Modernes Forschungszentrum soll Sachsen-Anhalt widerstandsfähiger gegen Pandemien machen: Spatenstich an der Uniklinik Halle für Pandemieresilienz-Zentrum

„Wer Krisen gut meistern will, muss richtig vorsorgen. Sachsen-Anhalt geht hier voran: Mit der millionenschweren Investition in das hochmoderne Pandemieresilienz-Zentrum wappnen wir unser Land gegen Pandemien und ähnliche Notlagen. In Halle entstehen zusätzliche Laborkapazitäten für Diagnostik und Analysen, die im Ernstfall schnell aktiviert werden können und den Unterschied machen. So geht Vorsorge.“ Mit diesen Worten hat Wissenschaftsminister Prof. Dr. Armin Willingmann am Freitag den ersten Spatenstich für das neue Laborgebäude am Standort des Universitätsklinikum Halle (Saale) gesetzt. Der Bau markiert einen Meilenstein für die strategische Gesundheitsvorsorge des Landes und steht sinnbildlich für die Lehren, die aus der Corona-Pandemie gezogen wurden.

Mit dem Pandemieresilienz-Zentrum, kurz PRZ, entsteht an der Universitätsmedizin Halle im Auftrag des Landes Sachsen-Anhalt eine hochmoderne Infrastruktur, die im Ernstfall schnell hochgefahren werden kann. Es ist das erste und einzige Zentrum dieser Art im Land. Finanziert wird das Projekt mit 38,7 Millionen Euro aus dem Corona-Sondervermögen des Landes. Die Inbetriebnahme ist für Ende 2029 vorgesehen. Schon jetzt gilt der Neubau als zentraler Baustein einer vorausschauenden Wissenschafts- und Gesundheitspolitik, die nicht erst reagiert, wenn eine Krise da ist, sondern strukturell vorsorgt.

Lehren aus der Pandemie: Diagnostik als Schlüssel

Die Corona-Pandemie hat weltweit und auch in Sachsen-Anhalt deutlich gemacht, wie verletzlich moderne Gesellschaften sind, wenn Infektionsgeschehen exponentiell an Dynamik gewinnen. Eine der zentralen Erfahrungen war die immense Bedeutung leistungsfähiger Labordiagnostik. Testergebnisse bestimmten über Quarantänemaßnahmen, über den Schutz vulnerabler Gruppen, über Krankenhauskapazitäten und politische Entscheidungen. Wo Proben sich stapelten und Auswertungen zu lange dauerten, geriet das Krisenmanagement ins Stocken.

Auch in Sachsen-Anhalt stießen Labore zeitweise an ihre Grenzen. Die Universitätsmedizin in Halle und Magdeburg stemmte unter enormem Druck die Versorgung schwer erkrankter Menschen und zugleich die Ausweitung der Diagnostik. Minister Willingmann, zugleich Aufsichtsratsvorsitzender des Universitätsklinikums Halle, würdigte diese Leistung als „unverzichtbaren Fels in der Brandung“. Doch er betonte ebenso, dass Engagement allein nicht ausreicht. Es brauche belastbare Strukturen, klare Abläufe und räumliche Kapazitäten, die im Krisenfall sofort aktiviert werden können.

Genau hier setzt das Pandemieresilienz-Zentrum an. Es schafft eine Infrastruktur, um Analysen in großer Menge und in kurzer Zeit zu bewältigen. Das PRZ ist damit nicht nur ein Gebäude, sondern eine Antwort auf strukturelle Schwächen, die die Pandemie offengelegt hat. Es soll Diagnostik, Forschung und Ausbildung enger verzahnen und damit die Resilienz des Landes nachhaltig erhöhen.

