Kulturausschuss beschließt: Teile des Unirings in Halle (Saale) sollen zur Anton-Wilhelm-Amo-Straße werden

Der Kulturausschuss hat sich am Mittwoch mehrheitlich dafür entschieden, Teile des Universitätsrings in “Anton-Wilhelm-Amo-Straße” umzubenennen. Dabei geht es um den Bereich nördlich des Parks zwischen Unterberg und Weidenplan. Die Hauptroute des Altstadtring behält ihren Namen. Es gab drei Gegenstimmen der Ausschuss-Vertreter von AfD, FDP und CDU. Mehr als eine Stunde wurde im Ausschuss diskutiert. Und auch in der Bürgerfragestunde meldeten sich Anlieger zu Wort. Amo war der erste promovierte afrikanische Philosoph und Rechtswissenschaftler in Europa. Er hat im 18. Jahrhundert unter anderem in Halle studiert.

Anwohner erklärten unisono, dass sie eine Ehrung der Persönlichkeit für richtig halten, zweifelten aber an, ob dafür eine bestehende Straße umbenannt werden sollte, oder ob die Uni nicht einen Platz in ihrer eigenen Verantwortung einen neuen Namen zu geben. Rund 70 Klingeln gebe es an den betroffenen Gebäuden, sagte eine Frau. Neben Privatleuten seien unter anderem drei Firmen, zwei gastronomische Einrichtungen, eine Schule und vier Anwaltskanzleien betroffen. Katja Müller (Linke) erklärte, man habe eine Initiative der Universität aufgenommen.

Sie habe nichts gegen den Namen Amo. Doch mit einer Benennung verstoße man gegen die städtische Richtlinie zu Straßenbenennungen. Man könne nicht ohne Grund eine Straße umbenennen und Richtlinien auf Zuruf ändern. “Wenn es der Uni so wichtig ist, kann sie ja einen Platz in ihrer Verantwortung benennen, ohne dass man der Stadtbevölkerung irgendwelche Dinge auferlegt.” Sie sei “gegen die Art und Weise, wie hier eine Namensbezeichnung durchgepeitscht werden soll”, so Wünscher. Sie frage zudem, wer denn überhaupt “Die Uni” ist, ob es einen Senatsbeschluss gibt. 

Uni-Professor Wolfgang Paul, Vorsitzender der gemeinsamen Amo-Kommission von Uni und Stadt, sagte, die Gesellschaft könne stolz darauf sein, dass der erste Schwarzafrikaner in ganz Europa in Halle studiert hat. Deshalb werde das Vorhaben auch unter internationaler Beobachtung stehen. Es gebe eine Unterstützung der Studierendenrats (Stura) und eine Empfehlung des Rektorats. Einen Senatsbeschluss gibt es nicht, weil eine Straßenbenennung nicht in dessen Verantwortungsbereich liegt. Das von Wünscher ins Feld geführte Denkmal “Freies Afrika” am Uniring sei eigentlich kein Amo-Denkmal. Es wurde zu DDR-Zeiten von Künstler Gerhard Geyer eigentlich aus Anlass der Präsidentenwahlen in Ghana geschaffen. “Amo ist nicht so rumgelaufen, er hat auch keine Frau gehabt.” Es sei dann 1975 lediglich eine Plakette angebracht worden, die auf Amo hinwies. Von Amo selbst gibt es keine bildlichen Darstellungen. Es ist aber davon auszugehen, dass Amo in für das Mittelalter typischer Kleidung herumgelaufen ist und nicht in afrikanischer Tracht. 

Ulrike Rühlmann, sachkundige Einwohnerin der Grünen, verwies auf angebliche Satzungswidrigkeiten. Dort stehe drin, dass auch eine Benennung mit Verweis auf große Allgemeininteresse möglich ist. Sie erlebe zudem, dass es mühsam ist, Auswärtigen zu erklären, dass es zwei nebeneinander liegende Straßen mit dem gleichen Namen “Uniring” gibt. Somit löse eine Umbenennung dieses Teilstücks “eine blöde Situation.”

“Was hier vorgeschlagen wird, ist viel zu klein”, sagte Olaf Schöder (FDP), der ein neues Denkmal für Amo vorschlug. Zudem seien Privatausgaben ein “schutzwürdiges Gut”, er nehme die Einsprüche der Bewohner (Entstehende Kosten) ernst und sei dagegen, “per Direktive auf Privatleute zuzugreifen.” Die Uni selbst hat sich schon Gedanken zu einem Denkmal gemacht, ein erster Antrag sei aber durch die Kulturstiftung abgelehnt worden. 

