Weil das Land die Ehrenamtspauschale für die Jugendfeuerwehr kürzen will: Stadtrat probt Aufstand gegen das Landesverwaltungsamt

Die Aufwandsentschädigung für den Stadtjugendfeuerwehrwart in Halle (Saale) beträgt aktuell 200 Euro, der Stadtrat hatte dies vor einem Jahr beschlossen. Vom Landesrechnungshof Sachsen-Anhalt wurde dieser Beschluss jedoch angekreidet. Das Landesverwaltungsamt hat die Stadt deshalb dazu verdonnert, die monatliche Zahlung auf 110 Euro abzusenken.

Am Mittwoch sollte der hallesche Stadtrat deshalb die Satzung aufheben. Mit einem Patt von 20 Ja, 20 Nein und 10 Enthaltungen wurde die Vorlage abgelehnt. Damit muss nun das Landesverwaltungsamt selbst die Vorlage aufheben. Die Stadträte wollten nicht der Buhmann sein. Eine halbe Stunde wurde zuvor debattiert.

Marion Krischok (Linke) kündigte dabei schon eine Ablehnung an. Man sollte einmal Mutig gegenüber den Entscheidungen des Landesverwaltungsamts sein. Ähnlich sah es Andreas Schachtschneider (Freie Wähler). Es gebe Nachwuchsmangel bei der Freiwilligen Feuerwehr, deshalb sollte es eigentlich mehr Geld geben. „Als Mitglieder des Stadtrats sind wir an Recht und Gesetz gebunden“, meinte Carsten Heym (AfD). Aus diesem Grund bittet er die Stadtverwaltung zu prüfen, ob möglicherweise rechtliche Schritte durch die Stadt gegen die Anordnung möglich sind. Er stimme den Stadträten zu, wenn es um die Anerkennung der Feuerwehr gehe, sagte Tobias Teschner, Leiter des Fachbereichs Sicherheit. Das Landesverwaltungsamt habe eine Ersatzvornahme angekündigt. „Die Feuerwehr ist ein lebenswichtiger Anteil unserer Daseinsvorsorge“, meinte Andreas Heinrich (AfD). Er verstehe den kleinlichen Geiz nicht.

Marco Schreyer vom Rechtsamt sagte, die Stadt habe keine andere Möglichkeit als zuzustimmen. Wenn der Stadtrat nicht zustimmt, übernimmt das Landesverwaltungsamt. Hendrik Lange (Linke) sagte, es sei für ihn nicht nachvollziehbar, dass das Landesverwaltungsamt reingrätsche. „Wir möchten die wertvolle Arbeit der Feuerwehr unterstützen und auch anerkennen.“ Lange sagte, wenn das Landesverwaltungsamt die Ersatzvornahme umsetzen will, dann solle es dies bitte tun. „Wir verhalten uns nicht rechtswidrig, wenn wir heute gegen den Beschluss stimmen“, meinte Andreas Schachtscheider. „Wir stehen treu an der Seite der Leute, die für uns ins Feuer gehen.“ Ähnlich sah es Eric Eigendorf (SPD), man müsse auch mit Taten einstehen. Johannes Menke (Freie Wähler) beklagte, dass gegen den Bescheid des Landesverwaltungsamtes kein Widerspruch eingelegt worden sei.

Dies habe er nach Rücksprache mit dem Rechtsamt entschieden, meinte Bürgermeister Egbert Geier. Carsten Heym (AfD) empfahl seiner Fraktion eine Enthaltung. „Es freut mich, dass wir hier fraktionsübergreifend für die Anerkennung der Feuerwehr sind“, sagte Andreas Scholtyssek (CDU). Doch er verstehe nicht, warum man sich an diesem einen Thema aufhängt, denn es betreffe eine Person, die den Posten seit Jahren inne habe.

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22 Antworten

  1. mirror sagt:

    Wenn die Bürger bestandskräftige Bescheide der Stadt einfach ignorieren, fänden die Stadträte bestimmt super.

