Deutlicher Anstieg: 784 Mängel in Sachsen-Anhalts Pflegeheimen festgestellt – vor allem fehlende Fachkräfte sind ein Problem

Im vergangenen Jahr sind insgesamt 784 Mängel in Pflegeeinrichtungen in Sachsen-Anhalt festgestellt worden. Das geht aus dem Tätigkeitsbericht der Heimaufsicht im Landesverwaltungsamt hervor. Im Vergleich zum Jahr davor mit 204 Mängel ist das ein enormer Anstieg, was allerdings auch daran liegt, dass es wieder Regelpüfungen gab. Doch auch im letzten Jahr vor Corona, dem Jahr 2019, wurden 484 Mängel festgestellt.

Häufigste Probleme sind die Fachkraftquote mit 83 Fällen, sprich die Einrichtungen haben zu wenig Fachpersonal eingestellt. Die gesetzliche Fachkraftquote liegt bei 50 Prozent. 53 Mal wurde auch die Fachkraftpräsenz bemängelt, weil zwar die Quote erfüllt wurde, aber in Randzeiten nicht genügend Fachpersonal anwesend war. 

In 73 Fällen gab es hygienische Mängel, 50 Mal Qualität des Wohnens, 46 Mal Pflege- und Betreuungsqualität, 46 Mal Pflegedokumentation, 41 Mal Umgang mit Arzneimitteln und Medizinprodukten. Insgesamt gab es im vergangenen Jahr 461 Mängelberatungen. 

Wie aus dem Bericht hervorgeht, sind im letzten Jahr 660 Beschwerden eingegangen. Neben Angehörigen und Bewohnern haben sich auch Pflegekräfte gemeldet. Die häufigsten Beschwerdepunkte waren Pflege- und Betreuungsqualität (102), Personelle Anforderungen (97), Pflegedurchführung (80).

Ein  Thema bei den Kontrollen waren auch die Corona-Anforderungen. In 35 Einrichtungen wurden Mängel festgestellt, beispielsweise bezüglich der Testpflichten. Pflegeheime mit einer niedrigen Impfquote haben eine zusätzliche Beratung bekommen, dort konnte dann die Impfquote gesteigert werden. Im Vergleich zu den Jahren zuvor habe es in den Pflegeheimen eine deutliche Übersterblichkeit gegeben, sagte Heimaufsichts-Chef Jens Wiederhold. Das noch im Jahr 2020 übergreifend bestehende Besuchsverbot in den Heimen wurde abgemildert. Denn solch ein Verbot ist “ganz schlimm, vielleicht schlimmer als die Infektion selbst”, meinte Wiederhold. “Zumal es nicht schützt.” Denn auch die Pflegekräfte gehen jeden Tag ein und aus. Einen größeren Ausfall von ungeimpften Personal gebe es nicht. Nur ein ganz kleiner Anteil der Fachkräfte haben tatsächlich gekündigt.

Unter normalen Bedingungen kontrolliert die Heimaufsicht des Landesverwaltungsamtes die Pflegeinrichtungen regelmäßig und zumeist unangemeldet. Doch auch im Jahr 2021 mussten die Prioritäten zugunsten der Sicherheit und des Infektionsschutzes der Bewohnerinnen und Bewohner neu definiert werden.

Diese besondere Situation schlägt sich auch in der Statistik der Heimaufsicht nieder, die seit 2004 alle zwei Jahre und seit 2011 jedes Jahr in den genannten Berichten veröffentlicht wird. Die Heimaufsicht beim Landesverwaltungsamt hat die Ergebnisse ihrer Arbeit des vergangenen Jahres in ihrem 14. Tätigkeitsbericht zusammengefasst. So erhöhte sich die Zahl der Kontrollen und Beratungen erheblich, ebenso die Anzahl der Beschwerden und Mängelfeststellungen (siehe Tabelle).

„Diese Zahlen sind natürlich auf die außergewöhnliche Situation in den letzten zwei Jahren zurückzuführen – aber nicht nur.“, erläutert der der Präsident des Landesverwaltungsamtes heute bei der Präsentation des Zahlenwerkes. „Ein verändertes Bewusstsein und Sensibilität für Dinge, die im Pflegealltag nicht hingenommen werden müssen, führt unter anderem dazu, dass von Angehörigen öfter und mit mehr Nachdruck Missstände gemeldet werden.“, so Pleye weiter.

Auch werden immer öfter von Mitarbeitern der Pflegeeinrichtungen selbst Mängel bei der Heimaufsicht angezeigt. Zu einem großen Teil sind diese jedoch nicht auf den Mangel an Willen, Kompetenz oder Engagement zurückzuführen, sondern auf den Personalnotstand.

„Der Personalnotstand wird uns auch in diesem Jahr viel Kopfzerbrechen bereiten, zwar wird es für die Pflegerinnen und Pfleger ab September eine tarifgerechte Entlohnung geben und hoffentlich zu einer besseren Personalausstattung führen, dennoch wird die Fachkräftegewinnung in diesem Bereich ein großes Thema für die Träger und Einrichtungen bleiben.“

Das Corona-Virus wird davon unabhängig weiterhin im Fokus der Heimaufsicht stehen, doch in diesem Bereich lässt sich ein positiver Ausblick wagen. Die Heime sind inzwischen zu routinierten Krisenmanagern geworden. Bei erneuten eventuellen Ausbrüchen wissen alle Beteiligten, was zu tun ist, notwendige Abläufe sind inzwischen bei allen aus der Not heraus zur Routine geworden.