“Wenn man eine Umfrage in der Stadtbevölkerung macht, wird sich das Interesse in Grenzen halten”, sagte Ulrike Wünscher (CDU). “Nicht vorhandenes Interesse liegt an nicht vorhandenem Wissen”, sagte Professor Paul, der berichtete, dass die Uni selbst sich auch intern Gedanken macht, eigenen Gebäuden Zusatznamen zu geben. 

Umbenennungen bestehender Straßen sind in den vergangenen Jahren immer wieder vorgekommen. Beispielhaft sind die Willy-Brand-Straße, die Heinrich-Pera-Straße und der Hans-Dietrich-Genscher-Platz. Darauf verwies die Linken-Stadträtin Katja Müller. Alle im Rat vertretenen Fraktionen seien schon mit eigenen Vorschlägen aufgeschlagen, weshalb sie sich nun wundert, warum von Seiten der CDU nun eine Satzungsdebatte aufgemacht wird.

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48 Antworten

  1. Malte sagt:

    Es wird ja ein Einfaches sein, seitens der Stadt den von der Umbenennung betroffenen Bürgern zumindest die neuen Personalausweise und Pässe zu bezahlen. Außerdem kommen noch Adressänderungen in Führerscheinen und Fahrzeugbriefen hinzu…

    • Malteser sagt:

      Wenn in deinem Pass deine Adresse steht, dann bist du einer Fälschung aufgesessen. Wahrscheinlich war er deshalb so günstig? Ist die Adressänderung und deren Kosten wirklich deine größte Sorge?

  2. 10010110 sagt:

    ‚Nicht vorhandenes Interesse liegt an nicht vorhandenem Wissen‘, sagte Professor Paul

    Ich weiß von Amo und seinen Tätigkeiten, habe aber trotzdem kein Interesse. Es ist ziemlich anmaßend vom Herrn Professor, für andere Leute zu sprechen.

    Umbenennungen bestehender Straßen sind in den vergangenen Jahren immer wieder vorgekommen. Beispielhaft sind die Willy-Brand-Straße, die Heinrich-Pera-Straße und der Hans-Dietrich-Genscher-Platz.

    Und schon das waren Scheißideen; man muss Fehler nicht noch hundert Mal machen. 🙄

    Andererseits könnte man, wenn man schon Straßen umbenennt, solche Straßen nehmen, die zu DDR-Zeiten wahllos nach irgendwelchen unbedeutenden Kommunisten oder nach Leuten benannt wurden, die mit Halle nix zu tun haben; beispielhaft wären da die Ernst-Kamieth-, die Martha-Brautzsch- oder die Rudolf-Breitscheid-Straße. Auch der nördliche Teil der August-Bebel-Straße oder ein Teil der Karl-Liebknecht-Straße würden sich dafür eignen. Der altehrwürdige Uniring ist die falsche Adresse für sowas.

  3. winter sagt:

    Warum wieder so ein Mist warum kann es nicht bei Uniring bleiben warum fragt nicht die Bewohner aber da hat wieder einer am Schreibtisch lange Weile und kommt auf so einen Blödsinn.

    • Hallenser sagt:

      Bleibt ja. Blöd, wenn man keine Ahnung hat um welchen Teil der Straße geht.

    • Na? sagt:

      Einfach engagieren, wenn dir das so wichtig ist. Ist ja noch nichts passiert. Hat beim Bürgerentscheid auch geklappt, wenn auch erst auf den letzten Drücker.

      Oder bist du etwa gar kein Bürger Halles??!

      • Larry Winter sagt:

        Ich bin schon deshalb kein Bürger, weil ich überhaupt kein Bürgergeld überwiesen bekomme. Daran erkennt man es doch.

  4. interessant sagt:

    „…die Gesellschaft könne stolz darauf sein, dass der erste Schwarzafrikaner in ganz Europa in Halle studiert hat.“

    Davon mal abgesehen, dass diese Formulierung missverständlich ist (sollte einem Uni-Prof. nicht passieren), stellt sich nun die Frage, welche Gesellschaft denn gemeint sein könnte. Die heutige hat keinen Anteil daran, dass Herr Amo in früheren Zeiten hier studieren durfte. Die damalige liegt kollektiv unterm Rasen und stolz kann man nur auf persönliche Leistungen und Taten sein. Von vorn bis hinten also ein ziemlicher Quarksatz.

    • lachhaft sagt:

      Ja, das ist wirklich interessant.

