Stadtmuseum mit „Spurensuche in Halle“ zur Heydrich-Ausstellung: Hallescher Arzt und das Euthanasie-Programm der Nazis
Was bedeutet das „Recht auf Leben“ – und was geschieht, wenn ein Staat dieses Recht bestimmten Menschen abspricht? Mit diesen eindringlichen Fragen lädt das Stadtmuseum Halle am Sonntag, 8. März 2015, um 15 Uhr zum 2. Werkstattgespräch „Spuren in Halle“ ein. Im Mittelpunkt steht der hallesche Arzt Horst Schumann und seine Beteiligung am nationalsozialistischen „Euthanasie“-Programm.
Während der Zeit des Nationalsozialismus (1933–1945) wurden Menschen mit geistigen, seelischen und körperlichen Beeinträchtigungen als „lebensunwert“ diffamiert. Über 350.000 Frauen und Männer wurden zwangssterilisiert, viele starben an den Folgen der Eingriffe. In den sogenannten „Euthanasie“-Programmen ermordeten die Nationalsozialisten mehr als 300.000 Kinder, Jugendliche und Erwachsene systematisch.
Durch das Werkstattgespräch führt Dr. Maik Evers, Mitglied des Kuratorenteams des Stadtmuseums Halle. Nach einer kurzen Einführung haben Besucherinnen und Besucher die Gelegenheit, ausgewählte Objekte und historische Dokumente aus nächster Nähe kennenzulernen. Gemeinsam werden ihre Hintergründe, Geschichten und Bedeutungen erschlossen.
Im Zentrum steht die Biografie von Horst Schumann, der als Mediziner aktiv an den NS-„Euthanasie“-Maßnahmen beteiligt war. Anhand seines Lebenswegs wird deutlich, wie ärztliches Handeln in den Dienst eines verbrecherischen Systems gestellt wurde – und welche Verantwortung daraus erwächst. Zugleich rücken die Schicksale der Opfer in den Fokus: Ihre Lebensgeschichten machen die Folgen der Taten greifbar und mahnen zur Erinnerung.
Das Werkstattgespräch versteht sich nicht nur als historische Auseinandersetzung, sondern auch als Einladung zum Dialog. Fragen nach gesellschaftlicher Verantwortung, medizinischer Ethik und der heutigen Erinnerungskultur stehen im Raum und bieten Anlass zum gemeinsamen Austausch.










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