Landsberger Brauerei stellt Betrieb ein: Letzte Abfüllungen bis Jahresende

Die Nachricht trifft nicht nur Bierliebhaber aus der Region hart: Die Landsberger Brauerei wird laut MZ ihre Produktion zum Jahresende einstellen. Damit verschwinden auch die beliebten Biersorten mit den charakteristischen Tiernamen – wie „Stolzer Hahn“ (Pils), „Schräger Vogel“ (Export) und „Starke Sau“ (Bockbier-Hell) – vom Markt.

„Die Tiernamen sind der ländliche Bezug, aus dem wir kommen“, erklärt die Firmenchefin Jenny Thormann der MZ, die den traditionsreichen Mittelstandsbetrieb seit Jahren führt. Doch trotz dieser bodenständigen Markenidentität fehlt es an wirtschaftlicher Perspektive. Die steigenden Energiepreise, ein drastisch eingebrochener Malzabsatz und zunehmender Preisdruck im Biermarkt zwingen das Unternehmen nun zur Aufgabe.

Energiekrise und Preiskampf als Auslöser

Vor allem die Energiekrise 2022 habe das Unternehmen schwer getroffen. Der Umsatz im Malzgeschäft sei seither um rund 50 Prozent eingebrochen, berichtet die Geschäftsführerin. Auch beim Bierverkauf verzeichnete man ein Minus von etwa 15 Prozent – zu viel für einen Betrieb, der mit lediglich 13 Mitarbeitern auskommt.

Viel Bier werde über den Preis verkauft, da hätten kleine Brauereien keine Chance gegen Großkonzerne wie Radeberger, Ur-Krostitzer oder Hasseröder. Der Wettbewerbsdruck durch aggressive Kampfpreise sei enorm, gleichzeitig ließen sich die hohen Energie- und Produktionskosten kaum noch auffangen.

Tradition seit 1871

Die Entscheidung fällt besonders schwer, da das Unternehmen auf eine lange Geschichte zurückblicken kann. Die Malzerei in Landsberg zählt zu den ältesten der Welt – gegründet im Jahr 1871. Erst in den 1990er Jahren begann man dort auch mit der Bierproduktion, die in der Region rasch ihre Liebhaber fand. Die Marke wurde für viele zu einem Stück Heimat. Doch nun soll laut MZ im Dezember die letzte Flasche abgefüllt werden. Danach werde es nur noch einen Abverkauf der Lagerbestände geben.

Hoffnung für Fassbrause

Ein kleiner Lichtblick bleibt: Für die beliebten Fassbrausen in den Sorten Waldmeister und Himbeere hofft die Brauereichefin auf einen Käufer. „Die Nachfrage danach ist ungebrochen“, so ihre Einschätzung. Möglicherweise kann dieser Teil des Sortiments auch über das Ende der Brauerei hinaus weiterleben.

Für die Region bedeutet das Aus der Landsberger Brauerei einen schmerzhaften Verlust – wirtschaftlich wie kulturell. Eine weitere kleine Brauerei, die dem Druck des Marktes nicht mehr standhalten konnte.

Artikel Teilen:

30 Antworten

  1. Holger sagt:

    Und das widerliche untrinkbare Hasseröder gibt es weiter. Die Welt ist nicht gerecht.

  2. ede sagt:

    So blühen die Landschaften im Osten weiter.

  3. 10010110 sagt:

    Sehr traurig. 🙁

  4. Schlimm das Ganze sagt:

    Naja, seitdem der Alte gestorben ist, haben die drei Tanten den Laden nicht mehr im Griff und engagieren sich zu wenig. Traurig.

  5. Harald sagt:

    Schmeckt halt Scheisse. Da hilft auch kein Marketing.

  6. PaulusHallenser sagt:

    Die Schließung des Unternehmens ist Teil der laufenden Marktbereinigung und von daher nichts Schlimmes.

    • Der Dude sagt:

      Das trifft zum Glück auch für Parteien zu, @PaulusHallenser. Wenn man sich die Ergebnisse der Kommunalwahl in NRW ansieht und feststellt, dass Dein Verein jetzt bei satten 3,7% bei 1,9% Verlust angekommen ist, kann man der laufenden Marktbereinigung tatsächlich positive Aspekte abgewinnen.

      • Das ist ja noch nicht der Fuß der Fahnenstange, hier in ST werden sie nicht mehr als eigene Partei, sondern unter „Sonstige“ in den Umfragen geführt. Der Fehlertoleranzbereich ist höher als die zu erwartenden Wahlergebnisse.

  7. Deindustrialisierung überall sagt:

    Über 30 Jahre Tradition gehen zuende.

