Carsharing-Anbieter teilAuto wird 30 – im Mai 1993 ging es in Halle los

Carsharing hat in Mitteldeutschland eine längere Tradition als gemeinhin angenommen wird. Bereits Anfang der 1990er entstanden die ersten Gemeinschaftsauto-Initiativen. Darunter der teilAuto e. V. in Halle. Was als kleiner Verein begann, ist inzwischen ein Unternehmen mit gut 70.000 registrierten Nutzenden an 24 Standorten in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Gerade feiert der Anbieter seinen 30. Geburtstag. 

Im Herbst 1992 gründete eine Handvoll Leute in Halle an der Saale einen Verein zum Autoteilen. Ein halbes Jahr später, im Mai 1993, wurde das erste Gemeinschaftsauto in Betrieb genommen, ein Skoda Favorit. Der Fahrzeugschlüssel steckte in einem Rohrtresor. Reservierungen konnten auf einem Anrufbeantworter hinterlassen werden. Die gefahrenen Kilometer schrieb man in ein Fahrtenbuch. 

Die 2000er: Wachstum und Technik

Mit den Jahren professionalisierte sich die anfangs rein ehrenamtliche Initiative. Die Zahl der Nutzenden wuchs, weitere Fahrzeuge kamen hinzu, neue Standorte wurden eröffnet. 1999 startete teilAuto in Wittenberg und Merseburg, im Jahr 2000 folgten Erfurt und Leipzig, 2001 Weimar. Mit dem Wachstum des Angebots musste sich auch die Initiative neu aufstellen. Anfang der 2000er wurde der Geschäftsbetrieb vom Verein auf die neu gegründete Mobility Center GmbH übertragen, die die Marke teilAuto bis heute führt. 

„Ein zentraler Punkt für unsere Weiterentwicklung war auch das Thema Buchungstechnik“, erinnert sich Michael Creutzer, einer der beiden heutigen Geschäftsführer und einst erster Angestellter bei teilAuto. 2002 richtete der Gemeinschaftsauto-Anbieter in Kooperation mit der DB Rent eine professionelle Carsharing-Servicezentrale in Halle ein. Mit 24-Stunden-Hotline und Online-Buchung. 

teilAuto heute: die App als Schlüssel

„Früher ging es vor allem darum, Fahrzeuge und Stationen bereitzustellen, heute wird das Buchungssystem immer mehr zum Dreh- und Angelpunkt eines Carsharing-Angebots“, erklärt Patrick Schöne, Fuhrpark-Geschäftsführer bei teilAuto. Die Wagen werden mittlerweile per App gebucht und geöffnet. Auch die Schadenkontrolle läuft mit Unterstützung des Smartphones. Zudem können der Tankstand beziehungsweise der Ladestand von E-Fahrzeugen übers Handy abgerufen werden. 

Dadurch ist das Geschäft schnelllebiger geworden. Fahrzeugreservierungen gehen heute sehr viel kurzfristiger ein als früher. Was geblieben ist, ist die Vielzahl der Nutzungsründe. „Von der kurzen Einkaufs- oder Transportfahrt bis hin zur mehrwöchigen Ferienreise ist nach wie vor alles dabei“, so Geschäftsführer Creutzer. Der Großteil der Buchungen, rund 95 Prozent, dauert allerdings weniger als einen Tag.  

Rückschau und Ausblick

In den vergangenen Jahren waren Corona, der Ukraine-Krieg und damit verbundene Lieferengpässe auf dem Fahrzeugmarkt besondere Herausforderungen für das Unternehmen. „Aktuell kommen wir gerade wieder in ruhigeres Fahrwasser, die Nutzerzahlen steigen kontinuierlich und die Flotte wird weiter ausgebaut“, fasst Fuhrparkchef Schöne die aktuelle Situation zusammen. 

Auch für die Zukunft hat man sich bei teilAuto einiges vorgenommen: Der Elektro-Anteil soll ausgebaut und die Buchungstechnik weiter optimiert werden. Als erstes Gemeinwohl-bilanziertes Unternehmen in Mitteldeutschland hat teilAuto auch verschiedene Prozesse angeschoben, um seinen positiven Beitrag für die Gesellschaft mehr zu stärken. Fest steht allerdings: Man möchte in Mitteldeutschland bleiben und den Ausbau des Carsharing-Netzes in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen weiter voranbringen. 

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20 Antworten

  1. NT sagt:

    Wirklich großzügig das in Mitteldeutschland geblieben werden soll. Hat mal jemand ermittelt wie viele Steuern nach Sachsen verschoben wurden ?

