IHKn in Sachsen-Anhalt sehen Hoffnungen enttäuscht: keine Aufbruchstimmung in Sicht

Die wirtschaftliche Entwicklung in Sachsen-Anhalt zeigt zum Jahresende 2025 weiterhin keinerlei Aufbruchstimmung. Die Phase der Stagnation hält damit bereits seit 2022 an. Zwischenzeitlich aufgekommene Hoffnungen im Jahresverlauf haben sich nicht erfüllt. Für die kommenden Monate bleiben die Unternehmen pessimistisch – sowohl mit Blick auf ihre Geschäftsentwicklung als auch hinsichtlich Beschäftigung und Investitionen. Das zeigt die aktuelle Konjunkturumfrage der Industrie- und Handelskammern (IHKn) Halle-Dessau und Magdeburg.

Der IHK-Geschäftsklimaindex lag Ende 2025 bei –7,3 Punkten und damit nahezu auf dem Niveau des Vorjahresquartals. Der Index fasst zusammen, wie die Unternehmen ihre aktuelle Geschäftslage sowie ihre kurzfristigen Erwartungen bewerten.

Die Geschäftslage der Unternehmen wurde 2025 erneut durch zusätzliche Kostensteigerungen belastet – nicht nur bei Energie und Rohstoffen, sondern insbesondere auch bei den Arbeitskosten. Preisanhebungen ließen sich immer seltener am Markt durchsetzen. Das führte zu rückläufigen Umsätzen und sinkenden Gewinnen. Verschärft wurde die Lage durch rückläufige Auslandsaufträge infolge handelspolitischer Konflikte.

Viele der konjunkturellen Probleme haben sich inzwischen verfestigt und sind zu strukturellen Herausforderungen geworden. Neben den hohen Energie- und Arbeitskosten gelten zunehmend auch die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen als Hemmnis. 68 Prozent der Unternehmen sehen diese als Risiko für ihre wirtschaftliche Entwicklung im Jahr 2026. Vor allem Bürokratie und komplexe Regulierung werden als Belastung empfunden. Hohe Kosten und administrativer Aufwand entwickeln sich damit zu dauerhaften Standortnachteilen – mit negativen Folgen für die Wettbewerbsfähigkeit der sachsen-anhaltischen Wirtschaft.

Die Auswirkungen lassen sich klar erkennen: Die Investitionsabsichten bleiben niedrig, und die Beschäftigtenzahlen gehen zurück. „Weniger als ein Fünftel der Unternehmen beabsichtigt, verstärkt zu investieren – rund ein Drittel möchte sogar Investitionen verringern. Bei der Beschäftigung rechnen derzeit mehr als ein Fünftel der Unternehmen mit Rückgängen“, berichtet Claudia Meffert, Vizepräsidentin der Industrie- und Handelskammer Magdeburg.

Insgesamt, so Meffert, überwiege der Pessimismus weiterhin deutlich. Eine Aufbruchstimmung sei nicht erkennbar. „Die Erwartungen der Wirtschaft haben sich bisher nicht erfüllt“, erklärt die IHK-Vizepräsidentin. Die Neuwahlen zum deutschen Bundestag und der Wechsel der Bundesregierung hatten unter den Unternehmen die Hoffnung auf Reformen und wirtschaftliche Impulse geweckt. Die kurzzeitige Stimmungsaufhellung im zweiten Quartal verpuffte jedoch rasch. Die beschlossenen Reformen blieben hinter den Erwartungen zurück, deutliche wirtschaftliche Effekte sind bislang nicht zu spüren.

2025 unterschieden sich die Branchen beim Geschäftsklima nur in Nuancen. Leichte Hoffnungsschimmer gab es zeitweise in der Industrie und im Baugewerbe. Im Handel, im Verkehrsgewerbe und im Gastgewerbe blieb die Stimmung dagegen durchgehend eingetrübt. Den stabilsten Verlauf zeigte erneut das Dienstleistungsgewerbe.

Die großen wirtschaftlichen Herausforderungen liegen klar auf der Hand, betont Sascha Gläßer, Präsident der Industrie- und Handelskammer Halle-Dessau: „Wenn über zwei Drittel der Unternehmen die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen und die Arbeitskosten als Risiko ansehen, dann müssen wir schon dort ansetzen!“

Vor allem ein konsequenter Bürokratieabbau könne die Lage verbessern. In einer aktuellen Erhebung der IHK Halle-Dessau zeigt sich: Nur wenige Unternehmen sehen überhaupt kein Bürokratieproblem. Besonders aufwendig empfinden die Betriebe Anforderungen in den Bereichen Finanzen und Steuern, amtliche Statistik sowie Arbeitsschutz und Arbeitssicherheit. Hier seien spürbare Entlastungen notwendig.

Auch bei den Arbeitskosten sieht Gläßer Reformbedarf. Einspar- und Entlastungspotenziale könnten etwa über Reformen der Sozialsysteme gehoben werden. Positive Zeichen gäbe es bereits bei der Bürgergeldreform und den Vorschlägen der Kommission zur Sozialstaatsreform, die effizientere Systeme und stärkere Arbeitsanreize schaffen sollen. Für das Rentensystem stehe eine grundlegende Reform weiterhin aus. Notwendig seien unter anderem die Abschaffung von Frühverrentungsanreizen, solidarischere Rentenanpassungen sowie langfristige Anreize für mehr Kinder.

Hintergrund:

Die Landesarbeitsgemeinschaft der beiden Industrie- und Handelskammern in Sachsen-Anhalt (LAG) besteht seit 1997 und vertritt die Interessen von rund 110.000 Unternehmen der gewerblichen Wirtschaft in Sachsen-Anhalt. Die Landesarbeitsgemeinschaft führt Umfragen unter ihren Mitgliedsunternehmen durch, erarbeitet fachliche Stellungnahmen und vertritt das Gesamtinteresse der Unternehmen gegenüber Politik, Verwaltung und Öffentlichkeit.

Bei der Konjunkturumfrage wird vier Mal im Jahr eine repräsentative Stichprobe aus den Mitgliedsunternehmen der Industrie- und Handelskammern befragt. Sowohl die Befragung als auch die Auswertung und Hochrechnung der Ergebnisse erfolgen nach anerkannten wissenschaftlichen Methoden. In Sachsen-Anhalt nehmen jeweils rund 900 Unternehmen daran teil.

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Eine Antwort

  1. Bürger für Halle sagt:

    Zweifellos ist die IHK an den trüben Zukunftserwartungen zu einem großen Teil beteiligt, trägt sie doch mit Lobbyarbeit für veraltete, fossile Technologien gerade dazu bei. Dabei bräuchten viele Branchen genau das Gegenteil: Verlässliche Richtlinien, Unterstützung zukunftsfähiger Technologien und Geschäftsmodelle, die auch, oder vor allem dem Gemeinwohl dienen. Lobbyarbeit für fossile Konzerne zu machen, ist gewiss der falsche Weg, der uns teuer (siehe das neue „Gebäude- Modernisierungsgesetz“) zu stehen kommt.

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