„Für’n Süden tun sie nix“: Demo fordert Rettung des Südstadt-Centers
Seit dreieinhalb Wochen ist das Südstadt-Center in Halle (Saale) geschlossen. Die Stadt hatte wegen Brandschutzmängeln eine Nutzungsuntersagung für das Einkaufszentrum am Südstadtring erlassen. Rund 50 Menschen haben am Freitag für den Erhalt und die Wiedereröffnung protestiert. „Beim Sparen sind sie fix, für’n Süden tun sie nix“, wurde gerufen.
Wohlwollend nahm man dort die von Oberbürgermeister Dr. Alexander Vogt im Rahmen der Stadtratssitzung geäußerten Worte auf, ein neuer Ankermieter sei in Sicht, es gebe Gespräche. „Wir versuchen, die Nahversorgung so schnell wie möglich wiederherzustellen“, sagte er in der Sitzung. „Wer das ist und wie groß, weiß leider niemand“, meinte Demo-Organisator Daniel Mahler. „Aber es besteht Hoffnung.“ Es sei positiv, dass sich die Stadt über die Wirtschaftsförderung für eine Wiederbelebung engagiere. „Das gibt Mut.“
Laut Mahler habe er in dieser Woche auch mit vielen umliegenden Händlern gesprochen. Mitarbeiter von Netto und Lidl würden sich beschweren, weil diese kleinen Discounter nicht für den nun erhöhten Andrang ausgelegt seien – sowohl personell als auch vom Sortiment her. Mahler ging zudem auf die vielen Geschäftsschließungen in der Südstadt und auf der Silberhöhe in den vergangenen Jahren ein, beispielsweise an der Poliklinik oder in der Gustav-Staude-Straße. „Und es ist nichts spürbar Neues nachgewachsen.“ Aus diesem Grund sehe er mit Sorge auf die beiden Stadtteile, da sie in den nächsten Jahren noch weiter abgehängt werden könnten. Mahler befürchtet in diesem Zusammenhang auch weitere Einsparungen beim Straßenbahnverkehr. Vor Jahren hätten die Linien in die Silberhöhe noch einen Fünf-Minuten-Takt gehabt. Daher plädierte er für eine gemeinsame Initiative, um die Stadtteile wieder attraktiver zu machen.
Zwar wolle die Stadt den Platz der Völkerfreundschaft neu gestalten. „Aber das ist nicht das, was wir brauchen“, so Mahler. „Wir brauchen Infrastruktur“, etwa bessere Straßen. Mahler warb dafür, zu verhindern, dass sich hier eine ähnliche Entwicklung wie im Südpark abzeichnet. Die Menschen sollten sich mit den Stadtratsfraktionen in Verbindung setzen und Bürgersprechstunden besuchen. Soziale Anlaufstellen wie Jugendclubs seien nötig. Mit Sorge sehe er TikTok-Videos von Stadträten, die vieles kommentierten, aber keine Lösungen anböten. Er habe das Gefühl, dem Stadtrat sei der Süden egal. So sollen aus dem Sondervermögen nur drei Projekte im Süden umgesetzt werden; stattdessen fließe das Geld in Prestigeprojekte.
Wichtig sei es, im Südstadt-Center wieder vernünftig einkaufen gehen zu können, egal wer Mieter sei. „Es gibt immer noch eine Nahversorgungspflicht. Das steht uns zu“, sagte Mahler. Auch Schuhe und Textilien habe man im Südstadt-Center erwerben können, nun müsse man weitere Wege auf sich nehmen. Ähnlich sei es bei den Ärzten, die nun verstreut an verschiedenen Standorten seien.
Seit fast vier Jahrzehnten lebe sie auf der Silberhöhe, sagte eine ältere Frau. Alle ihre drei Kinder seien in den Westen gezogen. „Die haben hier keine Perspektive. Hier ist nüscht. Hier ist der Hund begraben bei uns. Und das ist traurig.“ Das Center müsse wieder her. Diesen Wunsch äußerte auch ein junger Mann. „Ich war hier ständig einkaufen. Mir hat alles gefallen. Es war sehr schön in dem Center.“
„Für mich ist das Center günstig gelegen“, sagte ein weiterer Redner. „Ich habe hier alles für den Wocheneinkauf bekommen.“ Zudem habe er eine Mitgliedschaft im Fitnessstudio gehabt. Er könne sich auch an Zeiten erinnern, in denen das Center noch in einem guten Zustand gewesen sei, als es zum Beispiel einen Elektronikmarkt gab. „Das hat in den Jahren immer mehr abgenommen, das Center hat immer mehr nachgelassen.“ Er sprach defekte Fahrstühle und verdreckte Toiletten an; eine Reinigung der Treppenhäuser habe es nicht mehr gegeben.
Benjamin vom Solidaritätsnetzwerk beklagte, ohne an die Menschen zu denken, sei mit der Immobilie wild spekuliert worden, sie sei von einem ins nächste Portfolio geschoben worden. „Ein Finanzspiel. Ausgeführt von Krawatten und polierten Schuhen.“ Es werde mit den Lebensgrundlagen der dort lebenden Menschen gespielt. Die Initiative habe deshalb Flyer mit der Aufschrift „Immobilienhaie stoppen“ gedruckt. Doch nicht nur Reiche würden sich breitmachen, auch vom Staat sei wenig zu erwarten. „Man macht Millionen für das Zukunftszentrum locker, aber soziale Träger der Kinder-, Jugend- und Seniorenarbeit müssen die Türen schließen.“ Es werde eine Kürzung nach der anderen durchgesetzt, während sich die Kassen für Aufrüstung füllten.
„Das, was uns hier gerade genommen wird, sind Orte, an denen wir mit anderen zusammenkommen“, sagte Wende von Die Linke. Sie nahm dabei Bezug darauf, dass auch soziale Einrichtungen wie der Blaue Elefant und die Schöpfkelle wegen fehlender Gelder vor dem Aus stünden.










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