Stura der Uni Halle kritisiert Feuerzangenbowlen-Film als problematisch


Jetzt ist der Weihnachtszeit gehört für viele auch der Film „Die Feuerzangenbowle“ mit Heinz Rühmann dazu. Auch das UNIKINO zeigt den Streifen am Mittwochabend um 21 Uhr. Um prompt weist der Studierendenrat auf „problematische Aspekte des Filmes und auch der Vorführung“ hin.

Es beginne bereits mit der Entstehungsgeschichte an. „Der Film wurde 1943 produziert und kam 1944 raus, also in der Hochphase des nationalsozialistischen „totalen Krieges“. Allein das macht eine Reflexion des Filmes schon dringend, denn die Unterhaltungsindustrie war während des NS-Regimes komplett unter staatlicher Kontrolle und jede*r Filmschaffende*r brauchte eine Freigabe der Führung, die Feuerzangenbowle erhielt ihre wohl von Adolf Hitler persönlich“, heißt es in einer Erklärung des Stura. Zudem entspreche der Film auch inhaltlich der Stoßrichtung der NS-Propaganda. Filme sollten in der Endphase des Kriegs „auf Durchhalteparolen und harmlose, idyllische und vermeintlich unpolitische Filme“ setzen, „die Erholung an der „Heimatfront“ suggerieren sollten.“ Dies finde sich auch in der „Feuerzangenbowle“, „die völlig aus dem Geschehnissen herausgehoben ist und in einer gar nicht zu bestimmenden Zeit spielt: Neuere Autos treffen hier auf kaiserliche Uniformen. Klar ist dabei nur, dass jeder direkte Bezug zu der katastrophalen realen Situation vermieden werden soll, um möglichst unbeschwert und bieder daher zu kommen.“

Es finde sich im Film aber laut Stura auch NS-Ideologie, „zum Beispiel in der Figur des Oberlehrers Dr. Brett, der im Film erläutert: „Junge Bäume, die wachsen wollen, muss man anbinden, dass sie schön gerade wachsen – nicht nach allen Seiten ausschlagen. Und genau so ist das mit den jungen Menschen: Disziplin muss das Band sein, das sie bindet, zu schönem, geraden Wachstum.“ , womit er mit biologistischer Reduktion die brutale Zurichtung durch die damalige Pädagogik lobt und damit im Film als respektierter Lehrer erfolgreich ist. Hier geht die gezeigte, angeblich zwanglose Schulzeit in gewöhnliche Propaganda über, wobei sich beide Elemente auseinander ergeben, denn aus dem Ersteren soll sich ja neue Energie für den Kampf und die Unterwerfung im NS ergeben“, meint man beim Stura. Ähnliches finde sich auch in den Abschlussworten des Protagonisten Johannes Pfeiffer: „Wahr sind nur die Erinnerungen, die wir in uns tragen, Träume, die wir spinnen und Sehnsüchte, die uns treiben. Damit wollen wir uns bescheiden machen.“ Hinter dieser eigentlich harmlos wirkenden Behauptung stecke die damals herrschende Verzichtsideologie, die von der Bevölkerung erwartete, sich für den Kampf für Volkstum, Rasse und Führer aufzuopfern, so der Stura. „Die fröhliche „Feuerzangenbowle“ soll den Deutschen also ermöglichen, sich gerne für die Vernichtung anderer Menschen im Zuge des Zweiten Weltkrieges und des Holocausts „bescheiden zu machen“. Dieser Verzicht ist aber nicht nur unsinnig und unterdrückerisch für die Ideolog*innen, sondern hat historisch vor allem dazu geführt, dass die NS-Vernichtung noch zwei Jahre weitergehen konnte. In diesen zwei Jahren wurde noch einmal Millionen von Menschen ermordet und ein Hauptteil der Verbrechen fand hier statt. Auch die Durchhalteparolen der „Feuerzangenbowle“ haben Deutsche dazu befähigt, weiter zu morden, die Kapitulation hinauszuzögern und das Elend zu verlängern.“

Deshalb könne man die historischen Umstände des Filmes nicht ignorieren. „Da wir nicht wollen können, dass irgendwelche Filme verboten werden, fordern wir deshalb eine kritische Auseinandersetzung, zum Beispiel durch eine Rahmung des Films und das Bewusstsein dafür, was der Film erreichen sollte und was er heute noch erreicht. Unabhängig von dem konkreten Anlass wäre auch zu diskutieren, warum dieser NS-Film gerade heute wieder so viele Menschen erreicht.“

Die Kritik sei „völlig überzogen“, erklärt der Ring Christlich-Demokratischer Studenten (RCDS). „Vor dem Hintergrund sich zunehmend radikalisierender, politischer Ränder hätte der Stura mit moderaterer Herangehensweise ein Zeichen setzen können.“ Eine Diskussion zum Film und der Nähe einzelner Darsteller zum Nationalsozialismus sei zwar sinnvoll. Doch werde zum Beispiel die Lehrer-Figur „von nahezu allen Studenten ausgepfiffen, was zeigt, dass sich die Studenten der Menschenfeindlichkeit der Aussagen des Lehrers bewusst sind“, so der RCDS. „Vorführungen der Feuerzangenbowle sind an vielen Unis Deutschlands ausverkauft, die Uni Münster widmet dem Film sogar eine ganze Woche. Das tun die Unis und ihre Studierendenschaften nicht, weil sie eine Ideologie vertreten.“ Der Film zeichne eine Sehnsucht nach, „die Sehnsucht nach Kindheit. Die Studenten wollen gemeinsam mit Hans Pfeiffer diese Sehnsucht nachfühlen, für einen Abend wieder Schüler sein und Papierflieger durch den Raum werfen.“ Weiter erklärt der RCDS: „Statt aus der Ferne eine seit Jahren ausverkaufte Aufführung niederzubrüllen, sollten die Mitglieder des Studierendenrates lieber an der Vorführung teilnehmen und sich selbst davon überzeugen, dass die Studenten mündig genug sind, sich menschenfeindlichen Ideologien zu widersetzen.“