    Mehr als 15 Leute haben dort gearbeitet, viele sogar Vollzeit.

  8. Daniel M. sagt:

    Sehr Schade. Für unsere Region und Stadt.

  9. Danke sagt:

    Der Osten wird kaputt gemacht

  10. Radneuerfinder sagt:

    Diese Plörre habe ich nie gekauft. Schmeckte nicht.
    Auch deshalb, weil der Alte Landsberger Magdeburg in den Hintern kroch.

  11. Anne sagt:

    Sehr traurig! Die zugehörige Gaststätte/ Biergarten, welche ja auch ein schönes kleines Ausflugsziel wären in Zusammenhang mit einer Brauereiführung, gab es wegen Personalmangel leider auch schon nicht mehr.

  12. Knallfred sagt:

    Landsberger Bier….trinkste eins und schiffste vier

  13. Ralle sagt:

    Manche hams ja hier echt drauf:
    .“hab ich nie getrunken …“ und dann, „schmeckt Scheisse“. Aha, sehr erhellend.
    Im Gegenteil.Die neuen Sorten waren eigenttlich alle ziemlich lecker und qualitativ sehr gut, man hat auch regionalen Saale-Elbe Hopfen verwendet was ich super fand. Und es war eben von Pils, Schwarzen, Bock bis Zwickl für jeden was dabei. Natürlich alles Geschmackssache aber die Qualität war und ist top und tausendmal besser als Hasseröder was den typisch nichtssagenden Massengeschmack angenommen hat oder Uri das ich überhaupt nicht mehr mag, ungekühlt eher abtörnend…
    Die Namen und kurzen Storys auf der Rückseite des Etiketts waren originell und zum schmunzeln.
    Werds vermissen, vielleicht wäre ja eine Rettung über Crowdfunding möglich oder so..

  14. machtdochwasihrwollt sagt:

    Vielleicht bleiben wir mal zur Abwechslung ein bisschen objektiver. Auch mir hat das Landsberger Bier nie besonders geschmeckt – im Gegensatz zu dem angeblich ach so untrinkbaren Hasseröder, Radeberger, Freyberger, Wernesgrüner, Gessner, Draguner, Altenburger etc.. (Ein böser Mensch hatte mir mal erzählt, dass bei einem von der Landsberger Brauerei gesponserten Sportverein die fragliche Mannschaft jedes Mal nach dem Spiel einen Kasten in der Kabine vorfand – und der Kasten ziemlich vollständig wieder an die Brauerei zurückging. Ich weiß nicht, ob das stimmt…) Wenn man nämlich bei den DLG-Prämierungen für 2025 oder 2024 nachschaut, so sucht man die Landsberger Brauerei dort vergebens (im Gegensatz etwa zur Hasseröder Brauerei, zum angeblichen Billigbier Oettinger, der Privatbrauerei Gessner oder zur Darguner Brauerei, um nur einige Beispiele zu nennen.) Auch sonst ist mir nichts bekannt, dass die Landsberger Brauerei irgendwelche Preise für überragende Bierqualität eingeheimst hätte. (Die Brauerei hätte damit wohl schon aus eigenem Interesse geworben.) In einem stagnierenden Biermarkt (wenn etwa die Brauerei Oettinger nach Gotha auch ihre zweite Außenstelle in Westdeutschland zur Disposition stellt und ernsthaft über „Proteinbier“ nachdenkt, um sich am Markt zu halten) ist das einfach zu wenig. Den Trend zu alkoholfreiem Bier, zum „Craftbeer“ oder zu Biermischgetränken hat man offensichtlich komplett verschlafen. (Anmerkung: Ich kann auf dieses Zeug bestens verzichten. Allerdings zählen persönliche Vorlieben in der Marktwirtschaft nicht, sondern nur das, was die Kunden nachfragen.) Die papsüsse Fassbrause liegt wohl auch nicht gerade im Trend. Also unterm Strich bleibt demnach eine Brauerei, die Bier von eher mittelprächtiger Qualität in relativ kleiner Menge produziert hat, die wichtige Trends verschlafen hat und folglich von Kostensteigerungen besonders hart getroffen wird. Da nützen auch scheinbar originelle Namen für die Biermarken nichts. (Was sprach eigentlich gegen Bezeichnungen wie „Landsberger Edelpils“ o.ä. Gab es da etwa Probleme mit Landsberg am Lech in Bayern?) Das alles ist traurig, aber zumindest die bösen Wessis sind diesmal wohl nicht schuld am Schicksal dieser Brauerei….Oder etwa doch? Es ist ja so einfach….

  15. W. Molotow sagt:

    So, nun ist endlich Schluß mit der Sauferei hier!