Umwelthilfe schlägt im Dienstwagen-Check Alarm: Sachsen-Anhalts Fuhrpark gehört zu den dreckigsten in Deutschland – Grüne fordern Umdenken

Die Landesregierung von Sachsen-Anhalt gehört beim Klimaschutz im Verkehrssektor weiter zu den Schlusslichtern in Deutschland. Das belegt der 19. Dienstwagen-Check der Deutschen Umwelthilfe (DUH), der jährlich den CO₂-Ausstoß der Dienstfahrzeuge von Spitzenpolitikerinnen und -politikern auf Bundes- und Landesebene untersucht. Das Ergebnis für Sachsen-Anhalt ist ernüchternd: Mit einem durchschnittlichen CO₂-Ausstoß von 188 Gramm pro Kilometer liegt das Land auf Platz 15 von 16 – lediglich Mecklenburg-Vorpommern schneidet mit 190 Gramm schlechter ab.

Wenig Fortschritt, viel Stillstand

Der EU-Flottengrenzwert für neu zugelassene Fahrzeuge liegt bei 93,6 Gramm CO₂ pro Kilometer. In Sachsen-Anhalt wird dieser Wert mehr als verdoppelt. Während andere Bundesländer erste Fortschritte bei der Umstellung ihrer Fahrzeugflotten verzeichnen, bleibt Sachsen-Anhalt damit nicht nur hinter den Zielen des Bundes-Klimaschutzgesetzes zurück – sondern setzt ein verheerendes Zeichen, wie wenig ernst offenbar Klimaschutz im politischen Alltag genommen wird.

Auch ein Blick auf den Fahrzeugmix zeigt, dass Sachsen-Anhalt der Entwicklung hin zu einer klimaverträglicheren Mobilität kaum folgt. Nur ein geringer Teil der Fahrzeuge ist batterieelektrisch. Der überwiegende Teil der Dienstwagen nutzt weiterhin Verbrennungsmotoren oder ineffiziente Plug-in-Hybride – mit entsprechend hohem realem CO₂-Ausstoß.

Willingmanns Umweltministerium fällt besonders negativ auf

Besonders ins Gewicht fällt dabei das Umweltministerium Sachsen-Anhalts. Laut DUH fährt Umweltminister Armin Willingmann (SPD) einen Dienstwagen mit einem CO₂-Ausstoß von 205 Gramm pro Kilometer – einer der schlechtesten Werte aller befragten Umweltministerinnen und -minister bundesweit. Statt als Vorbild voranzugehen, reiht sich das Ministerium damit in die Liste der größten klimapolitischen Versäumnisse ein.

Im Vergleich: Der umweltfreundlichste Dienstwagen eines Umweltministers kommt aus Hamburg (Umweltsenator Jens Kerstan, 59 g/km), während Bremens Umweltsenatorin Kathrin Moosdorf und Hamburgs Verkehrssenator Anjes Tjarks sogar vollständig auf einen Dienstwagen verzichten – zugunsten des Fahrrads oder des ÖPNV.

Grüne: Landesregierung betreibt „klimapolitische Bräsigkeit“

Für die Grünen in Sachsen-Anhalt ist das Ergebnis ein Offenbarungseid. Dennis Helmich, Landesvorsitzender der Partei, kritisiert die Landesregierung scharf:

„Die Ergebnisse sind Ausdruck der klima- und umweltpolitischen Bräsigkeit dieser Landesregierung. Wenn die Landesregierung Klimaschutz ernst nehmen würde, müsste sie Vorbild sein – auch beim Fuhrpark.“

Besonders kritisch sehen die Grünen auch die Abschaffung der Preisobergrenzen für Dienstwagen in Sachsen-Anhalt. Diese habe Tür und Tor geöffnet für teure und klimaschädliche Fahrzeuge auf Staatskosten. Helmich weiter: „In Zeiten, in denen jeder Euro für den Klimaschutz zählt, ist dieses Vorgehen unverantwortlich.“ Die Grünen fordern daher ein sofortiges Umdenken: Klimafreundliche Mobilität müsse künftig oberste Priorität haben – auch bei der Auswahl der Dienstfahrzeuge.

Deutschlandweite Bilanz: Klimaschutz im Verkehr bleibt mangelhaft

Auch bundesweit zeigt sich ein ernüchterndes Bild. Insgesamt erhalten 63 Prozent aller bewerteten Dienstwagen auf Bundes- und Landesebene eine rote Karte von der DUH. Nur 87 der insgesamt 238 untersuchten Fahrzeuge sind rein batterieelektrisch und bekommen eine grüne Karte. Zwar stieg der Anteil der E-Autos auf Bundesebene leicht von 50 auf 57 Prozent, doch der Fortschritt bleibt insgesamt schleppend – insbesondere in den Ländern.

