Sabotageakt auf die Oper Halle wegen Auftritt jüdischer Künstler? Polizei sieht derzeit keine Hinweise auf politisches Motiv

In der Nacht zu Dienstag vor einer Woche kam es zu einem rätselhaften Vorfall im Opernhaus in Halle (Saale): Unbekannte drangen in das Gebäude ein und öffneten einen Wasserhydranten, der eigentlich der Löschwasserversorgung der Feuerwehr dient. Über mehrere Stunden ergossen sich tausende Liter Wasser in das Opernhaus. Die Folge: schwerwiegende Schäden an der technischen Infrastruktur. Der entstandene Sachschaden wird auf einen sechsstelligen Betrag geschätzt.

Die Verantwortlichen des Opernhauses sowie die Stadtverwaltung zeigten sich entsetzt über die Tat. Der normale Proben- und Spielbetrieb musste in Teilen eingestellt werden. Besonders betroffen seien laut Angaben aus dem Umfeld der Oper empfindliche Bühnentechnik sowie Ton- und Lichtanlagen.

Polizei tappt im Dunkeln – Spuren werden ausgewertet

Die Polizei hat umgehend Ermittlungen aufgenommen. „Seitens der Polizei wurden alle polizeilichen und kriminalpolizeilichen Maßnahmen eingeleitet“, so Polizeisprecher Thomas Müller. Am Tatort seien Spuren gesichert worden, die derzeit ausgewertet werden. Ergebnisse liegen bislang jedoch nicht vor.

Zudem führen Ermittler Befragungen im Umfeld des Opernhauses durch. Die Tatzeit lässt darauf schließen, dass gezielt in der Nacht gehandelt wurde, um unbemerkt zu bleiben. Hinweise auf die Täter oder deren Motiv gibt es bislang nicht.

Spekulationen um möglichen Zusammenhang mit jüdischen Künstlern

Kurz nach Bekanntwerden des Vorfalls machten erste Spekulationen die Runde: Könnte die Sabotage etwas mit dem angekündigten Auftritt der jüdischen Künstler Igor Levit und Michel Friedman zu tun haben? Beide sind prominente Stimmen gegen Antisemitismus und treten regelmäßig für gesellschaftlichen Zusammenhalt und Menschenrechte ein.

Die Polizei äußert sich hierzu vorsichtig. „Nach derzeitigem Stand der Ermittlungen liegen keine Hinweise auf eine politisch motivierte Straftat vor“, betont Polizeisprecher Müller. Dennoch bleibt die Frage nach dem Motiv im Raum.

Solidaritätskonzert als Antwort auf Zerstörung und Hass

Ungeachtet der noch offenen Fragen setzt das Opernhaus Halle ein deutliches Zeichen: Am 30. April 2025 findet um 20 Uhr ein großes Benefiz- und Solidaritätskonzert statt. Veranstaltet wird es gemeinsam mit der migrantischen Selbstorganisation Tekiez sowie der mobilen Opferberatung von Miteinander e.V. Ziel ist es, sich mit Musik und Literatur klar gegen Rassismus, Antisemitismus und rechte Gewalt zu positionieren.

Auf der Bühne werden neben Igor Levit und Michel Friedman auch das Ensemble OPUS 45 sowie zahlreiche weitere Künstler*innen verschiedenster Stilrichtungen stehen. Geplant ist ein Abend, der nicht nur künstlerisch berührt, sondern auch gesellschaftlich wachrüttelt. Die Veranstaltung versteht sich als Aufruf zu Mitmenschlichkeit, Solidarität und zum offenen Dialog.

Erlös für Opfer rechter Gewalt

Der gesamte Erlös des Konzerts kommt den Familien der Ermordeten und Überlebenden des Anschlags von Halle sowie anderen Betroffenen rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt zugute. „Wir wollen ein Zeichen setzen – gegen das Vergessen, gegen das Schweigen und gegen den Hass“, heißt es in der Ankündigung der Oper.

Trotz der Sabotage zeigt sich die Kulturszene in Halle ungebrochen: Entschlossen, kreativ und solidarisch. Ein starkes Zeichen in einer Zeit, in der Kunst mehr denn je Haltung zeigen muss.

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19 Antworten

  1. unlustig geimpfter sagt:

    Die Tatzeit lässt darauf schließen, dass gezielt in der Nacht gehandelt wurde, um unbemerkt zu bleiben. … Eine sensationelle Erkenntnis ….das hat sicher lange gedauert.

    • Darkwing Duck sagt:

      Wenn diese (zugegeben banale) Info nicht kommuniziert worden wäre, wärst du doch der erste, der das der Polizei hier in den Kommentaren erklären würde.

  2. 10010110 sagt:

    Veranstaltet wird es gemeinsam mit der migrantischen Selbstorganisation Tekiez sowie der mobilen Opferberatung von Miteinander e.V. Ziel ist es, sich mit Musik und Literatur klar gegen Rassismus, Antisemitismus und rechte Gewalt zu positionieren.

