„Rote Liste“: Schlachthof, Kaffeegarten und Steinmühle sollen aufgenommen werden

schlachthof

Die „rote Liste bedrohter Baudenkmäler“ ist gewissermaßen eine „Liste der Schande“, denn viele Baudenkmäler in Halle verfallen. Immerhin, einiges hat sich getan. So können elf Denkmäler von der Liste gestrichen werden. Sie sind entweder saniert oder die Sanierung ist angelaufen.

Zu den ist trotzdem noch viel. Und aus diesem Grund wächst die Liste wieder, neun Gebäude werden aufgenommen. Grünen-Stadtrat Christian Feigl lobte die Liste, er sehe eine Trendwende im Umgang mit der Baugeschichte, der Beschluss sei ein „Bekenntnis der Stadt Halle zu ihren Denkmälern“, sagte er. Allerdings sollte die Liste nicht verwässert werden. Immerhin sollen auch Peißnitzhaus und Moritzkirche in die Liste aufgenommen haben. „Sie sind im Bestand nicht bedroht“, sagte Feigl, es gebe Eigentümer und Maßnahmen zur Sanierung laufen. Aus diesem Grund wollte er beide Objekte von der Liste streichen lassen, fand dafür aber keine Mehrheit im Planungsausschuss. Zuvor hatte Baudezernent Uwe Stäglin dafür geworben, beide Objekte auf der Liste zu behalten. Die Auflistung könne ein Impuls für die Einwerbung von Fördermitteln sein.

Sofern der Stadtrat zustimmt, werden also auch Peißnitzhaus und Moritzkirche in die Liste aufgenommen. Doch auch Objekte, um die es wesentlich schlimmer steht, will die Stadt in Liste aufnehmen lassen. Dazu gehört die Steinmühle an der Ziegelwiese, eine ehemalige Öl- und Getreidemühle, die bereits vor 800 Jahren erstmals erwähnt wurde, die Gebäude stammen aus dem 18. Jahrhundert. „Eine zeitnahe Umsetzung von Sicherungs- und
Sanierungsmaßnahmen an dem Objekt ist von immenser Wichtigkeit“, erklärt die Stadtverwaltung.

Desolat ist auch der Zustand eines Eckhauses in der Blumenstraße. Zahlreiche Zwischendecken sind eingestürzt, es bestehe laut Stadt „akuter Handlungsbedarf“. Weil es aber nun einen neuen Eigentümer gibt, besteht Hoffnung. Das Gebäude wurde 1881/82 als Wohnhaus für den Stadtbaurat Otto Carl Lohausen errichtet, der die gründerzeitlichen Stadterweiterungen maßgeblich gestaltet hat.

Aufgenommen werden soll zudem die Lehmannsche Villa in der Burgstraße. Das Gebäude gehörte einst der Bankiersfamilie Lehmann, die es 1931 wegen der Weltwirtschaftskrise an die Stadt verkauft. Seit 2006 hat das Gebäude einen privaten Eigentümer, der aber außer kleineren Sanierungsmaßnahmen noch nicht viel gemacht hat.

Das alte Polizeipräsidium am Hallmarkt soll ebenfalls auf die Liste. Denn seit dem Verkauf an Privat steht das Gebäude leer, verfällt zusehends. „Durch seine kraftvolle Kubatur und baukünstlerische Gestaltung bildet es zugleich einen markanten baulichen Abschluss des südlichen Platzbereiches“, hebt die Stadt die Bedeutung hervor. „Vor dem Hintergrund der herausragenden architektonischen und städtebaulichen Bedeutung des ehemaligen Polizeipräsidiums besteht hier besonderer Handlungsbedarf im Sinne einer nachhaltigen Instandsetzung und Nutzung.“

Der von 1888 bis 1893 errichtete Schlachthof in der Freiimfelder Straße soll nach Wunsch der Stadt ebenfalls auf die Liste kommen. In den zwei Jahrzehnten Leerstand haben Vandalismus und Brandstiftungen ihre Spuren hinterlassen. „Unabhängig davon sind die noch erhaltenen Teile des Schlachthofs samt weithin erkennbarem Wasserturm nach wie vor von besonderer Bedeutung“, so die Stadt. „Sie zeugen eindrucksvoll vom Wachstum der Stadt Halle in der Zeit der Industrialisierung und tragen wesentlich zum charakteristischen Erscheinungsbild des halleschen Ostens bei.“

Ein prächtiges Baudenkmal steht in der Großen Märkerstraße. Es verfügt über ein Sitznischenportal in Renaissanceformen, hat eine barocke Stuckdecke sowie einen romanischen Kellerraum. Anfang der 90er wurde das Haus zwar saniert und zwischenzeitlich als Hotel genutzt, steht aber nun seit 20 Jahren leer. „Zwar konnten durch eine Sanierung der Gebäudehülle sowie durch statisch-konstruktive Notsicherungsmaßnahmen unmittelbare Gefahren abgewendet werden; der leerstandsbedingte erhebliche Sanierungsrückstau im Gebäudeinneren erfordert jedoch zeitnahes Handeln, um dieses Kleinod der frühen halleschen Stadtgeschichte in seinem kulturellkünstlerischen Zeugniswert für die Zukunft zu bewahren“, macht die Stadt klar.

Auf die Rote Liste soll auch der Trothaer Kaffeegarten unweit der Saale. „Im Interesse einer langfristigen Bewahrung dieses insbesondere für den Stadtteil Trotha so bedeutsamen Objekts kommt es jedoch vor allem darauf an, eine sinnvolle Nutzungsperspektive sowohl für das Hauptgebäude als auch für den im späten 19. Jh. entstandenen Saalbau zu entwickeln.“

Von der alten Liste gerettet werden konnten das Solbad Wittekind, das Intecta-Kaufhaus in der Großen Ulrichstraße, die historischen Gebäude in der Mittelstraße, das Wohn- und Geschäftshaus in der Talamtstraße 9 sowie die beiden nebeneinander stehenden Häuser Graseweg 1 und Große Klausstraße 3, in denen Wohnungen und gastronomische Einrichtungen entstanden sind.

Bei etlichen Gebäudekomplexen auf der roten Liste ist auch noch so gut wie nichts passiert. So stehen das Fachwerkhaus Am Leipziger Turm 3, die Böllberger Mühle, die alte Brauerei im Böllberger Weg, die Freyberg-Brauerei in der Glauchaer Straße, die Häuser Brüderstraße 5,7 und 9, das einst prächtige Wohnhaus in der Großen Märkerstraße 5, die Poliklinik Mitte in der Kleinen Klausstraße, der Kühle Brunnen, die Mansfelder Straße 58 und 59 sowie die Mittelstraße 21 weiterhin auf der Liste. Auch die Schwemme-Brauerei ist weiterhin auf der Roten Liste vermerkt. Hier kümmert sich aber mittlerweile ein Verein um die Instandsetzung.

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