Besorgniserregend: Selbst im Bundeskabinett erhalten sieben von elf Ministerinnen und Ministern eine rote Karte – darunter auch Verkehrsminister Volker Schnieder, dessen Plug-in-Hybrid laut DUH besonders schlecht abschneidet. Der einzige Lichtblick auf Bundesebene ist Umweltminister Carsten Schneider, der mit seinem Elektrofahrzeug (62 g/km) den niedrigsten CO₂-Ausstoß verzeichnet.

Der Benziner vom bayerischen Ministerpräsidenten Söder stößt mit 292 Gramm pro gefahrenem Kilometer am meisten CO2 aus. Demgegenüber steht der einzige Elektrowagen von Baden-Württembergs Ministerpräsidenten Kretschmann, der nur 70 Gramm ausstößt

Parteienvergleich: Nur die Grünen unter dem Grenzwert

Im direkten Parteienvergleich schneiden ausschließlich die Grünen akzeptabel ab: Mit durchschnittlich 85 Gramm CO₂ pro Kilometer liegen ihre Fahrzeuge unter dem EU-Grenzwert. Die SPD kommt auf 151 Gramm, die CDU/CSU sogar auf 160 Gramm – beide erhalten dafür eine rote Karte. Auch dies unterstreicht die Kritik der DUH: Während sich einige Parteien dem Umbau des Verkehrssektors stellen, setzen andere weiterhin auf klimaschädliche Statussymbole.

Mobilitätswende bleibt Zukunftsmusik

Die DUH bewertet nicht nur die Art des Antriebs, sondern auch die Effizienz der Elektrofahrzeuge, die stark schwankt – zwischen 14,5 und 24 kWh pro 100 Kilometer. Hintergrund: Auch bei Elektroautos entstehen Emissionen – abhängig vom Strommix. Im Jahr 2024 betrug der CO₂-Ausstoß des deutschen Strommixes 314 Gramm pro kWh. Die DUH kündigte daher an, künftig verstärkt auch die Effizienz von Elektrofahrzeugen zu überprüfen.

Fazit: Symbolpolitik reicht nicht aus

Das Gesamtergebnis zeigt: Deutschland ist von einer klimafreundlichen Dienstwagenflotte weit entfernt. Und Sachsen-Anhalt trägt mit seinem hohen Durchschnittsausstoß, geringen Anteil an E-Fahrzeugen und der politischen Rückendeckung für klimaschädliche Fahrzeuge dazu bei, dass die Mobilitätswende weiter auf sich warten lässt.

Die Grünen fordern jetzt klare Konsequenzen. Dennis Helmich bringt es auf den Punkt:

„Wer Verantwortung für Klima und Umwelt trägt, darf nicht mit Boliden unterwegs sein, die unserem Ziel der CO₂-Reduktion direkt entgegenwirken.“

Hintergrund: Der Dienstwagen-Check der DUH

Der jährliche Dienstwagen-Check der Deutschen Umwelthilfe basiert auf den Emissionsdaten von Fahrzeugen, die nach dem WLTP-Standard (Worldwide Harmonised Light-Duty Vehicles Test Procedure) ermittelt werden. Bei Plug-in-Hybriden verwendet die DUH einen korrigierten Faktor, da diese Fahrzeuge im Alltag häufig überwiegend im Verbrennermodus gefahren werden. Für Elektro- und Hybridfahrzeuge wird der CO₂-Gehalt des deutschen Strommixes berücksichtigt. Die aktuelle Erhebung basiert auf Daten aus dem Zeitraum Januar bis Juni 2025. Fahrzeuge von Bundeskanzler, Vizekanzler, Verteidigungsminister sowie weiteren sicherheitsrelevanten Ämtern wurden wegen ihrer Sonderausstattung nicht in die Hauptwertung einbezogen.

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51 Antworten

  1. Wennemann sagt:

    CO2 wird in der Überschrift als“Dreck“ bezeichnet. Ein Spurengas, das Grundlage des Lebens auf der Erde ist. Da erübrigt sich das Weiterlesen.

    • NiceM sagt:

      Zumal der CO2 Abrdruck mit Sicherheit nicht besser ist wenn man ein extra Neues Auto baut nur damit die Werte etwas besser sind. Das alte Auto wird ja nicht recycelt sondern darf kostengünstig erworben und weiter gefahren werden. Alles nur Lug und Trug mit dem Business Modell Klima eben.

      • MiceN sagt:

        Was glaubst du denn, wie alt der Fuhrpark der Landesregierung ist? Fahren die ihre Autos 20 Jahre lang?