Eine große Herausforderung bestand vor allem darin, den Spagat zwischen dem Schutz der Bewohner und dem Verhindern von Einsamkeit zu schaffen. Hier haben die Heime viele kreative Lösungen entwickelt.

„Unser Fazit: die Heime in Sachsen-Anhalt sind an der Pandemie gewachsen. Die größte Herausforderung ist und bleibt die Fachkräftegewinnung.“, so Pleye abschließend.

Rückblick auf das Jahr 2021

Mitte Januar 2021 begann die Heimaufsicht des Landesverwaltungsamtes mit ihren zielgerichteten Kontrollen in den Alten- und Pflegeheime im Land, um die Einhaltung der Test- und Hygienekonzepte zu überprüfen und gleichzeitig zu beraten.

Innerhalb von knapp drei Monaten wurden alle 470 stationären Pflegeeinrichtungen auf die Einhaltung der Testpflichten kontrolliert.  Dabei wurden die Beratungs-und Kontrolltätigkeit der Heimaufsicht vielerorts positiv aufgenommen. Zudem zeigte es sich, dass seitens der Einrichtungen ein erheblicher Beratungsbedarf nicht nur zu den Testpflichten bestand.“, erklärt der Präsident des Landesverwaltungsamtes Thomas Pleye.

Insgesamt wurden in 35 Einrichtungen Verstöße gegen § 9 Abs. 2 oder 3 der jeweils gültigen Eindämmungsverordnung festgestellt. Zu den erfassten Mängeln zählten dabei die Unterschreitung der vorgegebenen Testintervalle, die Nichttestung bestimmter Personengruppen (Ärzte, Therapeuten etc.) und Dokumentationsmängel.

Wer in Sachsen-Anhalt seine Angehörigen in einem Alten- oder Pflegeheim besuchen wollte, musste sich seit dem 14.12.2020 vor Betreten des Heimes einem Corona-Test unterziehen. Nur bei einem negativen Ergebnis durfte die Einrichtung dann betreten werden. Zudem musste sich das Pflegepersonal mindestens zweimal pro Woche per Schnelltest vor Dienstantritt auf eine eventuelle Corona-Infektion testen lassen. Mit dieser Teststrategie sollte eine Verbreitung des Virus in den Einrichtungen verhindert werden.

Landesweit leben derzeit rund 40.000 Menschen in den rund 470 stationären Pflegeeinrichtungen. Zum Schutz der Würde und der Interessen der Bewohner überprüft die Heimaufsicht des Landesverwaltungsamtes die Pflegeinrichtungen regelmäßig unangekündigt die Einhaltung der Qualitätsanforderungen in den Pflegeeinrichtungen des Landes.

Vergleichsdaten

    2021  2020  2019 
 Zahl der Einrichtungen  704  723  704 
 Plätze in Stationären Einrichtungen  39.093  39.282  39.742 
 Plätze in Sonstigen nicht selbstorganisierten Wohnformen  2.166  2.030  1.321 
 Beratungen  884  777  527 
 Prüfungen insgesamt  864  225  568 
 davon Regelprüfungenangemeldetunangemeldet  24179162  928012  31378235 
 davon Anlassprüfungenangemeldetunangemeldet  60548524  1143876  19042148 
 bei den Prüfungen vorgefundene Mängel:          
 Personelle Anforderungen wie Fachkraftpräsenz, Leitungs- und Mitarbeiterqualifikation und Personalausstattung  235  93  202 
 Pflege und Betreuung, Pflegequalität, freiheitsentziehende Maßnahmen, Pflegedurchführung  22246 1733  6813 512  15021 421 
 Hauswirtschaft und Hygiene  126  16  52 
 ordnungsrechtliche Maßnahmen:          
 Mängelberatungen gesamt  461  140  363 
 Anordnungen bei erheblichen Mängeln  0  0  1 
 Aufnahmestopps  0  1  0 
 Untersagungen  0  0  0 
 Ordnungswidrigkeiten (Bußgeldbescheide)  0  5  2. 

Zum Tätigkeitsbericht:
https://lvwa.sachsen-anhalt.de/fileadmin/Bibliothek/Politik_und_Verwaltung/LVWA/LVwA/Dokumente/pressestelle/publikationen/broschueren/tb_wtg_2021.pdf

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2 Antworten

  1. Die Luise sagt:

    Fachkräftemangel begegnen wir am besten mit eine reinrichtungsbezogenen Impfpflicht- wenn allein 5% der Leute die Segel streichen… dann ist das sicherlich gut für unser Gesundheitssystem
    Zero-covid-Extremisten werden sich davon sicherlich getriggert fühlen…

  2. Anonymus sagt:

    Dann müsst ihr den Job halt wesentlich besser bezahlen, ist doch ganz einfach.