      Wenn jemand nach dem Spiel Brasilien-Deutschland sagt: „Wir haben 7:1 gegen Brasilien gewonnen!“ dann dauert es keine 3 Sekunden, dass jemand antwortet „WIR??? Höhö.. warst du auch dabei… höhö…!“

      Aber bei so einer Sache von vor ein paar hundert Jahren, wo niemand weiss, wie und warum er überhaupt in Halle studiert hat, ob das unterstützt wurde, etc. da sollen WIR dann stolz sein!

      Zum schießen!

  5. Neustädter sagt:

    Eine andere Straße umzubennen, wäre besser. Aber nun sollte die Stadt alle jene, die dadurch finanzielle Nachteile haben, wie z.B. Änderungen in Dokumenten etc. die Kosten dafür erstatten. Ansonsten denke ich wird es Klagen gegen das Verfahren geben und die Betroffenen werden sich über die Gerichte die Kosten erstreiten. Warum muss man in Halle immer über die Köpfe der Bürgerinnen und Bürger hinweg entscheiden?

  6. Straße der Kosmonauten sagt:

    Rot/Grüne Erfindung.Kennt keiner.

  7. Jim Knopf sagt:

    Die Genossen ziehen Das durch .

  8. Lichterfee sagt:

    Das war schon lange überfällig. Die Geschichte von Amo ist ziemlich einmalig. Als Zeitgenosse von Händel gebührt ihm diese Ehre m.E. auf jeden Fall. Seine Geschichte findet sich bei Wikipedia.

    • 10010110 sagt:

      Dann müsstest du jeden anderen Zeitzeugen von Händel und jeden anderen, der mal an der Universität studiert und gelehrt hat, ebenso ehren. Wieso also Amo? Weil er die Leistung vollbracht hat, Schwarzafrikaner zu sein und verschleppt zu werden?

  9. Freund M. sagt:

    Im Grunde genommen muss man sagen, dass die DDR nun endlich zurück ist. Hat ganz schön lange gedauert, bis es dazu kam.

    • Personenkult, nein danke! sagt:

      Dieser Personenkult nimmt wirklich extreme Ausmaße an und man muss ganz sachlich feststellen:

      Es geht zu 100% von den Linken aus, genau wie damals in der DDR.

      • tja... sagt:

        Du wirst wohl oder übel an den Kulthandlungen in der abgelegenen Straße teilnehmen müssen.

        Genau wie damals in der DDR (die du offenbar nicht mehr erlebt hast).

  10. Kaiser Wilhelm Universität Halle sagt:

    Wenn die Uni Amo angemessen ehren wollte , sollte sie sich umbenennen u. sich den Namen Anton-Wilhelm-Amo-Universität geben.
    Der Antisemit Luther, der eben wegen seiner antisemitischen Einlassungen zur Nazizeit der Namensgeber der Uni Halle wurde , ist schon lange nicht mehr zeitgemäß.

    • helfe gern sagt:

      Nun entscheidet aber die Stadt über die Umbenennung eines kleinen Stücks Straße, dass Auswärtige und selbst manch Einheimische nur schwer gefunden haben. Was die Universität macht, hat damit wenig zu tun. Nein, die Uni ist keine städtische Einrichtung.

    • 10010110 sagt:

      Die Universität war vor Luther übrigens nach Friedrich benannt, nicht nach Wilhelm. 😉

  11. Robert sagt:

    Was hat Amo denn so geleistet, dass eine Straße nach ihm benannt werden soll ?

  12. Stadtratsbeobacher sagt:

    Es gibt einen Beschluss von RRG+, dass bei der Benennung von Straßen und Plätzen Frauen besonders zu bevorzugen seien, und die letzten Namen wurden wieder mit Männern vergeben.

  13. iro sagt:

    „Warum aber Strasse und nicht Ring, wie alle Strassen an der ehem. Stadtmauer?
    Will man damit brechen? Warum?“

    Damit man die Vergangenheit endlich hinter sich lassen kann, da war nämlich alles pöhse.

    • Könntdochsein sagt:

      Oder, und jetzt festhalten, es geht gar nicht um die Straße an der ehemealigen Stadtmauer.

      • quaaak sagt:

        Überschrift lesen!

        • Hast ja recht sagt:

          Da steht laut und deutlich:

          „Der gesamte Uniring, insbesondere der Teil, der dem Verlauf der Stadtmauer entspricht, soll umbenannt werden; nicht etwa der Teil, der vom Ring abzweigt, den auswärtige Interntettrolle nicht kennen, obwohl man das auch im Internet erfahren könnte, wenn man schon nicht den Antrag im Stadtrat liest, um den es geht“