  2. Bürger für Halle sagt:

    Um die Fahrt angenehmer und umweltfreundlicher zu machen, wäre ein schnellerer Ausbau der Elektroauto-Ladeinfrastruktur auf den Stellflächen der Autos wünschenswert. Das Problem ist jedoch vielschichtig und nicht von Teil-Auto verschuldet. Also: Weiter mit gutem Beispiel voran und die Verbrenner so schnell wie möglich abschaffen (zerlegen und die Einzelteile, da, wo es möglich ist, dem Recycling zuführen).

    • PaulusHallenser sagt:

      Bürger für Halle,
      kommerzielle Autoverwertungsunternehmen gibt es schon seit Jahrzehnten. Bei Ihnen habe ich so ein wenig den Eindruck, dass Sie die Realität hinsichtlich Wiederverwertung von Automobilien völlig unterschätzen, weil Sie so etwas gar nicht kennen.

      Und was die Ladeinfrastruktur für E-Autos angeht: Die Masse der Vermieter stellt mittlerweile auf Stellplätzen Steckdosen zum Laden von E-Autos zur Verfügung. Es muss nicht immer ein 150-Kw-Schnelllader sein, eine einfache Schukosteckdose reicht auch.

      • Bürger für Halle sagt:

        Paulus…“ Eine Schukosteckdose geht freilich nicht, weil die Autos im Öffentlichen Raum bzw. auf der Straße stegen. Es braucht die Ladesäulen mit einem Abrechnungssystem. Werden die Autos geparkt, hängen sie am Kabel der Ladesäule und sind für den nächsten Benutzer immer voll geladen, so dass er mehrere hundert Kilometer am Stück fahren könnte, wenn er denn wollte.

        • Beerhunter sagt:

          @BfH, warum geht dann die Bundesregierung und ihre Verwandtschaft nicht mit gutem Beispiel voran 🤔🤔🤔😉😇? Lieber trägt man solche Probleme auf dem Rücken der Steuerzahler aus!😉 Wann war Annalena C.a.B. mal wieder in D. ? Jettet um die Welt,als wenn’s kein morgen gäbe!😉😇 Den „Wohlstand“ in diesem Land erwirtschaften weder Politiker(egal welche Fraktion) noch Hartzer oder Asylanten!!! Ladesäulen brauchen auch Platz und die entsprechenden Anbindungen. Wer soll sie aufstellen bzw.verlegen?Du bestimmt nicht!

          • Heute schon ein Bier erlegt? sagt:

            Wie stellst du dir die Arbeit einer Außenministerin ohne Auslandsreisen vor?

          • bla sagt:

            „Wie stellst du dir die Arbeit einer Außenministerin ohne Auslandsreisen vor?“

            Für ihre „wichtigen Botschaften“ reichen Videokonferenzen völlig aus. Hat den Vorteil, dass man sie schneller wegschalten kann.

          • blahunter sagt:

            Danke für den Einblick in deine Vorstellungswelt.

  3. TollConcept sagt:

    Menschen ohne Smartphone sind also mal wieder ausgeschlossen.

    • selbst ins Aus gestellt sagt:

      Wenn du das nicht hast, brauchst du vielleicht auch kein Auto. Lastenräder kann man bestimmt auch per Handschlag mieten. Kaufen sowieso.

      Wie erfährst du überhaupt von der Existenz von teilAuto? Wie veröffentlichst du hier Kommentare?

    • Klara sagt:

      @ Tollconcept:
      Nein, Du kannst auch per PC buchen und auch anrufen.
      Ich denke, dass die meisten Menschen in D, die im fahrtüchtigen Alter sind, ein Smartphone o. Ä. haben

    • Bürger für Halle sagt:

      „TollC…“ Nein, sind sie nicht.

  4. PaulusHallenser sagt:

    Also teilAuto kannte ich schon als kleiner Junge. Es freut mich, dass dieses erfolgreiche Geschäftsmodell bis heute gehalten hat. Der Name ist mir schon seit zig Jahren ein Begriff. Für Menschen, die nur ab und zu ein Auto benötigen, ist es auf jeden Fall eine Alternative zu einem eigenen Auto. Außerdem sorgt teilAuto dafür, dass Halles Straßen völlig nicht zugeparkt sind, weil nicht jeder ein eigenes Auto braucht. Ich wünsche den Machern die nächsten erfolgreichen 30 Jahre!

  5. Feindbild Eigentum sagt:

    Versiffte Autos zu horrenden Preisen? Enteignung fördern? Nein Danke.