Grandioser Auftakt der Händelfestspiele mit Jephtha

Jephta, Oper Halle

Ein Oratorium, wenn auch in szenischer Aufführung, verspricht immer schwere Kost. Und Jephtha von Georg Friedrich Händel bietet genau diese schwere Kost, da es von Krieg, Glauben, Liebe und Opfern handelt. Doch was Regisseurin Tatjana Gürbaca am Eröffnungsabend der Händelfestspiele in der Oper Halle ablieferte war beeindruckend. Sie inszenierte bildgewaltig – und doch mit sparsamen Mitteln – das Oratorium geradezu einer Oper gleich und erzählte die Geschichte lebendig und zog den Betrachter mit. Die Bühne nackt und schwarz. Eine angeschrägte Drehbühne und ein verspiegelter Bühnenhimmel. Sonst nichts. Die Bilder liefern der Opernchor des Hauses und die Solisten in einem sehr stimmigen Spiel. Nichts davon war aufdringlich oder gar aufgesetzt. Das Ensemble – in fahlen Kostümen gekleidet – zeigt in szenischen Bildern eine eindringliche Illustration der Handlung des Händel-Oratoriums. Aber auch im Gesang bietet der Chor des Opernhauses ein Fest für die Ohren.

Ebenso überzeugen die Solisten. Ob Robert Sellier (Tenor) als Jephtha, Svitlana Slyvia (Mezzosopran) als seine Gattin Storgè, Ines Lex (Sopran) als deren Tochter Iphis, Leandro Marziotte (Countertenor) als deren Geliebter Hamor oder Ki-Hyun Park (Bass) als Zebul bieten hervorragende Leistungen im Spiel und im Gesang.

Jephta, Oper HalleDoch der Auftritt des “Blutengels“ – Tae-Young Hyun (Kindersopran) – sorgte für spontanen Szenenapplaus und Bravorufe. Hier entlud sich wohl auch die Anspannung, die Regisseurin Tatjana Gürbaca geschickt über zwei Stunden aufbaut.

Ein exzellent musizierendes Händelfestspielorchester unter der Leitung von Christoph Spering harmoniert mit Chor und Solisten. Als Beispiel darf die Arie der Iphis genannt werden, in der sie sich von der „Welt, nach kurzer Lust und langer, langer Pein“ verabschiedet. Das Händelfestspielorchester und Sopranistin Ines Lex gehen hier eine Symbiose ein, dass man zuweilen glauben könnte, die Geigen singen die Arie.

Am Ende gibt es für die durchweg imponierende Inszenierung einen dankbaren und begeisterten Applaus, leuchtende Zuschaueraugen und Bravorufe. Der Auftakt der diesjährigen Händelfestspiele in Halle ist geglückt.

Während der Festspiele ist Jephtha noch am Sonntag, 28. Mai 2017 – 18 Uhr, am Freitag, 02. Juni 2017 – 19 Uhr und am Sonntag, 04. Juni 2017 – 15 Uhr in der Oper Halle zu erleben. Weitere Aufführungen gibt es dann im Herbst.

Bildrechte: © Theater-, Oper und Orchester GmbH Halle, Fotos: Tobias Kruse[huge_it_gallery id=“3″]

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