Neues Wohngebiet am Sophienhafen mit 135 Wohnungen: Planungsausschuss für die Offenlage des Bebauungsplans

„Jetzt kommen wir zum finalen Schlusspunkt“, leitete Baudezernent René Rebenstorf die zweistündige Debatte im Planungsausschuss ein. Ganz so endgültig fiel der Abend dann zwar nicht aus, doch am Ende stand ein klares Ergebnis: Mit acht Ja-Stimmen, zwei Enthaltungen und einer Gegenstimme sprach sich der Ausschuss für die Offenlage des Bebauungsplans Sophienhafen in Halle (Saale) aus. Geplant ist der Bau von neun Neubauten mit insgesamt 135 Wohnungen. Ein Gebäude soll eine Höhe von 26 Metern erreichen, die acht weiteren jeweils 18 Meter. Investor Guido Edinger will damit eine frühere Industriefläche neu entwickeln.

Für Baudezernent Rebenstorf ist das Vorhaben von besonderer städtebaulicher Bedeutung. Die Saline sei das „Bindeglied zwischen Altstadt und Neustadt“. Man halte die geplante Bebauung für angemessen für eine innerstädtische Lage. Auch Nico Schröter, Fachbereichsleiter Städtebau und Bauordnung, verwies auf den langen Vorlauf des Projekts. Bereits rund 80 Stellungnahmen von Bürgerinnen und Bürgern seien eingegangen, weshalb es schon zuvor eine Bürgerversammlung gegeben habe. Zu den nun überarbeiteten Plänen soll im März eine weitere folgen.

Im Vergleich zur früheren Nutzung bringe das Projekt ökologische Verbesserungen, betonte Schröter. Rund 5.000 Quadratmeter Fläche würden entsiegelt, Dach- und Fassadenbegrünungen seien vorgesehen. Auch beim Hochwasserschutz sieht die Verwaltung keine Probleme: Die Gebäude seien aufgeständert, sodass Wasser im Ernstfall durchfließen könne. Die Tiefgarage werde offen gebaut, ohne Tore und Fenster, damit sie bei Hochwasser kontrolliert volllaufen und anschließend gereinigt werden könne. Zudem beteilige sich der Investor finanziell an der Errichtung öffentlicher Spielflächen.

Kritische Töne kamen aus der SPD. Helge Dreher, sachkundiger Einwohner, stellte angesichts rückläufiger Bevölkerungszahlen den Umfang des Projekts infrage. Die Größe der Gebäude stehe „in keinem Verhältnis zur Umgebung“. Zudem äußerte er Zweifel, ob die enge Hafenstraße im Ernstfall für Evakuierungen geeignet sei.

Auch das Energiekonzept wurde diskutiert. Vorgesehen ist ein gasbetriebenes Blockheizkraftwerk. Ferdinand Raabe (Volt / MitBürger) fragte nach Alternativen wie Wärmepumpen unter Nutzung der Saale. Investor Edinger verwies auf positive Erfahrungen mit Blockheizkraftwerken, die bereits in bestehenden Gebäuden am Sophienhafen eingesetzt würden. Die Anlagen seien zudem auf Wasserstoff umrüstbar.

Ein weiteres Thema war die Altlastensanierung. Das Gelände sei als frühere Industriefläche hochgradig kontaminiert gewesen, erklärte Rebenstorf. Laut Edinger seien bereits 8.000 Kubikmeter belastete Erde abgetragen und entsorgt worden.

Unterstützung erhielt das Projekt vor allem aus AfD und FDP. „Warum wir in Deutschland Schwierigkeiten haben, Wohnungen zu bauen, sehen wir hier an der Debatte“, sagte Andreas Godenrath (AfD). Klaus E. Hensel (FDP) verwies auf den Bedarf an hochwertigem Wohnraum. Dieser könne dazu beitragen, dass Wohnungen mittlerer Qualität für Menschen mit geringerem Einkommen frei würden. Thorben Vierkant (AfD) sprach von einer „investorenfeindlichen Haltung“ und kritisierte steigende Baukosten durch zu viele Auflagen.