Ein Gebäude für Forschung, Versorgung und Ausbildung

Der Neubau entsteht am Standort Ernst-Grube-Straße/Kreuzvorwerk auf dem Campus des Universitätsklinikum Halle (Saale). Geplant ist ein Gebäude mit 1,5 unterirdischen, drei oberirdischen und einem Technikgeschoss. Auf 2.255 Quadratmetern Nutzfläche werden künftig mehrere Bereiche der Medizinischen Fakultät der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg untergebracht sein: Teile der Labormedizin, die Infektiologie und Hygiene sowie das Institut für Medizinische Mikrobiologie und Virologie. Hinzu kommt ein Praktikums- und Ausbildungslabor mit 75 Plätzen.

PD Dr. Matthias Janda, Ärztlicher Direktor und Vorsitzender des Klinikumsvorstands, betonte beim Spatenstich, dass die Pandemie gezeigt habe, wie wichtig festgelegte Pläne, Strukturen und Abläufe seien. Leistungsfähige Labordiagnostik, Infektiologie und Hygiene seien die Grundlage für Entscheidungen in der Krankenversorgung. Ohne präzise und schnelle Befunde gebe es keine zielgerichtete Therapie, keine wirksamen Schutzmaßnahmen, keine verlässliche Steuerung von Ressourcen.

Auch aus wissenschaftlicher Perspektive ist das PRZ von großer Bedeutung. Prof. Dr. Heike Kielstein, Dekanin der Medizinischen Fakultät, verwies darauf, dass Forschung eine der tragenden Säulen der Fakultät sei. Gerade Mikrobiologie und Virologie lieferten mittels Labordiagnostik essenzielle Erkenntnisse. Proben aus der Patientenversorgung seien zugleich eine wichtige Quelle für wissenschaftliche Fragestellungen und die Entwicklung neuer Therapeutika. Im PRZ entstehen durch die enge Vernetzung der Disziplinen optimale Bedingungen für translationale Forschung – also für die Überführung wissenschaftlicher Erkenntnisse in konkrete Anwendungen für Patientinnen und Patienten.

Das geplante Ausbildungslabor mit 75 Plätzen unterstreicht zudem den Anspruch, Nachwuchs gezielt zu fördern. Die Pandemie hat nicht nur strukturelle, sondern auch personelle Engpässe sichtbar gemacht. Gut ausgebildete Fachkräfte in Labormedizin, Hygiene und Infektiologie sind ein entscheidender Faktor für Krisenfestigkeit. Das PRZ wird damit auch zu einem Ort der Qualifizierung und der Sicherung medizinischer Kompetenz im Land.

Nachhaltig gebaut, flexibel gedacht

Der Neubau ist nicht nur funktional, sondern auch architektonisch und ökologisch auf Zukunft ausgerichtet. Die Stützenbauweise im Rastermaß und eine vorgesetzte Fassade aus Aluminium ermöglichen eine flexible Nutzung. Räume können an künftige Anforderungen angepasst werden, was angesichts sich wandelnder wissenschaftlicher Fragestellungen und technischer Entwicklungen von großer Bedeutung ist. Ein Laborgebäude, das heute für virologische Diagnostik konzipiert wird, muss morgen möglicherweise andere Schwerpunkte setzen können.

Auch Nachhaltigkeitsaspekte spielen eine zentrale Rolle. Geplant sind eine Photovoltaik-Anlage auf dem extensiv begrünten Dach, Maßnahmen zur Regenwasserrückhaltung sowie zahlreiche Pflanzungen von Bäumen und Sträuchern. Damit wird das PRZ Teil der umfassenden Nachhaltigkeitsbemühungen der Universitätsmedizin Halle. Energieeffizienz, Ressourcenschonung und ökologische Integration in das Umfeld sind keine Nebenaspekte, sondern integraler Bestandteil der Planung.

Alexander Beblacz, Kaufmännischer Direktor des Universitätsklinikums Halle (Saale), sprach von einem bedeutenden Meilenstein für die Universitätsmedizin und für das Land Sachsen-Anhalt insgesamt. Dass das Land den Bau ermögliche und gemeinsam mit den beteiligten Partnern umsetze, sei ein klares Bekenntnis zur nachhaltigen strukturellen Weiterentwicklung des Standorts. Sein Dank galt ausdrücklich auch dem Finanzministerium und Finanzminister Michael Richter für die engagierte Begleitung des Vorhabens.

