Planungsausschuss debattiert über 116 Millionen Euro Sondervermögen und fasst keinen Beschluss – OB Vogt: “nochmal vertagen können wir uns nicht leisten”

Über das Sondervermögen des Bundes stehen der Stadt Halle (Saale) 116 Millionen Euro zur Verfügung, dazu kommen 10 Millionen Euro Eigenmittel. Unter anderem soll Geld in das Stadthaus und den Marktplatz fließen. Als erster Stadtratsausschuss hat sich der Planungsausschuss mit den Vorhaben der Stadtverwaltung beschäftigt. Am Ende fiel die Entscheidung, dass man die Vorlage als beraten ansieht – und keinen Beschluss fasst. Zuvor hatte Baudezernent René Rebenstorf genau für diese Praxis geworben.

Mehrere Stadträte wollten noch keine Entscheidung treffen und wollten gar eine Vertagung. So kritisierte Ferdinand Raabe (Volt), dass die Verwaltung Druck aufbaue. Doch es sei nicht Aufgabe der Stadträte, die Vorlage „schnell durchzuboxen“. „Wir sollten uns die Zeit nehmen, alles ordentlich zu beraten.“ Auch Alexander Raue (AfD) warnte vor einem „Durchpeitschen“, zudem warb er dafür, das Geld für einen dritten Saaleübergang auszugeben.

Oberbürgermeister Dr. Alexander Vogt hat dagegen für einen Beschluss geworben. Schließlich habe der Saalekreis schon im Januar einen Grundsatzbeschluss gefasst. „Nochmal vertagen können wir uns nicht leisten.“ Das Sondervermögen sei „eine Riesenchance für Halle“. Doch die Zeit dränge, denn in Kürze drohe ein Bietermarkt, bei dem die Baufirmen am längeren Hebel sitzen, weil sie viele Aufträge bekommen. Dazu komme noch die Inflation. Preissteigerungen können nicht ausgeglichen werden. Die 116 Millionen Euro sind fest. Und je länger man warte, umso weniger könne realisiert werden. Durch eine Verzögerung von einem Monat würden mehrere Hunderttausend Euro verloren gehen, so Vogt.

Vogt wies in der Debatte Kritik zurück, dass Bildung keine Rolle spiele. Er verwies dabei auf das Investitionsprogramm Bildung. In dessen Rahmen werden bereits Schulbauten in Halle saniert.

Baudezernent Rebenstorf erläuterte, dass viele Projekte ohne das Sondervermögen gar nicht umgesetzt werden können. Das betrifft beispielsweise Neubauten bei den Freiwilligen Feuerwehren Passendorf und Neustadt. Ein Stromnetz wird auf der Ziegelwiese errichtet, um bei Veranstaltungen wie dem Laternenfest keine stinkenden Dieselaggregate mehr anmieten zu müssen. 250.000 Euro pro Jahr können so laut Stadt eingespart werden. Bei den Straßen habe man eine Priorisierung vorgenommen. Denn allein, um alle Brücken auf eine Zustandsnote 3 zu bekommen, wäre ein Vielfaches der Mittel nötig. Saniert werden auch die Aussichtsterrassen im Heinrich-Heine-Park/Lehmannsfelsen. „Die sind in keinem guten Zustand“, so Rebenstorf. Die Arbeiten seien dringend nötig. Andernfalls würde es auch weitere Auswirkungen durch Steinschlag am Riveufer geben. Radwegbauten spielen keine Rolle. Das liegt laut Rebenstorf daran, dass es hierfür auch noch andere Förderprogramme gibt. Zudem habe man Projekte herausgesucht, die nicht erst jahrelangen Planungsvorlauf brauchen.

Das Sondervermögen sei grundsätzlich zu begrüßen, meinte Ferdinand Raabe (Volt). Jedoch würde ein großer Anteil der Projekte dem Autoverkehr zugutekommen. Alexander Raue (AfD) mahnte: „Das müssen unsere Kinder und Kindeskinder abzahlen.“ Deshalb müsse man verantwortungsvoll mit den Geldern umgehen. Er könne gut verstehen, dass die Stadtverwaltung jene Projekte vorschlage, auch wenn diese teilweise kleinteilig seien. Doch Raue warnte vor einem „Windhundrennen“. Er stelle sich die Frage, wie nachhaltig alle diese Projekte wirken, „und wir haben nur diesen einen Schuss“.