    Hä? Es ist noch nicht mal das Tatmotiv klar, aber es wird sich schon demonstrativ gegen Rassismus, Antisemitismus und rechte Gewalt positioniert? Gil Ofarim würde sich im Grabe umdrehen, wenn er schon tot wäre. 🤦‍♀️

    • was soll's... sagt:

      Du positionierst dich doch auch schon demonstrativ.

    • Darkwing Duck sagt:

      Ansonsten gibt es ja keinen Rassismus, Antisemitismus oder rechte Gewalt, nääää?

    • Sumpfmeise sagt:

      Erst informieren, dann denken und dann schreiben!! Diese Veranstaltung ist schon seit Monaten geplant und findet auch statt, trotz der Sabotage.

      • 10010110 sagt:

        Ich habe den Text im Artikel so verstanden, dass das Konzert mehr oder weniger spontan als Antwort auf den mutmaßlichen Anschlag veranstaltet wird.

        Solidaritätskonzert als Antwort auf Zerstörung und Hass

    • Alt-Hallenser sagt:

      Das trifft den Nagel auf den Kopf 👍

    • Sommerkind sagt:

      Wenn man ein wenig recherchiert hätte, wüsste man, dass diese Veranstaltung schon vor der Tat geplant war. Und auch schon vorher war klar, dass die Veranstaltung ein Zeichen gegen Rassismus, Antisemitismus und rechte Gewalt sein soll. Die Karten dafür sind übrigens schon seit langem ausverkauft.
      Aber mach dir die Welt lieber so, dass sie auch in dein Bild von ihr passt.

    • Ach nee sagt:

      Das Konzert gegen Rassismus und Antisemitismus war schon lange im Voraus geplant.
      Lesen hilft

  3. JM sagt:

    Und natürlich muss es politisch motiviert sein. Vielleicht waren es auch einfach nur dumme Menschen.

    • Sumpfmeise sagt:

      In ein Opernhaus einbrechen und den Hydranten aufzudrehen, macht man ja auch nur mal so nebenbei. Wenn Wartehäuschen zerdeppert oder Mülltonnen in Brand gesetzt werden, dann sind es zumeist Dumme oder Besoffene oder Beides! Aber im Opernhaus war unglaublich viel kriminelle Energie dabei. Zudem wissen der oder die Täter, dass das Strafmass deftig ausfallen wird. Und natürlich ist der zeitliche Zusammenhang zu der Veranstaltung am Mittwoch verdächtig. Aber spekulieren tut man trotzdem nicht, bevor man mehr weiß. Aber einfach nur dumme Menschen? Wohl kaum…

    • Zipp sagt:

      Vielleicht war es jemand, dem die ewiggestrige, rückwärts gerichtete Erinnerungskultur einfach auf die Nerven ging.

    • Lachhaft sagt:

      Und noch natürlicher waren es mal wieder antisemtische Hintergründe, gleichzeitig wird selbstverständlich völlig ausgeschlossen, dass Antisemitismus von migrantischer Seite ausgeht…gab es schließlich noch nie 😉 So kann man mal wieder „ungeachtet der noch offenen Fragen“ alles wild durcheinanderwerfen, um einen Anlass zu haben, „ein deutliches Zeichen“ zu setzen und sich „klar gegen Rassismus, Antisemitismus und rechte Gewalt zu positionieren“. Und wenn wir alle noch mal ne Nacht drüber schlafen, kann doch eigentlich nur die AfD hinter dem Vorfall stecken!
      Absolute Endverblödung, Faktenverdrehung und Rechts-Paranoia. Eigentlich wollte ich meine gekauften Tickets für die beiden übrigen von mir gebuchten Veranstaltungen aus Solidaritätsgründen nicht reklamieren, aber jetzt werde ich das Geld zurückfordern. Diese geistige Verdummung unterstütze ich ganz sicher nicht auch noch finanziell.

    • IQ 145 sagt:

      Davon gibt es genug in Halle.

    • Beides sagt:

      Wie kommst du auf die seltsame Idee, dass sich das ausschließt? Die allermeisten Mitläufer der primitiven Ideologien Rassismus, Antisemitismus, Fremdenfeindlichkeit und Rechtsextremismus sind „einfach nur dumme Menschen“.

    • Leroy Merlin sagt:

      Heutzutage ist alles politisch motiviert, ganz egal was.

  4. Robert sagt:

    Der Wachschutz muss auch mal eine Innenkontrolle machen und nicht einen Spaziergang um das Gebäude.

  5. Heute scheint die Sonne. sagt:

    Man muss auch mal das Gute sehen: Immerhin hat die Löschvorrichtung funktioniert.

  6. Jim Knopf sagt:

    Wenn Es gebrant hätte wären Es wohl die Linken gewesen ?