    • Dann hast Du auch sicher kein Problem damit, in einem geschlossenen Raum mit nur wenig mehr als 3% CO2 eine gewisse Zeit zu verbringen. Da kannst Du Dich richtig erholen, mit diesem Spurengas, das Grundlage des Lebens auf der Erde ist.
      Falls nicht, erübrigt sich das Weiterlesen.

    • Thomas sagt:

      @Wennemann: Genaugenommen wird der Fuhrpark als dreckig bezeichnet. Es geht beim Klimawandel nicht darum CO2 auf diesem Planeten zu eliminieren, sondern darum dass zuviel davon in der Atmosphäre ist.

  2. Klarblick sagt:

    Etwas Dreck immer gut, um Allergie zu vermeiden.

    Merkt euch das endlich, ihr verbohrten Umweltheinis.

    • : sagt:

      Deswegen gibt es immer mehr Menschen mit Allergie selbst bei älteren 🤦

    • Thomas sagt:

      @Klarblick: Um im Bild zu bleiben: „etwas“. Das Problem ist jedoch, dass zuviel CO2 in der Atmosphäre ist. Die Auswirkungen des Klimawandels lassen sich klar erkennen

    • Weniger Klaren trinken sagt:

      Deshalb haben Stadtbewohner weniger Allergien als Landbewohner, weil der Autodreck Allergien vorbeugt.
      Oder etwa nicht?

  3. Johann sagt:

    Politiker müssen eben in sicheren Fahrzeugen fahren. Die DUH ist wirklich ein nerviger Verein, der uns Geld und Nerven kostet. Die sollen sich mal in afrikanischen und asiatischen Ländern umsehen, was da an abertausenden von alten, dreckigen Lastwagen und Autos fährt. Die modernen Dienstwagen der Politiker sind dagegen völlig unerheblich. Die DUH ist wirklich nicht allgemeinnützig.

    • Wien 3000 sagt:

      Nicht alle Politiker brauchen und haben gepanzerte Fahrzeuge und fahren daher auch mal mit einem normalen ungepanzerten Fahrzeug. Übrigens, Autos mit höherem CO2-Ausstoß sind i.d.R, auch größer und damit auch teurer.

    • @Johann sagt:

      „Die sollen sich mal in afrikanischen und asiatischen Ländern umsehen..“
      Naja klar!
      DUH-Deutsche Umwelthilfe
      Merkste selber!

    • Thomas sagt:

      @Johann:
      Nicht falsch und auch nicht erfreulich. Gleichwohl ist der CO2-Ausstoß in Industrieländern deutlich höher als in nicht-industrialisierten Ländern. Es ist auch sehr unpräzise in dem Zusammenahng von „afrikanischen und asiatischen Ländern“ zu sprechen. Zielführender ist es den gesamten CO2-Ausstoß nach Ländern zu betrachten bzw. direkt auf den Pro-Kopf-CO2-Ausstoß zu schauen (https://de.statista.com/statistik/daten/studie/167877/umfrage/co-emissionen-nach-laendern-je-einwohner/). Bei letzterem steht übrigens Katar an der Spitze, gefolgt von den VAE und Saudi-Arabien (vermutlich sind das nicht die Länder, an die Sie bei „dreckigen Lastwagen“ gedacht haben).

      Aber Ihr Einwand läuft am Ende darauf hinaus, dass man hier in Deutschland keinen Klimaschutz betreiben müsse, weil letzlich keine Maßnahme der ganz große Wurf sei. Damit lässt sich dann z.B. gegen ein Tempolimit auf Autobahnen argumentieren, gegen die Anschaffung klimaneutraler Dienstwagen und letztlich gegen jede Maßname, die zur Klimaneutralität führen soll.

  4. Huch sagt:

    Ja, warum sollten Politiker auch mit guten Beispiel voran gehen … *Ironie off*

    • Studioso sagt:

      Machen sie doch,Stichwort Nachhaltigkeit,alle 3 Jahre ein neues Ato zu kaufen ist gewiss nicht nachhaltig.

  5. Maxim sagt:

    Es wird Zeit das auch diese Institution genau unter die Lupe genommen wird. Mit Steuergeldern gefördert, verklagt sie Bund, Länder und Behörden,Firmen und andere. Zeit diesem ein Ende zu setzen.

    • Es wird Zeit, dass Maxim genau unter die Lupe genommen wird. Allerdings verweigert er sich bisher der Installation einer Videoüberwachung, obwohl er nach eigenen Angaben „Nichts zu verbergen hat“. Na, wer das glaubt….

    • Thomas sagt:

      @Maxim: In einem Rechtsstaat steht Vereinen ein Klagerecht zu (und nicht nur diesen). Und das ist auch gut so (ich vermute ihre Phantasie besteht darin, in einem autoritären Staat leben zu wollen, ohne lästige zivilgesellschaftliche Akteure – das will die Mehrheit in diesem Land zum Glück nicht).