Lob für den Investor kam von Hans-Joachim Berkes (CDU): „Ich kann nur meinen Hut davor ziehen, dass der Investor bei der Stange geblieben ist.“ Gleichzeitig erkundigte er sich nach der Parkplatzsituation. Rebenstorf stellte klar, dass alle Neubauten nach geltendem Baurecht errichtet würden und der Stellplatznachweis auf den eigenen Grundstücken erbracht sei. In der Praxis zeige sich jedoch, dass Garagen oft als Abstellräume genutzt würden oder Mieter auf einen Tiefgaragenstellplatz verzichteten.

„Das Plangebiet liegt in einem faktischen Überschwemmungsgebiet der Saale. Eine weitere Bebauung in hochwassergefährdeten Bereichen sehen wir grundsätzlich kritisch. Auch wenn bauliche Schutzmaßnahmen vorgesehen sind, können wir nicht ausschließen, dass im Ernstfall städtische finanzielle Ressourcen benötigt werden, etwa für Evakuierungen oder Maßnahmen zur Schadensbegrenzung“, sagt Wolfgang Aldag (Grüne). „Hinzu kommt, dass das vorliegende Bebauungskonzept in wesentlichen Punkten von den ursprünglichen Planungen abweicht. Zentrale Elemente, die zu Beginn angekündigt wurden, finden sich im aktuellen Entwurf nicht oder nur unzureichend wieder. Besonders kritisch bewerten wir das Energiekonzept. Anstelle eines ambitionierten, klimagerechten Ansatzes ist nun ein gasbetriebenes Blockheizkraftwerk vorgesehen. Auch städtebaulich überzeugt der Entwurf nicht. Der Standort am Sophienhafen ist sensibel und zugleich sehr attraktiv. Gerade hier wäre eine hochwertige, zurückhaltende und dem Ort angemessene Planung erforderlich gewesen. Die vorgesehene Bebauung wird diesem Anspruch aus unserer Sicht nicht gerecht. Chancen für eine qualitätsvolle Gestaltung, für mehr Freiräume und für eine bessere Einbindung in die Umgebung bleiben ungenutzt. Wir setzen uns für eine Stadtentwicklung ein, die Klima- und Hochwasserschutz ernst nimmt, öffentliche Folgekosten vermeidet und städtebauliche Qualität sichert.“

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15 Antworten

  1. JtD sagt:

    „Bindeglied zwischen Altstadt und Neustadt“

    Noch ein, zwei Wohnhochhäuser mehr, und HaNeu beginnt an der Saline. Läuft.

  2. Wahlter sagt:

    Kein Wunder dass man die SPD nicht mehr wählen kann. Mit ihr gibt’s nur Stillstand oder Schritte zurück.

  3. 10010110 sagt:

    In der Praxis zeige sich jedoch, dass Garagen oft als Abstellräume genutzt würden oder Mieter auf einen Tiefgaragenstellplatz verzichteten.

    Warum auch für mindestens 50€ im Monat eine Garage mieten, wenn man seine Dreckskarre auch einfach kostenlos auf irgendwelchen Fußwegen oder in Kreuzungsecken parken kann, ohne jemals dafür zur Rechenschaft gezogen zu werden? 🙄

    Die Stadt soll endlich das Parken im öffentlichen Raum grundsätzlich verbieten und nur noch in Ausnahmefällen erlauben.

    • Klaus sagt:

      @10010110
      Man man man, was läuft denn bei Ihnen verkehrt?

    • JtD sagt:

      Schön wäre es. Es wäre so viel Platz auf den Straßen in Halle, wären sie nicht zur Hälfte zugeparkt.

      In der Hafenstraße wird bei diesen Neubauten wieder eine Chance verschenkt, weil das integrierte Parkplatzangebot zu gering ist.

  4. Karl Marx sagt:

    Sowas glaubt die FDP wirklich: Wenn mehr teure Wohnungen gebaut werden, werden in Folge Wohnungen günstiger zu mieten.
    Das ist derselbe Unsinn wie, wenn Reiche noch reicher werden, dann fallen für die Armen ein paar oaar Brotkrumen ab.

  5. Emmi sagt:

    „Auch beim Hochwasserschutz sieht die Verwaltung keine Probleme:“
    Die müssen es ja wissen. Warum wird denn der Investor im ganzen Text so gebauchpinselt?
    Hochhäuser in der Gegend?