„Eine einmalige historische Chance biete sich“, meinte Hans-Joachim Berkes (CDU). Für ihn sei besonders wichtig, die Infrastruktur nachhaltig zu verbessern. Berkes warb zudem für ein WC auf dem Marktplatz. Die Pläne für den Marktplatz seien nicht der große Wurf, meinte Wolfgang Aldag (Grüne), „das ist Flickschusterei“. Martin Sehrndt (AfD) war dafür, „zwei, drei Parkhäuser am Innenstadtring“ zu errichten. „Es sind Schulden, die auf eine verantwortungslose Art und Weise zusammengekommen sind“, sagte Andreas Godenrath (AfD).

Projekte:

  • Grundhafte Sanierung des Stadthauses Stadt Halle (Saale) 33 Millionen Euro
  • Sanierung und Erweiterung Freiwillige Feuerwehr Halle-Neustadt 4,5 Millionen Euro
  • Sanierung und Erweiterung Freiwillige Feuerwehr Passendorf 4,5 Millionen Euro
  • Sanierung von Lager- und Archivräumen (Barbarastraße; Katastrophenschutz) 2 Millionen Euro
  • Ausbau der Elektrifizierung der Ziegelwiese 1,2 Millionen Euro
  • Ausbau der Elektrifizierung des Riveufers 1,2 Millionen Euro
  • Verkehrsinfrastruktur Sanierung Lise-Meitner-Straße 819.000 Euro
  • Verkehrsinfrastruktur Sanierung Große Gosenstraße 417.000 Euro
  • Verkehrsinfrastruktur Sanierung Adam-Kuckhoff-Straße 926.700 Euro
  • Verkehrsinfrastruktur Sanierung Johann-Andreas-Segner-Straße 221.300 Euro
  • Verkehrsinfrastruktur Sanierung Franz-Andres-Straße 370.000 Euro
  • Verkehrsinfrastruktur Sanierung Zöberitzer Straße 900.000 Euro
  • Verkehrsinfrastruktur Sanierung Liebenauer Straße 450.000 Euro
  • Verkehrsinfrastruktur Äußere Radeweller Straße Grundhafter Ausbau 2,5 Millionen Euro
  • Verkehrsinfrastruktur Schieferstr. Grundhafter Ausbau 4,6 Millionen Euro
  • Verkehrsinfrastruktur Äußere Hordorfer Str. Grundhafter Ausbau 2 Millionen Euro
  • Verkehrsinfrastruktur Stadtgebiet Süd Erneuerung (Paket 1) 1,4 Millionen Euro
  • Verkehrsinfrastruktur Stadtgebiet Ost Erneuerung (Paket 2) 1,4 Millionen Euro
  • Verkehrsinfrastruktur Stadtgebiet Nord Erneuerung (Paket 3) 1,4 Millionen Euro
  • Verkehrsinfrastruktur Stadtgebiet West Erneuerung (Paket 4) 1,4 Millionen Euro
  • Verkehrsinfrastruktur Ersatzneubau Brücke BR 084 Reidebachbrücke Osendorf 3 Millionen Euro
  • Verkehrsinfrastruktur Ersatzneubau Brücke BR 117 Angersdorf Stadt Halle (Saale) & SWH 7 Millionen Euro
  • Verkehrsinfrastruktur Begleitung KWP- Straßensanierung und Begrünung, Cluster I Stadt Halle (Saale) & SWH 19,7 Millionen Euro
  • Verkehrsinfrastruktur Begleitung KWP- Straßensanierung und Begrünung, Cluster II Stadt Halle (Saale) & SWH 6 Millionen Euro
  • Infrastruktur Klimaresiliente Neugestaltung des Marktplatzes (Wettbewerb, Brunnenanlage, Grüngestaltung) Stadt Halle (Saale) 2,5 Millionen Euro
  • Infrastruktur Spielplatz Rathenauplatz 700.000 Euro
  • Infrastruktur Spielplatz Reideburg Nord 180.000 Euro
  • Infrastruktur Heinrich-Heine-Park Aussichtsterrassen 2 Millionen Euro
  • Sanierung von Sportanlagen SK Robert-Koch-Straße – Sporthalle MT 90 – Kernsanierung sowie energetische Sanierung, Modernisierung Sanitär- und Umkleideräume 5 Millionen Euro
  • Sanierung von Sportanlagen SK Brandberge – Werferhalle – grundlegende Sanierung 2,8 Millionen Euro
  • Sanierung von Sportanlagen SK Robert-Koch-Straße – Sanierung/Erneuerung Kampfrichterturm und Sozialanlage Stadt Halle (Saale) 2,7 Millionen Euro
  • Sanierung von Sportanlagen SK Brandberge – Sanierung Waldstadion (Kröllwitz) 900.000 Euro
  • Sanierung von Sportanlagen SK Neustadt – Sanierung Naturrasenplatz 700.000 Euro
  • Sanierung von Sportanlagen Sportanlage Lettin – Sanierung Laufbahn 480.000 Euro
  • Sanierung von Sportanlagen Umwandlung Hartplatz in Kunstrasenplatz Polizeisportverein 1,14 Millionen Euro
  • Sanierung von Sportanlagen Sanierung Umkleide- und Sanitärbereich, Tribüne und Dach Funktionsgebäude VfL Halle 96 1,5 Millionen Euro
  • Sanierung öffentlicher Gebäude (hier: Kultureinrichtung) Investitionsvorhaben Siedehaus VI
    (Saline-Ensemble) 400.000 Euro
  • Digitalisierung Implementierung der Multi-Faktor-Authentifizierung (MFA) 1 Million Euro
  • Digitalisierung Druck-, Scan- und Multifunktionslösung u. a. zur Unterstützung der Einführung der eAkte 2,25 Millionen Euro
  • Digitalisierung Einführung eines „Identity & Access Management“-Systems (IAM) 300.000 Euro
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32 Antworten