      Im Übrigen machen projektbezogene öffentliche Mittel, laut den Angaben auf wikipedia, gerade mal 20 % der Finanzierung des Vereins aus. Projektbezogen heißt im Übrigen, dass der Verein öffentliche Mittel für die Bereitstellung bestimmter, klar definierter Leistungen erhält (z.B. ein Bildungsprojekt o.Ä.) – kurz: der Staat ist kein Fördermitglied der Deutschen Umwelthilfe wie Sie es suggerieren.

  6. B.S. sagt:

    Vor allen die Grünen fordern, Wasser predigen und Wein saufen. 😂

  7. schlauer 🦊 sagt:

    Die Umwelthilfe ist eine NGO.

    Einfach die Steuergelder streichen, dann produzieren sie kein CO2 mehr und a Ruah ist. 👍

  8. Halunke sagt:

    Wasser predigen und Wein saufen. Wer hat was anderes erwartet???

  9. Clown sagt:

    Das sind Klapsmänner.

  10. Robert sagt:

    Das interessiert doch jetzt nicht mehr den Aussteiger Haseloff .

  11. Zapp sagt:

    Soso. Wieder was gelernt. 👍

    Umweltverschmutzung besteht nicht aus Plastitktüten, Altbatterien und alten Leuchtmitteln sondern nur aus CO2. 🥴

  12. Achnee sagt:

    Interessant… Sobald etwas von „Klima“ und „Umwelt“ und „Grüne“ in der Überschrift steht, geifern die Kommentatoren rum und verteidigen plötzlich die Regierung. Die Regierung, die sie sonst beschimpfen…. Da geht’s wohl so gar nicht um Inhalte, was? Hauptsache drauf – ohne vorher nachzudenken. Topp!!

  13. Hagedorn sagt:

    Die Wirtschaft geht am Stock,der Staat kolabiert aber es ist wichtig dass Geld für neue Dienstwagen ausgegeben wird,nur noch Irre.

  14. : sagt:

    Wenn man es nicht bezahlt ist man selbst immer der nächste. Und man muss schließlich die Autoindustrie retten.

  15. T.D. sagt:

    Wer gibt der DUH endlich die rote Karte , ein völlig sinnfreier Verein , man hat das Gefühl die haben sich nur zum stänkern gegründet und um von Steuergeldern gut leben zu können .
    Der Umwelt helfen sie so nicht, im Gegenteil mit ihrer Art des aufzeigens von Problemen wenden sich viele Menschen erst recht davon ab.

    • Thomas sagt:

      @T.D.: Wie plausibel es ist, davon auszugehen, dass sich der Großteil der Menschen der Klimawandelproblematik von sich aus zuwendet, lässt sich anhand vieler Kommentare hier in den Kommentaren ablesen. Hätte es diesen Dienstwagen-Check nicht gegeben, wüssten Sie davon überhaupt nichts.

      Als ob Sie sich vorher ernsthaft für die Bekämpfung des Klimawandels eingesetzt hätten. Allein Ihre Formulierung („wenden sich viele Menschen erst recht davon ab“) offenbart, dass viele Menschen gegenüber der Klimawandelproblematik auch vorher nicht sonderlich zugeneigt waren – und genau das möchte die Deutsche Umwelthilfe ändern.

  16. smo78 sagt:

    Stadtstaaten mit Flächenstaaten zu vergleichen ist ein Vergleich wie Zitrone mit Melone! Sinnlos… Aber dennoch sollte auch in den Ministerien ein Umdenken stattfinden -> weniger ist mehr!

  17. Steuerzahler sagt:

    Solange die Stadt Halle bei Anschaffungen für den städtischen Fuhrpark, wie zum Beispiel für die „Task Force Müll“, ((eine Erfindung von Herrn Geier (SPD)), einen Dieselwagen anschafft, anstatt einen elektrischen Transporter, kann das alles nicht wirklich ernst genommen werden, mit der Elektromobilität.

  18. Anna sagt:

    Ich meine alle vom Staat finanzierten ,unterstützten Vereine ,wie BUND ,DUH und die vielen Anderen sollten die Füße still halten .Ansonsten geht alle in die Pflege ,da ist Bedarf da aber nicht auf der suche nach Hamstern Kröten und Ä …

    • : sagt:

      Genau! Einheitliche Meinung, zentral gesteuert – wie damals in der DDR. Alle Institutionen schön gleichgeschaltet, damit nur noch die Regierung vorgibt, was gedacht und gesagt werden darf. Demokratie? Braucht Ostdeutschland nicht – ist ja eh nur lästig.

    • Ich meine, alle, die unter dem Namen „Anna“ hier Schwachsinn schreiben, sollten die Füße (bzw. die Tastatur) still halten.

      Und nun?