  6. Klaas sagt:

    Es ist gut, dass die Bewohner dort endlich bald neue Nachbarn bekommen werden. Die Stadt gehört schließlich nicht wenigen Verhinderungsanwohnern. Die Stadt sollte sich niemals von nölenden Anwohnern nerven lassen.

  7. Miss Sophie sagt:

    „Zudem beteilige sich der Investor finanziell an der Errichtung öffentlicher Spielflächen.“

    Das hilft natürlich gegen Hochwasser.

    „Die Anlagen seien zudem auf Wasserstoff umrüstbar.“

    Genau die Zukunftstechnologie Wasserstoff, die hat sich ja schon in der Automobilindustrie durchgesetzt.

  8. Bürger für Halle sagt:

    Die weitere Bebauung am Sophienhafen ist unverantwortlich, keine Überraschung, dass rechte Parteien dem rückwärtsgewandtem Vorhaben zustimmen. Halle, mit seinen rückläufigen Einwohnerzahlen braucht angemessene Wohnraumsanierung und nicht noch mehr versiegelte Fläche im Hochwasser-Einzugsgebiet. Eine Aufwertung des Areals wäre begrüßenswert – nicht die Zerstörung durch Beton. Wenn man von gasbetriebenen Blockheitzkraftwerk und Autostellflächen liest, stehen einem ob dieser Realitätsverlorenheit buchstäblich die Haare zu Berge. Hoffentlich kann dieses Projekt noch verhindert werden, sonst zahlen am Ende alle.

    • Korrekto sagt:

      Da wird keine Fläche versiegelt. Das Areal wird aufgewertet. Realtitätsverlorenheit (was immer das ist) ob Blockhei(t)zkraftwerken und Parkplätzen ist dein persönliches Problem, wie auch deine Körperbehaarung.

      Aber mach doch hierzu auch ein Tiktok-Video, hm?

  9. diewahrheit sagt:

    Auch wenn es dem „Bürger für Halle“ nicht verständlich ist.
    Wenn eine Stadt in Sachsen-Anhalt wächst, dann ist es Halle.
    (den Zensus kann er getrost vergessen).

    „Besonders kritisch bewerten wir das Energiekonzept. Anstelle eines ambitionierten, klimagerechten Ansatzes ist nun ein gasbetriebenes Blockheizkraftwerk vorgesehen.“

    An die ewig gestrigen Grünen, die einer Klimaideologie verfallen sind.
    Wie kann man sich allen Ernstes einreden, klimagerecht zu bauen.
    Natürlich muß man am Äquator anders bauen als in arktischen Regionen.
    Aber das meinen die Grünen nicht.
    Sie bilden sich ein, man könne durch bauen einer Häuserzeile das Klima retten oder zumindest positiv beeinflussen. Was geht in deren Köpfen vor?
    Auch ihr werdet bald kalt erwischt werden, wenn euer CO2-Märchen entzaubert wird.
    Und die enormen Schäden durch die Windkraftanlagen und Solarparks aufgearbeitet werden.

    • Bürger für Halle sagt:

      „diewahrheit“ Danke für Ihre Selbstentlarvung, da Sie sich mit ihrem Kommentar als getriebener Schwurbler geoutet haben. Ist trotzdem traurig, diese menschenfeindliche Meinung und das damit verbundene Menschenschiksal.

      • diewahrheit sagt:

        Dann nenn doch mal eine Quelle, die die Schädlichkeit von CO2 für das Klima – dem Gas des Lebens, da notwendig für die Photosynthese. Allein der Gedanke ist absurd.

        Du kannst keine Quelle nennen, die sich nicht auf ein Computermodell oder eine Potsdam-Institutstudie bezieht. Die Computermodelle sind sämtlichst Schrott. Das PIK mußte gerade eine groß rausgebrachte Studie wegen falscher Aussagen zurückziehen.
        Eine Riesenblamage.
        Dumm nur, dass die ganze beschlossene CO2-Geldwirtschaft auf dieser falsche Studie aufbaut.

        Also bist du wohl der Schwurbler.

        • Hinweis sagt:

          Der Treibhauseffekt von CO2 geht auf den Schwingungsmode des Moleküls zurück und wurde bereits im 19. Jahrhundert von Joseph Fourier, Eunice Foote und John Tyndall entdeckt. Ganz ohne Computermodelle und Potsdam-Institutsstudie.

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