Städtebauliche Herausforderung und Chance

Mit dem Bau des Pandemieresilienz-Zentrums ist auch eine städtebauliche Dimension verbunden. Parallel zum Bauvorhaben wird die Kreuzung Weinbergweg/Ernst-Grube-Straße/Kreuzvorwerk durch die Stadt Halle zu einem Kreisverkehr umgebaut. Halles Baudezernent René Rebenstorf bezeichnete das Universitätsklinikum als „Maschine und städtebauliche Setzung“ – als einen Komplex, der in Maßstab und Funktion weit über die umliegende Bebauung hinausgeht.

Er erinnerte an Baupläne aus den 1970er Jahren, in denen an der Stelle des heutigen Neubaus ein rund 60 Meter hohes Waschbeton-Hochhaus vorgesehen war. Von der benachbarten Einfamilienhaussiedlung wäre kaum etwas übrig geblieben. In der zentralistisch organisierten DDR wurde auf Eigentumsrechte weniger Rücksicht genommen als heute. Dass die Einfamilienhäuser noch stehen, zeugt von veränderten Planungs- und Eigentumsverhältnissen. Dennoch bleibt der „Maßstabssprung“, wie Rebenstorf es nannte, eine planerische Herausforderung.

Der neue Kreisverkehr soll die Verkehrssituation deutlich verbessern, insbesondere für Fußgänger und Radfahrer. Gleichzeitig sind umfangreiche Maßnahmen im Untergrund vorgesehen, etwa im Bereich Fernwärme, Abwasserkanäle und Leitungsbau. Mehr als drei Millionen Euro werden dafür veranschlagt. Das Zusammenspiel von Hochbau, Verkehrsinfrastruktur und Versorgungsleitungen verdeutlicht, dass ein solches Projekt weit über das eigentliche Gebäude hinauswirkt.

Vorsorge als politische und gesellschaftliche Aufgabe

Das Pandemieresilienz-Zentrum ist mehr als eine Reaktion auf die Vergangenheit. Es ist Ausdruck eines politischen Anspruchs, Daseinsvorsorge neu zu denken. Die Corona-Pandemie hat gezeigt, dass Gesundheitsschutz, Wissenschaft, Verwaltung und Politik eng miteinander verflochten sind. Entscheidungen müssen auf belastbaren Daten beruhen, Strukturen müssen skalierbar sein, und Forschung muss schnell in Handlungsempfehlungen übersetzt werden können.

Mit der Investition aus dem Corona-Sondervermögen setzt Sachsen-Anhalt ein deutliches Signal. Vorsorge kostet Geld – doch fehlende Vorsorge kann ungleich teurer werden, in wirtschaftlicher, sozialer und menschlicher Hinsicht. Das PRZ stärkt die Rolle der Universitätsmedizin Halle als Standort der Maximalversorgung und Forschung. Zugleich sichert es eine nachhaltige Daseinsfürsorge im südlichen Sachsen-Anhalt und darüber hinaus.

Wenn das Zentrum Ende 2029 seinen Betrieb aufnimmt, wird es im Idealfall im Alltag unspektakulär wirken: als Ort konzentrierter Forschung, präziser Diagnostik und fundierter Ausbildung. Seine eigentliche Bewährungsprobe aber liegt in der Zukunft – in möglichen neuen Pandemien oder anderen infektiologischen Notlagen. Dann soll sich zeigen, dass die Worte vom Spatenstich mehr waren als politische Rhetorik: dass Vorsorge tatsächlich den Unterschied macht.

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12 Kommentare

  1. Obacht sagt:

    Ist dss notwendig?

    • Robert sagt:

      Ja. Wir müssen uns vor Pandemien schützen . ???

