Umbenennung des Salinemuseums sorgt für Unmut: Warum sich die Halloren wie in der „Sendung mit der Maus“ fühlen
Seit drei Jahren trägt eine der traditionsreichsten Kultureinrichtungen der Stadt einen neuen, deutlich kürzeren Namen: Aus dem „Technischen Halloren- und Salinemuseum“ wurde schlicht das „Salinemuseum“. Was für die Stadtverwaltung ein moderner, marketingtauglicher Schritt ist, empfinden die Halloren als schmerzhaften Verlust ihrer Sichtbarkeit. Nun flammt die Debatte erneut auf – eine Entscheidung lässt weiter auf sich warten.
Auslöser der aktuellen Diskussion ist ein Antrag der Stadtratsfraktion Hauptsache Halle, die den früheren Namen wieder einführen möchte. Im Kulturausschuss wurde darüber beraten, eine Entscheidung jedoch vertagt. Hauptsache Halle-Stadtrat Mario Kerzel zeigte sich darüber verärgert. Ihn störe vor allem die Art und Weise, „wie der Name von der Bildfläche verschwunden ist“ – und das nach mehr als 50 Jahren, in denen die Halloren fester Bestandteil des Museumsnamens waren.
Stadt setzt auf Kürze und Wiedererkennbarkeit
Demgegenüber verteidigte Kulturdezernentin Judith Marquardt die Umbenennung. Der neue Name sei „eingängig, kurz, marketingtechnisch prägnant und unverwechselbar“. Zudem habe sich das Museum inhaltlich stark erweitert und sei heute weit mehr als ein reines Technik- oder Handwerksmuseum. Die Entscheidung sei daher folgerichtig gewesen.
Marquardt zog auch einen Vergleich zum Planetarium der Stadt. Die neue Einrichtung am Holzplatz trage ebenfalls keinen Zusatznamen mehr, während das frühere Planetarium auf der Peißnitz nach Sigmund Jähn, dem ersten Deutschen im All, benannt war. Ungeachtet der Namensfrage betonte sie, dass die Stadt weiterhin gern und eng mit den Halloren zusammenarbeite.
Geteilte Meinungen im Stadtrat
Im Kulturausschuss zeigte sich ein gespaltenes Bild. Christian Kenkel (CDU) unterstrich, wie wichtig eine vielfältige Sichtbarkeit für Geschichte und Tradition sei. Gleichzeitig könne man sich den Argumenten für kurze und prägnante Namen nicht völlig verschließen. Als Beispiel nannte er das Deutsche Museum in München, das ebenfalls mit einem knappen Namen internationale Strahlkraft entfaltet habe.
Deutlicher positionierte sich Olaf Schöder (AfD) für die Rückkehr zum alten Namen. Die Halloren seien „ein ganz wichtiger Teil der Stadtgeschichte“, der sich auch im offiziellen Titel des Museums widerspiegeln müsse. Katja Müller (Linke) hingegen verwies darauf, dass sich der Name Salinemuseum inzwischen etabliert habe. „Für uns ist dieser Name griffig“, sagte sie.
Halloren fühlen sich übergangen
Besonders deutlich wurde der Unmut bei den Halloren selbst. Tobias Heinicke, Erster und Regierender Vorsteher der Salzwirkerbrüderschaft, berichtete, man habe die Akten geprüft. Fördermittelvorgaben, die eine Streichung des Namens erzwungen hätten, seien daraus nicht ersichtlich. Auch in die Entwicklung des neuen Corporate Designs sei die Bruderschaft nicht eingebunden gewesen. Dieses habe man lediglich präsentiert bekommen – verbunden mit dem Hinweis, es sei teuer gewesen und nun nicht mehr zu ändern.
„Wir haben die ganze Zeit versucht, die Halloren im Namen zu behalten“, sagte Heinicke. Die Stadt vergebe sich damit eine besondere Einzigartigkeit. Salinemuseen gebe es viele, ein Museum mit direktem Bezug zu den Halloren jedoch keines mehr.
Die Stadt verweist ihrerseits darauf, dass im offiziellen Untertitel weiterhin auf die Salzwirker hingewiesen werde: „Salinemuseum – Halloren und Salzgeschichte“. Für die Halloren ist das jedoch kein Trost. „Es ist ein Unterschied, ob man im Namen oder nur im Untertitel auftaucht“, so Heinicke.
„Lach- und Sachgeschichten“ statt Mitbestimmung?
Die Art der Namensfindung hinterließ bei den Halloren einen bitteren Nachgeschmack. Man habe sich an die „Lach- und Sachgeschichten mit der Maus“ erinnert gefühlt, hieß es – als sei der eigene jahrhundertealte Beitrag zur Stadtgeschichte auf eine erklärende Randnotiz reduziert worden.
Wie es weitergeht, ist offen. Der Kulturausschuss hat die Entscheidung vertagt, der Antrag bleibt auf der Tagesordnung. Klar ist jedoch schon jetzt: Die Debatte um den Namen des Salinemuseums ist mehr als eine Frage des Marketings. Sie berührt den Kern der halleschen Identität – und das Selbstverständnis einer der ältesten Bruderschaften der Stadt.









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