  1. ! sagt:

    Mehr als ein Viertel für die Sanierung des Stadthauses? Die Bürger sollten sich MASSIVST verarscht fühlen.

    • MASSIVST sagt:

      33 Millionen Euro sind also „Mehr als ein Viertel“ von 116 Millionen Euro (bzw. 126 Millionen Euro)?

      • wir haben es doch dicke sagt:

        In der Ukraine soll sich die Zahl der Millionäre sei 22 , also seit Kriegsbeginn , verzwanzigfacht haben , wohl auch Dank deutscher Steuermilliarden.
        Da sollten wir doch auch ein paar Heller fürs Stadthaus übrig haben , das es nicht mehr gefühlt jeden Monat einen Fehlalarm gibt.

      • mit Mathe verarscht sagt:

        ein Viertel von 116 = 29

        33 ist größer („mehr“) als 29

        ein Viertel von 126 = 31,5

        33 ist größer als 31,5

        Folge:

        33 Millionen sind mehr als ein Viertel von 116 Millionen (bzw. 126 Millionen).

  2. else sagt:

    Diesen Ungelernten mal begreiflich machen, dass Sondervermögen Schulden sind.
    Aber wir sind ja in Halle.

  3. ??? sagt:

    „Digitalisierung: u.a. Druck-, Scan- und Multifunktionslösung“

    Alter! Das war der Stand in der Wirtschaft schon 1992.

  4. Was soll das? sagt:

    Diese Vorschläge sind nur ein Feigenblatt, um den Eindruck zu erwecken, dass die Stadt aktiv in die Infrastruktur investiert, während die eigentlichen, dringenden Investitionen – etwa in den öffentlichen Verkehr oder die Instandhaltung desolater von Straßen und Wege – hinten anstehen. Es geht um Kosmetik, mehr jedoch auch nicht.

  5. Trak sagt:

    Warum 1 million PSV Halle Kunstrasen???

    • Trotha sagt:

      Ist wie VfL, sind beides Vereine; waas bringen die Vereine dazu ein?

      • micha sagt:

        Die Mitglieder zahlen hier Steuern. Die Kommunen sind verpflichtet die Infrastruktur mit Steuern zu erhalten. Dazu waren sie offenkundig nicht in der Lage weil zu wenig Steuern fließen, denn es zahlen ja nur die kleinen Bürger steuern.
        Somit muss das, was vernachlässigt wurde aus diesem Topf bezahlt werden.