      • Robääärt sagt:

        Schlag bitte Resilienz nach.

      • the who sagt:

        Dann reicht es doch aus, dass die Labore auf der ganzen Welt keine gefährlichen Spielchen mit Viren mehr machen.
        Kurz: Virenspiele verbieten.

        • the what sagt:

          Entgegen deiner Vorstellung kann aber niemand „die Labore auf der ganzen Welt“ kontrollieren.
          Außerdem, selbst wenn man die Laborgeschichte bei Covid glauben will, und mit sehr viel Alufolie auch bei HIV: Wie erklärst du historische Pandemien? Die Spanische Grippe zum Beispiel?

          • Resi und Pesti Lenz sagt:

            Lesen bildet:

            Sommer 1347: Lungenpest. Sie kam durch eine groteske frühe Version biologischer Kampfführung nach Europa: Der Mongolenstamm Kiptschak griff einen am Schwarzen Meer gelegenen Handelsposten der Genueser an und schleuderte mit Katapulten Pestleichen über die Befestigungsmauern der Stadt. (Dazu auch: Philip Ziegler. The Black Death)

            1793: In den amerikanischen Indianerkriegen verschenkten die Truppen „als Zeichen guten Willens“ an die Indianer Wolldecken, die aus Pockenlazaretten stammten. (Dazu: https://de.wikipedia.org/wiki/Indianerkriege)

            1918-20: Spanische Grippe. Es wird vermutet, dass Patient null aus einem US-Militärausbildungszentrum in Kansas war. (https://de.wikipedia.org/wiki/Spanische_Grippe)

            1950, 20-26. September: Von Kriegsschiffen aus wird San Francisco mit Bazillus globigii und Serratia marcescens besprüht, die grippeähnliche Erkrankungen bewirken. 117 Quadratmeilen sind betroffen, besonders ältere Menschen sterben daran.

            1955: Die Freisetzung bisher unbekannter Erreger in der Gegend von Tampa Bay, Florida, erzeugt eine Keuchhusten-Epidemie, bei der zwölf Menschen sterben.

            1956: US-Militärs lassen mit Gelbfieber infizierte Mücken über Savannah, Georgia, und Avon Park, Florida, frei. Armee-Agenten registrieren, als Gesundheitsbeamte getarnt, die Wirkung auf die Bevölkerung.

            1966, 7-10. Juli: Eine Spezialeinheit der US-Armee setzt Bazillus subtilis in der New Yorker U-Bahn frei. Eine anschließende Studie ist nicht geplant, da die Opfer ohnehin nicht lokalisiert werden können.

            1969: Die Abteilung des Verteidigungsministerium für biologische Kriegführung beantragt Gelder zur gentechnischen Entwicklung einer neuen Krankheit, die das Immunsystem zerstören soll.

            1975: Die Virusabteilung des „Fort Detrick’s Center for Biological Warfare“ (FDC für Biologische Kriegführung) wird umbenannt in „Frederick Cancer Research Facilities“ (Krebsforschungsabteilung). Hier werden nun krebserzeugende Viren erforscht.

            1977: Eine Senatsanhörung bringt das Ausmaß der 239 Freisetzungen zwischen 1949 und 1969 ans Licht. Betroffen waren außer den obengenannten Gebieten auch Washington D.C., Key West und Panama City.

            Fragen?

          • Fragen sagt:

            Ja, warum hältst du Keuchhusten mit 12 Toten für eine historische Pandemie und wieviel haben deine Geschichten mit Virenspielen in Laboren zu tun? Und warum steht in deiner angeblichen Quelle nichts über einen Patient null aus Kansas?

  2. Anja sagt:

    Dann wissen wir ja in welche Richtung es geht, Kinderschutz Einrichtungen werden gedroht zu schließen und auf anderer Seite wird das Geld verschleudert

  3. Geldhahn sagt:

    Ich meine , dass es für solchen Mist die Leopoldina gibt.

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