Traditionsbäcker Rödel schließt: Wieder verschwindet ein Stück Handwerk aus Halle (Saale)

Der Duft frischer Brötchen am frühen Morgen, ein kurzer Plausch über den Ladentresen, dazu ein noch prall gefüllter Windbeutel für den Heimweg – für viele Hallenser gehörte das zur festen Wochenroutine. Doch damit ist nun Schluss: Die Bäckerei Rödel schließt am Samstag endgültig ihre Türen. Die beiden Geschäfte „Im langen Feld“ und in der Mauerstraße stellen den Betrieb ein. Es wird keine „Ossi“-Brötchen mehr geben, keine Pfannkuchen und keine Windbeutel nach altem Hausrezept.

Echte kleine Handwerksbäcker sind in Halle (Saale) inzwischen rar geworden. In vielen Straßen prägen Filialen großer Ketten das Bild – etwa von Steinecke oder Schäfers. Frische Teiglinge aus zentraler Produktion ersetzen dabei oft das traditionelle Backhandwerk vor Ort. Zwar gibt es noch Namen, die vielen Hallensern vertraut sind – wie Kolb im Paulusviertel oder Kirn in der Südstadt. Doch die Zahl inhabergeführter Betriebe schrumpft seit Jahren. Steigende Energiepreise, höhere Rohstoffkosten und fehlende Fachkräfte setzen besonders kleinen Unternehmen zu.

Die Backstube Rödel wurde 1937 gegründet. Über Jahrzehnte blieb sie in Familienhand und entwickelte sich zu einer festen Größe im Stadtgebiet. Erst 2020 übernahm ein Freund der Familie den Traditionsbetrieb – mit dem Ziel, das Erbe fortzuführen. Doch die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen machten es zunehmend schwer, den Betrieb aufrechtzuerhalten. Als Gründe für die Schließung nennt das Unternehmen in einem Aushang vor allem Personalmangel und stark gestiegene Kosten. Trotz aller Bemühungen sei eine wirtschaftliche Fortführung nicht mehr möglich gewesen.

Am Samstag öffnet die Bäckerei ein letztes Mal ihre Türen. Stammkunden wollen noch einmal vorbeischauen, sich verabschieden – vielleicht ein letztes Mal die vertrauten Brötchen kaufen. Mit der Schließung von Rödel verschwindet ein weiteres Stück traditionelles Bäckerhandwerk aus Halle. Was bleibt, sind Erinnerungen an den Geschmack, der für viele untrennbar mit ihrer Kindheit und ihrem Viertel verbunden ist – und die Frage, wie lange sich echtes Handwerk in der Stadt noch behaupten kann.

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15 Antworten

  1. Wolli sagt:

    In Kröllwitz war es die Bäckerei Pohl, mit seinen Brötchen sind die heutigen Industriebrötchen nicht vergleichbar..

  2. BESORGTER Hallenser sagt:

    So kann es nicht weitergehen was läuft hier Schief in Polen geht’s nach oben?Die Landtagswahl steht an und man feiert schon das Zukunftszentrum???

  3. Dirk Beyse sagt:

    Wieder ein Handwerksbetrieb weniger in Halle und damit auch weniger Steuereinnahmen für die Stadt Halle.Bei den steigendenden Energiepreisen und einer ständig steigenden Bürokratie werden viele kleine Firmen nicht überleben.Der tollen Politik sei gedankt.

    • Die Realität sagt:

      Es will niemand mehr nachts aufstehen zum backen.
      Mit der Volksmentalität, ständig übers Geld zu jammern, kaufen zu wenige Handwerksprodukte.
      Das hat mit Politik nichts zu tun.

  4. TB sagt:

    Selbes Schicksal wie Bäckerei Neubauer im Univiertel, die ebenfalls Ende März schließt. Auch ein langjähriger Traditionsbäcker, der aufgrund der wirtschaftlichen Gesamtsituation nicht weitermachen kann und will.

    • Klara N. sagt:

      Rödel hatte den besten Kuchen der Stadt. Ich bin oft dorthin gelaufen. Einfac nur traurig. Jetzt kann man den Süden von Halle völlig vergessen. Warum wird so eine alte Tradition nicht erhalten? Hauptsache man investiert in ein über 200 Millionen teures Zukunfttszentrum. Echt armselig!
      Seit dem der BlackRock Handlanger Merz in Halle war werden hier zahlreiche Geschäfte geschlossen. Schon irgendwie seltsam und bestimmt kein Zufall.

  5. kuckhoffstraße sagt:

    Bäckerei Neubauer schließt zu Ende März leider auch.

  6. Julius Neumann sagt:

    Wirklich schade! Einer meiner Lieblingsbäcker in Halle.

    • BesteBrötchen sagt:

      Unterstützt doch die verbliebenen Traditons-Bäcker wie Tannert am Steintor! Die Bäcker sind da. Wenn es euch nicht am Produkt liegt, holt euch weiterhin die Fertigware.

  7. Kritisch sagt:

    Aber verspricht uns die Politik nicht immer sinkende Energiepreise, weniger Bürokratie und die Fachkräfte wären unterwegs bzw. sie können nur noch nicht arbeiten wegen den Gesetzen aber daß es schnell geändert werden soll weil alle schon aufs arbeiten warten?

  8. haido sagt:

    Ja auch die Politik hat ein wenig Schuld daran! Aber, jeder Käufer sollte sich mal selbst hinterfragen, warum er die Brötchen und das Brot bei Edeka, Lidl und Aldi kauft! 1. es ist bequem (typisch Mensch, jeden Meter mit dem PKW fahren) und 2. es ist billig ! Wir alle bekommen dafür die Quittung bei Qualität und Gesundheit!

  9. Strom ist Gold sagt:

    Hat ja niemand gesagt, dass es die linksgrüne Energiewende für umsonst gibt.

  10. Lars sagt:

    Aufbackbrötchen schmecken genauso gut und sind billiger!!!

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