Plastiken und Gemälde an das Stadtarchiv übergeben


„Mich hat es immer betrübt, dass die Werke schlummern“, sagte Ralf-Rainer Lavies. Doch nun hat er 12 Gemälde und zehn Plastiken der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Am Mittwoch hat er sie dem Stadtmuseum zur Verfügung gestellt. Dabei handelt es sich um keine Schenkung, sondern ein sogenanntes Depositum, bei dem es keine Eigentumsübertragung gibt. Die private Sammlung wird im Archiv verwahrt und kann etwa für Ausstellungen genutzt werden, bleibt aber im Eigentum von Lavies.

Der wurde in Halle geboren, ging hier auch zur Schule. Als Klassenbester hat er 1957 an der Thomas Müntzer-Oberschule sein Abitur gemacht, durfte als Nicht-Arbeiterkind aber nicht studieren und ging so in den Westen. Dort studierte er, wurde später Hochschul-Professor und war auch in der Lokalpolitik aktiv. Doch seiner Heimat blieb er verbunden. Nach dem Tod seiner Mutter holte er die Werke vom Dachboden. Und Lavies ist sich sicher, dass sich seine Mutter darüber gefreut hätte.

Mit bewegter Stimme sagte Lavies, es handele sich um Werke „junger Künstler, denen der zweite Weltkrieg das Leben nahm.“ Sechs Plastiken stammen von Erik Hänsel. Der 1909 geborene Sohn des erfolgreichen hallischen Bauunternehmers Ernst Hänsel. Er war nach einer künstlerischen Ausbildung in Leipzig und Berlin u.a. Meisterschüler von Aristide Maillol (1861-1944) in Paris. Er wurde 1945 in seinem Atelier in Berlin gefangen genommen und ist in Russland verschollen. Übergeben wurde beispielsweise eine Büste mit dem Porträt von Lavies Vater, zugleich Schwager des Künstlers. Mit ihm verbunden sind Artur Matzick, von dem zwei Gemälde übergeben wurden, und Arno Lehmann mit vier Plastiken. Matzick hatte Selbstmord begangen, Lehmann wurde als Rekrut zu Tode gejagt. Matzick war Freizeitmaler. Eins seiner Gemälde gibt einen Blick auf den Marktplatz frei, den es so heute nicht mehr gibt. Durch die Bögen des alten Rathauses sieht man die Marktkirche.

Nichts zu tun mit den dreien hatte Heinrich Schuster. Durch Zufall kam die Familie Lavies auch in den Besitz von zehn Gemälden aus der Nachkriegszeit. Da gibt es zum Beispiel Blicke auf den Petersberg, die Peißnitz oder den Amtsgarten.

Alle 22 Werke werden noch bis zum 16. November im Ausstellungsraum des Stadtarchivs in der Rathausstraße gezeigt. Der Eintritt ist frei.