmusik und Bekenntnissen

Musikalisch wird es dabei nicht leise: Die Brassband Frohe Zukunft macht ihrem Namen alle Ehre und liefert den Soundtrack für eine nachhaltigere Gegenwart. Kinder, Jugendliche, Rentner*innen – alle Generationen sind eingeladen, zu staunen, zu lernen, zu flicken, zu diskutieren oder einfach nur zwischen den interaktiven Installationen ein gutes Stück Kuchen zu essen (aus Stoff ist aber nur das Thema, nicht das Gebäck).

Mehr als nur ein Knopf, der wieder sitzt

HALLE REPARIERT! ist kein netter Bastelnachmittag, sondern Teil der Fashion Revolution Week, die jedes Jahr an den Einsturz des Fabrikgebäudes Rana Plaza in Bangladesch erinnert – und damit an die über 1.100 Menschen, die 2013 in den Trümmern der globalisierten Modeindustrie starben. Eine Woche für Erinnerung, aber auch für Erneuerung.

Organisiert wird das Festival vom unermüdlichen losmachen e.V., unterstützt von der Stadt Halle, den Stadtwerken, HASTRA, Protobag und politischen Initiativen wie Die LINKE und Bündnis 90/Die Grünen. Außerdem darf man sich über die erneute Auszeichnung durch die REVIER PIONIERE freuen – zwei kleine, aber feine Projekte dürfen nun im Rahmen der Fashion Revolution verwirklicht werden.

Fazit: Reparieren ist das neue Shoppen

Wer also am 26. April noch keine Pläne hat – kommt vorbei, bringt kaputte Lieblingsstücke und offene Ohren mit. Denn HALLE REPARIERT! zeigt: Mode darf Spaß machen, ohne Schaden anzurichten. Und ein neuer Knopf an der alten Jacke ist manchmal revolutionärer als jeder Sale.

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11 Kommentare

  1. 10010110 sagt:

    Ich stehe ja total hinter der Idee, aber dieses übertriebene Gute-Laune-Marketinggeschwur­bel bereitet mir übelste Kopfschmerzen. 🤦‍♀️

  2. Jack sagt:

    Wer hat auch das kleine L im Titel überlesen?

  3. PaulusHallenser sagt:

    „Organisiert wird das Festival vom unermüdlichen losmachen e.V., unterstützt von der Stadt Halle, den Stadtwerken, HASTRA, Protobag und politischen Initiativen wie Die LINKE und Bündnis 90/Die Grünen.“

    Also ist das so eine Art politische Werbeveranstaltung für bestimmte Parteien im Vorfeld der Landtagswahl 2026. Das ist einfach nur durchschaubar und billig.

    „Nach ihren Reisen zu den Textilmüllhalden Ghanas – dort, wo unser modischer Überfluss landet, wenn wir „ausmisten““

    Ich finde es immer überheblich und unappetitlich, wenn einzelne Personen von einem „wir“ und einem „uns“ fabulieren. Ebenso frage ich mich immer wieder, wie man als Einzelperson ohne demokratische Legitimation auf die Idee kommt, für andere Menschen sprechen zu wollen.

    • havagistan sagt:

      Hahahaha
      Du bist einfach ein lebendes Meme

    • Vote for PH sagt:

      Weil es einfach so ist! Was meinst du denn, was mit deinen Sachen passiert, die du in die Container wirfst? Du glaubst sicher, da werden Isolationen für U-Boote usw. daraus. Es ist allgemein bekannt, dass der Müll unserer Wohlstandsverwahrlosung in den ärmsten Ländern landet? Ob Klamotten, Autos, Elektroschrott…. Hast du denn in der Schule gar nichts gelernt? Ich denke, du hast studiert? Doch nicht etwa nur die Speisekarte der Mensa?
      Überheblich und unappetitlich sind deine Aussagen über Senioren, Ausländer, soziale Randgruppen. Bitte hör also auf, hier anderen Menschen Vorschriften zu machen! Leiste was für die Gesellschaft und rede nicht nur dünnes!

    • Ach Pauli... sagt:

      Ist keine Werbeveranstaltung. Es beteiligen sich halt Gruppen, die politisch was zu sagen haben und nicht althergebrachten und überholten Systemen hinterher trauern. Aber wenn du Mut hättest, so würdest du dich an er Diskussion beteiligen. Wohlgemerkt: beteiligen und nicht einfach nur beschimpfen und beleidigen (Stichwort Gewerkschafter). Da du aber zu feige bist, wird man dich nicht erleben.

    • Typ, der auf Quatschköpfe antwortet sagt:

      Junge, wo lebst du?
      Wenn du Hallenser wärst, wüsstest du, dass es die Fashion Revolution Week seit 11 Jahren jedes Jahr im Frühjahr gibt. Also bevor du irgendeinen Unsinn von Werbeveranstaltung für Parteien unterstellst, informiere dich lieber.
      Zudem ist es eine Binsenweisheit, dass der überwiegende Teil der Deutschen sehr viel wegwirft. Da braucht man keine demokratische Legitimation, um das zu sagen. Das ist einfach eine erwiesene Tatsache.

  4. 🤣 sagt:

    Vertreter der FDP wieder nirgends zu sehen.

    Die haben schon aufgegeben…

  5. Peter sagt:

    „Wo sonst Konsumtempel locken“

    Konsumtempel? Wo in der halb verlassenen Innenstadt von Halle soll das denn sein?

  6. wamper sagt:

    Bei meinem letzten Stadtbummel in Halle, drängte mich der Gedanke auf, dass gewisse ,,Modeketten“, das recyceln ihrer Ware, direkt in der eigenen Nähstube umsetzen.
    Aber gut. Zum Jutesack, ist es dann wohl doch eine modische Revolution.