Haushaltskrise in Halle bedroht psychosoziale Begegnungsstätte Labyrinth

Die angespannte Haushaltslage der Stadt Halle bringt nicht nur Kinder- und Jugendprojekte ins Wanken. Auch etablierte soziale Angebote für besonders vulnerable Gruppen geraten zunehmend unter Druck. Ein besonders einschneidendes Beispiel ist die psychosoziale Beratungs- und Begegnungsstätte „Labyrinth“. Seit 30 Jahren ist sie fester Bestandteil des psychosozialen Versorgungsnetzwerks der Stadt – nun steht ihre Zukunft auf dem Spiel.

Die Einrichtung richtet einen eindringlichen Appell an die Entscheidungsträger der Halle (Saale): Trotz schwieriger Haushaltslage müsse der Erhalt offener und niedrigschwelliger Angebote für Menschen mit psychischen Erkrankungen gesichert werden. Es gehe nicht um ein Zusatzangebot, sondern um eine (über)lebensnotwendige Aufgabe in der Krisenintervention, -prävention und sozialen Teilhabe.

Ein Schutzraum ohne Hürden

Unter dem Leitsatz „Einsamkeit macht krank – Gemeinschaft hält gesund“ bietet das Labyrinth ein niedrigschwelliges psychosoziales Angebot für Menschen aus Halle und dem Saalekreis. Herzstück ist ein offenes Kontaktcafé, ergänzt durch Beratungs- und Kriseninterventionsangebote, zahlreiche Selbsthilfegruppen sowie vielfältige Projektformate.

Das Besondere an der Einrichtung ist ihre konsequente Offenheit: Es gibt keine Terminvergabe, keine Zugangsvoraussetzungen, keine Antragsverfahren und keine bürokratischen Hürden. Während der Öffnungszeiten erhalten Besucherinnen und Besucher genau die Unterstützung und Gemeinschaft, die sie in ihrer aktuellen Situation benötigen – unkompliziert und unmittelbar.

Ins Labyrinth kommen Menschen mit Depressionen, Schizophrenie, Psychosen, Angst- oder Zwangserkrankungen. Viele sind aufgrund der Schwere ihrer Erkrankung berentet, leben allein und sind sozial stark isoliert. Der damit verbundene Leidensdruck ist enorm. Gerade in akuten Krankheitsphasen fällt es psychisch erkrankten Menschen schwer, das eigene Zuhause zu verlassen. Für viele ist die Begegnungsstätte daher – neben notwendigen Arztbesuchen – der einzige Ort, der ihnen einen Grund gibt, die Wohnung zu verlassen und unter Menschen zu gehen.

Krisen kennen keine Öffnungszeiten

Eine besondere Rolle übernimmt das Labyrinth an Wochenenden und Feiertagen, wenn viele andere öffentliche Einrichtungen geschlossen sind. In diesen Zeiten wirkt die Begegnungsstätte stabilisierend und übernimmt eine wichtige Funktion in der Krisenprävention und -intervention. Psychische Krisen richten sich nicht nach Sprechzeiten oder Terminplänen, sondern verlangen oft eine unmittelbare, professionelle Begleitung.

Jede Kürzung beim Personal hätte spürbare Folgen: Weniger Mitarbeitende bedeuten weniger Zeit und Raum für Gespräche, weniger Gemeinschaftserlebnisse und damit mehr Isolation für die Betroffenen. Isolation wiederum erhöht das Risiko akuter Krisen und führt langfristig nicht selten zu intensiveren und kostenaufwendigeren Hilfemaßnahmen. Was kurzfristig als Einsparung erscheint, könnte sich mittel- und langfristig als erhebliche Mehrbelastung für das soziale Versorgungssystem erweisen.

Zahlen, die die Bedeutung unterstreichen

Im vergangenen Jahr wurden in der Einrichtung 11.945 Kontakte verzeichnet – das entspricht durchschnittlich 32,7 Kontakten täglich. Diese Zahl verdeutlicht, wie stark das Angebot genutzt wird und wie groß der Bedarf ist. Finanziert werden derzeit 2,2 Personalstellen, verteilt auf vier sozialpädagogische Fachkräfte. Mit diesen Ressourcen werden verlässliche Öffnungszeiten von insgesamt 36 Wochenstunden abgesichert, einschließlich der Wochenenden und Feiertage.

Für die Umsetzung des aktuellen, bereits gekürzten Angebots ist eine städtische Fördersumme von 165.800 Euro notwendig. Ergänzt wird diese Finanzierung durch rund 21.000 Euro vom Saalekreis sowie 20.000 Euro vom Evangelischen Kirchenkreis Halle-Saalkreis. Zudem bringt die hallesche Jugendwerkstatt gGmbH Eigenmittel in die Finanzierung ein. Sollte die städtische Förderung entfallen, wären auch diese Kofinanzierungen gefährdet.

Gleichzeitig bemüht sich die Einrichtung kontinuierlich um zusätzliche Drittmittel, etwa von Stiftungen, Krankenkassen oder Förderorganisationen, um den kommunalen Haushalt zu entlasten. Dieses Engagement soll auch künftig fortgesetzt werden.

Freiwillige Leistung mit Pflichtcharakter?

Formal gilt das Labyrinth als sogenannte „freiwillige Leistung“ der Kommune. Über viele Jahre hinweg bekannte sich die Stadt jedoch ausdrücklich zu diesem Angebot als faktischer Bestandteil der Pflichtversorgung im psychosozialen Netzwerk. Angesichts steigender psychischer Erkrankungen gewinnt diese Einordnung weiter an Bedeutung.

Statistiken zeigen, dass inzwischen ein Großteil der Rentenanträge aufgrund psychischer Erkrankungen gestellt wird. Niedrigschwellige psychosoziale Angebote wie das Labyrinth wirken dieser Entwicklung entgegen, indem sie stabilisieren, soziale Teilhabe ermöglichen und einer Chronifizierung vorbeugen. Sie helfen, Klinikaufenthalte zu vermeiden und kostenintensive Maßnahmen der Eingliederungshilfe zu reduzieren.

Eine Schließung der Begegnungsstätte würde daher nicht nur einen massiven Einschnitt für die Betroffenen bedeuten, sondern auch eine empfindliche Lücke im Versorgungssystem der Halle (Saale) hinterlassen. Die gravierenden sozialen und finanziellen Folgen wären absehbar.

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2 Antworten

  1. Herzlos sagt:

    Wow, das ist echt krank. Dort konnte ich an Weihnachten zuflucht finden weil ich keine Familie, keine engen Freundw haben und durch Depressionen an Einsamkeit leide. Die Einheitsparteien wollen dieses Land endgültig zerstören und die Menschen spalten.

  2. Jeannine John sagt:

    An den Autor eseppelt gerichtet: woran unterscheidest Du etablierte Einrichtungen von nicht etablierten?
    Das kommt sehr merkwürdig und einseitig rüber.

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