“Lebendige Kette der Einheit”: Kundgebung auf dem Markt zum 4. Jahrestag des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine

Rund 300 Menschen haben sich am Dienstagabend auf dem Marktplatz in Halle (Saale) versammelt, um an den Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine vor vier Jahren zu erinnern. Zwischen Stadtkirche und Rotem Turm wehten blau-gelbe Fahnen im kalten Februarwind, immer wieder hallte der Ruf „Slava Ukraini“ – Ruhm der Ukraine – über den Platz. Viele Demonstrierende hatten sich in ukrainische Flaggen gehüllt, andere trugen Kerzen oder selbstgemalte Plakate.

Die Kundgebung stand unter dem Motto „Lebendige Kette der Einheit“. Nach einer Schweigeminute für die Opfer des Krieges fassten sich zahlreiche Teilnehmende an den Händen und bildeten eine Menschenkette quer über den Marktplatz. „Wir sind hier, um Schulter an Schulter zu stehen und eine Menschenkette zu bilden – eine lebendige Kette der Einheit“, sagte eine Rednerin. Der Februar 2022 habe eines gelehrt: „Krieg ist eine Mischung aus Schmerz und Leben, aus Verlusten und einer Neubewertung von Werten.“

„Ihr seid ein Teil dieser Stadt“

Grüße der Stadt überbrachte Integrationsbeauftragter Robert Schönrok. Vier Jahre Krieg bedeuteten für viele Kinder, dass sie den Klang von Sirenen besser kennten als den Lärm eines Spielplatzes. „Heute stehen wir hier zusammen, um an jene zu denken, die noch immer leiden, die noch immer kämpfen, die noch immer hoffen“, sagte Schönrok.

In Halle (Saale) seien seit Beginn des Krieges tausende Menschen aufgenommen worden, die vor den Angriffen geflohen sind. Viele von ihnen hätten hier Arbeit gefunden, Kinder besuchten Schulen und Kitas, Familien bauten sich eine neue Existenz auf. „Heute seid Ihr ein Teil dieser Stadt“, betonte Schönrok unter Applaus.

Zwischen Schock und Mahnung

Auch Max Privorozki, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde, ergriff das Wort. Der gelernte Mathematiker stammt ursprünglich aus Kiew. Noch genau erinnere er sich an den Morgen vor vier Jahren, als er von den ersten Angriffen erfuhr. „Ich bin in eine Schockstarre verfallen“, sagte er. Schon der Gedanke an einen Krieg in Europa sei für ihn damals surreal gewesen.

Er hätte nie gedacht, „dass Europa zulässt, dass ein solcher Krieg auf unserem Kontinent normal wird“. Privorozki erinnerte daran, dass es bereits vor dem Angriff Stimmen gegeben habe, die davor warnten, die von Wladimir Putin ausgehende Gefahr zu unterschätzen. Diese Mahnungen seien vielerorts nicht ernst genug genommen worden.

Seine Worte waren geprägt von persönlicher Betroffenheit und politischer Klarheit zugleich. Der Krieg sei kein fernes Ereignis, sondern betreffe auch die Menschen hier – durch familiäre Bindungen, durch Fluchtgeschichten, durch die Verantwortung Europas.

„Die Ukraine gehört zu uns“, sagte eine Vertreterin der Grünen. Man werde sich für einen schnellen EU-Beitritt einsetzen.

Spenden für Licht und Wärme

Im Rahmen der Kundgebung wurden Spenden gesammelt. Mit dem Geld sollen Generatoren angeschafft werden. Aufgrund zahlreicher russischer Angriffe auf die Energieinfrastruktur kommt es in vielen Regionen der Ukraine immer wieder zu Stromausfällen. Wasser- und Wärmeversorgung sind vielerorts beeinträchtigt.

„Jeder Betrag, sei er noch so klein, bedeutet Licht und Wärme für die Bewohner Kiews“, sagte eine Organisatorin. Gerade in den Wintermonaten seien Generatoren überlebenswichtig – für Krankenhäuser, Schulen und Wohnhäuser.

Gebet und Kerzen zum Abschluss

Zum Abschluss der Veranstaltung sprach ein Geistlicher ein Gebet für die Opfer des Krieges, für die Geflüchteten und für einen gerechten Frieden. Zahlreiche Teilnehmende stellten Kerzen auf die Stufen des Marktplatzes. Das flackernde Licht spiegelte sich in den Augen vieler Anwesender – ein stilles Zeichen der Anteilnahme und der Hoffnung.

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9 Antworten

  1. Emmi sagt:

    „Die Ukraine gehört zu uns“, sagte eine Vertreterin der Grünen. Man werde sich für einen schnellen EU-Beitritt einsetzen.“
    Diese Worte: gehört zu uns; die nutzen sich ganz schön ab. Bei so vielen Gelegenheiten und in anderen Zusammenhängen wurde das schon gesagt. Ist das nicht auch wieder übergriffig? Die Ukraine ist ein souveräner Staat.

  2. Wenn man bedenkt, dass sogar der menschenschlachtende Trottel Stalin, Putains Zweitvorbild*, der angeblich den 2. WK auf dem Globus geführt hat, in dieser Zeit von Moskau nach Berlin gekommen ist…

    Naja, immerhin ist die ruSSische Armee immer noch die zweitstärkste. In der Ukraine.

    150.000 Tote und Verwundete in 4 Monaten und dann alles in 3 Wochen wieder weg? Was für Versager!

    *Putains Erstvorbild ist dieser Feliks Dscher-Dings. Das Stasi-Wachregiment war ja eine komplette Operette. Diese Vollpfosten haben nicht mal gemerkt, wie lächerlich sie waren.

    • Frau Puppendoktor sagt:

      Nimm bitte wieder Deine richtigen Pillen. Die billigen Plagiate von Temu wirken einfach nicht.

    • Klaus sagt:

      Haben Sie wieder getrunken?

    • Elsner sagt:

      Begründe mal wie die sich lächerlich gemacht haben.Interessiert mich!

    • Manno sagt:

      Felix Dzscherschinski entstammte dem polnisch-litauischen Kleinadel und kämpfte gegen den Zaren.
      Ich wär mir nicht so sicher, auf welcher Seite er heutzutage seine Fähigkeiten einsetzen würde ?
      Statt mit Erschießungskommandos, Folterkellern und Todeslagern würde er in unserer Zeit vielleicht KI-gestützt die endlos langen Listen der inneren Feinde als Zensor, Account- und Kontensperrer sowie als Koordinator „zivilgesellschaftlicher Aktivisten“ abarbeiten.

  3. Günther sagt:

    „„Die Ukraine gehört zu uns“, sagte eine Vertreterin der Grünen.“
    Die Grünen Sachsen-Anhalts stehen in den Umfragen bei 3%.

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