  6. Bert sagt:

    Dieser Stadtrat ist dermaßen inkompetent. Keine förderfähigen Vorschläge bringen und die der Stadt schlecht reden. Es wäre so schön wenn mal einer die dumm dämlichen Anträge der Fraktionen so wegwischen würde wie die es mit den städtischen Vorlagen machen. Augen auf bei der nächsten Kommunalwahl…

  7. Hans-Karl sagt:

    Zum letzten Punkt:
    Die Digitalisierung soll Kosten sparen, dafür machen wir das! Sie müsste sich also aus sich selbst heraus finanzieren! Es kann doch nicht sein, das ständig neue Technologien eingeführt werden und die Kosten dadurch steigen.

  8. Soviel Geld.... sagt:

    … und alles Schulden!!!!

  9. Sparfuchs sagt:

    Klimaresilenter Mist! Das kann man einsparen. Absoluter Schwachsinn!

    • 10010110 sagt:

      Schwachsinn ist deine Sturheit. Du kannst nicht auf Dauer mehr Geld aus deinem Konto entnehmen als drauf ist. Genau das gleiche Prinzip gilt mit unserer Umwelt.

      • Sparfuchs sagt:

        Bei mir ist soviel auf meinem Konto, dass ich das Geld wiegen muss!
        Außerdem ist der ganze Klimamist ein Schuldentreiber!
        Aber das kapierst du nicht in deiner Blase!

        • 10010110 sagt:

          Braunkohle verbrennen ist Schuldentreiber. Und das sind Schulden, die man nie wieder zurückzahlen kann. Aber das kapierst du nicht in deiner Blase.

  10. MS sagt:

    Selbst wenn der Planungsausschuss irgendetwas beschlossen hätte, hat das absolut null Auswirkungen auf Bieterpreise, Baukosten etc….weil nämlich kaum etwas dieser Projekte fertig geplant ist, fertig beschlossen ist, geschweige denn Ausschreibungsreif oder gar baureif ist!

    • Klardenkender sagt:

      Das der, der das geäußert hat, keine große Leuchte ist, wissen wir ja mittlerweile.
      Dennoch sind auf der Liste ein paar fragwürdige Projekte, wo man sich schon fragt, welche Verbindungen da dahinter stecken.
      Das Stadthaus als Klientelprojekt zu bezeichnen, ist natürlich Quatsch.
      Es könnte sich hier auch manch Kommentare einen Taschenrechner nehmen, um die Straßenbaumaßnahmen zusammen zu rechnen, wenn es für einen Überschlag offensichtlich nicht reicht.

  11. Tino sagt:

    Die einzige richtige Lösung wäre es, die die 116 Millionen nicht anzunehmen.
    Das „Sondervermögen“ sind letztendlich nur Schulden, auf Kosten der Nachfolgden Generation.
    Gut Haushalten sieht anders aus….
    Einfach scheußlich!

  12. Interessanter Burger sagt:

    Das Geschmäckle ist enorm, wenn fast 1/4 davor zur Sanierung des Stadthauses hergenommen werden sollen. 🤨

  13. Wien 3000 sagt:

    Auch die Straße ist wesentlicher Teil der Infrastruktur und muss in einem guten Zustand sein. In das Straßenbahnnetz fließen und flossen bereits Gelder aus dem Stadtbahnprogramm, so dass da die Infrastruktur durchaus ordentlich ist und weiter verbessert wird. Beim Stadthaus sehe ich die Sache komplexer, einerseits hat Vogt recht, dass auch das Stadthaus als Verwaltungsgebäude saniert werden muss und ein marodes Gebäude der Stadt am Marktplatz ist auch kein haltbarer Zustand. Auf der anderen Seite gib es einfach riesen Probleme mit der sonstigen städtischen Infrastruktur im allgemeinen, so dass darauf die Prioritäten liegen sollten und doch keine ca. 30 Mio für ein Gebäude ausgegeben werden sollten. Schon mit ein paar Millionen aus dem Topf für das Stadthaus kann man sehr viel für den Radverkehr tun.

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