Rund tausend Menschen beim Wahlkampfauftritt von Robert Habeck in Halle (Saale): Europe United als Reaktion auf “America First” – Aufforderung, wählen zu gehen

Vor fast genau 35 Jahren, am 9. Februar 1990, wurde die Grüne Partei der DDR gegründet – übrigens in Halle (Saale). Der Ort wurde damals bewusst gewählt wegen der vorherrschenden Umweltverschmutzung. Am Montagabend nun trat Vize-Kanzler Robert Habeck in der Gründungsstadt des damaligen DDR-Ablegers auf. Vor hunderten Anhängern sprach er in der Händelhalle. Es war nach den Worten von Luca Salis, hallescher Direktkandidat der Partei, die größte Veranstaltung der Grünen in Sachsen-Anhalt seit ihrem Bestehen.

“Demokratie ist kein Zuschauersport”, sagte Habeck. Sie gelinge nur, wenn sie Menschen mitmachen. Er warb für ein vielfältiges und tolerantes Land. Das falscheste sei, dem Rechtspopulismus zu begegnen, in dem man sich ihm anbiedere. Schon jetzt habe diese Politik Schaden ausgelöst. Habeck ging auch auf den Trump-Spruch “America First” ein. Daraufhin müsse man reagieren mit “Europe United”. “Wenn Deutschland sich nicht in den Dienst der europäischen Sache stellt, dann wird Amerika und China Europa buchstäblich zerreißen.” Deutschland müsse begreifen, dass die Autoritären in China, Russland und um Donald Trump den Friedensweg Europas zerstören wollen.

13 Prozent in Deutschland verlassen die Schule ohne Berufsqualifizierung, die Zahlen steigen auch an. “Das muss ein Alarmsignal sein”, so Habeck. Das könne man ändern. Deshalb wolle man ein massives Investitionsprogramm in Kita und Schule. Zudem fragte er, ob ein Kooperationsverbot in den heutigen Zeiten noch sinnvoll ist. Denn der Bund darf zwar in die Gebäude, nicht aber in die Inhalte investieren. Das ist Ländersache. Habeck sprach sich für eine Extra-Besteuerung von Milliardären aus, “um damit die Bildung zu finanzieren.”

Angesichts der steigenden Preise durch die Inflation sei eine Entlastung der unteren Einkommensschichten nötig. Deshalb solle für diese Menschen das Steuersystem angepasst werden. Doch die Wahlprogramme von CDU, FDP und AfD würden vorsehen, “dass die Reichen immer reicher werden.”

Ein großes Thema sei auch der Kampf gegen die globale Erderwärmung. Zwar sei immer von Klimaschutz die Rede. “Aber wir schützen nicht das Klima. Das Klima braucht keinen Schutz”, so Habeck. Dem seien 2, 4 oder 6 Grad mehr egal. “Aber für die Menschen ist es ein Problem. Für die Freiheit der Menschen. Für die Lebensgrundlagen.”

“Ja, wir haben eine schwierige Phase”, meinte Habeck bezüglich der wirtschaftlichen Situation. Doch wichtig sei nun, dass die Maßnahmen von Deutschland und Europa nicht gegen den Klimaschutz gerichtet seien. Die USA und China seien hier längst auf dem Weg, beispielsweise durch steuerliche Abschreibungen oder Subventionen. So werde die deutsche Automobilindustrie nicht angegriffen, weil die anderen Nationen einen optimierten Verbrennungsmotor entwickelt haben. Tesla sei der wertvollste Autokonzern der Welt, die Aktien sind so viel Wert wie die der europäischen, chinesischen und japanischen Automobilkonzerne zusammen. Und Tesla baue gar keine Verbrennungsmotoren. Und auch aus China komme die E-Mobilität. Vor 20 Jahren sei in Deutschland die Solarindustrie ausgebremst worden. Deutschland solle nun wieder einsteigen und die neuesten Solarpanel mit hoher Leistung hier herstellen. “Es ist die neue Technik und nicht die alte, die wir hier produzieren müssen.” Man werde sich 2040 nicht mit einer “optimierten Ölheizung” am Weltmarkt behaupten können, “niemand wir die kaufen wollen.” Das sei schon beim Internet passiert. Die zuständigen CSU-Minister haben das Kupferkabel ausgebaut statt Glasfaser verlegen zu lassen. “Wir haben also das Museum sauber gemacht.”