    • Sozialstaatsbürger sagt:

      Völlig richtig!

      Aber: Wer auch immer mit „ihr“ gemeint ist – „die“ tun das einfach nicht.

      Nun könnte man auf dem Standpunkt verharren (vielleicht sogar eine kleine Schippe ziehen), dass doch wohl jedem selbst überlassen sein sollte, was er wie macht, also auch Pflegeheimbetreibern und Pflegedienstbetreibern, wie viel sie ihren Mitarbeitern zahlen.

      Oder man berücksichtigt die Grundrechte, Einrichtungsgarantien und Staatsziele in unserer Verfassung.

      Das ginge auch.

    • Manaz sagt:

      So einfach ist das nicht. Neben der besseren Bezahlung wäre da noch die Arbeitszeit. Mittlerweile will keiner mehr am Wochenende und an Sonn- und Feiertagen arbeiten gehen. In den Einrichtungen muss zudem auch in Schichten gearbeitet werden und nicht wie die meisten es gerne hätte nur in der zeit von 08:00-17:00 Uhr.

      • Malte sagt:

        Dann muß man als Arbeitgeber eben Anreize schaffen, daß in Schichten und auch Wochenends gearbeitet werden kann. Es gibt da schon starke Argumente; nur werden sie eben mangelhaft genutzt.

  3. Emmi sagt:

    Fachkräftemangel gab es auch schon vor Corona und das besonders in Pflegeheimen wo die Arbeitskraft nicht wertgeschätzt wird

    • Frodo sagt:

      DAS ist das Generalproblem. In Eintrichtungen, wo der Mitarbeiter geschätzt wird, gibt es auch keine größeren Engpässe…

  4. Pfleger sagt:

    Lauterbach ist am Problem dran!!! Das neue Infektionsschutzgesetz wird vor allem auf die Hygiene in Pflegeeinrichtungen zielen. Es fordert einen hauptamtlichen Hygieneverantwortlichen. Was wird das zur Folge haben???

    Kleinere private Pflegedienste mit 4 oder 8 Schwester, also hauptsächlich die mobilen Pflegedienste werden das nicht leisten können und somit vom Markt gefegt. Übrig bleiben die großen Pflegekonzerne, es findet also nichts anderes als eine Marktbereinigung zugunsten der Großkonzerne statt.

    Wer immer noch nicht begriffen hat, in wessen Interesse Lauterbach arbeitet, dem ist wirklich nicht mehr zu helfen.

    • Hilflos im Saalekreis sagt:

      Zum Glück gibt es noch die Pflegedienste mit 3 oder 5 Schwestern. Die fangen das auf.

      • Pfleger sagt:

        Aber nicht mehr lange.

        • Wir schaffen das sagt:

          Stimmt.

          Aber die, die überbleiben, bilden dann Pflegedienste mit 2, 6 oder 9 Schwestern und weiter gehts.

          • Pfleger sagt:

            Du verstehst es mal wieder nicht. Kein kleiner Pflegedienst wird die neuen Anforderungen erfüllen können. Die Lobby der Gesundheitskonzerne hat wieder gute Arbeit geleistet, dem coronaverängstigten Bürger wird das als tolle Verbesserung verkauft. Und die Presse schweigt wie immer.

          • Till Pressschweiger sagt:

            Und mittlere Pflegedienste mit 11 oder 17 Mitarbeitern?

            Wenn es die auch nicht schaffen, womit scheffeln dann die „Gesundheitskonzerne“ überhaupt ihr Geld?

          • Pfleger sagt:

            Du redest von Dingen, von denen du keine Ahnung hast! Betriebswirtschaft 1.Semester. Ich muss die Kosten für einen hauptamtlichen Hygienebeauftragten auf 8 Mitarbeiter umlegen. Ein Konzern kann die gleichen Kosten auf 50, 80 oder 150 Mitarbeiter umlegen. Jetzt verstanden oder doch schon die totale Gehirnwäsche erhalten?

  5. Steff sagt:

    Lauterbach ist das Problem.

    • Heiner sagt:

      Du heißt Lauterbach?

      • Benny sagt:

        na wie es aussieht will der Lauterbach die Evaluierung der c-Maßnahmen auf die lange Bank schicken- seltsam- denn wenn die seine Politik unterstützen hätte er ein starkes Mandat im Herbst weiter zu machen… womit er im Frühling aufgehört hat

        Just say

        • Gjeld sagt:

          Tja, wenn selbst dir nicht einfallen will, wie das zusammen passt, dann könnts ja sein, dass das Bullsh*t ist, was ihr euch da gegenseitig bei Facebook und Telegram erzählt.

          Sagen nur

  6. Frank sagt:

    Ich glaube auch der Umgang mit den alten Menschen sollte mehr geschult werden ,meine Oma ist in einer Einrichtung ,wo auch nicht alles rund läuft.Aber wenn die nette Schwester Steffi und die nette Hauswirtschaft´s Fee Andrea kommt ist die Welt in Ordnung !! Vielleicht sollten auch die Begegnungsstätten mehr im Mittelpunkt stehen ,Gerade an den Wochenenden .