  2. Lächerlich sagt:

    Bei den wenigen Berufsfeuerwehren in Deutschland sind die Freiwilligen unverzichtbar. Da sind auch Jugendliche mit dabei die zu schwersten Autounfällen ect. mit anrücken und da will man jetzt noch die paar Euro Entschädigung wegnehmen…

    • Peter sagt:

      …während anderswo Millionen für Überflüssiges rausgeschmissen werden.

    • Grobi sagt:

      also ich sehe hier nur, daß es um eine Person geht (Stadtjugendfeuerwehrwart) – interessant wäre, was die anderen Mitglieder so als Aufwandsentschädigung kriegen ? !

      • Lächerlich sagt:

        Sagen wir so, Sie würden heut finanziell sicherlich besser dastehen hätte man im richtigen Moment die Atemschutzausrüstung verkauft und Ihre Zeit nicht damit vergeudet Lebensrettende Maßnahmen zu üben.

    • TOITSCHER sagt:

      Es geht hier aber nicht um die Mitglieder der Jugendfeuerwehren

  3. Karl sagt:

    Sollten froh sein über die Arbeit der Jugendfeuerwehr und deren Teilnahme. Man sollte Geld in Deutschland investieren, bevor es ins Ausland geht.

  4. Der metzger sagt:

    Man sollte die Adressen der Entscheider auf eine schwarze Liste setzen und im Notfall jegliche Hilfe verweigern. Wir haben für jeden Zugelaufenen genug Geld, nur nicht für die, die regelmäßig ihren Hintern hinhalten. Wie tief kann man noch sinken?

  5. Jim Knopf sagt:

    Leider wird das Geld für ideologische Aktivitäten gebraucht.

  6. Tassimo sagt:

    Ein mutiger Beschluss wäre es gewesen, die Aufwandsentschädigung zu verdoppeln!

  7. Shi sagt:

    Na das geht doch wohl zu weit, dann sollten die lieber die Bezüge der städtischen Beamten kürzen.

  8. Bierflaschensammler sagt:

    Jetzt mal Butter bei die Fische und den wesentlichen Streitpunkt benennen. Die Aufwandsentschädigung ist in der Verordnung über die Entschädigung bei ehrenamtlicher Tätigkeit in den Kommunen in Sachsen-Anhalt
    (Kommunal-Entschädigungsverordnung – KomEVO) reglementiert. Streitpunkt dürfte sein, ob für Halle Paragraf 9 Abs. 1 Nr. 3 (200 EUR für Kreisjugendfeuerwehrwart) oder Nr. 11 (110 EUR für Gemeindejugendfeuerwehrwart) gilt. Um mehr dürfte es nicht gehen…

    • Achso sagt:

      Interessanter Fund.

      Aber wenn das der springende Punkt ist, dann geht es doch um sehr viel mehr: nämlich ob das Landesverwaltungsamt die kreisfreie Stadt Halle als Kreis oder als Stadt einstuft. Da gibt es doch bestimmt noch so manch andere Landesverordnung, für die dieser Unterschied relevant ist.

      • Tippgeber sagt:

        „…ob das Landesverwaltungsamt die kreisfreie Stadt Halle als Kreis oder als Stadt einstuft.“

        Wenn dieses Amt Halle als Kreis einstuft, gehört es reformiert.

        • Achso sagt:

          Kreisfreie Städte erfüllen die Verwaltungsaufgaben eines Kreises. Sicher ist das auch dem unreformierten Landesverwaltungsamt bekannt.

      • Blupp-blupp-blupp (Nachrichten aus dem Froschteich.) sagt:

        Blupp-blupp-blupp! Mehr hast du nicht zu bieten!

  9. interessant sagt:

    Interessant ist, wie sich ein ehemaliger Bürgermeisterkandidat der Linken gegen die Rechtsordnung stellt! Oder wie ein ehemaliger CDU-Landtagsabgeordneter zu Verschleppungstaktiken auffordert. Oder ein staatsangestellter Lehrer im Stadtrat zu illoyalem Verhalten gegenüber dem Bundeland LSA auffruft.

    Der Rest ist Vollgrütze und ohne Belang!