Zudem rief Habeck dazu auf, wählen zu gehen. „Meine Wahlempfehlung ist“, setzte er an und sorgte gleich für Lacher. „Nicht das, was Sie denken. Meine Wahlempfehlung ist bei dieser Wahl mehr als bei jeder anderen Wahl: gehen Sie in die Wahlkabine. Wenn Sie da sind, schließen Sie für drei Sekunden die Augen. Stellen Sie sich vor, wie Sie immer gedacht haben, wie Politik sein soll. Welche Hoffnungen Sie verkörpern soll, welche Sprache Sie sprechen soll. Dann machen Sie die Augen auf und machen das Kreuz. Es wird schon an der richtigen Stelle sein.“

“Wenn ich eins in der Klimabewegung gelernt habe, dass Klimaschutz nur funktionieren kann, wenn alle mitgenommen werden”, sagte Luca Salis. Der hallesche Direktkandidat hatte als Jugendlicher bei “Fridays For Future” begonnen. In Halle leben 1.400 Rentner und jedes vierte Kind in Armut. “Wir müssen eine Politik machen, die diese Menschen aus ihrer Lage holt, anstatt sie zum Zielobjekt von Populismus zu machen.” Klimaschutz und Soziales müssten zusammen gedacht werden. Er kämpfe deshalb für eine Politik, die bezahlbares Leben schaffe, ohne Klimaschutz aus den Augen zu lassen. Salis warb aber auch für die Wahl von Egbert Geier als Oberbürgermeister. Geier war zu dem Habeck-Auftritt gekommen. “Wir brauchen in Halle einen Oberbürgermeister, der die Stadt kennt. Der in den letzten Jahren bewiesen hat, dass er weiß, wie Verwaltung funktioniert.” Und dass ihm der Zusammenhalt in der Stadt wichtig ist. “Außerdem brauchen wir einen Oberbürgermeister, der weiß, dass Gerechtigkeit, Klimaschutz und Energiewende Hand in Hand gehen und ein Erfolgsfaktor für diese Stadt sind.”

Sie habe in den vergangenen Wochen viele Gespräche mit Wählern geführt, sagte Sachsen-Anhalts Spitzenkandidatin Steffi Lemke. Und bei allen vorgetragenen Problemen oder auch Lob sei immer wieder die Sorge geäußert worden, was wohl auf Deutschland nach der Bundestagswahl zukomme. Zum Kanzlerduell zwischen Friedrich Merz und Olaf Scholz sagte sie, es sei ein Problem, wenn “diese eingemauerte und rückwärtsgewandte Politik nicht auf die drängendsten Herausforderungen, vor denen unsere Gesellschaft steht, Antworten findet.” Klimakrise habe nicht stattgefunden, auch nicht die Bedrohung aus den USA durch Trump, Bildung und Emanzipation seien ebenso kein Thema gewesen. 

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55 Antworten

  1. Zukunft heißt Veränderung und Anpassung sagt:

    Gute Argumente, guter Mann – meine Stimme hat er.

  2. Politischer Beobachter sagt:

    Die Wahrheit ist: Europa war nie vereint und viele Staaten stehen enger mit den USA als mit dem europäischen Rest. Auch das konsequente Aussetzen der Dublin 2 Vereinbarung von Ländern wie Griechenland, Italien und Spanien führt zu Millionen Wirtschaftsmigranten, die durch sichere Drittstaaten in die Sozialoase Deutschland durchreisen.

  3. NT sagt:

    „Wir haben eine schwierige Phase“ sagt eigentlich alles über Hr. Habeck. Er glaubt offensichtlich das dies von allein oder mit Schulden machen vorbei geht.

    • NichtausHalle sagt:

      @NT

      Man kann nur unken, was eine GroKo oder irgendeine andere Regierung dazu gesagt hätte, wenn sie kurz nach Beginn der Legislatur mit ähnlichen Herausforderungen konfrontiert gewesen wäre. Während andere die derzeitige Situation in immer dramatischeren Schlagzeilen darstellen und von Rahmenbedingungen sprechen, die sie selbst hätten herstellen können, formuliert Habeck das Ganze etwas sachlicher. Dass in unserer Wirtschaft alles paletti wäre, wenn die aktuelle Regierung keinen grünen Wirtschaftsminister hätte, wage ich zu bezweifeln.

    • micha sagt:

      Hat er das gesagt?

    • Klara sagt:

      @NT:
      Du hast aber von der Milliardärssteuer gelesen, die HabeckS vorschlägt?

      Sehr interessantes Buch übrigens (und nicht mit „Kommunismus“ als Ziel):
      „Toxisch reich. Warum extremer Reichtum unsere Demokratie gefährdet“ von Sebastian Klein.
      Der bringt die Probleme auf den Punkt.

  4. Kay sagt:

    Grünes Geschwätz!
    Gibt’s nicht auch
    „Omas gegen Grün?“

  5. Bürger sagt:

    Wurde gewaltsam versucht, diese Wahlkampfveranstaltung einer gesichert wirtschaftsfeindlichen Partei zu verhindern? Wurde die Halle mit Farbbeuteln beworfen, wurden Besucher bedroht, wurden Zufahrtswege blockiert, haben steuerfinzierte NGOs Demonstranten aus ganz Deutschland angekarrt? Alles mit Nein beantwortet? Dann darf jeder überlegen, wer im Land wirklich für Hass, Hetze, Spaltung und Demokratieverachtung verantwortlich ist und ob die Gefahr im Land immer nur von Rechts droht.

  6. Fretti sagt:

    Gute Zusammenfassung, nur die Reihenfolge ist etwas anders gewesen und der viele Applaus und die super Stimmung hätte auch erwähnt werden können.

  7. Knarf sagt:

    Ja Herr Habeck wir gehen wählen weil wir Sie in der Regierung nicht mehr sehen wollen. Die steigenden Insolvenzen und Arbeitslosigkeit Ist ihnen mit anzurechnen. Die unsinnige Co2 Steuer gerade am 31.01. beschlossen belastet die ärmeren Familien am meisten. Siehe Europarechtsanpassungsgesetz zu CO2 Emissionshandel.

    • Gut gemeinter Rat sagt:

      Wer von sich in der wir-Form spricht, sollte dies als Symptom einer schizophrenen Störung erkennen und sich behandeln lassen.

    • Harald sagt:

      Wovon Redest du ? Und sind die Insolvenzen nicht den Corona Rückzahlungen geschuldet ? Glauben sie CO2 gab es schon immer und ist nicht so schlimm?

    • : sagt:

      Wer ist denn bitte schön „wir“? Und der Rest ist genauso schwachsinnig!

  8. ZiegenPeter sagt:

    Habeck der Anzeigenhauptmeister .. .. lol… wirklich witzig, schlimm genug das da einige Verstrahlte noch hingehen.

  9. 10010110 sagt:

    13 Prozent in Deutschland verlassen die Schule ohne Berufsqualifizierung, die Zahlen steigen auch an. ‚Das muss ein Alarmsignal sein‘, so Habeck. Das könne man ändern.

    Ja, mit mehr Abschiebungen. 😉

    • J sagt:

      Wohin willste denn deutsche Schulabbrecher abschieben? Nach Bayern?

      • 10010110 sagt:

        Wenn die Zahlen der Schulabbrecher ansteigen, aber die Bevölkerung ohne Migrationshintergrund bestenfalls stagniert, heißt das, dass der deutsche Nachwuchs immer dümmer wird? 🤔

  10. Wahlgänger sagt:

    Den Aufruf wählen zu gehen braucht er uns nicht sagen…wir werden das Kreuz schon an der richtigen Stelle machen… aber nicht mit dem grünen Kugelschreiber

    • Harald sagt:

      Wer ist „wir“ ? Leute die so denken wie Du ?

    • Skeptiker sagt:

      Was ist denn die „richtige“ Stelle? Werde doch mal konkret! Viele faseln immer von „richtiger“ Stelle, aber niemand schreibt, wo diese ist.
      Gibt es überhaupt eine „richtige“ Stelle, oder ist „richtig“ oder „falsch“ hier doch eher subjektiv?

      2+2=4 –> DAS ist z.B. unstrittig richtig.

      Genau wie bei Musik, Mode, Nahrung, etc. gibt es auch bei Wahlen kein richtig oder falsch.

    • J sagt:

      Solange du vernünftig bist und das Kreuz bei den Grünen machst, ist die Farbe deines Kugelschreibers völlig egal. Selbst wenn er rosa ist …

    • AliceimWunderland sagt:

      …dafür mit Schaum vor dem Mund, der das denken auch nicht fördert.

  11. Klara sagt:

    Ich war übrigens auch da. Steffi Lemke und Robert Habeck haben sich wohltuend von Scholz und Merz abgehoben, die ja kurz vorher ihr plattes Duell hatten, wo z. B. Klima und Bildung gar nicht vorkamen.

    • naja sagt:

      Bildung ist halt eines der wenigen Politikfelder in Länderhoheit. Wenn man das nicht wie Habeck ändern möchte, ist sie einfach kein bundespolitisches Thema.
      Und hinter diesem vermeintlich pragmatischen Lösungsvorschlag steckt auch die Grundsatzfrage, wieviel Föderalismus gut für unser Land ist. Eine eher abstrakte Debatte, nicht ideal für die heiße Phase des Wahlkampfs, aber auch nicht unwichtig.

  12. Kay sagt:

    Alle Bürger die Grün wählen sollten sich über die politische Vergangenheit dieser Partei informieren. Aus welcher Gruppierung diese Partei entstanden ist und welche Personen dieser Partei angehört haben. Dann Augen auf und Nachdenken….. 1968

    • AliceimWunderland sagt:

      Du hast an deinem Auto bestimmt auch die Sicht nach vorne verrammelt und fährst nur mit dem Blick in den Rückspiegel.

    • bitte aber auch wirklich informieren sagt:

      Und 1989 (Bündnis 90). Und 1970er (Anti-AKW-Bewegung, Club of Rome). Und 1920er (Lebensreform-Bewegung). Und, und, und.

  13. Jette sagt:

    Die Grünen wollen sofort die Kohlekraftwerke abstellen. Da wäre es kurz danach zappenduster in Deutschland bei unserer Produktion. Man sollte eher hinterfragen warum diese noch laufen. Weil unsere Regierung ( auch die Grünen) und nicht Putin, Öl und Gaslieferung eingestellt haben. Okay okay…die bekommen wir ja trotzdem noch irgendwie über andere Länder aber da ist es ja jetzt nicht mehr Putins Gas und Öl 🤭

    • Oje sagt:

      Nichts davon stimmt, herzlichen Glückwunsch.
      Die Grünen wollen bis 2030 aus der Kohlekraft aussteigen. Das setzt natürlich voraus, bis dahin ausreichend Ersatz geschaffen zu haben. Gazprom hat kurz nach der „Wartungspause“ seine Gaslieferungen erneut wegen „technischer Probleme“ eingestellt und nicht wieder aufgenommen. Wer immer die Leitungen gesprengt hat, unsere Regierung war es sehr wahrscheinlich nicht. Wir bekommen deutlich mehr Gas und Öl aus anderen Ländern als früher, selbst wenn immer noch russisches Gas und Öl in der EU eintrifft.

  14. 10010110 sagt:

    Wie passend, dass unser hallischer Mitbürger Alexander Prinz (alias „Der Dunkle Parabelritter“) gerade ein Video herausgebracht hat, in dem er Habeck bloßstellt.